Alle Artikel in der Kategorie “Landesförderung in der Praxis

Ergebnisberichte zu Projekten, die mithilfe von Landesmitteln umgesetzt wurden.

Weitere Informationen zur Förderung von Öffentlichen Bibliotheken in NRW

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„Neue“ Zentralbibliothek Paderborn überzeugt mit raumübergreifendem Konzept aus Lernraum, Treffpunkt und Inspiration

Im Zuge der Sanierung und Modernisierung des Gebäudes und der Ausstattung haben Stadt und Bibliothek in Paderborn die Chance genutzt, das Konzept der Zentralbibliothek funktional und gestalterisch optimal für heutige und künftige Nutzerbedürfnisse umzusetzen. Das Ergebnis überzeugt: Die raumübergreifenden Angebote Lernraum, Treffpunkt und Inspiration finden sich in der gesamten Umsetzung wieder. Das Projekt wurde vom Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Landesförderung für Öffentliche Bibliotheken unterstützt. Einige Highlights der fast neuen Zentralbibliothek stellt dieser Bericht vor.

Die Zentralbibliothek Paderborn ist ein stark frequentierter Magnet am Rande der Innenstadt. Mit über 300.000 Besuchern ist die Bibliothek die meist genutzte Bildungseinrichtung Paderborns. 1976 wurde sie für Paderborn in der alten Domdechanei (erbaut 1676) konzipiert und realisiert und 1977 eröffnet. Das Gebäude ist unter Denkmalschutz gestellt und wunderschön gelegen, in einem historischen Umfeld, umgeben von Wasser. Ein kleiner Park, der Geißelsche Garten, führt zum Gebäude hin. Das Gebäude selber war allerdings dringend sanierungsbedürftig, die technische Ausstattung und das Mobiliar größtenteils veraltet, die Publikumsflächen in der jetzigen Gestaltung nicht optimal ausgenutzt.

Der Umbau in einem denkmalgeschützten Gebäude ist eine riesige Herausforderung. Diese Erfahrung hat auch die Stadtbibliothek Paderborn gemacht. Geschlossen werden sollte die Zentralbibliothek eigentlich nur von Ende Oktober 2019 bis Ende des Jahres. Leider wurden in dem Gebäude wesentlich mehr Schadstoffe gefunden, die umfangreich beseitigt werden mussten. Da sich die Sanierung der Bibliothek dadurch zeitlich sehr verzögert hat, wurde kurzfristig ein kleines Übergangsquartier in der Innenstadt aufgebaut. Allerdings konnten dort nur 100qm mit Medien bestückt werden. Nach Fertigstellung der Zentralbibliothek kam dann die Corona-Pandemie – so mussten die Kunden noch länger auf die neugestaltete Bibliothek warten.

Kreativetage mit Fokus auf Aufenthalt, Kommunikation und Interaktion
Nach dem Umbau bietet der Bereich #Be Inspired in der Zentralbibliothek, zusammen mit dem Bestand und den Angeboten aus Freizeit & Hobby, den Schwerpunkt für inspirierende und kreative Angebote in der Bibliothek. Ergänzend dazu gibt es technische Geräte, die vor dem Umbau in der gesamten Bibliothek verteilt waren.

Im Zuge der Neugestaltung der Zentralbibliothek ist nun eine Kreativetage geschaffen worden, die als zentrale Interaktionsfläche der Zentralbibliothek dient. Der Fokus liegt auf Aufenthalt, Kommunikation und Interaktion. Farbenfroh gestaltet hebt sich dieser Bereich vom Rest der Bibliothek ab. Platz ist geschaffen worden für Workshops und die tägliche Nutzung von technischen Angeboten wie 3D-Druck, HP-Sprout oder E-Piano.

Die neue Kreativetage bietet viel Platz.

Mehr Raum für Gaming
Auch Gaming spielt in der Zentralbibliothek nun eine größere Rolle. Hochwertige Gaming-PCs, VR-Angebote und analoge Spiele laden zum gemeinschaftlichen Spielen ein. Kooperationen mit den Jugendzentren vor Ort runden das Angebot ab.

