Kommentare 0

#DesignDienstag: Lesecafés – Orte zum Verweilen und Begegnen

Willkommen zu unserem #DesignDienstag. In dieser Reihe schaut unsere Innenarchitektin Anja Thimm genauer hin und zeigt, wie aus durchdachter Planung echte Aufenthaltsorte entstehen. Räume, in denen man nicht nur schnell etwas erledigt, sondern gerne bleibt. In diesem Beitrag geht es um das Lesecafé. Für viele Bibliotheken ist es längst mehr als eine nette Ergänzung. Es ist Treffpunkt, Rückzugsort und manchmal sogar kleine Veranstaltungsfläche in einem.

Lage und Raumwirkung

Wenn ich mir ein Lesecafé anschaue, schaue ich erst, wo es sich befindet. Mitten im Geschehen oder eher am Rand? Beides kann funktionieren. Entscheidend ist, dass der Bereich sichtbar und einladend wirkt.

Ein Platz mit Blick nach draußen oder mit Sichtbezug zum Bibliotheksraum bringt Lebendigkeit. Gleichzeitig braucht es eine gewisse Abgrenzung zu stark frequentierten Zonen. Niemand möchte seinen Kaffee direkt neben der laut klappernden Rückgabestation trinken.

Besonders spannend finde ich Standorte an großen Fensterfronten zur Straße oder zu einem Platz. Wer vorbeigeht, sieht Menschen lesen, arbeiten oder ins Gespräch vertieft. Das wirkt offen und zieht neue Besucherinnen und Besucher automatisch an.

Licht und Atmosphäre

Licht ist eines der zentralen Gestaltungsmittel und prägt maßgeblich den Charakter eines Lesecafés. Es entscheidet mit darüber, ob man sich wohlfühlt. Tageslicht ist natürlich ideal. Große Fenster, helle Materialien und eine freundliche Farbgestaltung unterstützen das.

Wo das natürliche Licht nicht ausreicht, sorgt eine abgestufte Lichtgestaltung für eine angenehme Atmosphäre: Eine gute Grundbeleuchtung sorgt für Orientierung. Pendelleuchten über Tischen schaffen Inseln. Individuelle Leseleuchten bieten gezieltes Licht für konzentriertes Arbeiten. Warmes Licht macht den Raum wohnlich, dimmbare Lösungen erlauben es, zwischen Tagesbetrieb und Abendveranstaltung zu wechseln.

Akustik und Raumklima

Ein Lesecafé darf lebendig sein. Gespräche gehören dazu. Trotzdem sollte es keine Lärmquelle für die gesamte Bibliothek werden.

Teppiche, gepolsterte Möbel oder Akustikpaneele helfen, Geräusche zu dämpfen. Besonders wirksam ist eine gut geplante Akustikdecke. Sie nimmt Schall auf, bevor er sich im Raum ausbreitet. Auch bepflanzte Raumteiler (Achtung pflegeintensiv!) mindern Geräusche und schaffen eine angenehme Klangatmosphäre.

Möblierung und Flexibilität

Die Möblierung gibt dem Lesecafé Identität, Komfort und Funktionalität zugleich. Ein ausgewogenes Konzept berücksichtigt die verschiedenen Nutzungsszenarien – vom konzentrierten Lesen über das Arbeiten am Laptop bis hin zu informellen Gesprächen und kleinen Veranstaltungen.

  • Gemütliche Sitzgelegenheiten wie Sessel, Sofas oder modulare Polstermöbel laden zum längeren Verweilen und entspannten Lesen ein.
  • Flexible Café- und Bistrotische bieten Platz für Getränke, mobile Geräte oder kleine Gruppenarbeiten. Unterschiede in der Sitzhöhe, z.B. etwa durch Bartische, strukturieren den Raum und schaffen Dynamik.
  • Große Zeitungslesetische geben die Gelegenheit mit anderen Nutzer*innen ins Gespräch zu kommen
  • Rückzugsnischen oder Einzelarbeitsplätze mit Beistelltisch fördern konzentriertes Arbeiten oder Lesen und können somit eine Ergänzung zu den anderen Nutzerarbeitsplätzen in der Bibliothek bieten
  • Modulare und mobile Möbel auf Rollen ermöglichen eine schnelle Umgestaltung für Lesungen, Workshops, Gesprächsrunden oder andere Veranstaltungsformate.

Wichtig ist Flexibilität. Mobile Möbel auf Rollen erlauben es, den Bereich schnell für Lesungen oder Workshops umzugestalten. Und ganz wichtig: ausreichend Steckdosen. Am besten direkt in den Möbeln integriert.

Materialien und Farben prägen die Stimmung. Holz und Textilien wirken warm, Metall und Glas eher sachlich. Pflanzen, Kissen und ein gutes Getränkeangebot können den wohnlichen Charakter verstärken.

Medienangebot im Lesecafé

Ein Lesecafé lebt auch von seinem Medienangebot. Tagesaktuelle Zeitungen, lokale und überregionale Titel, Zeitschriften oder Magazine passen hier besonders gut.

Viele Bibliotheken ergänzen das Angebot durch digitale Pressedienste. Mit Leihgeräten oder dem eigenen Smartphone lassen sich Inhalte direkt vor Ort nutzen, vorausgesetzt das WLAN ist stabil. Gerade Zeitschriften, die nur im Haus gelesen werden dürfen, sind im Lesecafé gut aufgehoben.

