Alle Artikel in der Kategorie “Schwerpunktthema

In Form von Impulsbeiträgen greift die Fachstelle Themen aus den Arbeitsschwerpunkten auf, zu denen sie Bibliotheken vertiefende Informationen bereitstellen möchte. Die Beiträge sollen zum fachlichen Diskurs anregen oder über Neuigkeiten des jew. Themengebietes informieren. Die Schwerpunktthemen lauten:
->Bibliothek als realer Ort
->Bibliothek als digitaler Ort
->Lebenslanges Lernen in der digitalen Gesellschaft
->Bibliotheksmanagement

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Wir entwickeln eine Bibliotheksstrategie: Die Ist-Analyse der Bibliothek und des Umfelds

In unserer Fortbildung „Den roten Faden finden – wir entwickeln eine Bibliotheksstrategie“ erarbeiten die Teilnehmer*innen eine Bibliotheksstrategie für die nächsten Jahre. Über unseren Blog geben wir Ihnen in mehreren Beiträgen einen Einblick in die Themen dieser Veranstaltung und zeigen, welche Schritte bei der Konzepterstellung für Bibliotheken von Bedeutung sind.

Entscheidend für einen gelungenen Weg ist zunächst eine systematische Bestandsaufnahme der aktuellen Situation der Bibliothek. Dazu gehört die ausführliche Analyse der bisherigen Arbeit der Bibliothek und ihres Umfelds.

Den Status quo zu Beginn einer Strategie zu ermitteln ist extrem wichtig, weil er die Grundlage dafür bildet, wohin man überhaupt steuern will. Ohne ein klares Bild der Ausgangslage kann man weder realistische Ziele setzen noch sinnvolle Maßnahmen planen. Einige zentrale Punkte:

  1. Verständnis der aktuellen Situation: Man erkennt Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken. Das hilft, Prioritäten richtig zu setzen.
  2. Datenbasierte Entscheidungen: Statt auf Annahmen zu bauen, können Entscheidungen auf Fakten, Zahlen und belegbaren Beobachtungen beruhen.
  3. Ressourcenplanung: Wer weiß, was vorhanden ist – Personal, Budget, Infrastruktur, Kompetenzen – kann besser einschätzen, was machbar ist und wo externe Unterstützung nötig ist.
  4. Stakeholder-Kommunikation: Ein klarer Status quo erleichtert die Abstimmung mit Kolleg*innen, Leitung oder externen Partnern, weil alle die gleiche Ausgangsbasis sehen.
  5. Messbarkeit von Fortschritt: Wenn man weiß, wo man startet, lässt sich später besser beurteilen, ob die Strategie erfolgreich war und welche Wirkungen die Maßnahmen hatten.

Kurz gesagt: Der Status quo ist wie der Startpunkt auf einer Landkarte. Ohne ihn weiß man nicht, wie weit oder in welche Richtung man sich bewegen muss. Zudem läuft man Gefahr, dass die Strategie unrealistisch, ineffizient oder nicht akzeptiert wird.

Unterschieden wird in diesem Teil zwischen zwei Bereichen. Zum einen geht es um die Basisdaten der Bibliothek. Zum anderen wird das Umfeld der Bibliothek – die Kommune und ihre Besonderheiten – genauer beleuchtet.

Copyright Anne Jacobs

Die Basisdaten

Hinter den Basisdaten der Bibliothek verbergen sich viele Hinweise auf nötige Veränderungen, denen man anhand von Zahlen auf die Spur kommen kann. Hierzu ist es wichtig, die Zahlen nicht nur für sich zu betrachten, sondern in Bezug zueinander zu setzen. So sagt zum Beispiel die Bestandsgröße einer Sachgruppe alleine zunächst nicht viel aus. Wird diese Zahl ins Verhältnis zu den Ausleihen dieser Bestandsgruppe gesetzt, lässt sich eine Aussage über die Effizienz dieser Bestandsgruppe treffen. (Wie genau eine Effizienzanalyse funktioniert, zeigen wir in unserem Leitfaden.)

Gleiches gilt zum Beispiel auch bei für die Öffnungszeiten. Auch hier muss die Anzahl der Wochenöffnungsstunden in Relation zur Nutzung gesehen werden, um Aussagen zu künftig erforderlichen Öffnungszeiten treffen zu können. Analog dazu kann dieser Vergleich auch Bibliotheksübergreifend geschehen. Mit dem Bibliotheksmonitor des HBZ (Hochschulbibliothekszentrum des Landes NRW) haben die Bibliotheken ein starkes Instrument an der Hand,  um sich mit Bibliotheken vergleichbarer Größe zu messen.

Angemerkt sei an dieser Stelle, dass der genaue Blick auf die Zahlen manchmal durchaus schmerzhaft sein kann. Nichts desto trotz ist dieser Blick für ein funktionierendes Konzept unabdingbar und offenbart auch „Hidden Champions“- also gut laufende Bereiche, die einem vorher nicht so bewusst gewesen sind.

Das Umfeld

In jeder Kommune sind die Voraussetzungen für die Bibliothek unterschiedlich. Es gilt auch hier herauszufinden, welche Aufgaben die Bibliothek in der Kommune übernimmt. Daher wird an diesem Punkt der Blick von der bestehenden Bibliotheksarbeit gelöst und geschaut, was in der Kommune vorhanden ist.

Es lohnt sich die anderen Akteure in der Kommune zu betrachten und herauszufinden, wo Kooperationen ausgebaut bzw. aufgebaut werden können, wo sich Angebotslücken auftun oder Konkurrenzangebote vermieden werden können.

Zudem werden hier grundsätzliche Entwicklungen in den Blick genommen: Wächst meine Kommune oder wird sie kleiner? Habe ich eine Flächenkommune oder ist alles sehr zentral orientiert? Welche Altersstruktur gibt es? Was sind kommunale Problemfelder, die sich auch auf die Bibliothek auswirken könnten oder in ihr wiederspiegeln? Gibt es kommunale Entwicklungsschwerpunkte? Diese und weitere Fragen gilt es je nach Bedarf zu beantworten, um dann die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Bei dieser Arbeit knirschen einige Teilnehmer*innen zwischenzeitlich ganz schön mit den Zähnen. Schließlich ist und bleibt das Zusammentragen des Datenmaterials und dessen Auswertung, auch in einem begleiteten Strategieprozess, immer noch Fleißarbeit. 

Die Leistung, die zuvor erhobenen Daten ins Verhältnis zu setzen und ihre eigenen Daten mit den Daten der Kommune abzugleichen, erfordert einen geschärften Blick und führt leicht dazu, den roten Faden aus dem Blick zu verlieren. Hier hilft es, sich an folgenden Fragen zu orientieren: Welche Daten betreffen die Bibliothek? Und: Welche betreffen sie nicht?

(Der Beitrag ist in ähnlicher Form bereits am 26.07.2017 erschienen)

Über das Qualifizierungsprogramm „Den Roten Faden finden – Wir entwickeln eine Bibliotheksstrategie“:
Strategisch denken und handeln und das Ziel vor Augen haben: Damit aus guten Ansätzen starke Bibliotheken werden, darf eines nicht fehlen, der rote Faden – die Bibliotheksstrategie! Mit diesem Weiterbildungsangebot der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken machen sich maximal zehn Bibliotheken auf den Weg und erarbeiten ihre eigene Bibliotheksstrategie für die nächsten Jahre. Die Verschriftlichung des Bibliothekskonzeptes erfolgt durch die Bibliotheksleitung und wird von der Fachstelle und einer Dozentin eng begleitet. Mehr als 40 NRW-Bibliotheken haben diese Fortbildung in den vergangenen bereits erfolgreich durchlaufen.

