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#DesignDienstag: Erfolgsfaktoren für die Gestaltung einer Jugendbibliothek

Willkommen zum #DesignDienstag. In dieser Reihe wirft unsere Innenarchitektin Anja Thimm einen praxisnahen Blick auf Gestaltung in Bibliotheken. Diesmal stehen Jugendbibliotheken im Mittelpunkt. Jugendliche zählen zu den anspruchsvolleren, aber zugleich besonders wertvollen Zielgruppen öffentlicher Bibliotheken. Sie suchen Orte, die Freiraum bieten, Orientierung geben und ihre Lebensrealität ernst nehmen. Eine gut geplante Jugendbibliothek kann genau das leisten – vorausgesetzt, Lage, Ausstattung und Atmosphäre werden bewusst aufeinander abgestimmt.

Die richtige Lage

Die Position der Jugendbibliothek innerhalb des Hauses beeinflusst ihre Nutzung maßgeblich. Idealerweise ist der Bereich gut erreichbar und wirkt einladend. Gleichzeitig braucht es eine gewisse Abgrenzung, damit Jugendliche sich nicht permanent beobachtet fühlen. Auch die klare Trennung zur Kinderbibliothek spielt dabei eine wichtige Rolle.

In der Praxis zeigt sich: Jugendliche orientieren sich häufig eher in Richtung Erwachsenenbereich. Daraus ergeben sich sinnvolle Anschlussmöglichkeiten. Die Nähe zur Belletristik schafft Synergien – etwa, weil viele Jugendliche bereits Genres wie Fantasy lesen, die auch bei Erwachsenen beliebt sind, oder weil „Young Adult“-Titel beide Zielgruppen ansprechen. Alternativ kann ein Lernbereich in Verbindung mit dem Sachbuchbestand den Übergang in die Jugendbibliothek erleichtern. Welche Lösung passt, hängt letztlich stark vom Nutzungsverhalten vor Ort ab.

Bedürfnisse verstehen: Zwischen Rückzug und Begegnung

Jugendliche nutzen Bibliotheken anders als Kinder oder Erwachsene. Neben dem Lernen stehen auch Austausch, Treffen oder einfaches Verweilen im Vordergrund. Entsprechend sollte der Raum unterschiedliche Nutzungsformen ermöglichen:

  • Rückzugsorte für konzentriertes Arbeiten
  • Offene Flächen für Gruppenarbeit und Kommunikation
  • Informelle Sitzgelegenheiten zum Entspannen

Ein häufiger Planungsfehler ist ein zu starker Fokus auf reine Funktionalität. Für Jugendliche sind Atmosphäre und Authentizität entscheidend. Beteiligungsformate wie Workshops oder Umfragen im Vorfeld liefern wertvolle Einblicke und stärken gleichzeitig die Identifikation mit dem Raum.

Möblierung: Flexibel, robust, einladend

Die Möblierung sollte vielseitig und anpassbar sein. Starre Tischreihen wirken schnell schulisch und wenig attraktiv. Bewährt hat sich eine Mischung aus Loungemöbeln wie Sofas oder Sitzsäcken sowie mobilen Tischen und Stühlen, die sich flexibel kombinieren lassen.

So entsteht eine Umgebung, die eher Aufenthaltsqualität als reine Lernfunktion vermittelt. Wichtig ist dabei, im Blick zu behalten: Lernen findet nicht zwingend klassisch an Tisch und Stuhl statt.

Gleichzeitig muss die Ausstattung robust genug sein, um intensiver Nutzung standzuhalten. Ziel ist eine gelungene Balance aus Langlebigkeit und einem zeitgemäßen, jugendgerechten Design.

Licht: Funktional und atmosphärisch

Beleuchtung erfüllt mehr als nur einen praktischen Zweck – sie strukturiert Räume und prägt die Stimmung. Eine Kombination aus gleichmäßiger Grundbeleuchtung und gezielten Akzentlichtern, etwa in Sitzbereichen, schafft eine angenehme Atmosphäre.

Natürliches Tageslicht sollte möglichst umfassend genutzt werden, insbesondere in Aufenthaltszonen. An Arbeitsplätzen ist Blendfreiheit entscheidend, vor allem bei Bildschirmarbeit. Individuell steuerbare Lichtquellen können hier die Konzentration zusätzlich unterstützen.

Wird Gaming angeboten, sind Reflexionen und Blendungen gezielt zu vermeiden. In Fensternähe sind daher häufig Verdunklungsmöglichkeiten sinnvoll.

