Alle Artikel in der Kategorie “Bibliothek als realer Ort

Die gesellschaftlichen Trends der Mobilität, der Digitalisierung und der wachsende Wunsch nach Flexibilität wirken sich sowohl auf unsere Kultur, als auch auf unsere Aufenthaltsräume aus. Sogenannte dritte Orte, zu welchen sich Bibliotheken im öffentlichen Raum entwickeln, gewinnen an Bedeutung…
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#DesignDienstag: Gaming in der Bibliothek – mehr als ein Zusatzangebot

Willkommen zum #DesignDienstag. In dieser Reihe wirft unsere Innenarchitektin Anja Thimm einen praxisnahen Blick auf Gestaltung in Bibliotheken. Diesmal widmet sie sich den Gamingbereichen. Gamingbereiche in öffentlichen Bibliotheken sind längst mehr als ein kurzfristiger Trend. Sie stehen exemplarisch für den Wandel der Bibliothek hin zu einem offenen, vielfältigen Aufenthaltsort, der unterschiedliche Interessen zusammenbringt. Richtig geplant, können sie neue Zielgruppen erschließen, bestehende Nutzer stärker binden und die Bibliothek als sozialen Raum stärken. Entscheidend ist jedoch, dass Gaming nicht als isoliertes Zusatzangebot gedacht wird, sondern als integraler Bestandteil der räumlichen und konzeptionellen Gesamtstrategie. Daher bringt die Einrichtung von Gamingbereichen einige planerische und organisatorische Fragen mit sich, die frühzeitig bedacht werden sollten.

Nutzergruppen im Blick behalten

Ein sinnvoller Einstieg in die Planung ist der Blick auf die unterschiedlichen Nutzergruppen und ihre Bedürfnisse. Gaming spricht eine erstaunlich breite Zielgruppe an: Kinder, Jugendliche und zunehmend auch Erwachsene, die spielerische Formate für sich entdecken. Dabei unterscheiden sich die Erwartungen deutlich. Während jüngere Nutzer häufig in Gruppen spielen, sich austauschen und auch laut sein dürfen, suchen andere eher ruhigere, kooperative oder kreative Spielerfahrungen. Ein gut konzipierter Bereich trägt dieser Vielfalt Rechnung, indem er unterschiedliche Nutzungsformen ermöglicht, ohne dass sie sich gegenseitig stören.

Der passende Standort

Diese Überlegungen führen unmittelbar zur Frage nach der geeigneten räumlichen Einbindung eines Gaming-Angebots. Gaming bringt Bewegung, Geräusche und Aufmerksamkeit mit sich – Eigenschaften, die bewusst in die Bibliotheksgestaltung einbezogen werden sollten. Eine Platzierung direkt im Eingangsbereich kann zwar Neugier wecken und Sichtbarkeit schaffen, führt jedoch häufig zu Nutzungskonflikten. Bewährt haben sich Bereiche, die gut erreichbar sind, zugleich aber ausreichend Abstand zu klassischen Ruhe- und Arbeitszonen bieten. Übergänge zwischen Kinder- und Jugendbereich oder Flächen mit Aufenthaltsqualität eignen sich dafür oft besonders gut. Offene Raumstrukturen oder transparente Abtrennungen können dazu beitragen, den Gaming-Bereich sichtbar und einladend zu gestalten, ohne dass sich Geräusche oder Aktivitäten ungehindert auf die gesamte Bibliothek auswirken.

Akustik als Schlüsselthema

Besonders sensibel ist in diesem Zusammenhang das Thema Akustik. Gaming ist mit Geräuschen verbunden – durch Gespräche, Reaktionen und die Spiele selbst. Ohne gezielte Maßnahmen kann dies schnell zu Spannungen führen. Eine durchdachte akustische Gestaltung ist daher keine Kür, sondern Voraussetzung. Schallabsorbierende Materialien an Decken und Wänden, textile Oberflächen oder entsprechend gestaltete Möbel tragen wesentlich dazu bei, die Geräuschkulisse zu dämpfen. Auch die räumliche Struktur spielt eine Rolle: Teilweise abgeschirmte Bereiche oder Raum-in-Raum-Lösungen können helfen, den Schall zu bündeln, ohne den offenen Charakter vollständig aufzugeben.

Inhalt und Gestaltung

Neben funktionalen Aspekten lohnt sich ein genauer Blick auf die inhaltliche und gestalterische Ausrichtung. Ein Gamingbereich wirkt dann überzeugend, wenn er ein erkennbares Thema oder eine klare Idee transportiert. Das kann von kompetitivem Gaming über kreative Anwendungen bis hin zu Retro-Ansätzen reichen. Dieses Thema beeinflusst nicht nur die Auswahl der Inhalte, sondern auch die Gestaltung des Raums. Farben, Materialien und Licht tragen dazu bei, eine eigene Atmosphäre zu schaffen, die sich vom restlichen Bibliotheksraum abhebt, ohne sich völlig davon zu lösen. So entsteht ein Ort mit eigenem Charakter, der dennoch Teil des Ganzen bleibt.

Möblierung und Funktionalität

Die Möblierung übernimmt dabei eine zentrale Rolle. Sie muss unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden: Komfort bei längeren Nutzungszeiten, Robustheit im Alltag und Flexibilität für verschiedene Szenarien. Sitzmöbel sollten ergonomisch sein und gleichzeitig eine gewisse Lässigkeit vermitteln, die zum informellen Charakter des Spielens passt. Modulare Elemente ermöglichen es, den Raum schnell an unterschiedliche Nutzungen anzupassen, etwa für Einzelspiel, Gruppenangebote oder kleine Veranstaltungen. Auch technische Aspekte sollten von Anfang an mitgedacht werden. Eine saubere Integration von Bildschirmen, Konsolen und Kabeln sorgt nicht nur für Sicherheit, sondern auch für eine aufgeräumte, hochwertige Anmutung.

Atmosphäre durch Licht und Material

Nicht zu unterschätzen ist die Wirkung von Licht und Materialität. Bildschirmarbeit stellt besondere Anforderungen an die Beleuchtung: Blendfreiheit und eine ausgewogene Grundhelligkeit sind entscheidend. Ergänzend können gezielte Lichtakzente eingesetzt werden, um den Bereich atmosphärisch aufzuwerten. Materialien sollten sowohl funktional als auch gestalterisch überzeugen, also langlebig, pflegeleicht und zugleich akustisch wirksam sein.

Ein neuer Baustein der Bibliothek

Ein gut gestalteter Gamingbereich fügt sich so selbstverständlich in die Bibliothek ein, dass er nicht als Sonderfläche wahrgenommen wird, sondern als ein weiterer, zeitgemäßer Baustein des Angebots. Er schafft Räume für Begegnung, Austausch und gemeinsames Erleben – und erweitert damit das klassische Verständnis von Bibliothek auf überzeugende Weise.

Beispiele aus NRW

Zahlreiche Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen zeigen, dass es viele gute Lösungen gibt. Hier ein paar Beispiele:

Bergheim

In der Stadtbibliothek Bergheim bildet der Gamingbereich das Zentrum des Zwischengeschosses zwischen dem Erdgeschoss und der Jugendbibliothek im ersten Obergeschoss. Dank der Sitzmöbel mit hohen Rückenlehnen und seiner räumlichen Anordnung ist der Bereich klar abgegrenzt. So entsteht ein geschützter Spielbereich, in dem der Durchgangsverkehr kaum als störend wahrgenommen wird.

Kamp-Lintfort

In der Mediathek Kamp-Lintfort befindet sich das „Zockerzimmer“ in direkter Nachbarschaft zum Kinder- und Jugendbereich innerhalb der Open Library. Als abgeschlossener Raum lässt sich seine Zugänglichkeit auch während der personalfreien Öffnungszeiten gezielt steuern. Gleichzeitig können die Spielenden ungestört spielen, ohne dass Geräusche in die übrigen Bibliotheksbereiche dringen. Die folierten Glaswände ermöglichen Einblicke von außen, schaffen zugleich aber eine geschützte Atmosphäre und ausreichend Privatsphäre.

Kreuztal

In der Stadtbibliothek Kreuztal befindet sich ein separater Gamingraum im Obergeschoss, der akustisch von der ansonsten offen gestalteten Bibliotheksfläche getrennt ist. Glaswände schaffen Sichtbeziehungen zwischen dem Raum und der Bibliothek, sodass die Spielenden die übrige Bibliotheksfläche einsehen können und umgekehrt. Ein Graffiti am Eingang macht die Nutzung des Raumes als Gamingbereich bereits auf den ersten Blick erkennbar.

Lünen

In der Stadtbücherei Lünen befindet sich der Gamingbereich in einem zentral gelegenen, ovalen Raum. Von außen ist seine Funktion nicht unmittelbar erkennbar. Gerade diese zurückhaltende Gestaltung weckt jedoch die Neugier der Bibliotheksnutzenden und lädt dazu ein, den Bereich zu entdecken.

Minden/Selm

In den Stadtbibliotheken Minden und Selm besteht der Gamingbereich aus zwei unterschiedlichen Elementen. Zum einen gibt es einen offenen Spielbereich mit einem an der Wand montierten Bildschirm und der dazugehörigen Konsole, der sich insbesondere für das gemeinsame Spielen in größeren Gruppen eignet. Ergänzt wird dieser durch ein halboffenes, mobiles Gamingmöbel, das bis zu vier Personen Platz bietet und einen innenliegenden Bildschirm für gemeinsames Spielen integriert.

In der Stadtbibliothek Minden befindet sich unmittelbar daneben ein weiteres Möbel desselben Typs, das jedoch nicht zum Gaming, sondern als Hörstation konzipiert ist. Mithilfe einer Sounddusche ermöglicht es das ungestörte Hören von Audioinhalten, ohne die übrigen Bibliotheksbereiche akustisch zu beeinträchtigen.

Minden

Selm

Arnsberg-Neheim

In der Bibliothek Neheim (Arnsberg) können Nutzende an drei nebeneinander installierten Bildschirmen parallel spielen. Der Gamingbereich lässt sich durch einen hinter den Sitzplätzen angebrachten Vorhang optisch und in begrenztem Maße auch akustisch von der übrigen Bibliotheksfläche abtrennen. Seit Kurzem sorgt ein LED-Lichtband mit variabler Farbgestaltung für eine stimmungsvolle Atmosphäre und unterstreicht den Charakter des Bereichs.