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Online-Austausch „#VonZehnBisElf“: Ideenbörse SommerLeseClub NRW

Am 18. März von 10 bis 11 Uhr ist es wieder Zeit für unseren monatlichen Austausch. Dieses Mal dreht sich alles um den SommerLeseClub.

Wir laden Bibliotheksmitarbeitende herzlich ein, ihre Ideen für Veranstaltungen rund um den SommerLeseClub mitzubringen und vorzustellen. Ob erprobt oder noch ganz frisch gedacht – alles ist willkommen.

Das Treffen ist als offenes, kollegiales Online-Format angelegt und richtet sich an Mitarbeitende aus öffentlichen Bibliotheken jeder Größe. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Teilnahme ist direkt über diesen Link möglich: https://t1p.de/vonzehnbiself

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#DesignDienstag: Lesecafés – Orte zum Verweilen und Begegnen

Willkommen zu unserem #DesignDienstag. In dieser Reihe schaut unsere Innenarchitektin Anja Thimm genauer hin und zeigt, wie aus durchdachter Planung echte Aufenthaltsorte entstehen. In diesem Beitrag geht es um das Lesecafé. Für viele Bibliotheken ist es längst mehr als eine nette Ergänzung. Es ist Treffpunkt, Rückzugsort und manchmal sogar kleine Veranstaltungsfläche in einem.

Lage und Raumwirkung

Wenn ich mir ein Lesecafé anschaue, schaue ich erst, wo es sich befindet. Mitten im Geschehen oder eher am Rand? Beides kann funktionieren. Entscheidend ist, dass der Bereich sichtbar und einladend wirkt.

Ein Platz mit Blick nach draußen oder mit Sichtbezug zum Bibliotheksraum bringt Lebendigkeit. Gleichzeitig braucht es eine gewisse Abgrenzung zu stark frequentierten Zonen. Niemand möchte seinen Kaffee direkt neben der laut klappernden Rückgabestation trinken.

Besonders spannend finde ich Standorte an großen Fensterfronten zur Straße oder zu einem Platz. Wer vorbeigeht, sieht Menschen lesen, arbeiten oder ins Gespräch vertieft. Das wirkt offen und zieht neue Besucherinnen und Besucher automatisch an.

Licht und Atmosphäre

Licht ist eines der zentralen Gestaltungsmittel und prägt maßgeblich den Charakter eines Lesecafés. Es entscheidet mit darüber, ob man sich wohlfühlt. Tageslicht ist natürlich ideal. Große Fenster, helle Materialien und eine freundliche Farbgestaltung unterstützen das.

Wo das natürliche Licht nicht ausreicht, sorgt eine abgestufte Lichtgestaltung für eine angenehme Atmosphäre: Eine gute Grundbeleuchtung sorgt für Orientierung. Pendelleuchten über Tischen schaffen Inseln. Individuelle Leseleuchten bieten gezieltes Licht für konzentriertes Arbeiten. Warmes Licht macht den Raum wohnlich, dimmbare Lösungen erlauben es, zwischen Tagesbetrieb und Abendveranstaltung zu wechseln.

Akustik und Raumklima

Ein Lesecafé darf lebendig sein. Gespräche gehören dazu. Trotzdem sollte es keine Lärmquelle für die gesamte Bibliothek werden.

Teppiche, gepolsterte Möbel oder Akustikpaneele helfen, Geräusche zu dämpfen. Besonders wirksam ist eine gut geplante Akustikdecke. Sie nimmt Schall auf, bevor er sich im Raum ausbreitet. Auch bepflanzte Raumteiler (Achtung pflegeintensiv!) mindern Geräusche und schaffen eine angenehme Klangatmosphäre.

Möblierung und Flexibilität

Die Möblierung gibt dem Lesecafé Identität, Komfort und Funktionalität zugleich. Ein ausgewogenes Konzept berücksichtigt die verschiedenen Nutzungsszenarien – vom konzentrierten Lesen über das Arbeiten am Laptop bis hin zu informellen Gesprächen und kleinen Veranstaltungen.

  • Gemütliche Sitzgelegenheiten wie Sessel, Sofas oder modulare Polstermöbel laden zum längeren Verweilen und entspannten Lesen ein.
  • Flexible Café- und Bistrotische bieten Platz für Getränke, mobile Geräte oder kleine Gruppenarbeiten. Unterschiede in der Sitzhöhe, z.B. etwa durch Bartische, strukturieren den Raum und schaffen Dynamik.
  • Große Zeitungslesetische geben die Gelegenheit mit anderen Nutzer*innen ins Gespräch zu kommen
  • Rückzugsnischen oder Einzelarbeitsplätze mit Beistelltisch fördern konzentriertes Arbeiten oder Lesen und können somit eine Ergänzung zu den anderen Nutzerarbeitsplätzen in der Bibliothek bieten
  • Modulare und mobile Möbel auf Rollen ermöglichen eine schnelle Umgestaltung für Lesungen, Workshops, Gesprächsrunden oder andere Veranstaltungsformate.

Wichtig ist Flexibilität. Mobile Möbel auf Rollen erlauben es, den Bereich schnell für Lesungen oder Workshops umzugestalten. Und ganz wichtig: ausreichend Steckdosen. Am besten direkt in den Möbeln integriert.

Materialien und Farben prägen die Stimmung. Holz und Textilien wirken warm, Metall und Glas eher sachlich. Pflanzen, Kissen und ein gutes Getränkeangebot können den wohnlichen Charakter verstärken.

Medienangebot im Lesecafé

Ein Lesecafé lebt auch von seinem Medienangebot. Tagesaktuelle Zeitungen, lokale und überregionale Titel, Zeitschriften oder Magazine passen hier besonders gut.

Viele Bibliotheken ergänzen das Angebot durch digitale Pressedienste. Mit Leihgeräten oder dem eigenen Smartphone lassen sich Inhalte direkt vor Ort nutzen, vorausgesetzt das WLAN ist stabil. Gerade Zeitschriften, die nur im Haus gelesen werden dürfen, sind im Lesecafé gut aufgehoben.

Fazit und Beispiele aus NRW

Ein gut gestaltetes Lesecafé ist mehr als ein Bereich mit Kaffeemaschine und Sesseln. Es verbindet Aufenthaltsqualität mit Bibliotheksidentität. Es schafft Raum für Begegnung und für Rückzug. Und es zeigt ganz nebenbei, dass Bibliotheken Orte sind, an denen man nicht nur Medien ausleiht, sondern gerne Zeit verbringt. Dass es viele gute Lösungen gibt, zeigen zahlreiche Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen. Hier ein paar Beispiele:

Bad Berleburg

Auch in kleineren Bibliotheken, wie der Stadtbücherei Bad Berleburg finden sich Lesecafés, halt in etwas kleinerem Format. Gemütliche Sitzgelegenheiten an runden Tischen, ergänzt durch Tischleuchten und eine Kaffeemaschine, laden zum Verweilen ein.

Bergheim

Das Lesecafé der Stadtbibliothek Bergheim befindet sich vor einer raumhohen Fensterfront. An der Kaffee-Bar gibt es Heißgetränke, die man an den verschiedenen Sitzgelegenheiten genießen kann. Zum Beispiel an Tischen, die ein Schreiner aus ausgesonderten Büchern gebaut hat.

