Alle Artikel in der Kategorie “Bibliothek als realer Ort

Die gesellschaftlichen Trends der Mobilität, der Digitalisierung und der wachsende Wunsch nach Flexibilität wirken sich sowohl auf unsere Kultur, als auch auf unsere Aufenthaltsräume aus. Sogenannte dritte Orte, zu welchen sich Bibliotheken im öffentlichen Raum entwickeln, gewinnen an Bedeutung…
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#DesignDienstag: So werden Loungebereiche zu Lieblingsplätzen

Willkommen zum #DesignDienstag. In dieser Reihe wirft unsere Innenarchitektin Anja Thimm einen praxisnahen Blick auf Gestaltung in Bibliotheken. Diesmal widmet sie sich den Loungebereichen. Sie sind ein wichtiger Bestandteil moderner Bibliotheken und tragen dazu bei, diese als einladende „Dritte Orte“ zu gestalten. Hier können Menschen nicht nur lesen und lernen, sondern auch verweilen, sich austauschen oder einfach eine Pause vom Alltag machen.
Damit Loungebereiche ihre Wirkung entfalten können, kommt es auf mehr an als auf bequeme Möbel. Eine durchdachte Gestaltung beeinflusst die Aufenthaltsqualität, die Nutzung und die Wahrnehmung der Bibliothek insgesamt. Welche Sitzgelegenheiten passen zu unterschiedlichen Bedürfnissen? Wie lassen sich Loungezonen sinnvoll im Raum platzieren? Und welche Rolle spielen Beleuchtung, Materialien und flexible Möbel?
Im Folgenden gibt Anja Thimm praxisnahe Tipps zur Gestaltung und Möblierung von Loungebereichen und zeigt Beispiele aus NRW-Bibliotheken.

Nutzungsziele und Zonierung klar definieren

Bevor Möbel ausgewählt werden, lohnt es sich, gemeinsam im Team die gewünschten Nutzungsarten zu definieren. Typische Nutzungsszenarien für Bibliotheks-Lounges sind vor allem Ruhe und Lesen, Entspannung und Chillout sowie kleiner, leiser Austausch. Daraus ergeben sich verschiedene Zonen. Eine klare Zonierung hilft, Konflikte zu vermeiden, etwa zwischen Gesprächsgruppen und Ruhe suchenden Kunden.

In der Praxis bietet es sich an, die Lounge mit zwei bis drei klar unterscheidbaren Bereichen zu planen. Ein bewährtes Modell ist eine zentrale Lese- und Relaxzone mit Sesseln und Sofas, ein Gesprächsbereich mit höheren Rückenlehnen und gegebenenfalls ein abgesetzter Bereich mit „Liegemöbeln“ oder Sitzsäcken (besonders für Kinder und Jugendliche).

Möblierung: Vielfalt statt Einheit

Ein häufiger Fehler ist die Suche nach „der einen perfekten Bibliothekslounge“. Zeitgemäße Konzepte setzen auf Diversität der Möbel: unterschiedliche Sitzhöhen, Tiefen, Härtegrade und Formen, um verschiedene Nutzergruppen und Aktivitäten zu bedienen.

Leichte Armlehnstühle und kleine Tische eignen sich gut, um sie nach Bedarf umzustellen und informelle Gruppenplätze zu schaffen. Schwere Sessel und Mehrsitzer sind weniger flexibel, ermöglichen aber feste Sitzgruppen, die Ruhe und Abgrenzung bieten. Hocker sind besonders vielseitig: Sie dienen als Beistelltisch, zusätzlicher Sitzplatz oder mobile Ergänzung zu Sitzgruppen. Sofas und „Loveseats“ funktionieren gut in Bereichen, in denen Begleitpersonen zusammen sitzen, während sie in allgemeinen Zonen seltener gemeinsam von Fremden genutzt werden. Für Ruhezonen können Chaiselongues oder moderne Sitz-Liegemöbel eingesetzt werden.

Wichtig ist, dass die Möbel robust und pflegeleicht sind, da Bibliothekslounges oft stark frequentiert werden. Hochwertige, strapazierfähige Bezüge und stabile Konstruktionen sind hier ein Muss.

Kleine Couchtische und Beistelltische zwischen Sesseln und Sofas geben Nutzerinnen Ablageflächen für Bücher, Taschen oder Getränke. Ein zentraler Faktor, gerade bei kleineren Einrichtungen, ist die flexible Möblierung: Möbel, die leicht umgestellt, gestapelt oder kombiniert werden können, um die Fläche an unterschiedliche Nutzungen anzupassen. Stapelbare Stühle und modulare Sitzsysteme erlauben es, einen Loungebereich schnell umzunutzen – etwa für Lesungen oder kleine Veranstaltungen. Ein separates Stuhllager in der Nähe ist sinnvoll, um überzählige Stühle platzsparend zu verstauen.

Atmosphäre schaffen: Licht, Farbe, Material

Ein Loungebereich sollte sich bewusst vom restlichen Bibliotheksraum abheben – durch eine andere Beleuchtung, Farbgebung und Materialität.

Indirekte Beleuchtung, Stehlampen, Pendelleuchten oder wandflutende Lichtelemente erzeugen eine wohnliche, entspannte Atmosphäre. Leseleuchten neben Sesseln bieten individuelles Licht für konzentriertes Lesen. Wichtig ist, dass die Beleuchtung blendfrei und dimmbar ist, um unterschiedliche Tageszeiten, Nutzungen und verschiedene Nutzerbedürfnisse zu unterstützen.

Ein durchdachtes Farbkonzept kann Zonen visuell trennen: zum Beispiel ruhige Farbtöne für Lesebereiche und Relaxzonen, akzentuierte Farben für Kommunikationsbereiche. Natürliche Materialien wie Holz, Filz oder andere Stoffe erhöhen die Aufenthaltsqualität und wirken einladend. Teppichböden oder akustisch wirksame Elemente wie Deckensegel oder Wandpaneele reduzieren die Geräuschkulisse und steigern somit das Wohlbefinden.

Auch Pflanzen lockern die Atmosphäre auf und tragen nachweislich zu einem besseren Raumklima bei. Hierbei ist jedoch die Pflege der Pflanzen sicherzustellen, entweder über ein Bewässerungssystem oder das Personal.

Ergonomie und Komfort ernst nehmen

Besonders bei längeren Aufenthalten wird ergonomisches Sitzen zum entscheidenden Faktor. Da Loungemöbel in den meisten Fällen nicht flexibel verstellbar sind, sollte bei der Auswahl darauf geachtet werden, dass sie für unterschiedliche Körpergrößen geeignet sind. Gerade in stark frequentierten Bereichen empfiehlt es sich, auf stabil verarbeitete Möbel mit geprüften Standards zu setzen.

Akustik und Privatsphäre

Ein Loungebereich soll einladen, aber nicht überfordern. Gerade in offenen Bibliotheksflächen ist Akustik ein Schlüsselfaktor. Hohe Rückenlehnen, Pflanzen, Raumteiler oder Bücherregale können als Sicht- und Schallschutz dienen. Sitzgruppen sollten so angeordnet sein, dass sie nicht unmittelbar an Hauptlaufwegen liegen, um Störungen zu minimieren. Akustikpaneelen, Teppiche und textile Elemente schlucken Schall und verbessern damit den Raumhall.

Loungebereiche als strategisches Gestaltungsfeld

Loungebereiche sind mehr als „nette Ecken“. Sie sind ein zentrales Mittel, um Bibliotheken als attraktive, menschenzentrierte Räume zu gestalten. Eine gezielte Innenarchitektur und Möblierung, die auf klare Nutzungsziele wie Vielfalt, Flexibilität und Komfort setzt, macht den Unterschied zwischen einer Fläche, die „irgendwie gemütlich“ aussieht, und einer, die tatsächlich intensiv und gerne genutzt wird.

Beispiele aus NRW

Zahlreiche Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen zeigen, dass es viele gute Lösungen gibt. Hier ein paar Beispiele:

Bocholt

In der Stadtbibliothek Bocholt sorgen verschiedene Sitzmöglichkeiten in unterschiedlichen Formen, von eckig bis geschwungen, für einen entspannten Aufenthalt. Die kräftigen Farben setzen dabei lebendige Akzente im Raum und machen die Sitzgelegenheiten zu echten Hinguckern.