Akustik: Balance zwischen Leben und Ruhe

Jugendbereiche dürfen lebendig sein – das gehört zum Konzept. Gleichzeitig sollte der Geräuschpegel den übrigen Bibliotheksbetrieb nicht beeinträchtigen.

Eine gute Raumakustik ist daher zentral. Besonders wirksam sind Maßnahmen an der Decke, etwa durch Akustikdecken oder nachträglich installierte Paneele. Ergänzend tragen Teppiche, Polstermöbel, Kissen oder Vorhänge zur Schalldämpfung bei. Auch Möbel mit integrierter Akustikfunktion gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Ziel ist keine absolute Stille, sondern eine angenehme Geräuschkulisse, die Kommunikation ermöglicht, ohne störend zu wirken.

Technische Ausstattung: Selbstverständlich, nicht spektakulär

Für Jugendliche ist funktionierendes WLAN keine Besonderheit, sondern Grundvoraussetzung. Ergänzend sollten ausreichend Lade- und Anschlussmöglichkeiten vorhanden sein.

Technik sollte dabei intuitiv nutzbar und möglichst unauffällig integriert sein. Es geht nicht darum, Technik in den Vordergrund zu stellen, sondern sie zuverlässig und selbstverständlich verfügbar zu machen.

Fazit: Räume, die Jugendliche ernst nehmen

Wer Jugendlichen Raum gibt – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne – schafft Aufenthaltsqualität und stärkt langfristig die Bindung an die Bibliothek.

Eine überzeugende Jugendbibliothek entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch ein stimmiges Gesamtkonzept. Besonders erfolgreich sind Projekte, die Jugendliche aktiv einbeziehen – etwa durch Workshops, Befragungen oder Testphasen. So entstehen Räume, die nicht nur gut gemeint, sondern auch gut genutzt sind.

Beispiele aus NRW

Zahlreiche Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen zeigen, dass es viele gute Lösungen gibt. Hier ein paar Beispiele:

Bergheim

In der Stadtbibliothek Bergheim liegt der Jugendbereich in einem Zwischengeschoss zwischen dem Erdgeschoss und dem ersten Obergeschoss. Die Medien befinden sich vor allem in den Regalen entlang der Fensterfront, während in der Mitte ein maßgefertigtes Gamingmöbel Platz findet. Trotz der offenen Durchgangslage bieten die Sitzmöbel mit ihren hohen Rückenlehnen den Jugendlichen Möglichkeiten zum Rückzug.

Duisburg

Die Gestaltung der Jugendbibliothek im Stadtfenster in Duisburg sticht durch das Graffiti an den Lernplätzen und die Traversen über dem Bereich heraus. Neben Lernplätzen bieten PC-Arbeitsplätze für ganze Gruppen, Loungemöbel und ein Gamingbereich die Möglichkeit zum Aufenthalt.

Köln-Kalk

In der Stadtteilbibliothek in Köln-Kalk finden die Jugendlichen im Obergeschoss ihren ganz eigenen Bereich. Die in die Fläche integrierten Sitzstufen und Tische bieten die Möglichkeit zu Lernen oder sich einfach hier zu treffen. Die bunten Kissen verleihen dem Ganzen Gemütlichkeit und die digitale Wand animiert zum Mitgestalten der Etage.

Langenfeld

In der Stadtbibliothek Langenfeld haben die Jugendlichen einen Raum seitlich der großen offenen Bibliotheksfläche. Hier kann auf den Podesten gechillt, gelesen oder gespielt werden. Ein beweglicher Bildschirm bietet die Möglichkeit zum Gaming. Die Medien befinden sich bis auf wenige Ausnahmen wie z.B. Comics und Mangas im „Superregal“, das sich vor dem Aufenthaltsbereich befindet und nicht auf der Fläche selbst.

Meerbusch

In der Stadtbibliothek Meerbusch steht Jugendlichen im Obergeschoss ein eigener geschlossener Raum zur Verfügung, in den sie sich zurückziehen können. Eine Sitzpolsterlandschaft lädt zum Entspannen oder Gamen ein. An den Tischen vor der Fensterfront kann gearbeitet und gelernt werden. Und gerade bei einem geschlossenen Raum für Jugendliche zeigt sich schnell: Regelmäßiges Lüften ist hier keine schlechte Idee 😉

Oberhausen-Sterkrade

In der Stadtteilbibliothek Oberhausen-Sterkrade befindet sich ein Einbau, der mit Teppich ausgelegt und mit Sitzsäcken ausgestattet ist und Jugendlichen als gemütlicher Rückzugsort zum Chillen dient.

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