Velbert

In der Bibliothek Velbert wurde der Gamingbereich unter einer Treppe eingerichtet und nutzt den vorhandenen Raum auf effiziente Weise. Dadurch entsteht ein halbgeschützter Bereich, der sich deutlich von der übrigen Bibliotheksfläche abhebt. Die integrierte Sitzlandschaft ermöglicht sowohl gemeinsames Spielen als auch das Zuschauen. Farb- und Materialgestaltung sowie die geschwungene Formensprache schaffen eine einladende Atmosphäre und verleihen dem Bereich zugleich eine moderne Anmutung.

Dorsten (Pen and Paper)

In der Stadtbibliothek Dorsten wurde mit der „Zwischenwelt“ ein Gamingbereich geschaffen, der einen anderen Schwerpunkt setzt. Die auf einer Zwischenebene eingerichtete Fläche ist nicht dem digitalen, sondern dem analogen Spielen gewidmet. Statt klassischer Brettspiele steht hier ein umfangreicher Bestand an Pen-and-Paper-Rollenspielen im Mittelpunkt. Neben der Ausleihe bietet der Bereich auch die Möglichkeit, die Spiele direkt vor Ort in Gruppen auszuprobieren.

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Bibliotheken als Orte der Demokratie in der Praxis: Handlungssicherheit für Bibliotheken

Öffentliche Bibliotheken sind Orte der Bildung, Information und Begegnung. Sie stehen allen offen und fördern gesellschaftlichen Austausch. Gleichzeitig spiegeln sich gesellschaftliche Konflikte zunehmend auch in Bibliotheken wider: Mitarbeitende sehen sich etwa mit diskriminierenden Äußerungen, Verschwörungserzählungen oder demokratiefeindlichen Positionen konfrontiert. Auch Fragen zur Raumvergabe und zur Rolle der Bibliothek als öffentliche Einrichtung gewinnen an Bedeutung. Wir stellen Handlungsleitfäden für Kommunen, öffentliche Einrichtungen und Vereine sowie Praxishilfen bei der Durchführung von Veranstaltungen und der Nutzung bzw. Vermietung von Bibliotheksräumen vor.

Hinweis
Die folgenden Empfehlungen ersetzen keine Rechtsberatung. Sie sollen Bibliotheken dabei unterstützen, ihre Rolle als demokratische Bildungs- und Begegnungsorte zu reflektieren und mehr Handlungssicherheit im Umgang mit diskriminierenden oder demokratiefeindlichen Vorfällen zu gewinnen. Je nach Einzelfall sind kommunale Satzungen, Haus- und Benutzungsordnungen sowie weitere rechtliche Vorgaben zu beachten.

Grundlegende Handreichung des vhs-Verbandes

Die Handreichung „Volkshochschule als Ort der Demokratie – Hilfestellungen zum Umgang mit antidemokratischen Äußerungen und Gruppierungen“ des Deutschen Volkshochschul-Verbandes richtet sich an Volkshochschulen, behandelt aber zahlreiche Fragestellungen, die auch Bibliotheken aus ihrem Alltag kennen. Besonders hervorzuheben sind Musterformulierungen für Honorarverträge und Vereinbarungen zur Raumnutzung.

Die Veröffentlichung gibt unter anderem Hinweise dazu,

  • wie demokratiefeindliche und diskriminierende Argumentationsmuster erkannt werden können,
  • wie Mitarbeitende auf entsprechende Äußerungen reagieren können,
  • warum Diskriminierungen nicht unwidersprochen bleiben sollten,
  • wie Gespräche sachlich geführt werden können, ohne Konflikte unnötig zu verschärfen,
  • welche Bedeutung Hausrecht, Benutzungsordnungen und Veranstaltungsregeln haben,
  • wie Podiumsdiskussionen und Veranstaltungen demokratisch und verantwortungsvoll gestaltet werden können,
  • wie demokratische Grundwerte in Dienstvereinbarungen, Arbeits- oder Honorarverträgen verankert werden können,
  • welche Möglichkeiten bei Kooperationen bestehen,
  • und worauf Einrichtungen achten sollten, wenn sie Räume an Dritte vergeben.

Zur vollständigen Handreichung:

https://www.volkshochschule.de/themen/demokratiebildung/index.php.media/46164/vhs-als-Ort-der-Demokratie_aktualisiert.pdf

Verwaltung mit Haltung: Tipps zum Umgang mit dem Neutralitätsgebot

Die Broschüre „Verwaltung mit Haltung“ der Fachstelle für Demokratie der Landeshauptstadt München setzt einen anderen Schwerpunkt. Sie geht der Frage nach, wie öffentliche Einrichtungen mit dem häufig geäußerten Vorwurf umgehen können, gegenüber allen politischen Positionen neutral bleiben zu müssen.

Dabei wird deutlich: Das Neutralitätsgebot ist nicht mit Wertneutralität gleichzusetzen. Öffentliche Einrichtungen sind an die Werte des Grundgesetzes gebunden. Demokratie, Menschenwürde, Gleichberechtigung und der Schutz vor Diskriminierung sind keine parteipolitischen Positionen, sondern grundlegende Prinzipien des demokratischen Gemeinwesens.

Die Veröffentlichung zeigt unter anderem,

  • was das Neutralitätsgebot tatsächlich bedeutet,
  • welche rechtlichen Grundlagen eine demokratische Haltung tragen,
  • warum Einrichtungen demokratische Werte sichtbar vertreten dürfen,
  • wie Mitarbeitende mit Neutralitätsvorwürfen umgehen können,
  • wie Organisationen Handlungssicherheit schaffen können,
  • und warum die Verteidigung demokratischer Grundwerte nicht im Widerspruch zur parteipolitischen Neutralität steht.

Gerade für Bibliotheken als öffentliche Räume mit vielfältigen Nutzergruppen bietet die Broschüre damit eine hilfreiche Orientierung für den Umgang mit entsprechenden Anforderungen und Konflikten.

Zur vollständigen Broschüre:

https://demokratie-muenchen.de/wp-content/uploads/2025/12/Verwaltung-mit-Haltung_web_Einzels.pdf

Weiterführende Praxishilfen und Materialien zu Einzelthemen

Bibliotheksfreundeskreise und – fördervereine

Vereinsrechtliche Leitfäden helfen bei der Gestaltung der Satzung, wenn Vereine keine Mitglieder mit demokatie- oder menschenfeindlichen Haltungen aufnehmen bzw. Mitglieder bei nachgewiesenem Fehlverhalten ausschließen möchten.

„Verein(t) gegen Rechtsextremismus und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ – Broschüre der Fachstelle Demokratie München

Link zur Broschüre: https://demokratie-muenchen.de/wp-content/uploads/2025/12/Broschuere_Vereint_25_web.pdf

„Im Verein – gegen Vereinnahmung“ – Handreichung der RAA Mecklenburg-Vorpommern

Link zur Broschüre: https://www.raa-mv.de/download/im-verein-gegen-vereinnahmung-eine-handreichung-zum-umgang-mit-rechtsextremen-mitgliedern

Veranstaltungen sicher und demokratisch gestalten

Bibliotheken organisieren regelmäßig Lesungen, Diskussionen, Vorträge und Beteiligungsformate. Die folgenden Materialien geben konkrete Hinweise für den Umgang mit Störungen und Einschüchterungsversuchen.

Sichere Räume für demokratische Debatten

Die Broschüre behandelt insbesondere die Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen sowie den Umgang mit gezielten Störungen durch demokratiefeindliche Akteure.

Link zur Broschüre: https://demokratie-muenchen.de/wp-content/uploads/2025/12/Veranstaltungsstoerungs_Broschuere_25_100725_web_einzel.pdf

Schutz vor rechten YouTuberinnen, Bloggerinnen und Journalist*innen

Der Flyer erläutert typische Vorgehensweisen bei gezielten Aufnahmen, Provokationen oder Kampagnen gegen öffentliche Einrichtungen und gibt Handlungsempfehlungen für Veranstaltende.

Link zur Broschüre: https://demokratie-muenchen.de/wp-content/uploads/2025/12/FlyerDigital.pdf

Raumnutzungen und Vermietungen rechtssicher gestalten

Viele Bibliotheken stellen Veranstaltungsräume für externe Gruppen zur Verfügung. Gerade hier entstehen häufig Unsicherheiten im Umgang mit demokratiefeindlichen oder extremistischen Organisationen.

Stadt Köln: Leitfaden zum Umgang mit der Anmietung öffentlicher Räume durch extremistische Gruppen

Link zur Broschüre: https://www.stadt-koeln.de/artikel/73754/index.html

Anmietungen durch rechtsextreme, rassistische, antisemitische und sonstige demokratie- und menschenfeindliche Organisationen und Personen

Eine umfangreiche Handreichung mit rechtlichen Hinweisen, Praxisbeispielen und Empfehlungen für Kommunen.

Link zur Broschüre: https://demokratie-muenchen.de/wp-content/uploads/2025/12/AnmietungBroschuere2020_final_web.pdf

Thüringer Merkblatt zur Vermietung öffentlicher Einrichtungen

Link zur Broschüre: https://wirtschaft.thueringen.de/fileadmin/content/tmwta/wirtschaft/wirtschaftsverwaltung/merkblatt___ff_einrichtung_01.pdf

Anmietungen durch Rechtsextreme – Schutz für Kommunen und Vermieter*innen

Herausgegeben vom Bundesverband Mobile Beratung. Die Broschüre fasst rechtliche Handlungsmöglichkeiten und praktische Erfahrungen aus Kommunen zusammen.

Link zur Broschüre: https://bundesverband-mobile-beratung.de/publikationen/anmietungen-durch-rechtsextreme-schutz-fuer-kommunen-und-vermieter

Fazit

Bibliotheken müssen nicht für jedes denkbare Szenario eigene Konzepte entwickeln. Sinnvoll kann es jedoch sein, die genannten Materialien im Leitungsteam oder gemeinsam mit dem Träger zu sichten und insbesondere folgende Bereiche zu überprüfen:

  • Leitbild und demokratische Grundsätze
  • Haus- und Benutzungsordnung
  • Veranstaltungsrichtlinien
  • Raumnutzungs- und Vermietungsverträge
  • Krisen- und Eskalationsmanagement
  • Fortbildungsangebote für Mitarbeitende

Je klarer diese Grundlagen definiert sind, desto sicherer können Bibliotheken im Alltag auf diskriminierende, menschenfeindliche oder demokratiefeindliche Vorfälle reagieren.

