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Coaching zum Thema Social Media in der Stadtbibliothek Neuss

Wie es der Stadtbibliothek Neuss mit den Coachings im Rahmen des Lernort-Projektes ergangen ist, erfahren Sie heute:

Lernort Bibliothek – Gastbeitrag der Stadtbibliothek Neuss

„Die Stadtbibliothek Neuss ist eine Bibliothek mit ca. 200.000 Medieneinheiten und etwa 1,5 Mio. Ausleihen pro Jahr. Neuss hat etwa 150.000 Einwohner und die Bibliothek rund 12.000 aktive Leser. Im Social-Media-Bereich ist die Bibliothek bereits seit einigen Jahren unterwegs, allerdings zu Anfang eher unsystematisch. Außerdem lagen die Aktivitäten weitgehend in den Händen eines Mitarbeiters. Am Anfang stand ein Auftritt in Facebook und ein Twitter-Account, der mit den Facebook-Postings gekoppelt war.

2011 gab es ein erstes Coaching zu Social-Media durch Christoph Deeg im Rahmen des Projektes Lernort. Zu diesem Zeitpunkt war Neuss immerhin schon so weit, dass ein Social Media Guide verfasst und in Kraft war. Die Facebook-Aktivitäten der Stadtbibliothek hatten innerhalb des Kulturbereichs der Stadt und auch Verwaltungsweit Vorreiter-Charakter, aber es kam dennoch immer wieder zu Stockungen, wenn der zuständige Mitarbeiter im Urlaub war.

Christoph Deeg empfahl, die Social-Media-Aktivitäten personell wesentlich breiter aufzustellen und im Prinzip alle Mitarbeiter einzubeziehen. Nach dem ersten Coaching-Tag wurden Facebook- und Twitter-Aktivitäten entkoppelt und beide zu unterschiedlichen Zwecken eingesetzt. Als zentrales Medium wurde ein Blog mit dem Namen „stadtblogothek“ gegründet, weil dieser ohne Zugangsvoraussetzungen und ohne Anmeldung an einem Netzwerk nicht nur gelesen, sondern von den Lesern auch mit Kommentaren versehen werden kann. Es fiel aber schwer, aus der Mitarbeiterschaft Beiträge für den Blog, Facebook und Twitter zu bekommen. Das zunächst erprobte Modell, die Mitarbeiterschaft in solche aufzuteilen, die Beiträge liefern und solche, die diesen redaktionell den letzten Schliff geben und sie posten, funktionierte einfach nicht.

Im September 2012 fand der zweite Coaching-Tag statt. Der Blog wurde daraufhin deutlich übersichtlicher gestaltet. Es wurde ein interner, nur für die Mitarbeiter zugänglicher zweiter Blog zum Üben gegründet. Dieser erhielt den Namen „bloint“ (blog intern). Es wurde außerdem damit begonnen, auf jeder Besprechung ein Tool oder eine Recherchemöglichkeit reihum vorzustellen. Das soll helfen, Informationskompetenz kontinuierlich aufzubauen. Die Beschreibungen landen auch im „bloint“. Der eine oder andere Artikel soll auch für den externen Blog übernommen werden. Außerdem wurden erste Erkundungen im Hinblick auf ein internes Wiki unternommen, damit die Informationen besser verarbeitet und im Kollegium verbreitet werden können.

Alle Mitarbeiter wurden seit September 2012 im Umgang mit Twitter, Facebook und WordPress geschult, damit sie die grundlegenden Funktionalitäten beherrschen. Außerdem gab es Schulungen an Geräten wie Handys, Tablets und digitalen Kameras, damit auch hier mehr Sicherheit gewonnen wird. Der technische Umgang mit Plattformen und Geräten war nach einer Weile nicht mehr das Kernproblem. Zunächst machte dennoch die fehlende Bereitschaft, Beiträge für die Plattformen zu liefern, die größten Sorgen. Viele Mitarbeiter hatten nicht genügend Vertrauen in Ihre eigene Formulierungsfähigkeit, es mangelte ihnen an Selbstbewusstsein, sie hielten das, was ihnen einfiel, schlicht nicht für gut genug.

Die Wende brachte eine Einteilung des gesamten Kollegiums in Vierergruppen, die sich jeweils eine Woche lang verantwortlich um eine der Plattformen kümmern müssen. In jeder dieser Gruppen ist eine Person aus dem Kreis der Coaching-Teilnehmer vertreten. Die Mitarbeiter erhalten so jeweils einen Ansprechpartner innerhalb der Gruppe, der bei Fragen eingreifen kann. Die Aktivitäten der Gruppen werden beobachtet von dem Mitarbeiter, der seit Jahren bereits die Social-Media-Aktivitäten der Bibliothek betreut. Er gibt im Laufe der Woche jeder Gruppe ein Feedback. Die Gruppen sollten sich von Anfang an selbst organisieren und haben das auf sehr unterschiedliche Weise getan. Auch innerhalb der Gruppen ist nicht alles ohne Reibungsverluste gelaufen, aber der Vorteil dieses Vorgehens ist die Einbeziehung aller in den Prozess der Social-Media-Aktiviäten der Bibliothek. Das Selbstbewusstsein beim Formulieren von Beiträgen steigt, und die Anzahl der Beiträge hat erheblich zugenommen. Vor allem aber merken die Mitarbeiter, dass kleine Fehler wie zum Beispiel ein zu lang geratender Tweet, kein Beinbruch ist.

Es ist sicher noch lange nicht alles perfekt. So fällt es immer noch schwer, den richtigen Ton für die Social-Media-Umgebung zu treffen. Man könnte noch öfter von Veranstaltungen oder Aktionen direkt kurze Berichte und Bilder posten. Die Artikel selbst könnten noch manchmal deutlicher zum Dialog auffordern. Die Bemühungen, die Reichweite der Postings zu vergrößern (neuen Followern folgen etc.) stecken noch in den Anfängen. Die Vernetzung mit anderen Kulturinstituten muss noch deutlich verbessert und ausgebaut werden.

Dennoch ist ein Anfang gemacht. Die Coachings haben uns gezeigt, wie die Sozialen Medien funktionieren, nicht nur technisch, sondern auch inhaltlich. Sie haben uns eine Reihe wichtiger Hilfsmittel nahegebracht, deren Umgang wir aber noch erproben und etablieren müssen. Sie haben uns organisatorische Möglichkeiten vor Augen geführt, mit denen wir unsere bereits begonnenen Aktivitäten so ausbauen können, dass sie wertvolle Bindeglieder zwischen der Bibliothek und ihren Kunden werden können. Schließlich haben sie uns gezeigt, dass der Bestand der Bibliothek bereits jetzt weit über das hinaus geht, was in Form klassischer Medien in der Bibliothek steht.“

Stadtbibliothek Neuss

Internetseite: http://www.stadtbibliothek-neuss.de
Blog: http://www.blog.stadtbibliothek-neuss.de
Facebook: https://www.facebook.com/bibneuss
Twitter: https://twitter.com/stbneuss

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