Dülmen

In der Stadtbücherei Dülmen laden gepolsterte Sitzgelegenheiten an den hellen Fensterfronten zu einem ruhigen Aufenthalt ein. In einer Ecke sind Sessel auf einem Teppich zu einer kleinen Sitzgruppe zusammengestellt und schaffen so einen gemütlichen Ort für Austausch und Kommunikation. Eine Standleuchte unterstreicht den wohnlichen Charakter.

Kamp-Lintfort

In der Mediathek Kamp-Lintfort können sich Nutzerinnen und Nutzer zwischen den Bücherregalen in Sofas mit hohen Rückenlehnen zurückziehen. Alternativ stehen gepolsterte Sitzbänke zur Verfügung, die mit Stromanschlüssen für mobile Endgeräte ausgestattet sind. Als „Hörbar“ bieten sie außerdem die Möglichkeit, AV-Medien direkt vor Ort zu nutzen.

Lünen

Die Stadtbücherei Lünen bietet einige bauliche Besonderheiten, darunter eine in die Wand eingelassene Sitznische. Auch die skulptural anmutende Treppe kann als Sitzplatz genutzt werden. Darüber hinaus gibt es sowohl im Erdgeschoss als auch auf der Galerie ruhigere Sitzbereiche.

Menden

Die Dorte-Hilleke-Stadtbibliothek Menden lockt die Nutzer mit dem Charme eines heimischen Wohnzimmers. Hier finden sich Loungemöbel, in Form verschiedener Sessel und Sofas, die kombiniert mit Vintage-Kommoden und Schränken und der warmen Farbgestaltung eine gemütliche Atmosphäre schaffen.

Velbert

Die Bibliothek Velbert nutzt ihre großzügige Fläche, um an verschiedenen Stellen gemütliche Loungebereiche zu schaffen. Ob einzelne Sessel, Sofas oder Sitzbänke an den Fensterfronten: Für unterschiedliche Bedürfnisse wurden passende Plätze zum Lesen, Verweilen oder Entspannen geschaffen. Ein besonderes Highlight sind die drehbaren Regale mit gepolsterten Rückseiten. In der richtigen Position lassen sie einen kleinen, abgeschirmten Raum entstehen, das sogenannte „James-Bond-Zimmer“.

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Online-Vortrag: Demokratische Räume – Bibliotheken als Orte der Teilhabe / 09.09.26 von 09.30 bis 11 Uhr

Demokratie braucht Orte der Begegnung und des Austauschs. Der Vortrag stellt das Forschungsprojekt „Demokratische Räume“ vor und zeigt, wie Stadtentwicklung und öffentliche Einrichtungen zur Stärkung demokratischer Kultur beitragen können. Gemeinsam wird diskutiert, welche Impulse sich daraus für Bibliotheken als lebendige Orte des Miteinanders ergeben.

Referentin ist Anca Cârstean, wissenschaftliche Referentin am Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen an der Schnittstelle von Stadtentwicklung, Baukultur und gesellschaftlicher Teilhabe.

Bitte melden Sie sich bis zum 04.09.2026 über den folgenden Link an: https://webspace-brd.nrw/index.php/247947?lang=de

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Bibliotheksinspiration aus Tromsø: Freizeitbibliothek mit Werkstatt und Blick über die Stadt

Unsere Kollegin Karin Lachmann ist auf ihrer Reise durch den Norden Norwegens inzwischen in Tromsø angekommen. Die Stadt hat rund 74.000 Einwohner und eine besonders interessante Bibliothek.

Das Bibliotheksgebäude war ursprünglich ein Kino und wurde für die heutige Nutzung vollständig entkernt. Heute bietet die Bibliothek nicht nur viel Raum für ihre Besucher:innen, sondern auch einen tollen Blick über die Stadt.

Wie schon bei anderen Bibliotheken auf den Lofoten und in Nordnorwegen fällt auch in Tromsø die enge Verbindung verschiedener kultureller Einrichtungen auf. In dem mit der Bibliothek verbundenen Nebengebäude befinden sich ein Kino, ein Konzertsaal und das Rathaus. Bibliothek, Kultur und öffentliche Einrichtungen sind damit unter einem Dach beziehungsweise in unmittelbarer Nachbarschaft miteinander verbunden.

Eine Freizeitbibliothek der besonderen Art

Besonders beeindruckend ist die Größe der „Bibliothek der Dinge“, die hier als Freizeitbibliothek bezeichnet wird. Das Angebot geht weit über das hinaus, was man aus deutschen Bibliotheken kennt.

Ausgeliehen werden kann fast alles, was man für Freizeitaktivitäten in der nordischen Landschaft gebrauchen kann: Fahrräder, Skier, Zelte, Kocher und Schlafsäcke gehören ebenso zum Angebot wie zahlreiche Angelruten und weiteres Zubehör. Der Eindruck: ein halber Baumarkt in Bibliotheksregalen.

Besonders spannend ist die direkt angeschlossene Werkstatt. Hier werden die ausgeliehenen Gegenstände repariert, gereinigt und für den nächsten Einsatz vorbereitet.

Damit wird aus der klassischen Bibliothek der Dinge ein umfassendes Angebot rund um Freizeit, Bewegung und gemeinsames Nutzen: Statt Ausrüstung selbst zu kaufen, kann man sie ausleihen, ausprobieren und wieder zurückbringen.

Der Umfang des Angebots ist beeindruckend und zeigt, wie weit das Konzept einer Bibliothek als Ort des Teilens gedacht werden kann.

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Bibliotheksinspiration von den Lofoten

Unsere Kollegin Karin Lachmann ist in ihrem Sabbathalbjahr auf dem nördlichsten Abschnitt des europäischen Fernwanderwegs E1 unterwegs. Als Bibliothekarin interessiert sie sich dabei auch für Bibliotheken in anderen Ländern und dafür, wie sie gestaltet und ausgestattet sind. Auf den norwegischen Lofoten hat sie zwei Bibliotheken besucht und schildert hier ihre Eindrücke.

Svolvaer: Bibliothek mit langer Geschichte

Auf meiner Wanderung über die Lofoten durfte natürlich auch ein Bibliotheksbesuch nicht fehlen. Mein Weg führte mich nach Svolvær, der größten Stadt der Inselgruppe. Obwohl die Bibliothek eher klein ist, hat sie mich mit einigen Besonderheiten überrascht.

Besonders aufgefallen sind mir drei Dinge. Zum einen die gelungene Kombination aus moderner Technik und zeitgemäßer Ausstattung mit vielen liebevoll ausgewählten Vintage-Möbeln. Das schafft eine angenehme Atmosphäre und erinnerte mich ein wenig an die Stadtbücherei Menden.

Spannend war auch ein Blick in den historischen Bereich der Bibliothek. Dort ist dokumentiert, dass die Bibliothek bereits vor rund 100 Jahren bis 20 Uhr geöffnet hatte. Lange Öffnungszeiten sind hier also keine neue Entwicklung.

Am meisten beeindruckt hat mich jedoch die Bibliothek der Dinge. Ausgeliehen werden kann alles, was man für Aktivitäten in der Natur benötigt: Gummistiefel, Isomatten, Zelte, Wanderstöcke, Skier oder Skateboards. Das zeigt sehr schön, wie sich das Angebot einer Bibliothek an den Bedürfnissen ihrer Region und ihrer Nutzerinnen und Nutzer orientiert.

Leknes: „Die schönste Bibliothek der Welt“

Meine zweite Bibliotheksstation auf den Lofoten war die Bibliothek in Leknes. Gleich am Empfang fällt ein leuchtender Schriftzug ins Auge: „Die schönste Bibliothek der Welt“. Das ist zwar mit einem Augenzwinkern gemeint, aber die Bibliothek hat durchaus einiges zu bieten.