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#DesignDienstag: Erfolgsfaktoren für die Gestaltung einer Jugendbibliothek

Willkommen zum #DesignDienstag. In dieser Reihe wirft unsere Innenarchitektin Anja Thimm einen praxisnahen Blick auf Gestaltung in Bibliotheken. Diesmal stehen Jugendbibliotheken im Mittelpunkt. Jugendliche zählen zu den anspruchsvolleren, aber zugleich besonders wertvollen Zielgruppen öffentlicher Bibliotheken. Sie suchen Orte, die Freiraum bieten, Orientierung geben und ihre Lebensrealität ernst nehmen. Eine gut geplante Jugendbibliothek kann genau das leisten – vorausgesetzt, Lage, Ausstattung und Atmosphäre werden bewusst aufeinander abgestimmt.

Die richtige Lage

Die Position der Jugendbibliothek innerhalb des Hauses beeinflusst ihre Nutzung maßgeblich. Idealerweise ist der Bereich gut erreichbar und wirkt einladend. Gleichzeitig braucht es eine gewisse Abgrenzung, damit Jugendliche sich nicht permanent beobachtet fühlen. Auch die klare Trennung zur Kinderbibliothek spielt dabei eine wichtige Rolle.

In der Praxis zeigt sich: Jugendliche orientieren sich häufig eher in Richtung Erwachsenenbereich. Daraus ergeben sich sinnvolle Anschlussmöglichkeiten. Die Nähe zur Belletristik schafft Synergien – etwa, weil viele Jugendliche bereits Genres wie Fantasy lesen, die auch bei Erwachsenen beliebt sind, oder weil „Young Adult“-Titel beide Zielgruppen ansprechen. Alternativ kann ein Lernbereich in Verbindung mit dem Sachbuchbestand den Übergang in die Jugendbibliothek erleichtern. Welche Lösung passt, hängt letztlich stark vom Nutzungsverhalten vor Ort ab.

Bedürfnisse verstehen: Zwischen Rückzug und Begegnung

Jugendliche nutzen Bibliotheken anders als Kinder oder Erwachsene. Neben dem Lernen stehen auch Austausch, Treffen oder einfaches Verweilen im Vordergrund. Entsprechend sollte der Raum unterschiedliche Nutzungsformen ermöglichen:

  • Rückzugsorte für konzentriertes Arbeiten
  • Offene Flächen für Gruppenarbeit und Kommunikation
  • Informelle Sitzgelegenheiten zum Entspannen

Ein häufiger Planungsfehler ist ein zu starker Fokus auf reine Funktionalität. Für Jugendliche sind Atmosphäre und Authentizität entscheidend. Beteiligungsformate wie Workshops oder Umfragen im Vorfeld liefern wertvolle Einblicke und stärken gleichzeitig die Identifikation mit dem Raum.

Möblierung: Flexibel, robust, einladend

Die Möblierung sollte vielseitig und anpassbar sein. Starre Tischreihen wirken schnell schulisch und wenig attraktiv. Bewährt hat sich eine Mischung aus Loungemöbeln wie Sofas oder Sitzsäcken sowie mobilen Tischen und Stühlen, die sich flexibel kombinieren lassen.

So entsteht eine Umgebung, die eher Aufenthaltsqualität als reine Lernfunktion vermittelt. Wichtig ist dabei, im Blick zu behalten: Lernen findet nicht zwingend klassisch an Tisch und Stuhl statt.

Gleichzeitig muss die Ausstattung robust genug sein, um intensiver Nutzung standzuhalten. Ziel ist eine gelungene Balance aus Langlebigkeit und einem zeitgemäßen, jugendgerechten Design.

Licht: Funktional und atmosphärisch

Beleuchtung erfüllt mehr als nur einen praktischen Zweck – sie strukturiert Räume und prägt die Stimmung. Eine Kombination aus gleichmäßiger Grundbeleuchtung und gezielten Akzentlichtern, etwa in Sitzbereichen, schafft eine angenehme Atmosphäre.

Natürliches Tageslicht sollte möglichst umfassend genutzt werden, insbesondere in Aufenthaltszonen. An Arbeitsplätzen ist Blendfreiheit entscheidend, vor allem bei Bildschirmarbeit. Individuell steuerbare Lichtquellen können hier die Konzentration zusätzlich unterstützen.

Wird Gaming angeboten, sind Reflexionen und Blendungen gezielt zu vermeiden. In Fensternähe sind daher häufig Verdunklungsmöglichkeiten sinnvoll.

Akustik: Balance zwischen Leben und Ruhe

Jugendbereiche dürfen lebendig sein – das gehört zum Konzept. Gleichzeitig sollte der Geräuschpegel den übrigen Bibliotheksbetrieb nicht beeinträchtigen.

Eine gute Raumakustik ist daher zentral. Besonders wirksam sind Maßnahmen an der Decke, etwa durch Akustikdecken oder nachträglich installierte Paneele. Ergänzend tragen Teppiche, Polstermöbel, Kissen oder Vorhänge zur Schalldämpfung bei. Auch Möbel mit integrierter Akustikfunktion gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Ziel ist keine absolute Stille, sondern eine angenehme Geräuschkulisse, die Kommunikation ermöglicht, ohne störend zu wirken.

Technische Ausstattung: Selbstverständlich, nicht spektakulär

Für Jugendliche ist funktionierendes WLAN keine Besonderheit, sondern Grundvoraussetzung. Ergänzend sollten ausreichend Lade- und Anschlussmöglichkeiten vorhanden sein.

Technik sollte dabei intuitiv nutzbar und möglichst unauffällig integriert sein. Es geht nicht darum, Technik in den Vordergrund zu stellen, sondern sie zuverlässig und selbstverständlich verfügbar zu machen.

Fazit: Räume, die Jugendliche ernst nehmen

Wer Jugendlichen Raum gibt – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne – schafft Aufenthaltsqualität und stärkt langfristig die Bindung an die Bibliothek.

Eine überzeugende Jugendbibliothek entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch ein stimmiges Gesamtkonzept. Besonders erfolgreich sind Projekte, die Jugendliche aktiv einbeziehen – etwa durch Workshops, Befragungen oder Testphasen. So entstehen Räume, die nicht nur gut gemeint, sondern auch gut genutzt sind.

Beispiele aus NRW

Zahlreiche Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen zeigen, dass es viele gute Lösungen gibt. Hier ein paar Beispiele:

Bergheim

In der Stadtbibliothek Bergheim liegt der Jugendbereich in einem Zwischengeschoss zwischen dem Erdgeschoss und dem ersten Obergeschoss. Die Medien befinden sich vor allem in den Regalen entlang der Fensterfront, während in der Mitte ein maßgefertigtes Gamingmöbel Platz findet. Trotz der offenen Durchgangslage bieten die Sitzmöbel mit ihren hohen Rückenlehnen den Jugendlichen Möglichkeiten zum Rückzug.

Duisburg

Die Gestaltung der Jugendbibliothek im Stadtfenster in Duisburg sticht durch das Graffiti an den Lernplätzen und die Traversen über dem Bereich heraus. Neben Lernplätzen bieten PC-Arbeitsplätze für ganze Gruppen, Loungemöbel und ein Gamingbereich die Möglichkeit zum Aufenthalt.

Köln-Kalk

In der Stadtteilbibliothek in Köln-Kalk finden die Jugendlichen im Obergeschoss ihren ganz eigenen Bereich. Die in die Fläche integrierten Sitzstufen und Tische bieten die Möglichkeit zu Lernen oder sich einfach hier zu treffen. Die bunten Kissen verleihen dem Ganzen Gemütlichkeit und die digitale Wand animiert zum Mitgestalten der Etage.

Langenfeld

In der Stadtbibliothek Langenfeld haben die Jugendlichen einen Raum seitlich der großen offenen Bibliotheksfläche. Hier kann auf den Podesten gechillt, gelesen oder gespielt werden. Ein beweglicher Bildschirm bietet die Möglichkeit zum Gaming. Die Medien befinden sich bis auf wenige Ausnahmen wie z.B. Comics und Mangas im „Superregal“, das sich vor dem Aufenthaltsbereich befindet und nicht auf der Fläche selbst.

Meerbusch

In der Stadtbibliothek Meerbusch steht Jugendlichen im Obergeschoss ein eigener geschlossener Raum zur Verfügung, in den sie sich zurückziehen können. Eine Sitzpolsterlandschaft lädt zum Entspannen oder Gamen ein. An den Tischen vor der Fensterfront kann gearbeitet und gelernt werden. Und gerade bei einem geschlossenen Raum für Jugendliche zeigt sich schnell: Regelmäßiges Lüften ist hier keine schlechte Idee 😉

Oberhausen-Sterkrade

In der Stadtteilbibliothek Oberhausen-Sterkrade befindet sich ein Einbau, der mit Teppich ausgelegt und mit Sitzsäcken ausgestattet ist und Jugendlichen als gemütlicher Rückzugsort zum Chillen dient.

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#DesignDienstag: Wie Kinderbibliotheken Räume zum Entdecken werden

Willkommen zu unserem #DesignDienstag. In dieser Reihe schaut unsere Innenarchitektin Anja Thimm genauer hin und nimmt Gestaltung in Bibliotheken ganz praktisch in den Blick. Diesmal geht es um Kinderbibliotheken. Gut gestaltet, sind es Erfahrungsräume, in denen Neugier, Selbstständigkeit und Lesefreude wachsen.

Kindgerechte Möblierung als Grundlage

Die Möblierung prägt, wie der Raum genutzt wird. Niedrige, robuste und kindgerechte Möbel sind dabei zentral. Unterschiedliche Sitzhöhen, weiche Elemente wie Kissen oder Podeste und kleine Rückzugsorte schaffen Vielfalt. Breite Sitzflächen oder Sofas ermöglichen gemeinsames Lesen von Kindern und Erwachsenen. Tische und Sitzgruppen laden zum Spielen ein.

Wichtig ist, dass Möbel nicht nur funktional sind, sondern zum Entdecken anregen. Gleichzeitig braucht es Flexibilität. Mobile Regale oder Büchertröge auf Rollen ermöglichen es, Flächen schnell umzunutzen – etwa für Gruppen oder Veranstaltungen direkt im Kinderbereich.

Erreichbarkeit und Präsentation von Medien

Kinder müssen Medien selbstständig erreichen können. Niedrige Regale (ca. 80–120 cm, je nach Altersgruppe) unterstützen das und verbessern gleichzeitig die Sichtachsen im Raum. Das erleichtert Orientierung und auch die Aufsicht.