Refill-Station und Fairverteiler fördern nachhaltigen Konsum
Viele Bereiche der Bibliothek haben ein eigenes Gesicht bekommen. So hat der Bereich Kochen und Backen nun den Charakter eines Speisezimmers. Neu ist auch die digitale Präsentation von Rezeptideen und Tipps zum nachhaltigen Konsum von Lebensmitteln. An der Refill-Station können Kunden ihre eigenen Flaschen mit frischem Wasser auffüllen. Auch der Fairverteiler fördert nachhaltigen Konsum: Hier können Paderborner nicht mehr benötigte Lebensmittel anderen Paderbornern zur Verfügung stellen.

Flugsimulator: Analoges Training im virtuellen Umfeld
Im Bereich Körper & Geist gab es bisher nur das Angebot Medien aus den Bereichen Pädagogik, Psychologie, Philosophie und Medizin auszuleihen. Hinzugekommen sind nun Medien aus dem Bereich Sport und auch aktive Elemente wie Trimmräder, mit denen Bewegung während des Lesens oder Lernens möglich ist.

Die Medienpräsentation ist in den Hintergrund gerückt – wichtiger war hier die Gestaltung eines aktiven Bewegungsbereiches, auch durch den Einsatz eines Icaros-Aktiv-Gerätes. Bei dem Icaros handelt es sich um ein Fluggerät aus Metall und Aluminium. Das Gestell ist auf zwei Achsen beweglich: Grundsätzlich lässt sich so durch Gewichtsverlagerungen die Position in ein Virtual-Reality-Spiel übertragen. Analoges Training wird hier im virtuellen Umfeld angeboten. Als Kontrapunkt im Bereich Sport & Gesundheit hat die Stadtbibliothek einen Raum für Entspannung, Muße und Meditation geschaffen.

Der Icaros verleiht dem Spielendem Flügel.

Lernraum Bibliothek mit mehr Arbeitsplätzen auch für Gruppen
In der Zentralbibliothek Paderborn gibt es ein Lerncafé, das ungezwungenes Lernen in Gemeinschaft erlaubt. Große Tische laden zum Lernen ein. Von den Kunden ist aber immer wieder gewünscht worden, dass weitere Arbeitsplätze angeboten werden, bei denen Lernen in Gruppen oder in Ruhe möglich ist. Daher gibt es nun Lernkabinen, mehr Lernarbeitsplätze (25) und ein treppenförmiges Möbelstück, auf dem Schulklassen sitzen und etwas über die Recherche in Datenbänken erfahren können.

Hinzugekommen ist auch ein Whiteboard-Raum, der kreatives Denken und Arbeiten in der Gruppe ermöglicht. Medien aus den klassischen Schulbereichen Naturwissenschaften, Sprache und Literatur ergänzen diesen Bereich.

Digitales Leit- und Orientierungssystem sorgt für Orientierung und Information
Die Wegeführung ist mit dem Umbau so gestaltet, dass die Kunden das doch recht unübersichtliche Gebäude problemlos erkunden können. Ein digitales Leit- und Orientierungssystem sorgt nun nicht nur für Orientierung, sondern dient auch als Informationssystem, um aktuelle Informationen (beispielsweise Hinweise zu Corona-Hygiene-Bestimmungen) optisch ansprechend zu präsentieren.

Fazit: Mit wenig Geld das Optimum erreicht
Bei der Umsetzung ging es in erster Linie darum, vorhandene Defizite auszuräumen und die Bibliothek zukunftsfähig zu machen. Leider sind in einem Bestandsgebäude auch die Möglichkeiten zur Umsetzung aller Kundenwünsche begrenzt. Auch die finanziellen Mittel waren eingeschränkt. Die Auswahl der Möbel erfolgte daher nicht nur nach modischen Trends, sondern vorwiegend nach langlebigen und nachhaltigen Aspekten – trotzdem sind sie einladend und gemütlich.

Die bewusste Zonierung und Inszenierung der Themen spricht die unterschiedlichen Zielgruppen der Bibliothek an – die Kunden sind von dem Ergebnis begeistert.