Essen-Huttrop

Das Lesecafé der Stadtteilbibliothek Essen-Huttrop überzeugt mit einem zeitgemäßen, offenen Ambiente. Wer mag, nimmt direkt an der Theke Platz und kommt unkompliziert ins Gespräch oder genießt einfach einen Kaffee mit Blick ins Geschehen. Darüber hinaus stehen in der Bibliothek weitere, unterschiedlich gestaltete Sitzmöglichkeiten zur Verfügung – vom ruhigen Leseplatz bis zur gemütlichen Ecke zum Verweilen.

Die Theke im Eingangsbereich ist Info und Aufenthaltsbereich.

Hattingen

In der Stadtbibliothek Hattingen befindet sich das Lesecafé auf der unteren Ebene im hinteren Bereich. Quadratische Tische, die sich flexibel zu größeren Gruppen zusammenstellen lassen, sowie Designerstühle, deren roter Farbton das Farbkonzept des angrenzenden Belletristikbereichs aufgreift, laden zum Verweilen ein.

Direkt daneben stehen großzügige Sofas zur Verfügung, ebenso wie der Zeitungs- und Zeitschriftenbestand. Eine integrierte Küchenzeile mit Kaffeeautomat erleichtert dem Bibliothekspersonal zudem den Umgang mit gebrauchtem Geschirr.

Kamp Lintfort

Das Lesecafé in der Mediathek Kamp-Lintfort, dessen Theke von einem externen Betreiber geführt wird, dient zugleich als flexible Veranstaltungsfläche. Durch die direkte Lage an der großen Fensterfront im Eingangsbereich entsteht ein Schaufenstereffekt, der Passantinnen und Passanten neugierig macht und in die Bibliothek hineinzieht.

Eine Sitzbank, gepolsterte Stühle und stimmungsvolle Pendelleuchten schaffen eine angenehme, einladende Atmosphäre.

Kreuztal

In der Stadtbibliothek Kreuztal finden sich angrenzend an den Zeitschriftenbereich unterschiedliche Aufenthaltsmöglichkeiten. Gepolsterte Stühle an Bistrotischen an der Fensterfront, eine Theke mit Barhockern und Blick nach draußen sowie zentral angeordnete Sofas und Sessel bieten für jede Vorliebe die passende Sitzgelegenheit.

Langenfeld

In der Stadtbibliothek Langenfeld ist das Lesecafé in den Belletristikbestand im Eingangsbereich integriert. Umgeben von Medien bietet es verschiedene Sitzmöglichkeiten: Bistrotische und Stühle im Stil eines kleinen Straßencafés sowie Sofas auf Teppichen mit Beistelltischen, die eine gemütliche Wohnzimmer-Atmosphäre schaffen, laden zum Verweilen ein.

Die große Theke dient sowohl als Anlaufstelle für Getränke als auch als Informationspunkt für die Besucherinnen und Besucher.

Siegburg

In der Stadtbibliothek Siegburg gibt es ein kleines Café, das zwar angrenzend an die Publikumsfläche liegt, aber separat eingerichtet ist. Direkt neben dem Zeitschriftenbestand finden sich auf der Bibliotheksfläche kleinere Sitzmöglichkeiten sowie ein markanter großer Tisch, über dem eine auffällige Leuchte hängt. Hier können Besucherinnen und Besucher sowohl in Ruhe Zeitungen lesen als auch Gespräche führen.

Witten

In der Bibliothek Witten ist ein zentrales Element des Lesecafés die große Lesetreppe, die sowohl zum Verweilen als auch für Veranstaltungen genutzt werden kann. Unterhalb der Treppe befinden sich mittig keine Tisch- und Stuhlgruppen, während an den Wänden der Zeitschriftenbestand angeordnet ist. Hohe Fenster sorgen für reichlich Tageslicht und den Blick nach draußen, der im Sommer durch eine angrenzende Terrasse erweitert wird.

Autorin

Anja Thimm studierte Innenarchitektur an der Hochschule Trier. Nach ihrem Abschluss und einem Ausflug in die Welt der Büroplanung gehört sie seit 2016 zum Team der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW und berät Bibliotheken zu den Themen Bau und Einrichtung. Ebenfalls seit 2016 ist sie Mitglied der Facharbeitsgruppe Bau und Einrichtung der Fachstellenkonferenz der Bibliotheksfachstellen in Deutschland.

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#DesignDienstag: Der Eingangsbereich – die Visitenkarte jeder Bibliothek

Willkommen zu unserem neuen #DesignDienstag. In dieser Serie nimmt euch unsere Innenarchitektin Anja Thimm mit in die Welt der Bibliotheksgestaltung. Sie zeigt, wie aus gut geplanten Räumen lebendige und einladende Orte werden, in denen man sich gerne aufhält. Ob Eingangsbereich, Kinder- oder Jugendbibliothek: Jede Zone erfüllt eine eigene Aufgabe und braucht ihre ganz eigene Atmosphäre. Zum Auftakt schauen wir uns den Eingangsbereich an. Denn der erste Eindruck zählt – auch in der Bibliothek.

Orientierung und Raumstruktur

Wenn ich eine Bibliothek betrete, sehe ich mir (logisch ;)) als Erstes immer den Eingangsbereich an. Nicht aus Neugier, sondern weil hier ganz viel entschieden wird. Der Eingang ist die Visitenkarte der Bibliothek. In den ersten Sekunden entsteht ein Eindruck, der bleibt. Fühle ich mich willkommen? Verstehe ich sofort, wo ich hinmuss? Oder bin ich erst einmal mit mir und dem Raum beschäftigt?

Gute Gestaltung bedeutet hier vor allem, Funktion und Atmosphäre zusammenzubringen. Besucherinnen und Besucher sollten ohne großes Nachdenken zur Informationstheke, zur Garderobe oder zur Medienverbuchung finden. Klare Wege, eine logische Zonierung, gut lesbare Beschilderung und eine offene Raumstruktur helfen enorm. Auch Licht spielt dabei eine große Rolle: Helle, gut ausgeleuchtete Bereiche geben Sicherheit und erleichtern die Orientierung.

Barrierefreiheit und Inklusion

Orientierung hört aber nicht bei Wegführung und Schildern auf. Für mich gehört Barrierefreiheit immer ganz selbstverständlich zur Gestaltung dazu. Rutschhemmende Böden, automatische Türen und ausreichend Bewegungsflächen für Rollstühle sind keine Extras, sondern Grundlagen.

Sehr bewährt haben sich taktile Bodenleitsysteme, die Menschen mit Seheinschränkungen direkt zur Informationstheke führen. Ergänzend können digitale Hilfen wie akustische Wegweiser oder niedrig platzierte Touchscreens den Zugang weiter erleichtern. Wichtig ist dabei immer, die Technik so einzusetzen, dass sie unterstützt und nicht überfordert.

Ein schönes Beispiel dafür ist die Stadtteilbibliothek Oberhausen-Sterkrade: Hier führt ein taktiles Leitsystem sicher zur Theke, die zudem barrierefrei unterfahrbar gestaltet ist.

Ein taktiles Leitsystem führt Menschen mit Seheinschränkungen direkt zur Info-Theke. Das Beispiel zeigt die Stadtteilbibliothek Oberhausen-Sterkrade.