Eine frontale Präsentation auf Augenhöhe erhöht die Aufmerksamkeit. Besonders Bilderbücher sollten in Trögen präsentiert werden, sodass Kinder sie selbst durchsehen können. Gerade bei jüngere Kindern erfolgt die Auswahl über das Cover, nicht über den Titel.

Lage im Gebäude

Die Position der Kinderbibliothek beeinflusst ihre Nutzung. Ein gut sichtbarer Bereich im Eingangs- oder Erdgeschoss wirkt einladend und senkt Hemmschwellen.

Gleichzeitig braucht es ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Zugänglichkeit und Sicherheit. Die Nähe zu Ausgängen oder Treppen kann für kleinere Kinder problematisch sein. Auch Nutzungskonflikte sollten bedacht werden: Ein ausreichender Abstand zu ruhigen Arbeitsbereichen ist sinnvoll.

Praktisch ist die Nähe zu Sanitärbereichen, idealerweise mit kindgerechter Ausstattung. Ergänzend können ruhige Rückzugsorte für Familien entstehen, etwa Sitzmöglichkeiten zum Stillen.

Akustik mitdenken

Geräusche gehören zum Kinderbereich dazu. Ohne akustische Maßnahmen kann es schnell unangenehm werden. Harte Oberflächen verstärken den Lärm und können schnell zu einer belastenden Geräuschkulisse führen.

Weiche Materialien dämpfen Geräusche. Sitzpodeste sollten zum Beispiel mit Teppichböden bezogen sein und möglichst nicht von innen hohl. Insgesamt helfen akustisch wirksame Materialien wie Teppiche, Vorhänge, Polstermöbel oder spezielle Wandpaneele den Schall zu dämpfen. Eine gute Geräuschkulisse trägt wesentlich zur Aufenthaltsqualität bei – für Kinder, Begleitpersonen und Mitarbeitende.

Gestaltung gibt Orientierung und Identität

Gestaltung gibt dem Raum Identität und unterstützt die Orientierung. Farben, grafische Elemente oder thematische Zonen können dabei helfen. Wichtig ist, dass diese Elemente klar eingesetzt werden und nicht überladen wirken.

Wiederkehrende Farbcodes können Medienbereiche oder Altersgruppen kennzeichnen. Entscheidend ist, dass Gestaltung und Orientierung zusammen gedacht werden – nicht als Dekoration, sondern als funktionaler Bestandteil des Raums.

Fazit: Funktion trifft Atmosphäre

Eine gut gestaltete Kinderbibliothek verbindet Funktionalität mit Atmosphäre. Sie ermöglicht eigenständige Nutzung, bietet Orientierung und lässt gleichzeitig Raum für Entdeckung. Wenn diese Aspekte zusammenspielen, entsteht ein Ort, der Kinder ernst nimmt und zum Verweilen einlädt.

Beispiele aus NRW

Zahlreiche Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen zeigen, dass es viele gute Lösungen gibt. Hier ein paar Beispiele:

Duisburg

Im Stadtfenster in Duisburg besteht die Kinderbibliothek aus verschiedenen Häusern, die nach Altersklassen gestaffelt und dementsprechend gestaltet sind.

Düren

In Düren gibt es für Kinder viele verschiedene Spielelemente zu entdecken. Einige sind schon älter – andere hochmodern, wie die interaktive, digitale Spielfläche. Durch Vorhänge kann ein Veranstaltungsbereich abgetrennt werden und auch ein großer Tisch für kreative Angebote steht zur Verfügung.

Essen-Huttrop

In der Stadtteilbibliothek in Essen-Huttrop tauchen Kinder in ihre eigene Welt ein. Im Bilderbuchrondell können sie Medien in Ruhe lesen und entdecken. Speziell gestaltete Aufenthaltsbereiche bieten auch älteren Kindern Rückzugsmöglichkeiten.

Gütersloh

In der Liz-Mohn-Kinderbibliothek in Gütersloh können die Kinder im Bilderbuchpool in Geschichten aus den um den Pool herum präsentierten Bilderbüchern abtauchen, oder sich im Außenbereich in verschiedenen Sitzmöglichkeiten zurückziehen. Das Thema Natur und Baum ist in der Gestaltung raumprägend, sodass die offene Galerie im Obergeschoss aus mehreren Waben besteht, die Vogelnestern ähneln.

Hürth

In der Stadtbücherei Hürth liegen die meisten Aufenthaltsbereiche entlang der Außenwände. Ein Bauwagen zum Lesen und Spielen bildet als zentrales Element die Ausnahme. Die Bilderbuchtröge im Raum sind mobil und lassen sich für Veranstaltungen flexibel verschieben.

Kamp-Lintfort

In der Mediathek Kamp-Lintfort können die Kinder ein richtiges Klettergerüst erklimmen und dessen Netz zum Chillen oder Lesen nutzen. In den niedrig gehaltenen Regalen wird mit Schrägböden auf Augenhöhe der Kinder auf viel Frontalpräsentation geachtet. Auch in Bilderbuchtrögen, sie teilweise in Sitzmöbel integriert wurden, können sie Kinder nach spannenden Buchcovern stöbern.

Mönchengladbach

In der Stadtbibliothek Mönchengladbach gibt es im Kinderbereich viel Platz für Bewegung: Auf einer Fläche mit Turnmatten und an einer Kletterwand können sich Kinder aktiv austoben.

Velbert

Die Kinderbibliothek der Stadtbücherei Velbert ist nicht nur kindgerecht gestaltet, sie erzählt auch eine Geschichte: die der beiden Bibliotheksmaskottchen Polli und Olli. Der Raum greift dieses Motiv konsequent auf. Neben der von einer Grafikerin gestalteten Wandgestaltung findet sich ein von der Decke hängender „fliegender Koffer“, in dem Polli und Olli sitzen, sowie ein Vier-Jahreszeiten-Baum.

Für ältere Kinder schließt sich mit dem „Drachenwald“ ein eigener Bereich an. Dort ist unter anderem eine große, organisch geformte Sitzlandschaft in ein Podest integriert, die zum Verweilen und Zurückziehen einlädt.

Autorin

Anja Thimm studierte Innenarchitektur an der Hochschule Trier. Nach ihrem Abschluss und einem Ausflug in die Welt der Büroplanung gehört sie seit 2016 zum Team der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW und berät Bibliotheken zu den Themen Bau und Einrichtung. Ebenfalls seit 2016 ist sie Mitglied der Facharbeitsgruppe Bau und Einrichtung der Fachstellenkonferenz der Bibliotheksfachstellen in Deutschland.

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Online-Vortrag: Bibliotheken als Orte politischer Bildung? Herausforderungen und Potenziale / 06.05.26 von 09:30 bis 11.00 Uhr

Wann sind Bibliotheken „Orte gelebter Demokratie“? Können oder sollten sich
Bibliotheken als politische und demokratische Bildungsorte positionieren? Welche
Grenzen haben entsprechende Konzepte, mit welchen Herausforderungen ist zu
rechnen und welche Lösungen gibt es?

Der Vortrag bietet einen Überblick über aktuelle Phänomene und Debatten, die in einem anschließenden Erfahrungsaustausch konkretisiert werden sollen. Referentin ist Dr. Helle Becker, Geschäftsführerin von Transfer für Bildung e.V. und Leiterin von Expertise & Kommunikation für Bildung – zwei Organisationen, die auf angewandte Forschung und deren Nutzbarmachung für die Praxis der politischen, kulturellen und internationalen Bildung spezialisiert sind.

Bitte melden Sie sich bis zum 02.05.26 über diesen Link an: https://webspace-brd.nrw/index.php/977656?lang=de

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#DesignDienstag: Gestaltung von Leitsystemen in öffentlichen Bibliotheken

Willkommen zu unserem #DesignDienstag. In dieser Reihe schaut unsere Innenarchitektin Anja Thimm genauer hin und nimmt Gestaltung in Bibliotheken ganz praktisch in den Blick. Diesmal geht es um das Leitsystem. Oft wirkt es unscheinbar, fast selbstverständlich – dabei entscheidet es maßgeblich darüber, ob sich Menschen sicher bewegen, schnell zurechtfinden und sich gerne im Raum aufhalten.

Wenn man durch eine Bibliothek geht, merkt man ziemlich schnell: Funktioniert die Orientierung – oder eben nicht. Man läuft ein paar Schritte, zögert kurz, schaut sich um. Genau an diesen Momenten zeigt sich, wie gut ein Leitsystem wirklich ist.

Im Kern geht es dabei immer um drei Dinge: Orientierung, Sicherheit und Aufenthaltsqualität. Ein gutes Leitsystem hilft Nutzerinnen und Nutzern, sich selbstständig zurechtzufinden. Es reduziert Nachfragen an der Theke und sorgt ganz nebenbei dafür, dass sich die Bibliothek klar, offen und einladend anfühlt.

Damit das gelingt, müssen mehrere Ebenen zusammenspielen: Raum, Gestaltung und Barrierefreiheit.

Vom Stadtraum bis zum Regal

Ein Leitsystem beginnt nicht erst im Gebäude, sondern schon davor. Bereits im Stadtraum auf dem Weg zur Bibliothek kann gezielt durch Beschilderung auf den Standort hingewiesen werden.

Vor dem Gebäude setzt sich das fort: Klare Wegführung zum Eingang, gut sichtbare Hinweise und der Name der Bibliothek deutlich platziert an der Fassade oder den Glastüren. Der Zugang sollte gut beleuchtet und möglichst barrierefrei sein. Wege brauchen eine klare Struktur, Treppen werden idealerweise durch Rampen oder Aufzüge ergänzt.

Im Eingangsbereich braucht es einen zentralen Übersichtsplan. Dieser kann an Wandflächen oder Säulen in der Nähe des Thekenbereichs angebracht sein. Neben einem visuellen Plan kann auch ein taktiler Plan sinnvoll sein, der von Menschen mit Seheinschränkung genutzt werden kann.

Ein solcher Plan zeigt alle Etagen und unterstützt die erste Orientierung. Darauf abgebildet sind die verschiedenen Bereiche der Medienaufstellung, etwa Kinderbereich, Jugendbibliothek, Sachliteratur und Belletristik. Ebenso wichtig ist, dass Aufenthaltsbereiche wie ein Lesecafé, Arbeitsplätze, Servicebereiche wie Infotheken und Verbuchungsterminals, Sanitärbereiche und Veranstaltungsräume klar erkennbar und eindeutig benannt sind.

Neben der Beschilderung spielt auch die Architektur eine Rolle. Klare Sichtachsen und eine nachvollziehbare Wegeführung ermöglichen eine passive Orientierung im Raum. Wenn das Raumkonzept gut durchdacht ist, kann sich der Bedarf an zusätzlicher Beschilderung deutlich reduzieren.