Wie schon in Svolvær ist sie Teil eines Kulturzentrums. Bibliothek, Kino, Theater und Restaurant gehen fließend ineinander über und schaffen einen lebendigen Treffpunkt. Besonders gut gefallen haben mir der großzügige Makerspace und die vielen gemütlichen Aufenthaltsbereiche.

Eine Idee fand ich besonders sympathisch: Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter präsentiert eigene Buchempfehlungen. Schließlich sind Geschmäcker verschieden und genau das macht persönliche Empfehlungen oft so interessant.

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#DesignDienstag: Gaming in der Bibliothek – mehr als ein Zusatzangebot

Willkommen zum #DesignDienstag. In dieser Reihe wirft unsere Innenarchitektin Anja Thimm einen praxisnahen Blick auf Gestaltung in Bibliotheken. Diesmal widmet sie sich den Gamingbereichen. Gamingbereiche in öffentlichen Bibliotheken sind längst mehr als ein kurzfristiger Trend. Sie stehen exemplarisch für den Wandel der Bibliothek hin zu einem offenen, vielfältigen Aufenthaltsort, der unterschiedliche Interessen zusammenbringt. Richtig geplant, können sie neue Zielgruppen erschließen, bestehende Nutzer stärker binden und die Bibliothek als sozialen Raum stärken. Entscheidend ist jedoch, dass Gaming nicht als isoliertes Zusatzangebot gedacht wird, sondern als integraler Bestandteil der räumlichen und konzeptionellen Gesamtstrategie. Daher bringt die Einrichtung von Gamingbereichen einige planerische und organisatorische Fragen mit sich, die frühzeitig bedacht werden sollten.

Nutzergruppen im Blick behalten

Ein sinnvoller Einstieg in die Planung ist der Blick auf die unterschiedlichen Nutzergruppen und ihre Bedürfnisse. Gaming spricht eine erstaunlich breite Zielgruppe an: Kinder, Jugendliche und zunehmend auch Erwachsene, die spielerische Formate für sich entdecken. Dabei unterscheiden sich die Erwartungen deutlich. Während jüngere Nutzer häufig in Gruppen spielen, sich austauschen und auch laut sein dürfen, suchen andere eher ruhigere, kooperative oder kreative Spielerfahrungen. Ein gut konzipierter Bereich trägt dieser Vielfalt Rechnung, indem er unterschiedliche Nutzungsformen ermöglicht, ohne dass sie sich gegenseitig stören.

Der passende Standort

Diese Überlegungen führen unmittelbar zur Frage nach der geeigneten räumlichen Einbindung eines Gaming-Angebots. Gaming bringt Bewegung, Geräusche und Aufmerksamkeit mit sich – Eigenschaften, die bewusst in die Bibliotheksgestaltung einbezogen werden sollten. Eine Platzierung direkt im Eingangsbereich kann zwar Neugier wecken und Sichtbarkeit schaffen, führt jedoch häufig zu Nutzungskonflikten. Bewährt haben sich Bereiche, die gut erreichbar sind, zugleich aber ausreichend Abstand zu klassischen Ruhe- und Arbeitszonen bieten. Übergänge zwischen Kinder- und Jugendbereich oder Flächen mit Aufenthaltsqualität eignen sich dafür oft besonders gut. Offene Raumstrukturen oder transparente Abtrennungen können dazu beitragen, den Gaming-Bereich sichtbar und einladend zu gestalten, ohne dass sich Geräusche oder Aktivitäten ungehindert auf die gesamte Bibliothek auswirken.

Akustik als Schlüsselthema

Besonders sensibel ist in diesem Zusammenhang das Thema Akustik. Gaming ist mit Geräuschen verbunden – durch Gespräche, Reaktionen und die Spiele selbst. Ohne gezielte Maßnahmen kann dies schnell zu Spannungen führen. Eine durchdachte akustische Gestaltung ist daher keine Kür, sondern Voraussetzung. Schallabsorbierende Materialien an Decken und Wänden, textile Oberflächen oder entsprechend gestaltete Möbel tragen wesentlich dazu bei, die Geräuschkulisse zu dämpfen. Auch die räumliche Struktur spielt eine Rolle: Teilweise abgeschirmte Bereiche oder Raum-in-Raum-Lösungen können helfen, den Schall zu bündeln, ohne den offenen Charakter vollständig aufzugeben.

Inhalt und Gestaltung

Neben funktionalen Aspekten lohnt sich ein genauer Blick auf die inhaltliche und gestalterische Ausrichtung. Ein Gamingbereich wirkt dann überzeugend, wenn er ein erkennbares Thema oder eine klare Idee transportiert. Das kann von kompetitivem Gaming über kreative Anwendungen bis hin zu Retro-Ansätzen reichen. Dieses Thema beeinflusst nicht nur die Auswahl der Inhalte, sondern auch die Gestaltung des Raums. Farben, Materialien und Licht tragen dazu bei, eine eigene Atmosphäre zu schaffen, die sich vom restlichen Bibliotheksraum abhebt, ohne sich völlig davon zu lösen. So entsteht ein Ort mit eigenem Charakter, der dennoch Teil des Ganzen bleibt.

Möblierung und Funktionalität

Die Möblierung übernimmt dabei eine zentrale Rolle. Sie muss unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden: Komfort bei längeren Nutzungszeiten, Robustheit im Alltag und Flexibilität für verschiedene Szenarien. Sitzmöbel sollten ergonomisch sein und gleichzeitig eine gewisse Lässigkeit vermitteln, die zum informellen Charakter des Spielens passt. Modulare Elemente ermöglichen es, den Raum schnell an unterschiedliche Nutzungen anzupassen, etwa für Einzelspiel, Gruppenangebote oder kleine Veranstaltungen. Auch technische Aspekte sollten von Anfang an mitgedacht werden. Eine saubere Integration von Bildschirmen, Konsolen und Kabeln sorgt nicht nur für Sicherheit, sondern auch für eine aufgeräumte, hochwertige Anmutung.

Atmosphäre durch Licht und Material

Nicht zu unterschätzen ist die Wirkung von Licht und Materialität. Bildschirmarbeit stellt besondere Anforderungen an die Beleuchtung: Blendfreiheit und eine ausgewogene Grundhelligkeit sind entscheidend. Ergänzend können gezielte Lichtakzente eingesetzt werden, um den Bereich atmosphärisch aufzuwerten. Materialien sollten sowohl funktional als auch gestalterisch überzeugen, also langlebig, pflegeleicht und zugleich akustisch wirksam sein.

Ein neuer Baustein der Bibliothek

Ein gut gestalteter Gamingbereich fügt sich so selbstverständlich in die Bibliothek ein, dass er nicht als Sonderfläche wahrgenommen wird, sondern als ein weiterer, zeitgemäßer Baustein des Angebots. Er schafft Räume für Begegnung, Austausch und gemeinsames Erleben – und erweitert damit das klassische Verständnis von Bibliothek auf überzeugende Weise.

Beispiele aus NRW

Zahlreiche Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen zeigen, dass es viele gute Lösungen gibt. Hier ein paar Beispiele:

Bergheim

In der Stadtbibliothek Bergheim bildet der Gamingbereich das Zentrum des Zwischengeschosses zwischen dem Erdgeschoss und der Jugendbibliothek im ersten Obergeschoss. Dank der Sitzmöbel mit hohen Rückenlehnen und seiner räumlichen Anordnung ist der Bereich klar abgegrenzt. So entsteht ein geschützter Spielbereich, in dem der Durchgangsverkehr kaum als störend wahrgenommen wird.

Kamp-Lintfort

In der Mediathek Kamp-Lintfort befindet sich das „Zockerzimmer“ in direkter Nachbarschaft zum Kinder- und Jugendbereich innerhalb der Open Library. Als abgeschlossener Raum lässt sich seine Zugänglichkeit auch während der personalfreien Öffnungszeiten gezielt steuern. Gleichzeitig können die Spielenden ungestört spielen, ohne dass Geräusche in die übrigen Bibliotheksbereiche dringen. Die folierten Glaswände ermöglichen Einblicke von außen, schaffen zugleich aber eine geschützte Atmosphäre und ausreichend Privatsphäre.