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Das Projekt „Lernraum“ in Solingen: Mehr Raum zum Austauschen, Arbeiten und Ausprobieren

Die Stadtbibliothek Solingen hat im Zuge des Projekts „Lernraum in der Stadtbibliothek Solingen“ die Bibliothek in thematische Bereiche gegliedert. Das Ergebnis ist eine Bibliothek, die seit März 2019 nun neben der Kinder- und Jugendbibliothek über die Bereiche lern/Raum, lese/Raum, licht/Raum und frei/Raum verfügt. In diesem Bericht geben uns die Beteiligten einen Einblick in das Projekt, das vom Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Landesförderung für Öffentliche Bibliotheken unterstützt wurde.

Basis für die Umsetzung des Projekts war das 2017 entstandene Konzept „learn & work“. Kernpunkt des Konzeptes: die Informationskompetenz der Bibliothek zu erhalten, zu erweitern und den neuen technologischen Entwicklungen anzupassen und ihr vielfältiges multimediales Angebot nicht nur vorzuhalten und auf Nachfrage bereitzustellen, sondern ihre Kundinnen und Kunden auch zur Nutzung dieser Vielfalt anzuregen.

lern/Raum: Individuell lernen – gemeinsam arbeiten
Im lern/Raum befinden sich sämtliche Sachmedien für Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 und für Erwachsene. An den Arbeitsplätzen kann allein oder in Gruppen gearbeitet werden. Hierfür stehen Trennwände sowie moderne Sitzmöbel zur Verfügung. Ferner gibt es zwei räumlich und akustisch abgeschirmte „Arbeitsstationen“: das so genannte Raum-in-Raum-System „The Hut“. Zentraler Punkt im lern/Raum ist ein frei verfügbarer Tablet-PC, an dem verschiedene Datenbanken und Apps sowie der Online-Katalog allen Besucherinnen und Besuchern frei zur Verfügung stehen. Außerdem gibt es zwei reine Office-Computer sowie mehrere Internetarbeitsplätze. Im gesamten Bereich ist WLAN frei verfügbar.

licht/Raum für Veranstaltungen und Besprechungen
Der angrenzende licht/Raum bietet im täglichen Betrieb weitere (Gruppen-) Arbeitsplätze. Daneben wird er stark für Veranstaltungen genutzt. Im Rahmen von Klassenführungen bietet der Lichtraum dank fest installierter Technik mit Beamer und Projektionsfläche den Start- und Endpunkt von Bibliotheksführungen. Er dient außerdem als Besprechungsraum, der mittels Raumteilern auch vom lern/Raum abgetrennt werden kann.

lese/Raum: Die Ruhezone der Bibliothek
Im lese/Raum mit Belletristik, Hörbüchern, Musik für Erwachsene und Lesegarten befindet sich die Ruhezone der Stadtbibliothek mit gemütlichen Sitzgruppen sowie dem Lesecafé mit den Zeitungs- und Zeitschriftenangebot.

frei/Raum: Digitale Erlebniswelt inklusive Café
Der Bereich mit den meisten neuen Angeboten ist der frei/Raum. Alle Angebote im frei/Raum können von jeder Besucherin und jedem Besucher benutzt werden, unabhängig davon, ob sie bzw. er einen Bibliotheksausweis besitzt. Im frei/Raum befindet sich das „co-working-space“ mit festinstallierten Laptops an modernen Arbeitstischen. Außerdem gibt es hier einen Gamingbereich mit verschiedenen Konsolen und den VR-Brillen HTC Vive sowie Playstation-VR. Ein Hingucker ist der sonic chair, der ein besonderes akustisches Erlebnis bietet.

Als weitere Neuerung befindet sich im frei/Raum auch das 3D-Angebot der Stadtbibliothek Solingen, und zwar ein Ultimaker 3D-Drucker inclusive Scanner, der von allen Interessierten genutzt werden kann. Im frei/Raum können die Besucher zudem Fotos, Negative und Dias digitalisieren. Gleiches ist mittels eines Plattenspielers mit Vinylschallplatten möglich. Zudem ist hier das Café (bisher: Internetcafé) mit dem bewährten Angebot an Warm- und Kaltgetränken, kleinen Snacks und Kuchen untergebracht.