Am Regal selbst ist das Leitsystem vor allem auf den Stirnseiten verortet. Dort wird angezeigt, welche Medien sich in dem jeweiligen Bereich befinden. Klarschrift, gut lesbare Signaturen und – wo sinnvoll – Piktogramme unterstützen die Orientierung zwischen den Regalen. Entscheidend ist dabei die Struktur der Beschriftung: von der groben Einteilung hin zu immer feineren Untergruppen.

Farbe gezielt einsetzen

Farbe ist ein wirksames Mittel im Leitsystem – kann aber schnell zu dominant werden. Deshalb gilt: lieber gezielt einsetzen als zu viel davon.

Farben eignen sich besonders, um Bereiche zu kennzeichnen. Eine Leitfarbe pro Medienbereich – etwa Kinderbibliothek, Sachliteratur, Belletristik oder Jugend – schafft Wiedererkennung. Diese Farbigkeit kann sich durch das gesamte Leitsystem ziehen: auf Regalschildern, in der Medienkennzeichnung, auf Übersichtsplänen und auch im Mobiliar. Auch Elemente wie Wände oder Säulen können bewusst einbezogen werden.

Wichtig für die Lesbarkeit sind starke Hell-Dunkel-Kontraste, zum Beispiel dunkle Schrift auf hellem Hintergrund. Solche Kontraste unterstützen nicht nur Menschen mit Seheinschränkungen, sondern verbessern auch die Lesbarkeit aus der Distanz.

Grundsätzlich gilt: so viel Farbe wie nötig, so wenig wie möglich. Farbe sollte immer der Orientierung dienen – nicht der Dekoration.

Für alle mitgedacht

Barrierefreiheit ist in öffentlichen Bibliotheken kein Zusatz, sondern eine Grundvoraussetzung. Gerade im Leitsystem lässt sich mit vergleichsweise einfachen Mitteln viel erreichen.

Leichte Sprache und klare Symbole unterstützen Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder Sprachbarrieren. Kurze, verständliche Begriffe ohne Fachsprache sorgen dafür, dass Inhalte für möglichst viele zugänglich sind. Deshalb ist Klarschrift oft sinnvoller als eine reine bibliothekssystematische Terminologie.

Auch die Typografie spielt eine wichtige Rolle: ausreichend große Schrift, gut lesbare serifenlose Schriften und klare Zeilenabstände erleichtern das Lesen.

Ergänzend können taktil erfassbare Elemente eingesetzt werden, etwa tastbare Pläne oder Brailleschrift an wichtigen Türen. Wo möglich, können auch akustische Hinweise den Zugang erweitern. Entscheidend ist, dass diese Elemente nicht isoliert stehen, sondern Teil eines durchgängigen Gesamtsystems sind.

Und zum Schluss: Ausprobieren

Ein hilfreicher Schritt ist es, die eigenen Räume mit „fremden Augen“ zu betrachten oder Testpersonen einzubeziehen. Besonders wertvoll ist es, wenn auch Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen typische Wege ausprobieren.

Dabei lohnt es sich, genau hinzuschauen: Wo wird gezögert, gefragt oder umgedreht? Diese Stellen zeigen, wo das Leitsystem noch nachgeschärft werden kann.

Und: Ein Leitsystem ist nie endgültig. Nutzungsgewohnheiten, Zielgruppen und Raumangebote verändern sich im Laufe der Zeit. Entsprechend sollte auch das Leitsystem regelmäßig überprüft und angepasst werden.

Beispiele aus NRW

Zahlreiche Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen zeigen, dass es viele gute Lösungen gibt. Hier ein paar Beispiele:

Essen-Huttrop

In der Stadtteilbibliothek Essen-Huttrop sind einige Bereiche durch Leuchtbuchstaben gekennzeichnet.

Hamm

Das Leitsystem der Zentralbibliothek in Hamm beginnt bereits vor dem Gebäude: An den Glastüren sind der Name der Bibliothek sowie deren Öffnungszeiten und die der ebenfalls im Gebäude befindlichen VHS angebracht. In der Bibliothek finden Nutzerinnen und Nutzer dank der großformatigen Beschriftung schnell zur Ausleihe und Rückgabe. Auf jeder Etage befindet sich zudem in der Nähe von Treppe oder Aufzug ein Übersichtsplan des jeweiligen Geschosses.

Kamp-Lintfort

In der Mediothek Kamp-Lintfort ist die Regalbeschriftung im einheitlichen Schriftstil des Corporate Designs gestaltet. Sogar die Beleuchtung fügt sich dabei stimmig in das Leitsystem ein.

Langenfeld

Mit den Beschriftungsschildern im Tafeldesign ist das Leitsystem in der Stadtbibliothek Langenfeld sehr flexibel.

Mönchengladbach

In der Zentralbibliothek in Mönchengladbach findet sich das Leitsystem sowohl an den Stirnseiten der Regale als auch für die Orientierung auf den Regalen positioniert wieder. In der Kinderbibliothek unterstützt die Wandgestaltung die klare Zuordnung dieses Bereiches bereits aus der Entfernung.

Oberhausen-Sterkrade

In der Stadtteilbibliothek Oberhausen-Sterkrade wurde beim Leitsystem viel Wert auf die Barrierefreiheit gelegt. So führen taktile Leitsysteme zur ersten Anlaufstelle, der Theke. Hier befindet sich auch ein taktiler Übersichtsplan. Die Behinderten-Toilette ist durch ein großformatiges Piktogramm einfach zu finden.

Ochtrup

In der Bücherei St. Lamberti in Ochtrup werden auch raumbildende Elemente wie Wände und Säulen für die Beschriftung mit dem Leitsystem genutzt.

Autorin

Anja Thimm studierte Innenarchitektur an der Hochschule Trier. Nach ihrem Abschluss und einem Ausflug in die Welt der Büroplanung gehört sie seit 2016 zum Team der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW und berät Bibliotheken zu den Themen Bau und Einrichtung. Ebenfalls seit 2016 ist sie Mitglied der Facharbeitsgruppe Bau und Einrichtung der Fachstellenkonferenz der Bibliotheksfachstellen in Deutschland.

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#DesignDienstag: Lesecafés – Orte zum Verweilen und Begegnen

Willkommen zu unserem #DesignDienstag. In dieser Reihe schaut unsere Innenarchitektin Anja Thimm genauer hin und zeigt, wie aus durchdachter Planung echte Aufenthaltsorte entstehen. In diesem Beitrag geht es um das Lesecafé. Für viele Bibliotheken ist es längst mehr als eine nette Ergänzung. Es ist Treffpunkt, Rückzugsort und manchmal sogar kleine Veranstaltungsfläche in einem.

Lage und Raumwirkung

Wenn ich mir ein Lesecafé anschaue, schaue ich erst, wo es sich befindet. Mitten im Geschehen oder eher am Rand? Beides kann funktionieren. Entscheidend ist, dass der Bereich sichtbar und einladend wirkt.

Ein Platz mit Blick nach draußen oder mit Sichtbezug zum Bibliotheksraum bringt Lebendigkeit. Gleichzeitig braucht es eine gewisse Abgrenzung zu stark frequentierten Zonen. Niemand möchte seinen Kaffee direkt neben der laut klappernden Rückgabestation trinken.

Besonders spannend finde ich Standorte an großen Fensterfronten zur Straße oder zu einem Platz. Wer vorbeigeht, sieht Menschen lesen, arbeiten oder ins Gespräch vertieft. Das wirkt offen und zieht neue Besucherinnen und Besucher automatisch an.

Licht und Atmosphäre

Licht ist eines der zentralen Gestaltungsmittel und prägt maßgeblich den Charakter eines Lesecafés. Es entscheidet mit darüber, ob man sich wohlfühlt. Tageslicht ist natürlich ideal. Große Fenster, helle Materialien und eine freundliche Farbgestaltung unterstützen das.

Wo das natürliche Licht nicht ausreicht, sorgt eine abgestufte Lichtgestaltung für eine angenehme Atmosphäre: Eine gute Grundbeleuchtung sorgt für Orientierung. Pendelleuchten über Tischen schaffen Inseln. Individuelle Leseleuchten bieten gezieltes Licht für konzentriertes Arbeiten. Warmes Licht macht den Raum wohnlich, dimmbare Lösungen erlauben es, zwischen Tagesbetrieb und Abendveranstaltung zu wechseln.

Akustik und Raumklima

Ein Lesecafé darf lebendig sein. Gespräche gehören dazu. Trotzdem sollte es keine Lärmquelle für die gesamte Bibliothek werden.

Teppiche, gepolsterte Möbel oder Akustikpaneele helfen, Geräusche zu dämpfen. Besonders wirksam ist eine gut geplante Akustikdecke. Sie nimmt Schall auf, bevor er sich im Raum ausbreitet. Auch bepflanzte Raumteiler (Achtung pflegeintensiv!) mindern Geräusche und schaffen eine angenehme Klangatmosphäre.

Möblierung und Flexibilität

Die Möblierung gibt dem Lesecafé Identität, Komfort und Funktionalität zugleich. Ein ausgewogenes Konzept berücksichtigt die verschiedenen Nutzungsszenarien – vom konzentrierten Lesen über das Arbeiten am Laptop bis hin zu informellen Gesprächen und kleinen Veranstaltungen.

  • Gemütliche Sitzgelegenheiten wie Sessel, Sofas oder modulare Polstermöbel laden zum längeren Verweilen und entspannten Lesen ein.
  • Flexible Café- und Bistrotische bieten Platz für Getränke, mobile Geräte oder kleine Gruppenarbeiten. Unterschiede in der Sitzhöhe, z.B. etwa durch Bartische, strukturieren den Raum und schaffen Dynamik.
  • Große Zeitungslesetische geben die Gelegenheit mit anderen Nutzer*innen ins Gespräch zu kommen
  • Rückzugsnischen oder Einzelarbeitsplätze mit Beistelltisch fördern konzentriertes Arbeiten oder Lesen und können somit eine Ergänzung zu den anderen Nutzerarbeitsplätzen in der Bibliothek bieten
  • Modulare und mobile Möbel auf Rollen ermöglichen eine schnelle Umgestaltung für Lesungen, Workshops, Gesprächsrunden oder andere Veranstaltungsformate.

Wichtig ist Flexibilität. Mobile Möbel auf Rollen erlauben es, den Bereich schnell für Lesungen oder Workshops umzugestalten. Und ganz wichtig: ausreichend Steckdosen. Am besten direkt in den Möbeln integriert.

