Alle Artikel in der Kategorie “Hinweise, Tipps, Informationen

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Museum Folkwang macht es vor

Nicht jede Kultureinrichtung hat einen starken Mäzen im Rücken. Das Museum Folkwang jedoch schon. Die Alfried-Krupp-Stiftung übernimmt für fünf Jahre die Kosten für den freien Eintritt in die Dauerausstellung. Ergebnis ist ein sprunghafter Anstieg der Besucherzahlen im Museum.

Es wäre schön, wenn dieses Beispiel Schule machen würde und es auch für Bibliotheken Sponsoring-Partner gäbe, die die Jahresgebühr für Bibliothekskunden übernehmen würden. Sicherlich nicht ganz abzusehen, ob die Besucherzahlen stark ansteigen würden, aber ein Anreiz wäre es schon.

Und nach fünf Jahren wieder aus der Bibliotheksbenutzung wieder auszusteigen, fällt sicher schwer.

Quelle:

Rheinische Post, 30.06.2015

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Ich hab`s verschlungen – Von Freunden, Krokodilen und Vögeln

Soziale Netzwerke sind nichts „für nebenbei“, diese Erfahrung haben auch die KollegInnen aus der Stadtbibliothek Gütersloh, nach der Umsetzung einer Marketinkaktion zu LibraryThing for Libraries und anderen Social Media Plattformen gemacht. Vielen Dank an die KollegInnen für diesen Gastbeitrag:

Wir sind vermutlich nicht die einzige Bibliothek, die darüber nachdenkt, wie sich die Zugriffe auf die eigenen sozialen Kanäle und Plattformen vermehren lassen könnten.

Viele Kunden im Haus hatten noch nicht wahrgenommen, dass wir seit einiger Zeit bereits eine Facebook-Seite haben, zwitschern, ein Blog pflegen und dass man in unserem OPAC Medien rezensieren kann.

So kam uns die Idee, das Klassische mit dem Digitalen zu verbinden. Wir ließen Lesezeichen entwickeln, die wir in unserem ursprünglichen Medium „versteckten“. Jeder Kunde, der ein Buch mitnimmt wird automatisch darauf aufmerksam gemacht, dass wir Facebook und Twitter bespielen und LibraryThing anbieten.

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Eine Kundenrückmeldung war sehr direkt und offensiv und ließ uns schlucken. Der Kunde war „erheitert“, weil er nicht verstehen konnte, warum wir Lesezeichen mit Werbung für das eigene Angebot bei Twitter drucken lassen, obwohl dort so wenig passiert. Er würde uns raten, das Angebot eher zu verschweigen, als zu bewerben. Die Mail enthielt auch noch einige Nebenbemerkungen zu dem Einsatz des Etats. Noch mehr Games und überhaupt, wer braucht „Thailändisch für Fortgeschrittene, Band 4“?

Unsere Chefin schrieb daraufhin eine richtig nette Antwort, denn Kundenmeinungen sind uns wichtig. Die Kundenreaktion hat dazu geführt, dass Twitter, dem bislang nicht unser Hauptinteresse galt (so irgendwie mitlief eben!), mehr in den Focus rückte. Die Lesezeichen wurden aus dem Marketingetat bezahlt, also keine Bange, dass weniger Medien gekauft wurden. Und Kunden sind verschiedenen und ihre Interessen möglicherweise sehr unterschiedlich, so dass aufgrund von Medientipps auch manchmal seltsam anmutende Titel im Haus zu finden sind. Man darf aber auch selbst gerne Wünsche äußern, denn der Grundsatz „Wünsche werden wahr“ hat bei uns Programm. 🙂

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Brauchen wir eine Zeitung zum Streicheln?

Das Zeitungswesen ist auch im digitalen Umbruch. Aber kaum ein Kulturgut wie die Zeitung wird so vielfältig genutzt. Da werden noch Schalenreste vom Kochen eingewickelt, Papierhütchen und -schiffchen gebastelt und mancher hat sich auch mal mit einer Zeitung zugedeckt.

Gerhard Steidl, Kunstbuchverleger aus Göttingen, denkt über die Zukunft der Zeitung im Interview mit der Süddeutschen Zeitung nach. Er beschwört das Haptische an den Printmedien. Bücher wollen gesehen, berührt und gerochen werden. Mit allen Sinnen erfasst werden.

Im Vergleich mit Bildern auf einem Tablet oder in einer Zeitung, verliert die Zeitung. Auf dem Tablet wirken die Bilder strahlender. Sind Zeitungen und Zeitschriften eigentlich für die Ewigkeit gedacht. Nein. Die Archivierung der Zeitungen und Zeitschriften findet heute in digitalen Speichern statt und nicht mehr in Archivkartons.