Außerdem wurde die Ausstattung der Kinder- und Jugendbibliothek aus Projektmitteln sinnvoll und attraktiv erweitert. So kann der 32-Zoll-Touchtable-Tisch bei Führungen oder Projekten auch mobil eingesetzt werden. Ebenfalls angeschafft wurde ein iPad-Butler, so dass alle Besucher und Besucherinnen vor Ort iPads im freien WLAN zur Arbeit oder Freizeitgestaltung nutzen können. Der iPad-Butler versetzt die iPads nach ihrer Nutzung wieder in den Ursprungszustand. Kopfhörer zur Ausleihe stehen ebenfalls zur Verfügung.

Eröffnung bei „Nacht der Bibliotheken“
Die „neue“ Stadtbibliothek wurde der Öffentlichkeit in einer von den Medien ausführlich begleiteten Veranstaltung im Rahmen der „Nacht der Bibliotheken“ am 15.03.2019 präsentiert. Dazu hatte das Bibliotheksteam ein buntes Programm zusammengestellt. Ein DJ-Team legte gut gelaunt Musik auf, und die Besucher konnten an einer Rallye durch die Räume teilnehmen. Gut besucht war zudem der Vortrag von Holger Volland über den aktuellen Stand der künstlichen Intelligenz mit anschließender Diskussion.

Neue Räume ermöglichen breit gefächertes Veranstaltungsangebot
Im Folgenden eine Übersicht der bisher im Rahmen des Projekts „Lernraum in der Stadtbibliothek Solingen“ durchgeführten Veranstaltungen, Workshops und Projekten.

Für den Einsatz bei Workshops, Führungen und auch zur Unterstützung der Schulen innerhalb des Medienkompetenzrahmens hat die Stadtbibliothek Kooperationspartner wie das ZDI Zentrum BeST (Bergisches Schul- und Technikzentrum) gewonnen, die die Veranstaltungsarbeit im Bereich von Robotik und Programmierung bereichern. Zudem konnten auch Technologien wie Bee-Bots, Ozobots, iPads, Augmented Reality, Makey, Rasberry Pi oder Lego Mindstorms EV 3 angeschafft werden, die, je nach Altersklasse, in mehr oder weniger spielerischer Form eingesetzt werden. So wurden innerhalb des Projektes „Youth4Culture“ spielerisch Programmiergrundlagen mit Ozobots und Bee-Bots angeboten.

Des Weiteren bietet die Stadtbibliothek mit dem „Gaming Update“ eine Informations- und Spieleveranstaltung für Eltern an, um ihnen anhand aktueller Konsolenspiele, wie z. B. Fortnite oder Apex Legends, zu vermitteln, was die eigenen Kinder eigentlich so spielen.

Für Lehrkräfte werden Angebote ins Programm aufgenommen, mit denen sie Unterstützung für ihren Unterricht erhalten, z. B. der Workshop Biparcours mit entsprechenden Einsatzmöglichkeiten zur Vermittlung von unterschiedlichen Medienkompetenzen, wie Bedienen und Anwenden, Informieren und Recherchieren, Analysieren und Reflektieren sowie Produzieren und Präsentieren.

VR-Brillen, Games und Digitalisierungsgeräte stehen den Besucherinnen und Besuchern der Stadtbibliothek während der üblichen Öffnungszeiten kostenfrei zur Verfügung. Sofern Unterstützung benötigt wird, gibt es die vom Personal.

Für Schülerinnen und Schüler von drei Solingen Schulen wurden Projekte mit unterschiedlichen Zielsetzungen veranstaltet. Mit 23 Schülerinnen und Schülern des Technischen Berufskollegs wurden an fünf Tagen Bewerbungstrainings durchgeführt, in denen Situationen eines Assesstment Centers und sicheres Präsentieren geübt wurden. Schülerinnen und Schülern von zwei Förderschulen wurden in Workshops, die sich über mehrere Tage erstreckten, die Gefahren, die im Internet lauern, die Probleme im Kontext mit digitaler Gewalt sowie die Suchtgefahr bei Ego-Shooter-Games vergegenwärtigt.