Kreuztal

In der Stadtbibliothek Kreuztal befindet sich ein separater Gamingraum im Obergeschoss, der akustisch von der ansonsten offen gestalteten Bibliotheksfläche getrennt ist. Glaswände schaffen Sichtbeziehungen zwischen dem Raum und der Bibliothek, sodass die Spielenden die übrige Bibliotheksfläche einsehen können und umgekehrt. Ein Graffiti am Eingang macht die Nutzung des Raumes als Gamingbereich bereits auf den ersten Blick erkennbar.

Lünen

In der Stadtbücherei Lünen befindet sich der Gamingbereich in einem zentral gelegenen, ovalen Raum. Von außen ist seine Funktion nicht unmittelbar erkennbar. Gerade diese zurückhaltende Gestaltung weckt jedoch die Neugier der Bibliotheksnutzenden und lädt dazu ein, den Bereich zu entdecken.

Minden/Selm

In den Stadtbibliotheken Minden und Selm besteht der Gamingbereich aus zwei unterschiedlichen Elementen. Zum einen gibt es einen offenen Spielbereich mit einem an der Wand montierten Bildschirm und der dazugehörigen Konsole, der sich insbesondere für das gemeinsame Spielen in größeren Gruppen eignet. Ergänzt wird dieser durch ein halboffenes, mobiles Gamingmöbel, das bis zu vier Personen Platz bietet und einen innenliegenden Bildschirm für gemeinsames Spielen integriert.

In der Stadtbibliothek Minden befindet sich unmittelbar daneben ein weiteres Möbel desselben Typs, das jedoch nicht zum Gaming, sondern als Hörstation konzipiert ist. Mithilfe einer Sounddusche ermöglicht es das ungestörte Hören von Audioinhalten, ohne die übrigen Bibliotheksbereiche akustisch zu beeinträchtigen.

Minden

Selm

Arnsberg-Neheim

In der Bibliothek Neheim (Arnsberg) können Nutzende an mehreren nebeneinander installierten Bildschirmen parallel spielen. Der Gamingbereich lässt sich durch einen hinter den Sitzplätzen angebrachten Vorhang optisch und in begrenztem Maße auch akustisch von der übrigen Bibliotheksfläche abtrennen. Seit Kurzem sorgt ein LED-Lichtband mit variabler Farbgestaltung für eine stimmungsvolle Atmosphäre und unterstreicht den Charakter des Bereichs.

Velbert

In der Bibliothek Velbert wurde der Gamingbereich unter einer Treppe eingerichtet und nutzt den vorhandenen Raum auf effiziente Weise. Dadurch entsteht ein halbgeschützter Bereich, der sich deutlich von der übrigen Bibliotheksfläche abhebt. Die integrierte Sitzlandschaft ermöglicht sowohl gemeinsames Spielen als auch das Zuschauen. Farb- und Materialgestaltung sowie die geschwungene Formensprache schaffen eine einladende Atmosphäre und verleihen dem Bereich zugleich eine moderne Anmutung.

Dorsten (Pen and Paper)

In der Stadtbibliothek Dorsten wurde mit der „Zwischenwelt“ ein Gamingbereich geschaffen, der einen anderen Schwerpunkt setzt. Die auf einer Zwischenebene eingerichtete Fläche ist nicht dem digitalen, sondern dem analogen Spielen gewidmet. Statt klassischer Brettspiele steht hier ein umfangreicher Bestand an Pen-and-Paper-Rollenspielen im Mittelpunkt. Neben der Ausleihe bietet der Bereich auch die Möglichkeit, die Spiele direkt vor Ort in Gruppen auszuprobieren.

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Bibliotheken als Orte der Demokratie in der Praxis: Handlungssicherheit für Bibliotheken

Öffentliche Bibliotheken sind Orte der Bildung, Information und Begegnung. Sie stehen allen offen und fördern gesellschaftlichen Austausch. Gleichzeitig spiegeln sich gesellschaftliche Konflikte zunehmend auch in Bibliotheken wider: Mitarbeitende sehen sich etwa mit diskriminierenden Äußerungen, Verschwörungserzählungen oder demokratiefeindlichen Positionen konfrontiert. Auch Fragen zur Raumvergabe und zur Rolle der Bibliothek als öffentliche Einrichtung gewinnen an Bedeutung. Wir stellen Handlungsleitfäden für Kommunen, öffentliche Einrichtungen und Vereine sowie Praxishilfen bei der Durchführung von Veranstaltungen und der Nutzung bzw. Vermietung von Bibliotheksräumen vor.

Hinweis
Die folgenden Empfehlungen ersetzen keine Rechtsberatung. Sie sollen Bibliotheken dabei unterstützen, ihre Rolle als demokratische Bildungs- und Begegnungsorte zu reflektieren und mehr Handlungssicherheit im Umgang mit diskriminierenden oder demokratiefeindlichen Vorfällen zu gewinnen. Je nach Einzelfall sind kommunale Satzungen, Haus- und Benutzungsordnungen sowie weitere rechtliche Vorgaben zu beachten.

Grundlegende Handreichung des vhs-Verbandes

Die Handreichung „Volkshochschule als Ort der Demokratie – Hilfestellungen zum Umgang mit antidemokratischen Äußerungen und Gruppierungen“ des Deutschen Volkshochschul-Verbandes richtet sich an Volkshochschulen, behandelt aber zahlreiche Fragestellungen, die auch Bibliotheken aus ihrem Alltag kennen. Besonders hervorzuheben sind Musterformulierungen für Honorarverträge und Vereinbarungen zur Raumnutzung.

Die Veröffentlichung gibt unter anderem Hinweise dazu,

  • wie demokratiefeindliche und diskriminierende Argumentationsmuster erkannt werden können,
  • wie Mitarbeitende auf entsprechende Äußerungen reagieren können,
  • warum Diskriminierungen nicht unwidersprochen bleiben sollten,
  • wie Gespräche sachlich geführt werden können, ohne Konflikte unnötig zu verschärfen,
  • welche Bedeutung Hausrecht, Benutzungsordnungen und Veranstaltungsregeln haben,
  • wie Podiumsdiskussionen und Veranstaltungen demokratisch und verantwortungsvoll gestaltet werden können,
  • wie demokratische Grundwerte in Dienstvereinbarungen, Arbeits- oder Honorarverträgen verankert werden können,
  • welche Möglichkeiten bei Kooperationen bestehen,
  • und worauf Einrichtungen achten sollten, wenn sie Räume an Dritte vergeben.

Zur vollständigen Handreichung:

https://www.volkshochschule.de/themen/demokratiebildung/index.php.media/46164/vhs-als-Ort-der-Demokratie_aktualisiert.pdf

Verwaltung mit Haltung: Tipps zum Umgang mit dem Neutralitätsgebot

Die Broschüre „Verwaltung mit Haltung“ der Fachstelle für Demokratie der Landeshauptstadt München setzt einen anderen Schwerpunkt. Sie geht der Frage nach, wie öffentliche Einrichtungen mit dem häufig geäußerten Vorwurf umgehen können, gegenüber allen politischen Positionen neutral bleiben zu müssen.

Dabei wird deutlich: Das Neutralitätsgebot ist nicht mit Wertneutralität gleichzusetzen. Öffentliche Einrichtungen sind an die Werte des Grundgesetzes gebunden. Demokratie, Menschenwürde, Gleichberechtigung und der Schutz vor Diskriminierung sind keine parteipolitischen Positionen, sondern grundlegende Prinzipien des demokratischen Gemeinwesens.

Die Veröffentlichung zeigt unter anderem,

  • was das Neutralitätsgebot tatsächlich bedeutet,
  • welche rechtlichen Grundlagen eine demokratische Haltung tragen,
  • warum Einrichtungen demokratische Werte sichtbar vertreten dürfen,
  • wie Mitarbeitende mit Neutralitätsvorwürfen umgehen können,
  • wie Organisationen Handlungssicherheit schaffen können,
  • und warum die Verteidigung demokratischer Grundwerte nicht im Widerspruch zur parteipolitischen Neutralität steht.