Welche Form der Zeitung wird überhaupt überleben? Nur die, die auf gutem Papier gedruckt ist mit großformatigen Bildern, ein hochwertiges Printprodukt, dass eine längere Verweildauer beim Leser hat. Den schnellen Massenkonsum übernimmt das Internet. „Digital is made to forget, analogue is made to remember.“

Quelle:

http://www.sueddeutsche.de/medien/2.220/gespraech-ueber-gedrucktes-gier-nach-papier-1.2507978

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Bibliotheken – der Zugang zu Information und Bildung für Flüchtlinge und Asylbewerber

Die Nachfrage nach Angeboten in Bibliotheken für Flüchtlinge und Asylbewerber, hat sich im letzten Jahr vervielfacht. Wenn die Anzahl der Asylerstanträge im 1. Quartal dieses Jahres in NRW als Vergleich herangezogen werden kann, hat sich der Bedarf schlichtweg verdoppelt. Da die Situation sich aktuell sehr verändert, gibt es auch in den Kommunen viele Veränderungen und ortsabhängige Lösungen, die derzeit erprobt werden.

Angebot mit Partnern:
Die Arbeit mit Partnern ist für viele Bibliotheken unerlässlich. Die Ansprache der Flüchtlinge muss direkt vor Ort im persönlichen Gespräch erfolgen. Oftmals sind die Personen der deutschen Schrift noch nicht mächtig oder trauen sich nicht von alleine zu kommen. Es ist also eine direkte Vermittlung der Angebote über Personen nötig. Da viele Bibliotheken es personell nicht stemmen können, direkt mit den einzelnen Flüchtlingen in Kontakt zu treten, sind Partner bei der Vermittlung unerlässlich.
Partner sind: z.B. Wohlfahrtsverbände, Kirchen oder die Flüchtlingsbeauftragen der Stadt. Wenn es um schulpflichtige Kinder/Jugendliche geht, sind die Schulen bzw. die Lehrer direkte Ansprechpartner. Auch Integrationskurse der VHS, Jugendzentren oder andere ehrenamtliche Organisationen in der Stadt könnten Kontaktpersonen sein.

Angebote der Bibliothek:
In der Bibliothek sollte die Qualifizierung der Mitarbeiter dieser Entwicklung angepasst werden. Mitarbeiter sollten Auskunft auf Englisch oder in anderen Fremdsprachen geben können. Die Sensibilität für andere Kulturen muss unter Umständen nochmals geschärft werden.
Oftmals besteht ein akuter Raumbedarf, wo ehrenamtliche Helfer sich mit ihrer Gruppe treffen können. Hier kann die Bibliothek als Aufenthaltsort dienen. Kostenloses WLAN ist hierfür hilfreich.
Ein angemessener Bestand an fremdsprachigen Medien und besonders auch an E-Medien ist nötig. Unter diesen Umständen ist die Vereinfachung des Weges von der Anmeldung in der Bibliothek bis zur Ausleihe noch einmal zu prüfen.

Möglicher Bestandsaufbau:

  • Hörbücher in deutscher Sprache um die Aussprache zu üben
  • Wimmelbilderbücher
  • Ting / TipToi Medien
  • Fremdsprachige /zweisprachige Zeitungen und Zeitschriften
  • Zweisprachige Comics
  • Aktuelle fremdsprachige Medien
  • fremdsprachige Medien über die Herkunftsländer (Aktuelles und Geschichte)
  • Medien in leichter Sprache

Einige Ideen bereits durchgeführter Angebote (ein paar sind vom dbv auf seiner Homepage bereits vorgestellt worden):

  • Medienboxen /-koffer in den Unterkünften (z.B. Stadtbibliothek Bremen)
  • Bibliotheksführungen für Flüchtlinge: zum Beispiel mit ehrenamtlichen Mentoren / Initiativen in der Stadt, die mit ihren Schützlingen zusammen die Bibliothek besuchen (Stadtbibliothek Köln), das Konzept für so eine Führung beschreibt die Stadtbibliothek Erlangen)
  • Lesestart-Sets der Stiftung Lesen an Flüchtlingsheime verteilen (z.B. Stadtbibliothek Köln)
  • Integrationskurse der VHS in der Stadt besuchen die Bibliothek
  • Willkommensspaziergänge von ehrenamtl. Helfern für Flüchtlinge in der Stadt besuchen auch die Bibliothek (Stadtbibliothek Frechen)
  • Bilderbuchkino für Flüchtlingsfamilien (auf deutsch) mit Hilfe von ehrenamtl. Helfern (geplant, Stadtbibliothek Frechen)
  • Zweisprachige Jugendliche aus Jugendzentren führen Bibliotheksführungen mit Jugendlichen aus Auffangklassen in der jeweiligen Muttersprache durch (Stadtbibliothek Minden)
  • Flüchtlinge selber als ehrenamtl. Helfer / Kulturvermittler einbinden (z.B. Asylothek).
  • Vernetzung mit anderen ehrenamtlichen Helfern zum Beispiel über Social Media Kanäle möglich