In Raspberry Pi Workshops erhielten die Teilnehmer einen leichten Einstieg in die Programmierung oder konnten ihre vorhandenen Kenntnisse vertiefen. Sie lernten, wie man auf dem Rasberry Pi mit Python programmiert und Peripherie, wie Dioden, Sensoren und Kameras anschließt und anspricht. Daraus entstanden spannende Projekte. Die Teilnehmer erfuhren, wie man den Raspberry Pi auch zu Hause für verschiedene Aufgaben einsetzen kann, um sich das Leben zu erleichtern, z. B um eine Alarmanlage, einen Bewegungsmelder oder die Helligkeitssteuerung von Lampen zu bauen.

In einem Workshop wurde den Teilnehmern die Bedienung und die Arbeitsweise des 3D-Druckers so ausführlich näher gebracht, dass sie anschließend ein entsprechendes Gerät selbständig bedienen können.

Am Virtual-Reality-Tag wurden die VR-Brillen und -Games der Stadtbibliothek Solingen vorgeführt und konnten anschließend von den Besuchern ausführlich getestet werden.

Bemerkenswerte Beachtung fand ein Vortrag, der sich mit der Historie, dem Aufbau und der Funktionsweise von Podcast befasst hat.

Demonstrationen der Digitalisierungsmöglichkeiten von Schallplatten, Dias, Negativen und Fo-tos sind ebenfalls mehrfach angeboten worden.

Mit dem Brick-Art-Künstler „Cole Blaq“ fand für 10 bis 14-jährige ein Workshop mit dem Titel „Das gebaute Buch“ statt. Hier ging es darum, kreativ mit Legosteinen Objekte rund um das Thema „Bücher“ zu bauen.

Für Kinder im Alter von 8 bis 10 Jahren wurden MINT-Workshops veranstaltet in denen Ozobots programmiert wurden und mit iPads der Stadtbibliothek mittels des Webprogramms Ozoblocky per drag and drop verschiedene Befehle ausgewählt und beliebig aneinandergebaut werden konnten.

Mehrfach wurde der zweistündige Workshop „Lust auf Roboter? Lust auf Programmieren? Lust auf Lego?“ für Jugendliche ab Klasse 8 aller allgemeinbildenden Schulen angeboten. In diesem Workshop wurden Roboter gebaut und programmiert. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen standen dabei das gemeinschaftliche Erlebnis und selbständige Entdecken digitaler und elektrotechnischer Grundprinzipien.

Bei der Veranstaltung „Das Bananen Piano“ handelte es sich um einen eintägigen Workshop für Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 12 Jahren in den Sommerferien. Mit einem Makey Makey Set wurden Bananen in Touchpads verwandelt, mit Bleistiften aufgemalte Controller zum Leben erweckt und den Teilnehmern gezeigt, wie sie selbst Geschicklichkeitsspiele programmieren können.

Die Veranstaltungen der Reihe „Kultur trifft Digital“ zeigten wie mit digitaler Sprache ein Spiel designt wird, gaben Einblicke ins Innere von Smartphone und Co. und erklärten, wie mit Tablets digitale Musik geschaffen werden kann.

Unter fachlicher Anleitung konnten Seniorinnen und Senioren in virtuelle Welten eintauchen. Sie testeten die Virtual Reality mit VR-Brillen, Kopfhörern und Spielcontrollern an den beiden Virtual-Reality-Stationen im frei/Raum. Erkundet werden können hier 50 verschiedene Welten, zum Beispiel eine Kunstausstellung, eine abenteuerliche Achterbahnfahrt oder ein hochaufgelöstes 3D-Satellitenbild der Erde.

Viel Beachtung fand ein Vortrag zur Medienerziehung der Autorin Andrea Daun mit dem Titel „Der digitale Tsunami“. Zielgruppe für diese Veranstaltung waren Erziehungsberechtigte und Pädagogen. Ausgehend von der These, dass wir rundum erreichbar, bespielbar und verführbar sind, um uns unterhalten zu lassen, sprach Frau Daun darüber, wieviel Digitalität in welchem Alter angebracht und sinnvoll ist, wann der Suchtfaktor am größten ist, wie Grenzen gesetzt werden können und ob Smartphone und Co. als Erziehungsmittel tauglich sind. Vor dem Vortrag wurde den Besuchern und allen Interessierten das digitale Medienangebot der Stadtbibliothek präsentiert.