Funktionale Möblierung

Ein zentrales Thema im Eingangsbereich ist natürlich die Möblierung. Die Informationstheke ist meist das Herzstück. Sie muss für die Mitarbeitenden ergonomisch funktionieren und gleichzeitig niedrigere Bereiche für barrierefreie Kommunikation bieten.

Auch Selbstverbuchungs- und Rückgabesysteme sollten gut platziert sein. Ideal ist es, wenn sie vom Thekenbereich aus einsehbar bleiben. Die Medienrückgabe sollte möglichst direkt nach dem Betreten erreichbar sein. Eine zusätzliche Außenrückgabe schafft Flexibilität und wird von vielen Nutzenden sehr geschätzt.

Gleichzeitig bietet der Eingangsbereich großes Potenzial für mehr als reine Servicefunktionen. Niedrige Regale oder spezielle Präsentationsmöbel eignen sich hervorragend für Neuerscheinungen oder aktuelle Themen. Auch Zeitschriftenbereiche, kleine Lesecafés oder andere Kommunikationszonen funktionieren hier gut. Es ist ein lebendiger Bereich, in dem keine absolute Ruhe nötig ist und der durch große Fenster oft auch nach außen wirkt.

Bei Sitzmöbeln achte ich besonders auf Komfort, Pflegeleichtigkeit und Robustheit. Der Eingangsbereich ist stark frequentiert und genau das muss man den Möbeln auch zugestehen.

Lichtgestaltung

Ein oft unterschätzter Faktor ist die Beleuchtung. Dabei hat Licht enormen Einfluss auf Orientierung und Aufenthaltsqualität. Eine gute Lichtplanung nutzt Tageslicht, vermeidet Blendung und setzt gezielt Akzente. So entsteht eine freundliche Atmosphäre, die Besucherinnen und Besucher ganz automatisch weiter in die Bibliothek hineinzieht.

Beispiele aus NRW

Ein gut gestalteter Eingangsbereich ist somit weit mehr als eine Durchgangszone: Er schafft Orientierung und legt den Grundstein für ein positives Nutzungserlebnis. Dass es viele gute Lösungen gibt, zeigen zahlreiche Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen. Hier ein paar Beispiele:

Stadtbibliothek Bergheim

Hier empfangen wechselnde Farben und mehrsprachige Begrüßungen die Besucher*innen. Der Verbuchungsbereich liegt direkt neben dem Eingang und ist von der Servicetheke aus gut im Blick.

Stadtbibliothek Brühl

Die Bibliothek in Brühl teilt sich das Gebäude mit dem Rathaus. Das gemeinsame Foyer dient als Rückgabeort für Medien. Auf jeder Etage sorgt eine Theke für Orientierung und ist Anlaufstelle für Besucher.*innen.

Stadtteilbibliothek Essen-Huttrop

In Essen-Huttrop liegt die Theke direkt im Eingangsbereich und dient sowohl als Informationstheke als auch als Café. Der Verbuchungsbereich ist dank farbiger Leuchtschrift sofort sichtbar.

Stadtbibliothek Kamp-Lintfort

In Kamp-Lintfort befindet sich das Lesecafé im Eingangsbereich der Bibliothek. Der eigentliche Empfangsbereich mit Informationstheke befindet sich etwas weiter hinten, abgetrennt durch den Open-Library-Bereich.

Stadtbibliothek Langenfeld

In Langenfeld gelangen die Besucher*innen beim Betreten der Bibliothek direkt zur Informationstheke, die gleichzeitig als Theke für das gegenüberliegende Lesecafé genutzt wird. Der Selbstverbuchungsbereich ist vor der Theke angeordnet und wurde in die Wand sowie das angrenzende „Superregal“ integriert.

Zentralbibliothek Mönchengladbach

Der Eingangsbereich in der Zentralbibliothek Mönchengladbach ist ein offenes Foyer über zwei Geschosse, das auch für Veranstaltungen genutzt wird. Neben Theke, Verbuchungsbereich und Garderobe gibt es auch ein Lesecafé auf der Ebene. Ein großer digitaler Infoscreen informiert die Besucher direkt beim Betreten.

Stadtteilbibliothek Oberhausen-Sterkrade

Im Windfang in Oberhausen-Sterkrade gibt es E-Ladeplätze für Fahrräder. Besucher*innen werden über eine mehrsprachige Beschriftung auf der Glasschiebetür informiert. Ein taktiles Bodenleitsystem führt zur Theke, die barrierefrei unterfahrbar gestaltet ist.

Stadtbibliothek Velbert

Die Bibliothek in Velbert ist Teil des Forum Velbert und wird über ein gemeinsames Foyer betreten. Direkt beim Eingang der Bibliothek liegt der Verbuchungsbereich, ergänzt durch ansprechend gestaltete Präsentationsmöbel. Die Theke befindet sich nach einem kleinen Durchgang am Rand der offenen Fläche, die Sitzplätze und die Belletristik beherbergt.

Autorin

Anja Thimm studierte Innenarchitektur an der Hochschule Trier. Nach ihrem Abschluss und einem Ausflug in die Welt der Büroplanung gehört sie seit 2016 zum Team der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW und berät Bibliotheken zu den Themen Bau und Einrichtung. Ebenfalls seit 2016 ist sie Mitglied der Facharbeitsgruppe Bau und Einrichtung der Fachstellenkonferenz der Bibliotheksfachstellen in Deutschland.

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Neue Ausgabe Pro Libris mit Schwerpunkt Freiheit & Verantwortung

Die neueste Ausgabe von ProLibris befasst sich intensiv mit dem Spannungsfeld zwischen freiem Zugang zu Wissen und dem verantwortungsvollen Umgang mit umstrittener Literatur, insbesondere der Debatte um Warnhinweise auf Büchern in öffentlichen Bibliotheken. Katja Bartlakowski, Professorin für Bibliothekspolitik und Community Building, Cordula Gladrow, Leiterin der Stadtbibliothek Münster und Stephan Schwering, Direktor der Stadtbüchereien Düsseldorf, diskutieren über den Fall Münster, in dem die Stadtbibliothek Warnhinweise auf zwei Büchern anbrachte und damit einen Rechtsstreit auslöste.

Was Sie außerdem erwartet:

  • Urheberrecht und Open Access: Trotz der Unterschiede in der eLending-Diskussion und der Open Access-Debatte kämpfen öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken in gemeinsamen Aktionsbündnissen für niedrigschwelligen Zugang zu Literatur und faire Preise.
  • US-amerikanische „Banned Books“-Debatte: Ein Beitrag von Katja Bartlakowski lässt erahnen, worüber auch Deutschland in Zukunft diskutieren könnte.
  • Rechtslage im Überblick: Eine Einordnung des Rechtsfalls Münster durch Felix Magin, Vorsitzender der dbv-Rechtskommission, beleuchtet die fehlende Ermächtigungsgrundlage in NRW und die Notwendigkeit gesetzlicher Nachbesserungen.
  • Künstliche Intelligenz (KI) in der Recherche: Der Artikel „KAI mit KI. Wissenschaftliche Recherche neu gedacht“ beleuchtet das neue KI-Recherchetool an der Fachhochschule Südwestfalen, das als erste in NRW ein solches System im Pilotbetrieb einsetzt.