Fazit und Beispiele aus NRW

Ein gut gestaltetes Lesecafé ist mehr als ein Bereich mit Kaffeemaschine und Sesseln. Es verbindet Aufenthaltsqualität mit Bibliotheksidentität. Es schafft Raum für Begegnung und für Rückzug. Und es zeigt ganz nebenbei, dass Bibliotheken Orte sind, an denen man nicht nur Medien ausleiht, sondern gerne Zeit verbringt. Dass es viele gute Lösungen gibt, zeigen zahlreiche Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen. Hier ein paar Beispiele:

Bad Berleburg

Auch in kleineren Bibliotheken, wie der Stadtbücherei Bad Berleburg finden sich Lesecafés, halt in etwas kleinerem Format. Gemütliche Sitzgelegenheiten an runden Tischen, ergänzt durch Tischleuchten und eine Kaffeemaschine, laden zum Verweilen ein.

Bergheim

Das Lesecafé der Stadtbibliothek Bergheim befindet sich vor einer raumhohen Fensterfront. An der Kaffee-Bar gibt es Heißgetränke, die man an den verschiedenen Sitzgelegenheiten genießen kann. Zum Beispiel an Tischen, die ein Schreiner aus ausgesonderten Büchern gebaut hat.

Essen-Huttrop

Das Lesecafé der Stadtteilbibliothek Essen-Huttrop überzeugt mit einem zeitgemäßen, offenen Ambiente. Wer mag, nimmt direkt an der Theke Platz und kommt unkompliziert ins Gespräch oder genießt einfach einen Kaffee mit Blick ins Geschehen. Darüber hinaus stehen in der Bibliothek weitere, unterschiedlich gestaltete Sitzmöglichkeiten zur Verfügung – vom ruhigen Leseplatz bis zur gemütlichen Ecke zum Verweilen.

Die Theke im Eingangsbereich ist Info und Aufenthaltsbereich.

Hattingen

In der Stadtbibliothek Hattingen befindet sich das Lesecafé auf der unteren Ebene im hinteren Bereich. Quadratische Tische, die sich flexibel zu größeren Gruppen zusammenstellen lassen, sowie Designerstühle, deren roter Farbton das Farbkonzept des angrenzenden Belletristikbereichs aufgreift, laden zum Verweilen ein.

Direkt daneben stehen großzügige Sofas zur Verfügung, ebenso wie der Zeitungs- und Zeitschriftenbestand. Eine integrierte Küchenzeile mit Kaffeeautomat erleichtert dem Bibliothekspersonal zudem den Umgang mit gebrauchtem Geschirr.

Kamp Lintfort

Das Lesecafé in der Mediathek Kamp-Lintfort, dessen Theke von einem externen Betreiber geführt wird, dient zugleich als flexible Veranstaltungsfläche. Durch die direkte Lage an der großen Fensterfront im Eingangsbereich entsteht ein Schaufenstereffekt, der Passantinnen und Passanten neugierig macht und in die Bibliothek hineinzieht.

Eine Sitzbank, gepolsterte Stühle und stimmungsvolle Pendelleuchten schaffen eine angenehme, einladende Atmosphäre.

Kreuztal

In der Stadtbibliothek Kreuztal finden sich angrenzend an den Zeitschriftenbereich unterschiedliche Aufenthaltsmöglichkeiten. Gepolsterte Stühle an Bistrotischen an der Fensterfront, eine Theke mit Barhockern und Blick nach draußen sowie zentral angeordnete Sofas und Sessel bieten für jede Vorliebe die passende Sitzgelegenheit.

Langenfeld

In der Stadtbibliothek Langenfeld ist das Lesecafé in den Belletristikbestand im Eingangsbereich integriert. Umgeben von Medien bietet es verschiedene Sitzmöglichkeiten: Bistrotische und Stühle im Stil eines kleinen Straßencafés sowie Sofas auf Teppichen mit Beistelltischen, die eine gemütliche Wohnzimmer-Atmosphäre schaffen, laden zum Verweilen ein.

Die große Theke dient sowohl als Anlaufstelle für Getränke als auch als Informationspunkt für die Besucherinnen und Besucher.

Siegburg

In der Stadtbibliothek Siegburg gibt es ein kleines Café, das zwar angrenzend an die Publikumsfläche liegt, aber separat eingerichtet ist. Direkt neben dem Zeitschriftenbestand finden sich auf der Bibliotheksfläche kleinere Sitzmöglichkeiten sowie ein markanter großer Tisch, über dem eine auffällige Leuchte hängt. Hier können Besucherinnen und Besucher sowohl in Ruhe Zeitungen lesen als auch Gespräche führen.

Witten

In der Bibliothek Witten ist ein zentrales Element des Lesecafés die große Lesetreppe, die sowohl zum Verweilen als auch für Veranstaltungen genutzt werden kann. Unterhalb der Treppe befinden sich mittig keine Tisch- und Stuhlgruppen, während an den Wänden der Zeitschriftenbestand angeordnet ist. Hohe Fenster sorgen für reichlich Tageslicht und den Blick nach draußen, der im Sommer durch eine angrenzende Terrasse erweitert wird.

Autorin

Anja Thimm studierte Innenarchitektur an der Hochschule Trier. Nach ihrem Abschluss und einem Ausflug in die Welt der Büroplanung gehört sie seit 2016 zum Team der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW und berät Bibliotheken zu den Themen Bau und Einrichtung. Ebenfalls seit 2016 ist sie Mitglied der Facharbeitsgruppe Bau und Einrichtung der Fachstellenkonferenz der Bibliotheksfachstellen in Deutschland.

Schreibe eine Antwort