Ergänzung:

  • Bücherbus besucht Gemeinschaftsunterkunft und verschenkt Bücher, Spiele etc. Zusätzlich gibt es ein Bilderbuchkino, Vorlesen in mehreren Sprachen und eine Bastelaktion (z.B. Stadtbibliothek München)
  • UNICEF-Ausstellung und Dialogabend in der Bibliothek mit Flüchtlingen aus dem Integrationskurs der vhs und Menschen aus div. Organistionen (Stadtbücherei Erkrath)
  • Wöchentlich kostenloses Filmangebot im Vorführraum der Stadtbibliothek München. Es werden unterhaltsame (ältere) Kinofilme gezeigt (geplant ab September 2015) und die Zielgruppe wird speziell eingeladen.
  • PCs inkl. Headset mit Lizenzen für interaktive Sprachlern-Software (Rosetta Stone) in der Stadtbücherei Wermelskirchen
  • Lernpatenschaften von ehrenamtlichen Helfern: In der Stadtbücherei Erkrath werden Lernpaten mit den Materialien zum Deutschlernen vertraut gemacht und mit Tipps ausgestattet.
  • einige Verlage bieten inzwischen kostenlosen Zugang zu Sprachführern z.B. Reise Know-How, Langenscheidt Bibliotheken können auf diese Möglichkeit hinweisen.

Hat ihre Bibliothek Ideen, die Sie ausprobieren oder die sich bereits bewährt haben? Wir würden ihre Ideen gerne vorstellen, um andere Bibliotheken in ähnlicher Situation zu unterstützen.

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„Eigenlogik“ der Bibliotheken beachten

Frau Eva-Christina Edinger erläutert auf ihrem Blog Spaces of Knowledge den Begriff „Eigenlogik“ in Bezug auf Planungen von Bibliotheken:

Für die PlanerInnen und ArchitektInnen von Bibliotheken bedeutet das Vorangehende, dass eine der Planung vorausgehende, umfassende Analyse der Eigenlogik einer Bibliothek unerlässlich ist. Welche Eigenlogik liegt der Bibliothek und ihrer Umgebung zugrunde? Wer ist die Zielgruppe, wie lässt sich diese Zielgruppe charakterisieren, welche Bedarfe und Bedürfnisse macht diese Zielgruppe aus und wie können diese in der Konzeption einer Bibliothek berücksichtigt werden?“

Sie plädiert für ein „human centered urban space“.

Zum Artikel: http://spacesofknowledge.com/2015/06/11/eigenlogik-bibliothek/

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Rangar Yogeshwar: „Die digitale Revolution wird uns fundamental verändern“

Rangar Yogeshwar schreibt in seinem Essay über die digitale Revolution: „Wir erleben den Anfang der digitalen Revolution. Wohin er führt? Schwierig. Selbst Wissenschaftler irren häufig, wenn es um Zukunftsprognosen geht. Das ist ganz menschlich, denn wir betrachten das Neue mit alten Augen und unterschätzen, dass diese Entwicklung uns selbst verändert, unsere Sicht, unsere Haltung und unser Selbstbewusstsein.“

Der Druck der Selbstoptimierung wird durch die Digitalisierung größer. Wir sehen nur noch retuschierte Körper und Gesichter, die uns als normal erscheinen. Die Schönheitschirurgie boomt.

Daneben lösen sich gelernte Rituale, traditionelle Geschäftspraktiken und bekannte Arbeitsabläufe auf, was zu einer gewissen Orientierungslosigkeit führt.

Neben der Ausnutzung der Datentransparenz der einzelnen Internetbenutzer für die Wirtschaft kommt noch das Gesundheitswesen dazu. Über eine App wird der Lebensstil bezüglich Fitness und Ernährung erfasst und damit Krankenkassenbeiträge generiert. Der Druck wächst, sein Leben zu ändern.

Das Zeitalter der Digitalisierung ist vergleichbar mit der Industrialisierung durch Erfindung der Dampfkraft und der Erfindung der Elektrizität. Um uns in der neuen Welt zurechtzufinden benötigen wir neue Kompetenzen, so wie die Erfindung des Buchdrucks das Erlernen von Lesen und Schreiben nach sich zog. Die Sprache des 21. Jahrhunderts ist das Programmieren, damit werden neue Apps und digital gesteuerte Prozesse entwickelt. Wer daran teilnimmt, gestaltet mit und wird nicht von der digitalen Revolution getrieben.

Quelle:

mobil : das Magazin der Deutschen Bahn. 06.2015, S. 32-34