Gerade für Bibliotheken als öffentliche Räume mit vielfältigen Nutzergruppen bietet die Broschüre damit eine hilfreiche Orientierung für den Umgang mit entsprechenden Anforderungen und Konflikten.

Zur vollständigen Broschüre:

https://demokratie-muenchen.de/wp-content/uploads/2025/12/Verwaltung-mit-Haltung_web_Einzels.pdf

Weiterführende Praxishilfen und Materialien zu Einzelthemen

Bibliotheksfreundeskreise und – fördervereine

Vereinsrechtliche Leitfäden helfen bei der Gestaltung der Satzung, wenn Vereine keine Mitglieder mit demokatie- oder menschenfeindlichen Haltungen aufnehmen bzw. Mitglieder bei nachgewiesenem Fehlverhalten ausschließen möchten.

„Verein(t) gegen Rechtsextremismus und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ – Broschüre der Fachstelle Demokratie München

Link zur Broschüre: https://demokratie-muenchen.de/wp-content/uploads/2025/12/Broschuere_Vereint_25_web.pdf

„Im Verein – gegen Vereinnahmung“ – Handreichung der RAA Mecklenburg-Vorpommern

Link zur Broschüre: https://www.raa-mv.de/download/im-verein-gegen-vereinnahmung-eine-handreichung-zum-umgang-mit-rechtsextremen-mitgliedern

Veranstaltungen sicher und demokratisch gestalten

Bibliotheken organisieren regelmäßig Lesungen, Diskussionen, Vorträge und Beteiligungsformate. Die folgenden Materialien geben konkrete Hinweise für den Umgang mit Störungen und Einschüchterungsversuchen.

Sichere Räume für demokratische Debatten

Die Broschüre behandelt insbesondere die Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen sowie den Umgang mit gezielten Störungen durch demokratiefeindliche Akteure.

Link zur Broschüre: https://demokratie-muenchen.de/wp-content/uploads/2025/12/Veranstaltungsstoerungs_Broschuere_25_100725_web_einzel.pdf

Schutz vor rechten YouTuberinnen, Bloggerinnen und Journalist*innen

Der Flyer erläutert typische Vorgehensweisen bei gezielten Aufnahmen, Provokationen oder Kampagnen gegen öffentliche Einrichtungen und gibt Handlungsempfehlungen für Veranstaltende.

Link zur Broschüre: https://demokratie-muenchen.de/wp-content/uploads/2025/12/FlyerDigital.pdf

Raumnutzungen und Vermietungen rechtssicher gestalten

Viele Bibliotheken stellen Veranstaltungsräume für externe Gruppen zur Verfügung. Gerade hier entstehen häufig Unsicherheiten im Umgang mit demokratiefeindlichen oder extremistischen Organisationen.

Stadt Köln: Leitfaden zum Umgang mit der Anmietung öffentlicher Räume durch extremistische Gruppen

Link zur Broschüre: https://www.stadt-koeln.de/artikel/73754/index.html

Anmietungen durch rechtsextreme, rassistische, antisemitische und sonstige demokratie- und menschenfeindliche Organisationen und Personen

Eine umfangreiche Handreichung mit rechtlichen Hinweisen, Praxisbeispielen und Empfehlungen für Kommunen.

Link zur Broschüre: https://demokratie-muenchen.de/wp-content/uploads/2025/12/AnmietungBroschuere2020_final_web.pdf

Thüringer Merkblatt zur Vermietung öffentlicher Einrichtungen

Link zur Broschüre: https://wirtschaft.thueringen.de/fileadmin/content/tmwta/wirtschaft/wirtschaftsverwaltung/merkblatt___ff_einrichtung_01.pdf

Anmietungen durch Rechtsextreme – Schutz für Kommunen und Vermieter*innen

Herausgegeben vom Bundesverband Mobile Beratung. Die Broschüre fasst rechtliche Handlungsmöglichkeiten und praktische Erfahrungen aus Kommunen zusammen.

Link zur Broschüre: https://bundesverband-mobile-beratung.de/publikationen/anmietungen-durch-rechtsextreme-schutz-fuer-kommunen-und-vermieter

Fazit

Bibliotheken müssen nicht für jedes denkbare Szenario eigene Konzepte entwickeln. Sinnvoll kann es jedoch sein, die genannten Materialien im Leitungsteam oder gemeinsam mit dem Träger zu sichten und insbesondere folgende Bereiche zu überprüfen:

  • Leitbild und demokratische Grundsätze
  • Haus- und Benutzungsordnung
  • Veranstaltungsrichtlinien
  • Raumnutzungs- und Vermietungsverträge
  • Krisen- und Eskalationsmanagement
  • Fortbildungsangebote für Mitarbeitende

Je klarer diese Grundlagen definiert sind, desto sicherer können Bibliotheken im Alltag auf diskriminierende, menschenfeindliche oder demokratiefeindliche Vorfälle reagieren.

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#DesignDienstag: Erfolgsfaktoren für die Gestaltung einer Jugendbibliothek

Willkommen zum #DesignDienstag. In dieser Reihe wirft unsere Innenarchitektin Anja Thimm einen praxisnahen Blick auf Gestaltung in Bibliotheken. Diesmal stehen Jugendbibliotheken im Mittelpunkt. Jugendliche zählen zu den anspruchsvolleren, aber zugleich besonders wertvollen Zielgruppen öffentlicher Bibliotheken. Sie suchen Orte, die Freiraum bieten, Orientierung geben und ihre Lebensrealität ernst nehmen. Eine gut geplante Jugendbibliothek kann genau das leisten – vorausgesetzt, Lage, Ausstattung und Atmosphäre werden bewusst aufeinander abgestimmt.

Die richtige Lage

Die Position der Jugendbibliothek innerhalb des Hauses beeinflusst ihre Nutzung maßgeblich. Idealerweise ist der Bereich gut erreichbar und wirkt einladend. Gleichzeitig braucht es eine gewisse Abgrenzung, damit Jugendliche sich nicht permanent beobachtet fühlen. Auch die klare Trennung zur Kinderbibliothek spielt dabei eine wichtige Rolle.

In der Praxis zeigt sich: Jugendliche orientieren sich häufig eher in Richtung Erwachsenenbereich. Daraus ergeben sich sinnvolle Anschlussmöglichkeiten. Die Nähe zur Belletristik schafft Synergien – etwa, weil viele Jugendliche bereits Genres wie Fantasy lesen, die auch bei Erwachsenen beliebt sind, oder weil „Young Adult“-Titel beide Zielgruppen ansprechen. Alternativ kann ein Lernbereich in Verbindung mit dem Sachbuchbestand den Übergang in die Jugendbibliothek erleichtern. Welche Lösung passt, hängt letztlich stark vom Nutzungsverhalten vor Ort ab.

Bedürfnisse verstehen: Zwischen Rückzug und Begegnung

Jugendliche nutzen Bibliotheken anders als Kinder oder Erwachsene. Neben dem Lernen stehen auch Austausch, Treffen oder einfaches Verweilen im Vordergrund. Entsprechend sollte der Raum unterschiedliche Nutzungsformen ermöglichen:

  • Rückzugsorte für konzentriertes Arbeiten
  • Offene Flächen für Gruppenarbeit und Kommunikation
  • Informelle Sitzgelegenheiten zum Entspannen

Ein häufiger Planungsfehler ist ein zu starker Fokus auf reine Funktionalität. Für Jugendliche sind Atmosphäre und Authentizität entscheidend. Beteiligungsformate wie Workshops oder Umfragen im Vorfeld liefern wertvolle Einblicke und stärken gleichzeitig die Identifikation mit dem Raum.

Möblierung: Flexibel, robust, einladend

Die Möblierung sollte vielseitig und anpassbar sein. Starre Tischreihen wirken schnell schulisch und wenig attraktiv. Bewährt hat sich eine Mischung aus Loungemöbeln wie Sofas oder Sitzsäcken sowie mobilen Tischen und Stühlen, die sich flexibel kombinieren lassen.

So entsteht eine Umgebung, die eher Aufenthaltsqualität als reine Lernfunktion vermittelt. Wichtig ist dabei, im Blick zu behalten: Lernen findet nicht zwingend klassisch an Tisch und Stuhl statt.