Materialien und Farben prägen die Stimmung. Holz und Textilien wirken warm, Metall und Glas eher sachlich. Pflanzen, Kissen und ein gutes Getränkeangebot können den wohnlichen Charakter verstärken.

Medienangebot im Lesecafé

Ein Lesecafé lebt auch von seinem Medienangebot. Tagesaktuelle Zeitungen, lokale und überregionale Titel, Zeitschriften oder Magazine passen hier besonders gut.

Viele Bibliotheken ergänzen das Angebot durch digitale Pressedienste. Mit Leihgeräten oder dem eigenen Smartphone lassen sich Inhalte direkt vor Ort nutzen, vorausgesetzt das WLAN ist stabil. Gerade Zeitschriften, die nur im Haus gelesen werden dürfen, sind im Lesecafé gut aufgehoben.

Fazit und Beispiele aus NRW

Ein gut gestaltetes Lesecafé ist mehr als ein Bereich mit Kaffeemaschine und Sesseln. Es verbindet Aufenthaltsqualität mit Bibliotheksidentität. Es schafft Raum für Begegnung und für Rückzug. Und es zeigt ganz nebenbei, dass Bibliotheken Orte sind, an denen man nicht nur Medien ausleiht, sondern gerne Zeit verbringt. Dass es viele gute Lösungen gibt, zeigen zahlreiche Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen. Hier ein paar Beispiele:

Bad Berleburg

Auch in kleineren Bibliotheken, wie der Stadtbücherei Bad Berleburg finden sich Lesecafés, halt in etwas kleinerem Format. Gemütliche Sitzgelegenheiten an runden Tischen, ergänzt durch Tischleuchten und eine Kaffeemaschine, laden zum Verweilen ein.

Bergheim

Das Lesecafé der Stadtbibliothek Bergheim befindet sich vor einer raumhohen Fensterfront. An der Kaffee-Bar gibt es Heißgetränke, die man an den verschiedenen Sitzgelegenheiten genießen kann. Zum Beispiel an Tischen, die ein Schreiner aus ausgesonderten Büchern gebaut hat.

Essen-Huttrop

Das Lesecafé der Stadtteilbibliothek Essen-Huttrop überzeugt mit einem zeitgemäßen, offenen Ambiente. Wer mag, nimmt direkt an der Theke Platz und kommt unkompliziert ins Gespräch oder genießt einfach einen Kaffee mit Blick ins Geschehen. Darüber hinaus stehen in der Bibliothek weitere, unterschiedlich gestaltete Sitzmöglichkeiten zur Verfügung – vom ruhigen Leseplatz bis zur gemütlichen Ecke zum Verweilen.

Die Theke im Eingangsbereich ist Info und Aufenthaltsbereich.

Hattingen

In der Stadtbibliothek Hattingen befindet sich das Lesecafé auf der unteren Ebene im hinteren Bereich. Quadratische Tische, die sich flexibel zu größeren Gruppen zusammenstellen lassen, sowie Designerstühle, deren roter Farbton das Farbkonzept des angrenzenden Belletristikbereichs aufgreift, laden zum Verweilen ein.

Direkt daneben stehen großzügige Sofas zur Verfügung, ebenso wie der Zeitungs- und Zeitschriftenbestand. Eine integrierte Küchenzeile mit Kaffeeautomat erleichtert dem Bibliothekspersonal zudem den Umgang mit gebrauchtem Geschirr.

Kamp Lintfort

Das Lesecafé in der Mediathek Kamp-Lintfort, dessen Theke von einem externen Betreiber geführt wird, dient zugleich als flexible Veranstaltungsfläche. Durch die direkte Lage an der großen Fensterfront im Eingangsbereich entsteht ein Schaufenstereffekt, der Passantinnen und Passanten neugierig macht und in die Bibliothek hineinzieht.

Eine Sitzbank, gepolsterte Stühle und stimmungsvolle Pendelleuchten schaffen eine angenehme, einladende Atmosphäre.

Kreuztal

In der Stadtbibliothek Kreuztal finden sich angrenzend an den Zeitschriftenbereich unterschiedliche Aufenthaltsmöglichkeiten. Gepolsterte Stühle an Bistrotischen an der Fensterfront, eine Theke mit Barhockern und Blick nach draußen sowie zentral angeordnete Sofas und Sessel bieten für jede Vorliebe die passende Sitzgelegenheit.

Langenfeld

In der Stadtbibliothek Langenfeld ist das Lesecafé in den Belletristikbestand im Eingangsbereich integriert. Umgeben von Medien bietet es verschiedene Sitzmöglichkeiten: Bistrotische und Stühle im Stil eines kleinen Straßencafés sowie Sofas auf Teppichen mit Beistelltischen, die eine gemütliche Wohnzimmer-Atmosphäre schaffen, laden zum Verweilen ein.

Die große Theke dient sowohl als Anlaufstelle für Getränke als auch als Informationspunkt für die Besucherinnen und Besucher.

Siegburg

In der Stadtbibliothek Siegburg gibt es ein kleines Café, das zwar angrenzend an die Publikumsfläche liegt, aber separat eingerichtet ist. Direkt neben dem Zeitschriftenbestand finden sich auf der Bibliotheksfläche kleinere Sitzmöglichkeiten sowie ein markanter großer Tisch, über dem eine auffällige Leuchte hängt. Hier können Besucherinnen und Besucher sowohl in Ruhe Zeitungen lesen als auch Gespräche führen.

Witten

In der Bibliothek Witten ist ein zentrales Element des Lesecafés die große Lesetreppe, die sowohl zum Verweilen als auch für Veranstaltungen genutzt werden kann. Unterhalb der Treppe befinden sich mittig keine Tisch- und Stuhlgruppen, während an den Wänden der Zeitschriftenbestand angeordnet ist. Hohe Fenster sorgen für reichlich Tageslicht und den Blick nach draußen, der im Sommer durch eine angrenzende Terrasse erweitert wird.

Autorin

Anja Thimm studierte Innenarchitektur an der Hochschule Trier. Nach ihrem Abschluss und einem Ausflug in die Welt der Büroplanung gehört sie seit 2016 zum Team der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW und berät Bibliotheken zu den Themen Bau und Einrichtung. Ebenfalls seit 2016 ist sie Mitglied der Facharbeitsgruppe Bau und Einrichtung der Fachstellenkonferenz der Bibliotheksfachstellen in Deutschland.

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#DesignDienstag: Der Eingangsbereich – die Visitenkarte jeder Bibliothek

Willkommen zu unserem neuen #DesignDienstag. In dieser Serie nimmt euch unsere Innenarchitektin Anja Thimm mit in die Welt der Bibliotheksgestaltung. Sie zeigt, wie aus gut geplanten Räumen lebendige und einladende Orte werden, in denen man sich gerne aufhält. Ob Eingangsbereich, Kinder- oder Jugendbibliothek: Jede Zone erfüllt eine eigene Aufgabe und braucht ihre ganz eigene Atmosphäre. Zum Auftakt schauen wir uns den Eingangsbereich an. Denn der erste Eindruck zählt – auch in der Bibliothek.

Orientierung und Raumstruktur

Wenn ich eine Bibliothek betrete, sehe ich mir (logisch ;)) als Erstes immer den Eingangsbereich an. Nicht aus Neugier, sondern weil hier ganz viel entschieden wird. Der Eingang ist die Visitenkarte der Bibliothek. In den ersten Sekunden entsteht ein Eindruck, der bleibt. Fühle ich mich willkommen? Verstehe ich sofort, wo ich hinmuss? Oder bin ich erst einmal mit mir und dem Raum beschäftigt?

Gute Gestaltung bedeutet hier vor allem, Funktion und Atmosphäre zusammenzubringen. Besucherinnen und Besucher sollten ohne großes Nachdenken zur Informationstheke, zur Garderobe oder zur Medienverbuchung finden. Klare Wege, eine logische Zonierung, gut lesbare Beschilderung und eine offene Raumstruktur helfen enorm. Auch Licht spielt dabei eine große Rolle: Helle, gut ausgeleuchtete Bereiche geben Sicherheit und erleichtern die Orientierung.

Barrierefreiheit und Inklusion

Orientierung hört aber nicht bei Wegführung und Schildern auf. Für mich gehört Barrierefreiheit immer ganz selbstverständlich zur Gestaltung dazu. Rutschhemmende Böden, automatische Türen und ausreichend Bewegungsflächen für Rollstühle sind keine Extras, sondern Grundlagen.

Sehr bewährt haben sich taktile Bodenleitsysteme, die Menschen mit Seheinschränkungen direkt zur Informationstheke führen. Ergänzend können digitale Hilfen wie akustische Wegweiser oder niedrig platzierte Touchscreens den Zugang weiter erleichtern. Wichtig ist dabei immer, die Technik so einzusetzen, dass sie unterstützt und nicht überfordert.

Ein schönes Beispiel dafür ist die Stadtteilbibliothek Oberhausen-Sterkrade: Hier führt ein taktiles Leitsystem sicher zur Theke, die zudem barrierefrei unterfahrbar gestaltet ist.

Ein taktiles Leitsystem führt Menschen mit Seheinschränkungen direkt zur Info-Theke. Das Beispiel zeigt die Stadtteilbibliothek Oberhausen-Sterkrade.

Funktionale Möblierung

Ein zentrales Thema im Eingangsbereich ist natürlich die Möblierung. Die Informationstheke ist meist das Herzstück. Sie muss für die Mitarbeitenden ergonomisch funktionieren und gleichzeitig niedrigere Bereiche für barrierefreie Kommunikation bieten.

Auch Selbstverbuchungs- und Rückgabesysteme sollten gut platziert sein. Ideal ist es, wenn sie vom Thekenbereich aus einsehbar bleiben. Die Medienrückgabe sollte möglichst direkt nach dem Betreten erreichbar sein. Eine zusätzliche Außenrückgabe schafft Flexibilität und wird von vielen Nutzenden sehr geschätzt.

Gleichzeitig bietet der Eingangsbereich großes Potenzial für mehr als reine Servicefunktionen. Niedrige Regale oder spezielle Präsentationsmöbel eignen sich hervorragend für Neuerscheinungen oder aktuelle Themen. Auch Zeitschriftenbereiche, kleine Lesecafés oder andere Kommunikationszonen funktionieren hier gut. Es ist ein lebendiger Bereich, in dem keine absolute Ruhe nötig ist und der durch große Fenster oft auch nach außen wirkt.