Link zur Ausgabe: https://www.bibliotheken-nrw.de/wp-content/uploads/2026/01/ProLibris-04_DS_WEB.pdf

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Toolhäppchen: Napkin AI – Grafiken aus Text generieren (Teil 5 der KI-Reihe)

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an KI-Tools, die den Arbeitsalltag erleichtern oder kreative Prozesse unterstützen können – auch in Bibliotheken. Um einen praktischen Einblick zu geben, stellen wir zum Abschluss unserer KI-Reihe eines dieser Werkzeuge genauer vor: Napkin AI. Das Tool wandelt einfache Texteingaben in anschauliche Infografiken, Diagramme und visuelle Darstellungen um – ganz ohne Designkenntnisse. Unsere Kollegin Silke Keßler hat Napkin AI ausprobiert und zeigt in diesem Beitrag, wie Napkin AI funktioniert, wo es im Bibliothekskontext sinnvoll eingesetzt werden kann und welche Chancen und Grenzen die Nutzung mit sich bringt.

Napkin AI ist ein KI-gestütztes Tool, das aus Texteingaben Infografiken, Diagramme und visuelle Darstellungen erstellt. Ideen, Daten oder Konzepte können mit Napkin AI anschaulich visualisiert werden. Designkenntnisse der Nutzenden sind dafür nicht erforderlich.

Neben der Grafikerstellung kann Napkin auch erklärende Texte oder Zusammenfassungen zu den Visualisierungen generieren. Die erstellten Grafiken lassen sich individuell anpassen – etwa durch eigene Farben, Schriftarten oder Layouts. Zudem können mehrere Personen gemeinsam an einer Grafik arbeiten.

Für die Nutzung ist eine Anmeldung per E-Mail oder über Google erforderlich.

Vor- und Nachteile des Tools

Für die Ermittlung der Vor- und Nachteile von Napkin habe ich das Tool selbst befragt. Den dafür verwendeten Prompt habe ich bewusst sehr einfach gehalten:

Hallo Napkin! Bitte zeige mir die Vor- und Nachteile in der Nutzung von Napkin AI auf. Die Zielgruppe sind Bibliotheksmitarbeitende in Öffentlichen Bibliotheken NRW. Bitte zeige mir auch auf, wo Bibliotheksmitarbeitende Napkin sinnvolleinsetzen können.

Napkin AI hat auf Basis dieses Prompts die Vor- und Nachteile ermittelt und beginnt die Auflistung mit einer kurzen Einleitung (siehe Abbildung 1). Auf der Abbildung ist zudem zu erkennen, dass das erstellte Dokument mit anderen Personen geteilt, eine neue Napkin-Anfrage direkt gestartet oder Kommentare für sich selbst beziehungsweise für Mitarbeitende hinzugefügt werden können.

(Abbildung 1)

Unter den Vorteilen stehen Effizienzsteigerung und Automatisierung, Verbesserte Benutzererfahrung, Datengestützte Entscheidungsfindung und die Unterstützung bei der Entscheidungsfindung.

(Abbildung 2)

Linksbündig vom ausgegebenen Text ist ein Blitz auf türkisem Grund erkenntlich. Anhand eines Mausklicks kann für einzelne Passagen dann eine Grafik erstellt werden.

(Abbildung 3)

Es kann entweder die ganze Überschrift visualisiert werden oder nur Teilaspekte der Vorteile. Im linken, türkisenen Kasten kann dann aus unterschiedlichen Stilen ausgewählt werden oder unter „Customize“ individuell angepasst werden. Der Text bleibt unverändert und wird nur von der Visualisierung ergänzt.

Bei den Nachteilen (Abbildung 4) weist Napkin überraschenderweise darauf hin, dass die Kosten ein Nachteil sein könnten. Tatsächlich sind die Starter- und Professional-Pakete von Napkin bislang kostenlos. Kosten entstehen lediglich im Enterprise-Paket, das für einfache Veranstaltungsarbeiten oder kleine Präsentationen nicht erforderlich ist. Im Enterprise-Paket können beispielsweise Firmen ihr eigenes Logo und Corporate Design einbinden.

(Abbildung 4)

Jeder Output in Napkin kann in eine Grafik umgewandelt werden. Der Text im Napkin-Dokument lässt sich jederzeit bearbeiten und kann anschließend mit der überarbeiteten Version erneut visualisiert werden. Eine solche Überarbeitung ist empfehlenswert, da die KI häufig Wörter verwendet, die schwer nachvollziehbar sind. Zudem sollte die Ansprache im Prompt klar und präzise formuliert werden.

Nach der Auswahl der Art der Grafik besteht anschließend die Möglichkeit, eine konkrete Variante auszuwählen (siehe Abbildung 5).

(Abbildung 5)

Mein Fazit

Napkin ist leicht zu bedienen und bietet eine praktische Alternative zu klassischen PowerPoint-Grafiken. Gerade bei Präsentationen gilt: „Das Auge isst mit“ – Napkin AI visualisiert Inhalte anschaulich und lässt Präsentationen professioneller wirken. Zudem lässt sich das Tool nutzen, um kreative Impulse für Veranstaltungen zu gewinnen. Visualisierungen unterstützen oft das gesprochene Wort und machen zum Beispiel Zahlen leichter verständlich.

Gleichzeitig sollte stets überprüft werden, ob der Output korrekt und passend ist. Es empfiehlt sich, den generierten Text nicht unverändert zu übernehmen, sondern sicherzustellen, dass er mit dem ursprünglich eingegebenen Prompt übereinstimmt. Auch beim Hochladen von Dateien ist Vorsicht geboten: Napkin AI verarbeitet DOC-, PDF-, PPT-, HTML- oder Markdown-Dateien und wandelt deren Inhalte in Visualisierungen um. Wie genau die Daten gespeichert oder verarbeitet werden, ist jedoch nicht transparent, weshalb sensible Informationen nur eingeschränkt genutzt werden sollten.

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„BibliotheKI“ – Ein ganzheitliches Konzept für den KI-Einsatz in den Stadtbüchereien Düsseldorf (Gastbeitrag)

Das Team der Stadtbüchereien Düsseldorf hat sich zum Ziel gesetzt, KI strategisch und ganzheitlich in seine Arbeit zu integrieren. In diesem Gastartikel stellen Antonia Lüthgen und Dana Wingensiefen-Wosel das Projekt „BibliothekKI“ vor.

Künstliche Intelligenz von Grund auf gedacht

Künstliche Intelligenz (KI) ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern Teil unseres Alltags. Ob in der Spracherkennung von Smartphones, bei automatisierten Empfehlungen in Streaming-Diensten oder in der medizinischen Diagnostik. Als öffentliche Bibliothek stehen wir vor der Frage: Wollen wir diese Entwicklung nur beobachten, oder aktiv gestalten?
Für die Stadtbüchereien Düsseldorf war die Antwort klar: Wir wollen gestalten.
Mit dem Projekt „BibliotheKI“ haben wir uns auf den Weg gemacht, KI nicht nur punktuell einzusetzen, sondern strategisch und ganzheitlich in unsere Arbeit zu integrieren. Dabei betrachten wir KI nicht allein als technische Spielerei, sondern als Querschnittsthema, das Technik, Organisation, Weiterbildung und gesellschaftlichen Dialog verbindet. Dabei haben wir nicht mit fertigen Lösungen begonnen, sondern Schritt für Schritt ausprobiert, gelernt und uns weiterentwickelt. Dieses schrittweise Vorgehen hat uns ermöglicht, Erfolge sichtbar zu machen, sowie Nutzende und Mitarbeitende gleichermaßen einzubinden.