Gleichzeitig muss die Ausstattung robust genug sein, um intensiver Nutzung standzuhalten. Ziel ist eine gelungene Balance aus Langlebigkeit und einem zeitgemäßen, jugendgerechten Design.

Licht: Funktional und atmosphärisch

Beleuchtung erfüllt mehr als nur einen praktischen Zweck – sie strukturiert Räume und prägt die Stimmung. Eine Kombination aus gleichmäßiger Grundbeleuchtung und gezielten Akzentlichtern, etwa in Sitzbereichen, schafft eine angenehme Atmosphäre.

Natürliches Tageslicht sollte möglichst umfassend genutzt werden, insbesondere in Aufenthaltszonen. An Arbeitsplätzen ist Blendfreiheit entscheidend, vor allem bei Bildschirmarbeit. Individuell steuerbare Lichtquellen können hier die Konzentration zusätzlich unterstützen.

Wird Gaming angeboten, sind Reflexionen und Blendungen gezielt zu vermeiden. In Fensternähe sind daher häufig Verdunklungsmöglichkeiten sinnvoll.

Akustik: Balance zwischen Leben und Ruhe

Jugendbereiche dürfen lebendig sein – das gehört zum Konzept. Gleichzeitig sollte der Geräuschpegel den übrigen Bibliotheksbetrieb nicht beeinträchtigen.

Eine gute Raumakustik ist daher zentral. Besonders wirksam sind Maßnahmen an der Decke, etwa durch Akustikdecken oder nachträglich installierte Paneele. Ergänzend tragen Teppiche, Polstermöbel, Kissen oder Vorhänge zur Schalldämpfung bei. Auch Möbel mit integrierter Akustikfunktion gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Ziel ist keine absolute Stille, sondern eine angenehme Geräuschkulisse, die Kommunikation ermöglicht, ohne störend zu wirken.

Technische Ausstattung: Selbstverständlich, nicht spektakulär

Für Jugendliche ist funktionierendes WLAN keine Besonderheit, sondern Grundvoraussetzung. Ergänzend sollten ausreichend Lade- und Anschlussmöglichkeiten vorhanden sein.

Technik sollte dabei intuitiv nutzbar und möglichst unauffällig integriert sein. Es geht nicht darum, Technik in den Vordergrund zu stellen, sondern sie zuverlässig und selbstverständlich verfügbar zu machen.

Fazit: Räume, die Jugendliche ernst nehmen

Wer Jugendlichen Raum gibt – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne – schafft Aufenthaltsqualität und stärkt langfristig die Bindung an die Bibliothek.

Eine überzeugende Jugendbibliothek entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch ein stimmiges Gesamtkonzept. Besonders erfolgreich sind Projekte, die Jugendliche aktiv einbeziehen – etwa durch Workshops, Befragungen oder Testphasen. So entstehen Räume, die nicht nur gut gemeint, sondern auch gut genutzt sind.

Beispiele aus NRW

Zahlreiche Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen zeigen, dass es viele gute Lösungen gibt. Hier ein paar Beispiele:

Bergheim

In der Stadtbibliothek Bergheim liegt der Jugendbereich in einem Zwischengeschoss zwischen dem Erdgeschoss und dem ersten Obergeschoss. Die Medien befinden sich vor allem in den Regalen entlang der Fensterfront, während in der Mitte ein maßgefertigtes Gamingmöbel Platz findet. Trotz der offenen Durchgangslage bieten die Sitzmöbel mit ihren hohen Rückenlehnen den Jugendlichen Möglichkeiten zum Rückzug.

Duisburg

Die Gestaltung der Jugendbibliothek im Stadtfenster in Duisburg sticht durch das Graffiti an den Lernplätzen und die Traversen über dem Bereich heraus. Neben Lernplätzen bieten PC-Arbeitsplätze für ganze Gruppen, Loungemöbel und ein Gamingbereich die Möglichkeit zum Aufenthalt.

Köln-Kalk

In der Stadtteilbibliothek in Köln-Kalk finden die Jugendlichen im Obergeschoss ihren ganz eigenen Bereich. Die in die Fläche integrierten Sitzstufen und Tische bieten die Möglichkeit zu Lernen oder sich einfach hier zu treffen. Die bunten Kissen verleihen dem Ganzen Gemütlichkeit und die digitale Wand animiert zum Mitgestalten der Etage.

Langenfeld

In der Stadtbibliothek Langenfeld haben die Jugendlichen einen Raum seitlich der großen offenen Bibliotheksfläche. Hier kann auf den Podesten gechillt, gelesen oder gespielt werden. Ein beweglicher Bildschirm bietet die Möglichkeit zum Gaming. Die Medien befinden sich bis auf wenige Ausnahmen wie z.B. Comics und Mangas im „Superregal“, das sich vor dem Aufenthaltsbereich befindet und nicht auf der Fläche selbst.

Meerbusch

In der Stadtbibliothek Meerbusch steht Jugendlichen im Obergeschoss ein eigener geschlossener Raum zur Verfügung, in den sie sich zurückziehen können. Eine Sitzpolsterlandschaft lädt zum Entspannen oder Gamen ein. An den Tischen vor der Fensterfront kann gearbeitet und gelernt werden. Und gerade bei einem geschlossenen Raum für Jugendliche zeigt sich schnell: Regelmäßiges Lüften ist hier keine schlechte Idee 😉

Oberhausen-Sterkrade

In der Stadtteilbibliothek Oberhausen-Sterkrade befindet sich ein Einbau, der mit Teppich ausgelegt und mit Sitzsäcken ausgestattet ist und Jugendlichen als gemütlicher Rückzugsort zum Chillen dient.

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#DesignDienstag: Wie Kinderbibliotheken Räume zum Entdecken werden

Willkommen zu unserem #DesignDienstag. In dieser Reihe schaut unsere Innenarchitektin Anja Thimm genauer hin und nimmt Gestaltung in Bibliotheken ganz praktisch in den Blick. Diesmal geht es um Kinderbibliotheken. Gut gestaltet, sind es Erfahrungsräume, in denen Neugier, Selbstständigkeit und Lesefreude wachsen.

Kindgerechte Möblierung als Grundlage

Die Möblierung prägt, wie der Raum genutzt wird. Niedrige, robuste und kindgerechte Möbel sind dabei zentral. Unterschiedliche Sitzhöhen, weiche Elemente wie Kissen oder Podeste und kleine Rückzugsorte schaffen Vielfalt. Breite Sitzflächen oder Sofas ermöglichen gemeinsames Lesen von Kindern und Erwachsenen. Tische und Sitzgruppen laden zum Spielen ein.

Wichtig ist, dass Möbel nicht nur funktional sind, sondern zum Entdecken anregen. Gleichzeitig braucht es Flexibilität. Mobile Regale oder Büchertröge auf Rollen ermöglichen es, Flächen schnell umzunutzen – etwa für Gruppen oder Veranstaltungen direkt im Kinderbereich.

Erreichbarkeit und Präsentation von Medien

Kinder müssen Medien selbstständig erreichen können. Niedrige Regale (ca. 80–120 cm, je nach Altersgruppe) unterstützen das und verbessern gleichzeitig die Sichtachsen im Raum. Das erleichtert Orientierung und auch die Aufsicht.

Eine frontale Präsentation auf Augenhöhe erhöht die Aufmerksamkeit. Besonders Bilderbücher sollten in Trögen präsentiert werden, sodass Kinder sie selbst durchsehen können. Gerade bei jüngere Kindern erfolgt die Auswahl über das Cover, nicht über den Titel.

Lage im Gebäude

Die Position der Kinderbibliothek beeinflusst ihre Nutzung. Ein gut sichtbarer Bereich im Eingangs- oder Erdgeschoss wirkt einladend und senkt Hemmschwellen.

Gleichzeitig braucht es ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Zugänglichkeit und Sicherheit. Die Nähe zu Ausgängen oder Treppen kann für kleinere Kinder problematisch sein. Auch Nutzungskonflikte sollten bedacht werden: Ein ausreichender Abstand zu ruhigen Arbeitsbereichen ist sinnvoll.