Bei Sitzmöbeln achte ich besonders auf Komfort, Pflegeleichtigkeit und Robustheit. Der Eingangsbereich ist stark frequentiert und genau das muss man den Möbeln auch zugestehen.

Lichtgestaltung

Ein oft unterschätzter Faktor ist die Beleuchtung. Dabei hat Licht enormen Einfluss auf Orientierung und Aufenthaltsqualität. Eine gute Lichtplanung nutzt Tageslicht, vermeidet Blendung und setzt gezielt Akzente. So entsteht eine freundliche Atmosphäre, die Besucherinnen und Besucher ganz automatisch weiter in die Bibliothek hineinzieht.

Beispiele aus NRW

Ein gut gestalteter Eingangsbereich ist somit weit mehr als eine Durchgangszone: Er schafft Orientierung und legt den Grundstein für ein positives Nutzungserlebnis. Dass es viele gute Lösungen gibt, zeigen zahlreiche Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen. Hier ein paar Beispiele:

Stadtbibliothek Bergheim

Hier empfangen wechselnde Farben und mehrsprachige Begrüßungen die Besucher*innen. Der Verbuchungsbereich liegt direkt neben dem Eingang und ist von der Servicetheke aus gut im Blick.

Stadtbibliothek Brühl

Die Bibliothek in Brühl teilt sich das Gebäude mit dem Rathaus. Das gemeinsame Foyer dient als Rückgabeort für Medien. Auf jeder Etage sorgt eine Theke für Orientierung und ist Anlaufstelle für Besucher.*innen.

Stadtteilbibliothek Essen-Huttrop

In Essen-Huttrop liegt die Theke direkt im Eingangsbereich und dient sowohl als Informationstheke als auch als Café. Der Verbuchungsbereich ist dank farbiger Leuchtschrift sofort sichtbar.

Stadtbibliothek Kamp-Lintfort

In Kamp-Lintfort befindet sich das Lesecafé im Eingangsbereich der Bibliothek. Der eigentliche Empfangsbereich mit Informationstheke befindet sich etwas weiter hinten, abgetrennt durch den Open-Library-Bereich.

Stadtbibliothek Langenfeld

In Langenfeld gelangen die Besucher*innen beim Betreten der Bibliothek direkt zur Informationstheke, die gleichzeitig als Theke für das gegenüberliegende Lesecafé genutzt wird. Der Selbstverbuchungsbereich ist vor der Theke angeordnet und wurde in die Wand sowie das angrenzende „Superregal“ integriert.

Zentralbibliothek Mönchengladbach

Der Eingangsbereich in der Zentralbibliothek Mönchengladbach ist ein offenes Foyer über zwei Geschosse, das auch für Veranstaltungen genutzt wird. Neben Theke, Verbuchungsbereich und Garderobe gibt es auch ein Lesecafé auf der Ebene. Ein großer digitaler Infoscreen informiert die Besucher direkt beim Betreten.

Stadtteilbibliothek Oberhausen-Sterkrade

Im Windfang in Oberhausen-Sterkrade gibt es E-Ladeplätze für Fahrräder. Besucher*innen werden über eine mehrsprachige Beschriftung auf der Glasschiebetür informiert. Ein taktiles Bodenleitsystem führt zur Theke, die barrierefrei unterfahrbar gestaltet ist.

Stadtbibliothek Velbert

Die Bibliothek in Velbert ist Teil des Forum Velbert und wird über ein gemeinsames Foyer betreten. Direkt beim Eingang der Bibliothek liegt der Verbuchungsbereich, ergänzt durch ansprechend gestaltete Präsentationsmöbel. Die Theke befindet sich nach einem kleinen Durchgang am Rand der offenen Fläche, die Sitzplätze und die Belletristik beherbergt.

Autorin

Anja Thimm studierte Innenarchitektur an der Hochschule Trier. Nach ihrem Abschluss und einem Ausflug in die Welt der Büroplanung gehört sie seit 2016 zum Team der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW und berät Bibliotheken zu den Themen Bau und Einrichtung. Ebenfalls seit 2016 ist sie Mitglied der Facharbeitsgruppe Bau und Einrichtung der Fachstellenkonferenz der Bibliotheksfachstellen in Deutschland.

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Ein Rückblick auf das Online-Seminar „Sustainability and Libraries“

Nachhaltigkeit gehört zu den dringendsten Themen unserer Zeit. Das Online-Seminar Sustainability and Libraries – agenda 2030 beleuchtete die Rolle der Bibliotheken in Deutschland und in den Niederlanden, unterstützt von einigen Beispielen, wie Nachhaltigkeit bereits umgesetzt wird.  Die Veranstaltung fand als Teil der digitalen Seminarreihe Deutsch-Niederländischer Dialog zur Zukunft der Bibliotheken im Rahmen der Partnerland-Initiative Deutschland-Niederlande der Bibliotheksverbände Bibliothek & Information Deutschland (BID) und FOBID Netherlands Library Forum statt. Im ersten Teil des Seminars stellte EBLIDA Präsident Ton van Vlimmeren die aktuelle Lage der Bibliotheken in den Niederlanden vor. Im zweiten Teil referierte Jaqueline Breidlid vom Deutschen Bibliotheksverband über die Entwicklungen in den deutschen Bibliotheken. Das Interesse am Online-Seminar war hoch: Rund um den Globus lauschten weit über 300 Teilnehmende den Vorträgen.

Ausgangspunkt des Dialogs war die Bibliothek als grundsätzlich nachhaltige Institution, denn: Bei einem Buchdruck werden bei der Herstellung etwa 1,1 Kilogramm Kohlendioxid freigesetzt. Dieser Wert relativiert sich bei mehrfacher Ausleihe. Bibliotheken leisten zudem einen Beitrag zur Sensibilisierung für die Notwendigkeit einer nachhaltigen Gesellschaft, indem sie Informationen bereitstellen und Projekte organisieren.

Nachhaltigkeitskonzepte in niederländischen Bibliotheken

Ton van Vlimmeren ging zunächst auf die 17 Nachhaltigkeitsziele ein, auch Sustainable Development Goals genannt, die am 25. September 2015 im Rahmen des Nachhaltigkeitsgipfels der Vereinten Nationen beschlossen wurden. Diese sollen bis zum Jahr 2030 dazu beitragen, globale Entwicklungen nachhaltig zu gestalten. Nach dieser Agenda besteht Nachhaltigkeit aus drei Dimensionen: Der sozialen, der ökonomischen und der ökologischen. Die darunterfallenden Ziele betreffen unter anderem die Bekämpfung von Armut, sauberes Wasser und Sanitätsversorgung, nachhaltige Städte und Gemeinden sowie der Zugang zu hochwertiger Bildung.

„Hier kommt die Bibliothek ins Spiel,“ erklärte van Vlimmeren und stellte das Vorgehen in den Niederlanden vor: „Es gibt zwei große Aufgabenbereiche bei uns. Das betrifft zum einen die Bibliotheksgebäude, zum anderen Veranstaltungsformate.“ Großes Potenzial sieht Van Vlimmeren in klimaneutralen Bibliotheksgebäuden und einem ausgeprägten Waste Management. Bibliotheken können bereits bei ihrer Ausstattung auf ihren ökologischen Fußabdruck achten sowie ein Bewusstsein dafür entwickeln, was weiterverwertet anstatt weggeschmissen werden kann. Als Beispiel für ein klimaneutrales Gebäude nannte er die Bibliothek in Utrecht.

Wie in der Agenda 2030 beschrieben, ist ein ebenso wichtiger Bestandteil das Soziale. Dazu finden zahlreiche Angebote in den niederländischen Bibliotheken statt. „Wir haben zum Beispiel eine Ausstellung zum Thema Hungersnot in einer Bibliothek durchgeführt und Essensausgaben eingerichtet. Durch Corona zeigt sich, dass einige Schülerinnen und Schüler kein Internet Zuhause haben, weshalb wir Online Schooling anbieten. Es gibt Queer Cafés und andere Meetups,“ zählte Van Vlimmeren auf. Wichtig ist hierbei, dass Angebote und Informationen für jeden frei zugänglich sind.

Nachhaltigkeitsprojekte in deutschen Bibliotheken

Das betonte auch Jaqueline Breidlid vom Deutschen Bibliotheksverband Berlin. Sie beobachtet: „Deutsche Bibliotheken entwickeln sich zu öffentlichen Räumen, die wesentlich mehr beinhalten als die Ausleihe. Viele Bibliotheken organisieren Veranstaltungen und initiieren Projekte, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Es gibt Food Sharing Projekte, die mit lokalen Partnern durchgeführt werden, um zu vermitteln, woher unsere Ressourcen stammen.“

Darüber hinaus engagieren sich Bibliotheken im Bereich der Inklusion. Wie zum Beispiel in der Stadtbibliothek Köln . Hier wurden Bücher von einem Digitalisierungsroboter erst gescannt und dann zu Audiodateien weiterverarbeitet. Auf diese Weise werden Bücher lesbar für jeden.

Wichtig ist auch die politische Ebene. „Die Arbeit des Deutschen Bibliotheksverbands zielt darauf ab, in der Politik das Bewusstsein zu entwickeln, dass die Bibliothek eine wichtige Rolle spielt, wenn es um Nachhaltigkeit geht,“ führte Breidlid aus. Der Deutsche Bibliotheksverband hat im Oktober 2020 eine Stellungnahme mit dem Titel Potenzial von Bibliotheken durch strategische Einbindung nutzen zur Aktualisierung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie 2020 veröffentlicht. Breidlid berichtete zum Schluss von dem Projekt Aktionstage Nachhaltigkeit. Hier können sich nicht nur Bibliotheken, sondern auch andere Institutionen mit ihren Projekten bewerben, die Menschen dazu anregen sollen nachhaltig zu handeln. Unter dem Hashtag #tatenfuermorgen lassen sich auch Aktionen von Bibliotheken finden, die beispielsweise Ausstellungen zum Thema Plastik umsetzen.

