Kommentare 0

Lernort Bibliothek – zwischen Wunsch und Wirklichkeit, Teil 20

Heute und übermorgen berichtet die Stadtbücherei Kamp-Lintfort ausführlich über ihre gemachten Erfahrungen im Rahmen des Projekts Lernort Bibliothek.

Online Angebote der Stadtbücherei Kamp-Lintfort (Teil A)
Auch die Stadtbücherei Kamp-Lintfort hat im Jahr 2010 begonnen, sich als Lernort der Zukunft mit Hilfe der Werkzeuge und Instrumente des Web 2.0 auszugestalten.
Nachdem das Team im ersten Modul des Fortbildungsblocks die verschiedenen Möglichkeiten des interaktiven Internets für die Bibliotheksarbeit erfahren hatte, entschied es, dass während der Laufzeit der Fortbildungsblöcke einige der Arbeits- und Marketinginstrumente ausprobiert werden sollten, um dann zum Jahresende zu entscheiden, welche Instrumente dauerhaft integriert werden können. Die Versuchsreihe gliederte sich in das Üben mit den Arbeitsinstrumenten zur Terminplanung, Aufgabenlisten, Adressen- und Newsverwaltung und zur Arbeitskoordination. Andererseits sollten ab dem Sommer die Marketinginstrumente zum Einsatz kommen.
Vorab muss kurz dargestellt werden, wie das Team der Stadtbücherei Kamp-Lintfort, in dem sich 2 Bibliothekarinnen, 3 Fachangestellte, 1 Büchereigehilfin, 1 Azubi und 1 bis 3 „Hilfskräfte aus Sonderprogrammen“ die 4,2 Personalstellen teilen, seine Arbeit organisiert. Bis dato wird mit Terminbuch, Jahresplaner sowie Magnettafel an der Flurwand des Bürotraktes und durch regelmäßige Dienst- und Mitarbeitergespräche der Arbeitsalltag organisiert. Die Stadtverwaltung Kamp-Lintfort koordiniert und kommuniziert im Intranet via Lotus Notes. Homepage und Veranstaltungskalender werden durch die städtische TUIV bereitgestellt, die Informationen darin von der Stadtbücherei selbst eingepflegt. Den Web-OPAC liefert das KRZN auf der Basis der eigenen Bibliothekssoftware, dem BBV. Außerdem gibt es mit LesART K.-L. einen aktiven Lese- und Förderverein mit einem großen Kreis von Freiwilligen als Vorlesern, Referenten, Flohmarkt-Organisatoren und einer eigenen Homepage. Weitere Kooperationspartner, mit denen die Kommunikation des Web 2.0 ausprobiert werden kann, könnten die aktiven Bildungspartner Schulen, Kindergärten und die Bibliotheken der Nachbarstädte Rheinberg, Neukirchen-Vluyn und Moers sein, mit denen die gemeinsame virtuelle Zweigstelle Wir4-Onleihe betrieben wird.

Hier nun unsere Erfahrungen:

1. Arbeitsinstrumente des Web 2.0: Aus dem Katalog der internen „Helferlein“ bei Terminplanung, Verwaltung von Internetadressen und -Nachrichten sowie der Arbeitsorganisation wurden „Google-Calendar“, doodle, RSS-feed, Bookmarking und „remember the milk“ erprobt und auf ihre Alltagstauglichkeit in einer kleine Stadtbücherei geprüft.

  • Google-Calendar: Begeistert waren die Kollegen von der Möglichkeit im gemeinsamen Google-Calendar die Urlaube und Dienstpläne zu führen, diesen zu Hause oder unterwegs öffnen zu können, um mal eben zu klären, ob man an diesem oder jenem Wochenende die nächste Fahrradtour planen kann. In der Realität zeigte sich, dass nur zwei der Mitarbeiterinnen und der Azubi regelmäßig auch privat das Internet nutzen. Es ist also eine doppelte Urlaubsplanung, auf dem Papier plus im Calendar, notwendig. Auch bei der innerstädtischen Kommunikation zeigte sich der Google-Calendar als ungeeignet, hier müssen weiterhin im Lotuskalender zur Verwaltungsinternen Abstimmung Termine eingetragen werden. Organisationshelfer wie remember the milk mögen den Vorteil haben, extern nutzbar zu sein, aber so lange es ein aktives Intranet gibt, bedeutet dies, doppelte Kalenderpflege. Somit gehört bei der internen Arbeit das Kamp-Lintforter Team zu den 18%, die laut Umfrage im Januar 2011 zur Terminkoordination weiterhin ihren Papierkalender an erster Stelle pflegen. Die Vision jedoch mit externen Partnern mit diesem Instrument zusammen zu arbeiten, blieb erhalten. So soll nach Abschluss anderer Modernisierungsarbeiten der Homepage ein Google-Calendar mit den verfügbaren Zeiten für Klassenführungen angehängt werden. So könnten die Lehrer bei der Unterrichtsplanung gleich von zu hause aus die freien Termine auswählen.
  • Doodle -Terminfindung leicht gemacht. Dieses kleine Werkzeug wird seit der Begegnung mit ihm gern genutzt, besonders bei der Termin-Abstimmung mit externen Kooperationspartnern.
  • Social Bookmarking und RSS-Reader: Die vielen wichtigen und interessanten Seiten können nun von den Mitarbeiterinnen Dank delcious.com gut und leicht verwaltet und mit Hilfe von google.reader bleiben sie auf dem Laufenden. Tagging ist viel einfacher als Schlagwortvergabe, hier gibt es keine starren Regeln und kann sogar umgangssprachlich verwendet werden. Andere Mitarbeiter halten dagegen, dass die wenigen Web-Seiten, die sie für ihre Arbeit benötigen, im Favoriten des Explorers gut alphabetisch zu ordnen sind.

Fazit: Die Bereitschaft, mit all diesen Werkzeugen in der Praxis umzugehen, war nach den ersten Modulen sehr groß. Allerdings führte die gleichzeitige Einführung der RFID-Verbuchung zu einer extremen Arbeitsverdichtung des im Vergleich mit anderen Bibliotheken dieser Größe sehr kleinen Teams. Besonders die Mitarbeiterinnen, die privat das Internet nicht nutzen, benötigen viel längere Übung als die anderen. Dafür blieb nach der Sommerpause kaum noch Zeit. So muss die Aktivierung des Gelernten nach der RFID-Einführung neu geplant werden…

Stadtbücherei Kamp-Lintfort
Katharina Gebauer

Quellen:
Julia Bergmann: Arbeitsorganisation Web 2.0 http://sites.google.com/site/arbeitsorganisation/
http://blog.doodle.com/2011/02/17/user-befragung-outlook-google-papierkalender/

Übermorgen berichten wir über weitere Erfahrungen der Stadtbücherei Kamp-Lintfort, die sich u. a. auf das Thema Marketing und Web 2.0 beziehen.

Schreibe eine Antwort