Praktisch ist die Nähe zu Sanitärbereichen, idealerweise mit kindgerechter Ausstattung. Ergänzend können ruhige Rückzugsorte für Familien entstehen, etwa Sitzmöglichkeiten zum Stillen.

Akustik mitdenken

Geräusche gehören zum Kinderbereich dazu. Ohne akustische Maßnahmen kann es schnell unangenehm werden. Harte Oberflächen verstärken den Lärm und können schnell zu einer belastenden Geräuschkulisse führen.

Weiche Materialien dämpfen Geräusche. Sitzpodeste sollten zum Beispiel mit Teppichböden bezogen sein und möglichst nicht von innen hohl. Insgesamt helfen akustisch wirksame Materialien wie Teppiche, Vorhänge, Polstermöbel oder spezielle Wandpaneele den Schall zu dämpfen. Eine gute Geräuschkulisse trägt wesentlich zur Aufenthaltsqualität bei – für Kinder, Begleitpersonen und Mitarbeitende.

Gestaltung gibt Orientierung und Identität

Gestaltung gibt dem Raum Identität und unterstützt die Orientierung. Farben, grafische Elemente oder thematische Zonen können dabei helfen. Wichtig ist, dass diese Elemente klar eingesetzt werden und nicht überladen wirken.

Wiederkehrende Farbcodes können Medienbereiche oder Altersgruppen kennzeichnen. Entscheidend ist, dass Gestaltung und Orientierung zusammen gedacht werden – nicht als Dekoration, sondern als funktionaler Bestandteil des Raums.

Fazit: Funktion trifft Atmosphäre

Eine gut gestaltete Kinderbibliothek verbindet Funktionalität mit Atmosphäre. Sie ermöglicht eigenständige Nutzung, bietet Orientierung und lässt gleichzeitig Raum für Entdeckung. Wenn diese Aspekte zusammenspielen, entsteht ein Ort, der Kinder ernst nimmt und zum Verweilen einlädt.

Beispiele aus NRW

Zahlreiche Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen zeigen, dass es viele gute Lösungen gibt. Hier ein paar Beispiele:

Duisburg

Im Stadtfenster in Duisburg besteht die Kinderbibliothek aus verschiedenen Häusern, die nach Altersklassen gestaffelt und dementsprechend gestaltet sind.

Düren

In Düren gibt es für Kinder viele verschiedene Spielelemente zu entdecken. Einige sind schon älter – andere hochmodern, wie die interaktive, digitale Spielfläche. Durch Vorhänge kann ein Veranstaltungsbereich abgetrennt werden und auch ein großer Tisch für kreative Angebote steht zur Verfügung.

Essen-Huttrop

In der Stadtteilbibliothek in Essen-Huttrop tauchen Kinder in ihre eigene Welt ein. Im Bilderbuchrondell können sie Medien in Ruhe lesen und entdecken. Speziell gestaltete Aufenthaltsbereiche bieten auch älteren Kindern Rückzugsmöglichkeiten.

Gütersloh

In der Liz-Mohn-Kinderbibliothek in Gütersloh können die Kinder im Bilderbuchpool in Geschichten aus den um den Pool herum präsentierten Bilderbüchern abtauchen, oder sich im Außenbereich in verschiedenen Sitzmöglichkeiten zurückziehen. Das Thema Natur und Baum ist in der Gestaltung raumprägend, sodass die offene Galerie im Obergeschoss aus mehreren Waben besteht, die Vogelnestern ähneln.

Hürth

In der Stadtbücherei Hürth liegen die meisten Aufenthaltsbereiche entlang der Außenwände. Ein Bauwagen zum Lesen und Spielen bildet als zentrales Element die Ausnahme. Die Bilderbuchtröge im Raum sind mobil und lassen sich für Veranstaltungen flexibel verschieben.

Kamp-Lintfort

In der Mediathek Kamp-Lintfort können die Kinder ein richtiges Klettergerüst erklimmen und dessen Netz zum Chillen oder Lesen nutzen. In den niedrig gehaltenen Regalen wird mit Schrägböden auf Augenhöhe der Kinder auf viel Frontalpräsentation geachtet. Auch in Bilderbuchtrögen, sie teilweise in Sitzmöbel integriert wurden, können sie Kinder nach spannenden Buchcovern stöbern.

Mönchengladbach

In der Stadtbibliothek Mönchengladbach gibt es im Kinderbereich viel Platz für Bewegung: Auf einer Fläche mit Turnmatten und an einer Kletterwand können sich Kinder aktiv austoben.

Velbert

Die Kinderbibliothek der Stadtbücherei Velbert ist nicht nur kindgerecht gestaltet, sie erzählt auch eine Geschichte: die der beiden Bibliotheksmaskottchen Polli und Olli. Der Raum greift dieses Motiv konsequent auf. Neben der von einer Grafikerin gestalteten Wandgestaltung findet sich ein von der Decke hängender „fliegender Koffer“, in dem Polli und Olli sitzen, sowie ein Vier-Jahreszeiten-Baum.

Für ältere Kinder schließt sich mit dem „Drachenwald“ ein eigener Bereich an. Dort ist unter anderem eine große, organisch geformte Sitzlandschaft in ein Podest integriert, die zum Verweilen und Zurückziehen einlädt.

Autorin

Anja Thimm studierte Innenarchitektur an der Hochschule Trier. Nach ihrem Abschluss und einem Ausflug in die Welt der Büroplanung gehört sie seit 2016 zum Team der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW und berät Bibliotheken zu den Themen Bau und Einrichtung. Ebenfalls seit 2016 ist sie Mitglied der Facharbeitsgruppe Bau und Einrichtung der Fachstellenkonferenz der Bibliotheksfachstellen in Deutschland.

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Online-Vortrag: Bibliotheken als Orte politischer Bildung? Herausforderungen und Potenziale / 06.05.26 von 09:30 bis 11.00 Uhr

Wann sind Bibliotheken „Orte gelebter Demokratie“? Können oder sollten sich
Bibliotheken als politische und demokratische Bildungsorte positionieren? Welche
Grenzen haben entsprechende Konzepte, mit welchen Herausforderungen ist zu
rechnen und welche Lösungen gibt es?

Der Vortrag bietet einen Überblick über aktuelle Phänomene und Debatten, die in einem anschließenden Erfahrungsaustausch konkretisiert werden sollen. Referentin ist Dr. Helle Becker, Geschäftsführerin von Transfer für Bildung e.V. und Leiterin von Expertise & Kommunikation für Bildung – zwei Organisationen, die auf angewandte Forschung und deren Nutzbarmachung für die Praxis der politischen, kulturellen und internationalen Bildung spezialisiert sind.

Bitte melden Sie sich bis zum 02.05.26 über diesen Link an: https://webspace-brd.nrw/index.php/977656?lang=de

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#DesignDienstag: Gestaltung von Leitsystemen in öffentlichen Bibliotheken

Willkommen zu unserem #DesignDienstag. In dieser Reihe schaut unsere Innenarchitektin Anja Thimm genauer hin und nimmt Gestaltung in Bibliotheken ganz praktisch in den Blick. Diesmal geht es um das Leitsystem. Oft wirkt es unscheinbar, fast selbstverständlich – dabei entscheidet es maßgeblich darüber, ob sich Menschen sicher bewegen, schnell zurechtfinden und sich gerne im Raum aufhalten.

Wenn man durch eine Bibliothek geht, merkt man ziemlich schnell: Funktioniert die Orientierung – oder eben nicht. Man läuft ein paar Schritte, zögert kurz, schaut sich um. Genau an diesen Momenten zeigt sich, wie gut ein Leitsystem wirklich ist.

Im Kern geht es dabei immer um drei Dinge: Orientierung, Sicherheit und Aufenthaltsqualität. Ein gutes Leitsystem hilft Nutzerinnen und Nutzern, sich selbstständig zurechtzufinden. Es reduziert Nachfragen an der Theke und sorgt ganz nebenbei dafür, dass sich die Bibliothek klar, offen und einladend anfühlt.