Der Start: Bedarfe und Erwartungen klären

Zu Beginn unserer Arbeit haben wir unsere Nutzendenbefragung von 2023 zur Hand genommen und durch eine Mitarbeitendenbefragung ergänzt. Die Nutzendenbefragung von 2023 ergab, dass 73 % der rund 3.700 Befragten die Bibliothek mindestens zweimal im Monat besuchen. 24 % davon wollen sich inspirieren lassen, 20 % haben einen konkreten Informationsbedarf – ideale Voraussetzungen, um mit KI-gestützten Angeboten sowohl Orientierung als auch Überraschungsmomente zu schaffen. Parallel zeigte die interne Befragung von 2024 (im Rahmen der Bachelorarbeit von Davide Elia1), dass fast 90 % der 85 teilnehmenden Mitarbeitenden bereits privat mit KI gearbeitet haben, doch 44 % fühlten sich „wenig vorbereitet“ auf den professionellen Einsatz. Genau an diesen beiden Punkten wollten wir ansetzen: Interesse nutzen, Kompetenzen aufbauen, Berührungsängste abbauen, Lust auf Ausprobieren machen.

Struktur für Veränderung

Im Juni 2024 gründeten wir die Projektgruppe „Künstliche Intelligenz“. Diese ist in drei Arbeitsgruppen aufgeteilt:

  • KI-Angebote für Kund*innen
  • Einsatz von KI inhouse
  • Schulungen für Mitarbeitende

Um der Tragweite der Künstlichen Intelligenz gerecht zu werden stimmen wir alle größeren Projekte mit den städtischen Datenschutzstellen und Gremien ab. Stattfindende Veranstaltungen melden wir via eines Formblatts an die städtische KI-Verantwortliche. Ein internes Wiki das wir seit 2017 benutzen, bündelt unser gesammeltes Wissen, von Schulungsmaterialien bis zu technischen Spezifikationen. Über 30 Mitarbeitende engagieren sich derzeit in unterschiedlicher Intensität in der Projektgruppe und ihren AGs – dies ist nur möglich, weil die Leitung der Stadtbüchereien Düsseldorf unser Engagement von Anfang an unterstützt hat und dies auch noch tut.

Unser Fundament: Die KI-Leitlinien

Ein wichtiger Schritt waren unsere verbindlichen KI-Leitlinien (erstmals veröffentlicht in ProLibris 1/252). Sie gelten für alle Mitarbeitenden und legen fest, welcher Stellenwert Künstlicher Intelligenz in den Stadtbüchereien Düsseldorf zukommt und wie wir mit KI praktisch und strukturell verfahren wollen. Ergänzt werden die Leitlinien durch ein Formblatt das für jede KI-Veranstaltung oder die Anschaffung eines Tools genutzt wird. In dem Formblatt machen die verantwortlichen Personen unter anderem Angaben zu den Gerätschaften mit denen gearbeitet wird, zur Datenspeicherung, zum Anmeldeverfahren, zum Netzwerk-Login und zur Löschroutine. Damit gewährleisten wir eine datenschutzkonforme Anwendung von Künstlicher Intelligenz und erzielen gleichzeitig Effizienzgewinne. Zusätzlich klären Aushänge in den Räumlichkeiten, über die Datenspeicherung bei KI-Events auf. Diese Instrumente helfen uns somit, unsere eigenen Standards zu schaffen, Missverständnisse zu vermeiden und den rechtlichen Rahmen für Experimente klar abzustecken.

Die KI Woche – Ein Highlight mit Wirkung

Vom 4. bis 11. April 2025 haben wir unsere erste KI-Woche veranstaltet. Sie begann mit der Langen Nacht der Bibliotheken und umfasste zwölf Veranstaltungen. Es ist uns dabei gelungen die großen Themenblöcke, die in Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz oft genannt werden, abzudecken. Darunter zum Beispiel „KI & Demokratie“, „KI & Rassismus“ und „KI & Nachhaltigkeit“. Mehr als 800 Menschen nahmen teil, ein klares Signal, dass das Thema auf großes Interesse stößt.

Ein Publikumsliebling war der „KI:osk“, ein niedrigschwelliger Ausprobierstand mit sechs KI-Tools, betreut von geschulten Mitarbeitenden. Hier konnten unsere Besuchenden selbst testen, wie KI funktioniert. Das Format kam so gut an, dass es regelmäßig als Pop-up-Angebot in der Zentralbibliothek angeboten wird. In den Zweigstellen wird das Angebot eigenverantwortlich via eines iPads realisiert. Als Konsequenz aus den Erfahrungen der KI-Woche und weil das Thema KI so sehr die Gemüter bewegt, achten wir bei der Gestaltung unseres Quartalsprogramms darauf, dass wir immer KI-Veranstaltungen im Programm haben.

Herausforderungen

Natürlich ist der Weg zu einer KI-gestützten Bibliothek kein Selbstläufer.
Technische Hürden, knappe Ressourcen, Investitionen in Infrastruktur und die Suche nach datenschutzkonformen Lösungen begleiten uns. Der kontinuierliche Kompetenzaufbau im Kollegium ist ebenfalls ein zentrales Ziel und Thema. Künftig auch mit Unterstützung externer Partner wie der örtlichen Hochschule. Wichtig war für uns, Herausforderungen nicht als Bremsklotz zu sehen, sondern als Teil des Lernprozesses, denn jedes Problem, das wir lösen, macht uns zukunftsfähiger.

Ausblick

Unsere weiteren Pläne: die Robotik-Integration ausbauen, das Avatar-System weiterentwickeln, interne Abläufe stärker automatisieren und neue Veranstaltungsformate wie zum Beispiel eine KI-Sprechstunde anbieten. Unser Ziel ist es, dass Künstliche Intelligenz in der Bibliothek so selbstverständlich genutzt wird wie ein Katalog oder ein Ausleihsystem, also offen für alle und mit Raum zum Ausprobieren.

Dazu wollen wir auch weiterhin Formate und Angebote schaffen, die Menschen befähigen, KI kritisch zu hinterfragen aber auch kreativ zu nutzen. Langfristig möchten wir so mit unserem Projekt „BibliotheKI“ einen Beitrag zur KI-Strategie der Landeshauptstadt Düsseldorf und zur Befähigung ihrer Bürger*innen leisten.

Fazit

„BibliotheKI“ zeigt, dass Künstliche Intelligenz in öffentlichen Bibliotheken nicht nur möglich, sondern gestaltbar ist. Technik, Organisation, Bildung und Dialog greifen ineinander, um ein Modell zu schaffen, das über Düsseldorf hinaus Impulse geben kann. Unser Ziel: ein offener, partizipativer und zukunftsorientierter Raum, in dem Mensch und Maschine gemeinsam Neues schaffen. Andere Bibliotheken können von diesem Ansatz profitieren, indem sie klein anfangen, mutig experimentieren und gemeinsam mit ihren Nutzenden und Mitarbeitenden Schritt für Schritt in das Thema hineinwachsen.

Die Autorinnen

Antonia Lüthgen studiert seit 2022 dual „Bibliothek und digitale Kommunikation“ an der Technischen Hochschule Köln. Im bibliothekarischen Kontext interessiert sie sich besonders für den Kinder- und Jugendbereich und die Veranstaltungsarbeit im Allgemeinen.
Dana Wingensiefen-Wosel leitet seit März 2024 das Sachgebiet Digitale Services in den Stadtbüchereien Düsseldorf – hier ist sie für die Vermittlung der Digitalen Angebote der Stadtbüchereien, das LibraryLab, den humanoiden Roboter Pepper und für das neue Digitalstudio verantwortlich. Seit Juni 2024 steht sie außerdem der KI-Projektgruppe der Stadtbüchereien Düsseldorf vor. Zuvor war Dana Wingensiefen-Wosel sieben Jahre in einer Unternehmensberatung (PR) tätig. Sie ist gelernte Buchhändlerin und hat einen Masterabschluss der LMU München in Buch- und Medienforschung.