Internationale Perspektive: Die Rolle der IFLA und EBLIDA

Um Bibliotheken international bei umweltverträglicheren Maßnahmen zu unterstützen hat die IFLA die Abteilung ENSULIB (Environment, Sustainability and Libraries – Umwelt, Nachhaltigkeit und Bibliotheken) ins Leben gerufen. ENSULIB bietet Materialien zum Thema grünes Bibliothekswesen und in einem internationalen Diskussionsforum die Möglichkeit zum Austausch. Um eine Vergleichbarkeit mit internationalen Bibliotheken zu schaffen, führte die IFLA zuletzt die Library Map of the World auf ihrer Internetplattform ein, in der aus allen Regionen dieser Welt Bibliotheken gesucht werden können. Dazu werden für Bibliotheken und Regionen verschiedene Kennzahlen angezeigt, wie die Anzahl an Internetzugängen, Nutzerzahlen oder physische und digitale Medien. Zum Schluss des Seminars stellte Van Vlimmeren als Präsident der EBLIDA noch einen aktuellen Bericht mit dem Titel A post Covid-19 European Library Agenda meeting Sustainable Development Goals and funded through the European Structural and Investment Funds (2021-2027) vor. Der Bericht setzt sich kritisch mit den Folgen der Corona-Krise und mit den Problemen der Bibliotheken, die sich erst durch die Pandemie gezeigt haben, auseinander. Hierzu gehört zum Beispiel die Beobachtung, dass viele Bibliotheken über keine Online-Präsenz verfügen, über die sie ihre Nutzer*innen erreichen können und deshalb bisher benachteiligt sind.

Das Seminar hat gezeigt, dass in beiden Ländern viele Bibliotheken bereits ein Verständnis für Nachhaltigkeit entwickelt haben und das, obwohl sie vielerorts noch nicht von der Politik miteinbezogen werden, wenn es um die Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien geht. Der Einblick in die unterschiedlichen Projekte macht deutlich, wie facettenreich Nachhaltigkeit sein kann. Auch kleine Projekte von Bibliotheken können den Blick bei ihren Nutzer*innen schärfen für umweltbewusstes Handeln.

Weiterführende Informationen unter:

biblio2030.de

German-Dutch dialogue on the future of libraries

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Bibliotheken im Ausland – „Biblo Tøyen“ – für Erwachsene verboten (Teil 5)

Biblo Tøyen in Olso wurde als erste Jugendbibliothek Norwegens im Dezember 2017 eröffnet. Eingerichtet hat sie der niederländische Architekt Aat Vos. Die Bilder, die wir im Internet sahen, weckten sofort unsere Neugierde und warfen gleichzeitig Fragen auf. Was hat die Deichmanske bibliotek dazu bewogen, diese Zweigstelle einzurichten? Grund genug, 2018 einen privaten Besuch in Norwegens Hauptstadt mit einem Besuch der Jugendbibliothek Biblo Tøyen zu verbinden.

Im Nachhinein hat es sich als großes Glück herausgestellt, dass meine Freundin vor Ort zum Telefonhörer griff und eine private Führung organisierte. Und so wurden wir sehr freundlich zur verabredeten Zeit empfangen. Das erste jedoch worauf wir hingewiesen wurden, war das „Stop-Schild“ auf dem Boden: bis hierher und nicht weiter! Diese Bibliothek gehört den Jugendlichen im Alter von 10 bis 15 Jahren! Zu normalen Öffnungszeiten hätten wir die Bibliothek überhaupt nicht betreten dürfen. Eltern, andere Erwachsene, jüngeren oder älteren Kindern wird der Zutritt konsequent verwehrt. Einfach einmal vorbeischauen und durchschlendern geht nicht. Es wurde uns versichert, dass man es ernst meine mit dieser Regel. Denn sie ist Teil eines ganz besonderen Konzepts.

Als nächstes hieß es „Schuhe ausziehen“. Für jeden, der in Norwegen schon einmal einen privaten Besuch gemacht hat, ist dies nicht ungewöhnlich. Automatisch zieht jeder die Schuhe aus, wenn er über die Türschwelle tritt. Und da die Kids die Bibliothek als ihren ganz speziellen Ort empfinden sollen, heißt es eben auch hier „Schuhe ausziehen“ – auch für zwei Besucherinnen, denen ausnahmsweise Zutritt gewährt wird.

Die übrigen Regeln waren schnell erklärt. „Wir erwarten einen respektvollen Umgang miteinander.“ Und – man höre und staune – es darf nicht laut werden (Ausnahmen bestätigen die Regel, wurde augenzwinkernd ergänzt. Zum Beispiel bei einer Klassenführung, wenn die Schülerinnen und Schüler zum ersten Mal die Bibliothek erkunden. Dann dürfen sie 10 Minuten laut kreischend die unbekannten Räumlichkeiten durchstreifen). Jeder muss sich für die Bibliothek und ihre Einrichtung verantwortlich fühlen und pfleglich mit den Dingen umgehen. Womit man es allerdings nicht so genau nimmt, sind die Rückgabedaten für die entliehenen Medien. „Schließlich möchten wir, dass die Kinder sich wohl fühlen und sie nicht vertreiben. Die Bibliothek ist ihr Rückzugsgebiet, das nur ihnen zur Verfügung steht.“ Geduldig wird deshalb hinterher telefoniert, in der Regel mit Erfolg.

Dann wurde uns erläutert, wie es zu den Planungen dieser Bibliothek gekommen ist. Denn einen Katzensprung entfernt, gibt es noch eine Bibliothek. Ebenfalls von Aat Vos eingerichtet, übernimmt sie die „normale“ Funktion einer Stadtteilbibliothek.

Der Stadtteil gehört zu den Gebieten in Oslo, die als soziale Brennpunkte gelten. Die Gründung der Jugendbibliothek ist eine von vielen Maßnahmen, die zur Aufwertung der Lebensqualität ergriffen wurden. In Oslo ist die Nachmittags-Betreuung für Kinder bis 10 Jahre durch schulische Ergänzungsangebote sichergestellt. Doch ab 10 Jahre sind die Kinder nachmittags auf sich gestellt. Diese Lücke wollte man mit den Angeboten der Jugendbibliothek schließen. Die Bibliothek hat sieben Tage die Woche auf. An Wochentagen von 14 bis 19 Uhr, am Samstag und Sonntag von 10 bis 16 Uhr.

Dass das Konzept aufgeht zeigen die Besuchszahlen. Zwischen 70 und 80 Kinder suchen die Bibliothek an wenig frequentierten Tagen auf. Ab und zu kann es richtig voll werden, wenn sich an einem Nachmittag bis zu 250 Kinder in der Bibliothek aufhalten. Und am Wochenende kommen auch Kinder aus anderen Stadtteilen in die Bibliothek.

Auf unsere Frage nach dem Personal kommen wir aus dem Staunen nicht heraus. In der Bibliothek arbeiten fünf Vollzeitkräfte, die alle keine bibliothekarische Ausbildung haben. Vielmehr steht im weitesten Sinne eine künstlerische Ausbildung im Vordergrund. Mari Østby Kjøll, unsere Ansprechpartnerin, hat beispielsweise einen Abschluss im Bereich fine Arts. Zum Angebot gehört eine Hausaufgabenbetreuung an allen Werktagen von 14 bis 16 Uhr. Hier wird das Team von zwei ehrenamtlich tätigen Lehrkräften unterstützt. Überhaupt gibt es viele Ehrenamtliche, die sich freiwillig zur Mitarbeit melden. Jeder ist willkommen, so dass es ein umfangreiches Veranstaltungsangebot gibt.

Die fünf hauptamtlichen Kräfte bereiten in den Vormittagsstunden die Programmarbeit vor. Fünfmal pro Jahr gibt es einen Themenschwerpunkt. Bei unserem Besuch stand das Thema „BiblioBotanic“ im Mittelpunkt. Die Themen werden ganzheitlich aufbereitet. So haben die Kinder zunächst unterschiedliche Pflanzen ausgesät und lernen die Früchte kennen. Anhand einer Landkarte verfolgen sie den Weg vom Anbaugebiet nach Oslo. U.a. wurden auch Kartoffeln in einem „Hochbeet“ gepflanzt. Und wie zufällig findet man überall Bücher zum Thema, die die Kinder durchblättern und natürlich auch ausleihen können.

Kochen gehört zum festen Veranstaltungsangebot. Hier können Kinder, die in ihren Familien nicht selber kochen lernen, Erfahrungen mit Lebensmitteln machen. Und wer bekommt nicht Lust in dieser Bibliothek zu kochen? Die Unterbringung einer Küche in einem alten LKW sieht man ja nicht alle Tage! Passend zum aktuellen Themenschwerpunkt wurden natürlich viele Kartoffelgerichte gekocht.

Bücher und andere Medien sind nach Themenkreisen sortiert in der Bibliothek verteilt, stehen aber nicht im Mittelpunkt. Direkt in der Nähe des Eingangs gibt es Fächer, die verschiedene Kreativ-Materialien bereithalten. Ausleihen kann man sie ausschließlich zur Präsenznutzung ganz klassisch mit dem Bibliotheksausweis.

Und natürlich gibt es auch Rückzugsorte in der Bibliothek wie kuschelige Leseecken oder Gruppenräume zum Chillen. Und wer Lust auf Verwandlung hat, kann bei einem Besuch im Spiegelkabinett seine Gestalt schnell ändern – mal dick, mal dünn. Die PC-Arbeitsplätze stehen erst nach der Hausaufgabenzeit für Mindcraft und andere Computerspiele bereit. Und an der großen Lego-Wand kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen.

Das Team hat außerdem die Aufgabe, das Erscheinungsbild der Bibliothek monatlich zu ändern. Dafür wird gerückt und geschoben. Deshalb wurden die Ski-Gondeln an einem Schienensystem unter der Decke befestigt. Wenn die Arretierung gelöst wird, können die Gondeln leicht an einen anderen Platz verschoben werden. Auch alle anderen Fahrzeuge werden dann innerhalb des Raumes verschoben.

Die Bibliothek verfügt über ein Grundbudget, um viele neue Ideen umzusetzen. Das Team ist jedoch auch angehalten, andere Finanzquellen wie beispielsweise Stiftungsgelder zu akquirieren.

 

Die Besichtigung der Bibliothek verging wie im Fluge. Hier wurde ein ganz neues Konzept umgesetzt, eng abgestimmt auf die Bedürfnisse des Stadtteils und der Zielgruppe. Herzlichen Dank an Mari Østby Kjøll für die vielen Informationen und Eindrücke und die Erlaubnis, die Fotos von der Biblio Tøyen veröffentlichen zu dürfen!

Weitere Beiträge dieser Reihe:

Bibliotheken im Ausland – Die Fachstelle auf Reisen (Teil 1)

Bibliotheken im Ausland – „School 7“ in Den Helder (Teil 2)

Bibliotheken im Ausland: Schiedam – die erste grüne Bibliothek der Niederlande (Teil 3)

Bibliotheken im Ausland – Oodi in Helsinki (Teil 4)