Damit das gelingt, müssen mehrere Ebenen zusammenspielen: Raum, Gestaltung und Barrierefreiheit.

Vom Stadtraum bis zum Regal

Ein Leitsystem beginnt nicht erst im Gebäude, sondern schon davor. Bereits im Stadtraum auf dem Weg zur Bibliothek kann gezielt durch Beschilderung auf den Standort hingewiesen werden.

Vor dem Gebäude setzt sich das fort: Klare Wegführung zum Eingang, gut sichtbare Hinweise und der Name der Bibliothek deutlich platziert an der Fassade oder den Glastüren. Der Zugang sollte gut beleuchtet und möglichst barrierefrei sein. Wege brauchen eine klare Struktur, Treppen werden idealerweise durch Rampen oder Aufzüge ergänzt.

Im Eingangsbereich braucht es einen zentralen Übersichtsplan. Dieser kann an Wandflächen oder Säulen in der Nähe des Thekenbereichs angebracht sein. Neben einem visuellen Plan kann auch ein taktiler Plan sinnvoll sein, der von Menschen mit Seheinschränkung genutzt werden kann.

Ein solcher Plan zeigt alle Etagen und unterstützt die erste Orientierung. Darauf abgebildet sind die verschiedenen Bereiche der Medienaufstellung, etwa Kinderbereich, Jugendbibliothek, Sachliteratur und Belletristik. Ebenso wichtig ist, dass Aufenthaltsbereiche wie ein Lesecafé, Arbeitsplätze, Servicebereiche wie Infotheken und Verbuchungsterminals, Sanitärbereiche und Veranstaltungsräume klar erkennbar und eindeutig benannt sind.

Neben der Beschilderung spielt auch die Architektur eine Rolle. Klare Sichtachsen und eine nachvollziehbare Wegeführung ermöglichen eine passive Orientierung im Raum. Wenn das Raumkonzept gut durchdacht ist, kann sich der Bedarf an zusätzlicher Beschilderung deutlich reduzieren.

Am Regal selbst ist das Leitsystem vor allem auf den Stirnseiten verortet. Dort wird angezeigt, welche Medien sich in dem jeweiligen Bereich befinden. Klarschrift, gut lesbare Signaturen und – wo sinnvoll – Piktogramme unterstützen die Orientierung zwischen den Regalen. Entscheidend ist dabei die Struktur der Beschriftung: von der groben Einteilung hin zu immer feineren Untergruppen.

Farbe gezielt einsetzen

Farbe ist ein wirksames Mittel im Leitsystem – kann aber schnell zu dominant werden. Deshalb gilt: lieber gezielt einsetzen als zu viel davon.

Farben eignen sich besonders, um Bereiche zu kennzeichnen. Eine Leitfarbe pro Medienbereich – etwa Kinderbibliothek, Sachliteratur, Belletristik oder Jugend – schafft Wiedererkennung. Diese Farbigkeit kann sich durch das gesamte Leitsystem ziehen: auf Regalschildern, in der Medienkennzeichnung, auf Übersichtsplänen und auch im Mobiliar. Auch Elemente wie Wände oder Säulen können bewusst einbezogen werden.

Wichtig für die Lesbarkeit sind starke Hell-Dunkel-Kontraste, zum Beispiel dunkle Schrift auf hellem Hintergrund. Solche Kontraste unterstützen nicht nur Menschen mit Seheinschränkungen, sondern verbessern auch die Lesbarkeit aus der Distanz.

Grundsätzlich gilt: so viel Farbe wie nötig, so wenig wie möglich. Farbe sollte immer der Orientierung dienen – nicht der Dekoration.

Für alle mitgedacht

Barrierefreiheit ist in öffentlichen Bibliotheken kein Zusatz, sondern eine Grundvoraussetzung. Gerade im Leitsystem lässt sich mit vergleichsweise einfachen Mitteln viel erreichen.

Leichte Sprache und klare Symbole unterstützen Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder Sprachbarrieren. Kurze, verständliche Begriffe ohne Fachsprache sorgen dafür, dass Inhalte für möglichst viele zugänglich sind. Deshalb ist Klarschrift oft sinnvoller als eine reine bibliothekssystematische Terminologie.

Auch die Typografie spielt eine wichtige Rolle: ausreichend große Schrift, gut lesbare serifenlose Schriften und klare Zeilenabstände erleichtern das Lesen.

Ergänzend können taktil erfassbare Elemente eingesetzt werden, etwa tastbare Pläne oder Brailleschrift an wichtigen Türen. Wo möglich, können auch akustische Hinweise den Zugang erweitern. Entscheidend ist, dass diese Elemente nicht isoliert stehen, sondern Teil eines durchgängigen Gesamtsystems sind.

Und zum Schluss: Ausprobieren

Ein hilfreicher Schritt ist es, die eigenen Räume mit „fremden Augen“ zu betrachten oder Testpersonen einzubeziehen. Besonders wertvoll ist es, wenn auch Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen typische Wege ausprobieren.

Dabei lohnt es sich, genau hinzuschauen: Wo wird gezögert, gefragt oder umgedreht? Diese Stellen zeigen, wo das Leitsystem noch nachgeschärft werden kann.

Und: Ein Leitsystem ist nie endgültig. Nutzungsgewohnheiten, Zielgruppen und Raumangebote verändern sich im Laufe der Zeit. Entsprechend sollte auch das Leitsystem regelmäßig überprüft und angepasst werden.

Beispiele aus NRW

Zahlreiche Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen zeigen, dass es viele gute Lösungen gibt. Hier ein paar Beispiele:

Essen-Huttrop

In der Stadtteilbibliothek Essen-Huttrop sind einige Bereiche durch Leuchtbuchstaben gekennzeichnet.

Hamm

Das Leitsystem der Zentralbibliothek in Hamm beginnt bereits vor dem Gebäude: An den Glastüren sind der Name der Bibliothek sowie deren Öffnungszeiten und die der ebenfalls im Gebäude befindlichen VHS angebracht. In der Bibliothek finden Nutzerinnen und Nutzer dank der großformatigen Beschriftung schnell zur Ausleihe und Rückgabe. Auf jeder Etage befindet sich zudem in der Nähe von Treppe oder Aufzug ein Übersichtsplan des jeweiligen Geschosses.

Kamp-Lintfort

In der Mediothek Kamp-Lintfort ist die Regalbeschriftung im einheitlichen Schriftstil des Corporate Designs gestaltet. Sogar die Beleuchtung fügt sich dabei stimmig in das Leitsystem ein.

Langenfeld

Mit den Beschriftungsschildern im Tafeldesign ist das Leitsystem in der Stadtbibliothek Langenfeld sehr flexibel.

Mönchengladbach

In der Zentralbibliothek in Mönchengladbach findet sich das Leitsystem sowohl an den Stirnseiten der Regale als auch für die Orientierung auf den Regalen positioniert wieder. In der Kinderbibliothek unterstützt die Wandgestaltung die klare Zuordnung dieses Bereiches bereits aus der Entfernung.

Oberhausen-Sterkrade

In der Stadtteilbibliothek Oberhausen-Sterkrade wurde beim Leitsystem viel Wert auf die Barrierefreiheit gelegt. So führen taktile Leitsysteme zur ersten Anlaufstelle, der Theke. Hier befindet sich auch ein taktiler Übersichtsplan. Die Behinderten-Toilette ist durch ein großformatiges Piktogramm einfach zu finden.

Ochtrup

In der Bücherei St. Lamberti in Ochtrup werden auch raumbildende Elemente wie Wände und Säulen für die Beschriftung mit dem Leitsystem genutzt.

Autorin

Anja Thimm studierte Innenarchitektur an der Hochschule Trier. Nach ihrem Abschluss und einem Ausflug in die Welt der Büroplanung gehört sie seit 2016 zum Team der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW und berät Bibliotheken zu den Themen Bau und Einrichtung. Ebenfalls seit 2016 ist sie Mitglied der Facharbeitsgruppe Bau und Einrichtung der Fachstellenkonferenz der Bibliotheksfachstellen in Deutschland.