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Zwischen Brandbeschleuniger und Feuerlöscher: Wie KI die Dynamik von Fake News verändert (Teil 3 der KI-Reihe)

Künstliche Intelligenz verändert die Art und Weise, wie Informationen entstehen, verbreitet und bewertet werden. KI-gestützte Systeme erleichtern zunehmend die Produktion von realistisch wirkenden Texten, Bildern und Videos – und damit neue Formen von Desinformation. Aber inwieweit bieten sie bereits die Möglichkeit, Falschmeldungen zu erkennen? Und was heißt das für Öffentliche Bibliotheken?

KI als Werkzeug zur Erkennung von Desinformation

Mit dem Aufkommen von Sprach- und Bildgeneratoren wird die Erzeugung und Verbreitung von Fake News zunehmend einfacher verbreitet. KI kann realistisch wirkende Nachrichten, Bilder und Deepfake-Videos generieren. Dadurch steigt nicht nur die Quantität von Falschinformationen, diese sind mittlerweile oft schwieriger zu erkennen. Zudem verschwimmen die Grenzen zwischen Wahrheit und Falschinformation, auch wenn der Inhalt durch KI nur subtil verändert wird.

Neben den Schattenseiten kann eine KI auch dabei helfen, Fake News aufzudecken und einzudämmen. Algorithmen können Muster von Falschinformationen erkennen, Quellen verifizieren und dabei helfen, Desinformationen schneller zu entlarven. Die Technik ist somit nicht nur ein Teil des Problems, sondern auch potenziell Teil der Lösung.

KI-Tools zur Erkennung von Fake News

Der Deepfake-o-Meter von der University at Buffalo kann Bilder und Videos Deepfake anhand von KI entdecken. Die Nutzung des Deepfake-o-Meters ist kostenlos und hilft dabei, aus Bild-, Video-, und Tondateien Deepfakes zu erkennen. Nach der Registrierung können Nutzende eine Mediendatei hochladen und durch verschiedene Open-Source-Algorithmen analysieren lassen. Innerhalb weniger Minuten liefert das Tool dann eine Einschätzung, ob die Datei Anzeichen für KI-Manipulation enthält. Dabei handelt es sich wie bereits um eine Einschätzung, die von einer KI selbst ausgegeben wird.  Allerdings: Die Ergebnisse daraus sind nicht zu 100 Prozent zuverlässig, können aber eine Hilfe sein. Die Analyse von Deepfake-o-Meter ist rein technisch und muss von den Nutzenden interpretiert werden. 

Sightengine ist ein KI-Tool, das Bilder, Videos und Texte analysiert und automatisch moderiert. Es wird von Plattformen genutzt, um unangemessene Inhalte zu erkennen und zu entfernen. Das Tool basiert auf ein Wissen aus echten und manipulierten Medieninhalten um Muster erkennen zu können, die auf problematische Inhalte hindeuten.

Europäische Forschungsprojekte zu KI und Desinformation

Das deutsche Forschungsprojekt NoFake setzte genau an der Ungenauigkeit bisheriger Möglichkeiten an, indem mit einer Kombination aus Automatisierung und journalistischer Expertise über eine Plattform für Faktenchecks.

Ziel des Projektes war es, ein digitales Assistenzsystem zu entwickeln, das Menschen dabei unterstützt, Falschinformationen im Internet schnell zu erkenne. Dabei geht es vor allem um Texte und Bilder, die über Online-Plattformen verbreitet werden. Das Assistenzsystem soll großen Mengen an Daten automatisch analysieren, verdächtige Inhalte herausfiltern und dabei zeigen, wie sich diese Inhalte verbreiten. Dafür untersucht das Forschungsteam, wie bestehende Methoden zur Analyse von Texten und Bildern verbessert werden können, damit sie Fake News zuverlässig erkennen. Zu dem System werden Schulungen und Lernmaterialien entwickelt, damit Crowdworker lernen, sicher mit dem System zu arbeiten. Die Materialien sollen ihnen auch dabei helfen, ohne journalistische Ausbildung, Fake News zu erkennen. Koordiniert wurde das Projekt von der Ruhr-Universität Bochum. Partner waren die Technische Universität Dortmund, CORRECTIV gGmbH Essen und die Technische Universität Berlin. Das Projekt lief von 2021 bis 2024 und wurde gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt.

Das europäische Forschungsprojekt vera.ai entwickelte ebenfalls Tools, die nicht nur Fake News erkennen, sondern die Nutzenden nachvollziehbar aufklären, warum ein bestimmter Inhalt als manipuliert oder falsch eingestuft wird. Dabei werden Inhalte in verschiedenen Sprachen und Formaten analysiert, um Desinformationskampagnen zu erkennen. Dabei hat vera.ai als Zielgruppe nicht vulnerable Gruppen oder Behörden, sondern Forschende, Journalistinnen und Journalisten und andere Medienprofis. Beteiligt waren unter anderem das Fraunhofer IDMT, die Deutsche Welle und die University of Sheffield.

Im Forschungsprojekt NEBULA arbeiteten Hochschulen, Behörden und Unternehmen von Juli 2022 bis Juni 2025 gemeinsam daran, Fake News frühzeitig zu erkennen und ihre Wirkung zu entschärfen. Das Projekt hatte zwei Zielgruppen im Fokus.

Zum einen sollen besonders gefährdete Gruppen wie ältere Menschen oder Nutzende mit geringer Medienkompetenz durch verständliche und transparente Technologien unterstützt und gestärkt werden. Des Weiteren lag der Fokus auch auf Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Dazu wurden Smartphone-Apps und Browser-Plugins entwickelt, mit denen sich die Glaubwürdigkeit von Nachrichten prüfen lassen.

Das Projekt legt dabei großen Wert auf die Vermittlung. Die KI muss begründen können, warum ein Inhalt als potenziell falsch eingestuft wird. Die Ergebnisse aus NEBULA bestehen aus reinen Prototypen – es gibt dazu keine funktionsfähige App.

Ein wichtiges Fazit: eine genaue KI-Detektion ist derzeit noch nicht möglich, kann aber dabei helfen, vorzufiltern. Aus den Nutzerstudien zeigte sich außerdem, dass das Arbeiten mit Indikatorenanzeigen großes Potenzial beherbergt, da das kritische Denken der Nutzenden aktiv angeregt wird – in diese Richtung soll laut Dr.-Ing. Katrin Hartwig von der Technischen Universität Darmstadt, auch zukünftig weiter geforscht werden. Beteiligt waren unter anderem die Technische Universität Darmstadt, die Universität Siegen, die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, die Universität Paderborn und die NanoGiants GmbH als Verbundpartner.

Die Beispiele aus der Praxis und der Forschung zeigen: Es entstehen zunehmend mehr Werkzeuge, die Fake News erkennen und transparent machen. Jedoch sind diese Werkzeuge (noch) kein gutes Löschmittel.

