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Blu-Ray: Ein Medium für Bibliotheken?

Mit Paramount und Universal unterstützen nur noch zwei große Filmstudios den HD-DVD-Standard. Es gibt Gerüchte, dass diese Studios ebenfalls auf Blu-Ray umschwenken werden.
Damit gilt als wahrscheinlich, dass Blu-Ray der DVD-Nachfolger wird. Ist es nun an der Zeit, Filme in diesem Format in Bibliotheken anzubieten? Die zu erwartende bessere Verbreitung von Abspielgeräten (unter anderem der Playstation 3 mit einem integrierten Blu-Ray-Laufwerk) spricht dafür. Es gibt aber auch Gegenargumente: die neuen Scheiben sind deutlich teurer als DVDs. Außer einer verbesserten Bildqualität bringen sie aber wenige Vorteile. Die Möglichkeit etwa, mehrere Filme auf einer Blu-Ray-Disc zu speichern, wird von den Filmstudios kaum genutzt. Die bessere Bildqualität kommt aber nur auf einem modernen Fernseher zur Geltung, der die höhere Auflösung darstellen kann. Ein neues Abspielgerät ist ebenfalls nötig, da sich Blu-Rays weder auf DVD-Spielern noch auf Computerlaufwerken abspielen lassen.
Geeignete Fernseher sind in einigen Haushalten vorhanden, die meisten haben aber noch ältere Geräte. Blu-Ray-Laufwerke sind kaum verbreitet. Blu-Ray-Medien ließen sich also nur von einer kleinen Minderheit der Bibliothekskunden nutzen. Außerdem ist der Qualitätsunterschied zwischen DVD und Blu-Ray geringer als der zwischen Videokassette und DVD. Dazu kommen Probleme mit dem Kopierschutz, der so restriktiv gestaltet ist, dass auch die legale Nutzung be-einträchtigt werden kann.
Bei der Firma Toshiba gibt es inzwischen Versuche, hochauflösende Videos auch auf herkömmlichen DVDs abzuspeichern. Wegen des geänderten Formats ließen sie sich auf älteren DVD-Spielern nicht abspielen. Moderne Geräte und Computerlaufwerke könnten aber solche DVDs wiedergeben. Ob diese Variante tatsächlich Verwendung findet, ist offen.
Marktbeobachter und Branchenvertreter sind sich weitgehend einig, dass die Zukunft der Filme im Internet liegt. Sie gehen von einem Rückgang der Datenträger zugunsten einer rein digitalen Verbreitung aus, der bei Musik bereits begonnen hat. Die derzeit verfügbaren legalen Online-Film-Angebote können allerdings von Umfang und Qualität bisher noch nicht mit DVDs konkurrieren. Es bleibt abzuwarten, wie die Entwicklung in diesem Bereich weitergeht.
Einige aktuelle Meldungen zum Thema:
http://wdrblog.de/joergschieb/archives/2008/01/paramount_verse.html
http://dvdbiblog.wordpress.com/2008/01/09/paramount-fur-blu-ray/
http://dvdbiblog.wordpress.com/2008/01/10/universal-fur-blu-ray/
http://www.heise.de/newsticker/meldung/101997/

1 Kommentar

  1. Blu ray-Discs als Ausleihmedium sollte man erst dann in Bibliotheken anbieten, wenn die sog. „Haushaltsdurchdringung“ eine gewisse Dichte erreicht hat, also eine entsprechende Nachfrage vorhanden ist. Sonst zieht man nur unnötig Erwerbungsmittel für klassische DVDs ab, deren Marktangebot wesentlich differenzierter als bei Blu ray ist und die von fast dem gesamten Publikum genutzt werden können.

    Anders sieht es m.E. bei einem Präsenzangebot aus, wenn man große Displays zur Nutzung in der Bibliothek anbieten kann. Wenn möglich wollen wir in diesem Jahr unser 1-Personen-Kino „Black Box“, das eine 80″-Leinwand hat, mit einem Blue ray-Laufwerk ausrüsten und dafür einen kleinen Präsenzbestand in der Bibliothek anbieten.
    http://www.zlb.de/wissensgebiete/kunst_buehne_medien/videos/blackbox

    Noch ein Wort zum verlinkten Beitrag von Jörg Schieb:
    Die Verbreitung von Filmen per Web wird sich wohl nicht so rosig entwickeln, wie immer prognostiziert wird. Wer kauft denn teure Computer files, die er nur auf seinem PC ansehen kann und die die Festplatte verstopfen? Auch bei immer mehr Breitbandanschlüssen: Ohne „Download to burn“ auf DVD oder auch auf Blue ray wird das m.E. kein großes Geschäft werden. Die Käufer wollen ihre Filme beliebig oft und auf Plattformen ihrer Wahl ansehen.

    Peter Delin
    Zentral- und Landesbibliothek Berlin
    http://www.zlb.de/wissensgebiete/kunst_buehne_medien/videos/kontakt

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