Projekte in Öffentlichen Bibliotheken

Umso wichtiger wird die Förderung von Medien- und Informationskompetenz, nicht nur in Schulen oder Universitäten, sondern auch in Öffentlichen Bibliotheken. Sie können zu Orten werden, an denen Menschen lernen, KI nicht nur zu nutzen, sondern auch kritisch zu betrachten. Beispielsweise sind Workshops zur Erkennung von Fake News, Deepfakes möglich oder das Ausprobieren von KI-Erkennungstools im geschützten Rahmen.

Einige Bibliotheken wie zum Beispiel die Zentralbibliothek Duisburg boten ein Aktionslabor, konzipiert von der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, an. An sowohl analogen als auch digitalen Mitmachstationen konnte man mit Virtual-Reality-Angeboten und interaktiven Spielen das eigene Informations- und Nachrichtenverhalten hinterfragen. Begleitend zu der Ausstellung gab es auch Veranstaltungen zu Themen wie „Was kann ich noch glauben? Desinformation, Fake News und KI-Manipulation besser verstehen“ oder „Nah und neutral? Die Kunst der journalistischen Berichterstattung“.

Auch durch niedrigschwellige Angebote, wie beispielsweise durch die KI-Kreativ-Werkstatt in der Stadtbibliothek Dormagen, können Kinder und Jugendliche spielerisch einen kritischen und verantwortungsbewussten mit KI erlernen. Der Workshop in der Stadtbibliothek Dormagen ermöglichte es Kindern im Alter zwischen 10 und 12 Jahren KI verstehen und einsetzen zu können. Es lag neben kindgerechter und praxisnaher Umsetzung auch der Fokus auf eine kritische Auseinandersetzung. Weitere beispielhafte Projekte in Bibliotheken zum Thema KI und Fake News gibt es auf der Website von Netzwerk Bibliothek Medienbildung

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Der EU AI Act – Kompass im Umgang mit KI (Teil 2 KI-Reihe)

Chatbots können heute bereits einfache Anfragen von Nutzer*innen beantworten – etwa zu Öffnungszeiten, Medienverfügbarkeit oder Veranstaltungsterminen, wie beim VÖBB-Chatbot der Bibliothek Berlin. Auch KI-gestützte Tools zum Schreiben von Pressemitteilungen oder zur Planung von Veranstaltungen können bei der Arbeit unterstützen. Aber kann man KI als Organisation einfach so verwenden? Ohne Schulung oder Kennzeichnung?

Vier Risikokategorien von KI

Seit 1. August 2024 gilt mit dem EU AI Act das weltweit erste umfassende Gesetz zur Regulierung von Künstlicher Intelligenz. Der Rat der 27 EU-Mitgliedstaaten hat damit einen verbindlichen Rahmen für den Einsatz von KI verabschiedet. Ziel ist es, Innovation zu fördern und gleichzeitig Risiken für Menschen und Gesellschaft zu begrenzen.

Der EU AI Act teilt KI-Tools in vier Risikokategorien ein:

KategorieSymbolBeispieleRechtliche Pflichten / Folgen
Minimales Risiko🟢Schreib- oder Übersetzungsassistenten, Spamfilter, KI in VideospielenKeine speziellen Auflagen außer bestehenden Gesetzen
Begrenztes Risiko🟡Chatbots, Empfehlungssysteme, DeepfakesTransparenzpflichten: Nutzer*innen müssen erkennen können, dass sie mit KI interagieren oder KI-Inhalte sehen
Hohes Risiko🟠KI in Medizinprodukten, Personalwesen (z. B. Bewerbungsscreening), Bildung (z. B. Prüfungsbewertung), Justiz, Migration, kritische InfrastrukturenStrenge Anforderungen: Risikomanagement, hochwertige Daten, Dokumentation, menschliche Aufsicht, Robustheit, Genauigkeit, Transparenz
Inakzeptables Risiko🔴Social Scoring, manipulative Systeme, bestimmte biometrische Echtzeit-ÜberwachungVerboten – Einsatz nicht zulässig


Nationale Behörden überwachen die Einhaltung. Verstöße können zu hohen Geldbußen führen (bis zu 35 Mio. € oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes).

Anforderungen an KI-Kompetenzen („AI Literacy“)

Der EU AI Act verpflichtet Anbieter und Verwender von KI-Systemen dazu, ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenzen („AI Literacy“) bei ihrem Personal sicherzustellen. Darunter versteht das Gesetz Fähigkeiten, Wissen und Verständnis, die es ermöglichen, KI-Systeme informiert zu nutzen, Chancen und Risiken einzuschätzen und sich möglicher Schäden bewusst zu sein. Das erforderliche Kompetenzniveau hängt dabei von den Aufgaben, dem Kontext und dem Einsatzbereich des jeweiligen KI-Systems ab.

Für Bibliotheken bedeutet dies: Mitarbeitende, die KI-Anwendungen einsetzen – etwa Chatbots, Empfehlungssysteme oder Planungstools – müssen in einem Umfang geschult werden, der ihnen eine verantwortungsvolle und transparente Nutzung dieser Systeme ermöglicht.

Aber was bedeutet das konkret?

Für Bibliotheken folgt daraus in der Praxis:

1. Interne Anforderungen (Mitarbeitende)

  • Basiswissen zu KI: Mitarbeitende verstehen, wie die eingesetzten Systeme (z. B. Chatbot, Bildgenerierung, Empfehlungssysteme) grundsätzlich funktionieren.
  • Kompetenz im Umgang: Sie können Ergebnisse interpretieren, typische Fehler (Bias, Halluzinationen, eingeschränkte Datenbasis) erkennen und den Nutzer*innen transparent machen.
  • Transparenzpflicht erfüllen (ab 02.08.26): Sie wissen, wie sie kenntlich machen müssen, dass es sich um KI-generierte Inhalte handelt.
  • Verantwortung & Aufsicht: Sie bleiben Ansprechpersonen für Nutzer*innen und übernehmen die Kontrolle – KI ersetzt keine menschliche Entscheidungshoheit.
  • Fortbildung & Aktualisierung: Schulungen, Leitfäden oder interne Standards, damit das Wissen aktuell bleibt.

2. Organisatorische Maßnahmen

  • Richtlinien entwickeln: Interne Handreichungen, wie KI-Tools in der Bibliothek eingesetzt werden dürfen (z. B. Datenschutz, Haftungsfragen).
  • Dokumentation: Wer nutzt welches KI-System, in welchem Umfang, mit welchem Ziel?
  • Ansprechpersonen benennen: Für Rückfragen von Nutzer*innen und für den Umgang mit Problemen.

3. Optionale Erweiterung (Service für Nutzer*innen)

  • Informations- und Schulungsangebote: Bibliotheken können Workshops oder Infoveranstaltungen anbieten, um Nutzer*innen im kritischen Umgang mit KI zu stärken.
  • Medienpädagogische Rolle: Bibliotheken profilieren sich als Orte, an denen digitale und KI-Kompetenzen vermittelt werden.

Fazit

Mit dem EU AI Act liegt seit 2024 erstmals ein verbindlicher Rechtsrahmen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Europa vor. Für Bibliotheken bedeutet das: Der Einsatz von KI ist möglich und sinnvoll, er muss aber im Einklang mit den Vorgaben erfolgen. Dazu gehört vor allem die Einhaltung von Transparenzpflichten, die Schulung von Mitarbeitenden im verantwortungsvollen Umgang mit KI-Systemen und die Berücksichtigung der jeweiligen Risikokategorie.