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„von jetzt auf gleich“: der Podcast der Stadtbüchereien Düsseldorf

Im Rahmen des Landesprojektes „Digitale Inhalte für die hybride Bibliothek und neue Wege der Vermittlung“ haben die Stadtbüchereien Düsseldorf einen Podcast entwickelt, der über aktuelle Angebote und Ereignisse und insbesondere über die im Rahmen des Landesprojektes neu angeschafften digitalen Angebote der Stadtbüchereien informiert. In diesem Bericht geben uns die Beteiligten einen Einblick in das Projekt, das vom Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Landesförderung für Öffentliche Bibliotheken unterstützt wurde.

Die Stadtbüchereien Düsseldorf sind in der digitalen Kommunikation und Social Media bereits auf allen gängigen Plattformen vertreten und das mit Erfolg. Den Podcast haben wir als Chance gesehen im Bereich der digitalen Kommunikation noch einmal besonders die Zielgruppe der „digital affinen“ Bürgerinnen und Bürger für die neuen Angebote zu erreichen. Wir wollten mit dem Podcast einen aktuellen Trend aufgreifen und den Nutzer*innen von uns etwas „hören“ lassen. Erstaunlicherweise stellten wir bei der Recherche fest, dass es bislang sehr wenige Podcasts von Bibliotheken gibt.

Podcast? Was ist das überhaupt?
Wer noch kein Podcast-Hörer ist, weiß vielleicht nicht genau, was es ist. Einen Podcast kann man sich wie einen Audio-Blog vorstellen. Wir nehmen etwas auf und stellen es euch zum Anhören zur Verfügung. Und das nicht nur einmal, sondern regelmäßig. Dabei gibt es keine festen Sendezeiten wie beim Radio, sondern wir stellen die Audiodateien dauerhaft bereit. Man findet sie dann auf einer eigenen Seite auf unserem Blog (https://stadtbuechereienduesseldorf.wpcomstaging.com/podcast/) und der Homepage (https://www.duesseldorf.de/stadtbuechereien/alles-ueber-uns/podcast-der-stadtbuechereien.html) und auch auf Podcast-Portalen wie zum Beispiel iTunes, Spotify, Soundcloud und vielen anderen.

Namensfindung und Team
Für das Podcast-Sprecher-Team eigneten sich besonders die beiden Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste Tom und Sophia, die durch ihre tollen Sprechstimmen überzeugten. Gemeinsam mit dem Social Media Team wurde überlegt, wie denn nun der neue Podcast der Stadtbüchereien heißen könnte. Als im Brainstorming der Satz fiel „das kann man ja eigentlich nicht von jetzt auf gleich beschließen“ war der Name gefunden. „Von jetzt auf gleich“ steht für die Spontanität und Aktualität und ist auch der Tenor des Podcasts.

Tom und Sophia gehen mit ihrem Aufnahmegerät regelmäßig auf Tour, um mit Kolleg*innen ins Gespräch zu kommen.

Wie macht man einen Podcast?
Bevor jedoch die erste Aufnahme des Podcasts „Von jetzt auf gleich“ veröffentlicht werden konnte, haben sich das Social-Media-Team und die künftigen Podcaster Tom und Sophia intensiv vorbereitet, um den Hörer*innen ein gutes Podcast-Erlebnis bieten zu können. Neben der Technik, die wir zunächst anschaffen mussten – z.B. ein Aufnahmegerät und und ein Headset mit Mikrophon und Kopfhörer haben wir uns für die Umsetzung professionelle Hilfe geholt: Mit dem Journalisten Christian Möller haben wir einen ganztägigen Workshop durchgeführt,  er ist selbst erfahrener Podcaster mit seinem Podcast „Durch die Gegend“ und außerdem Radiojournalist und Moderator für WDR und Deutschlandfunk.  In dem Workshop hat er mit uns gemeinsam sowohl unser inhaltliches Konzept geschärft und ganz praktisch erste Aufnahmen geübt und die Technik und Sprechweise erprobt.

Inhalte: Arbeit und Aufgaben der Stadtbücherei mit persönlichen Einblicken  
Das inhaltliche Konzept wurde ganz grob gefasst und besteht immer aus mehreren Bestandteilen: einen Blick hinter die Kulissen und aktuelle Ereignisse der Stadtbüchereien, sowie Buch- und Medientipps.  Eine Vermittlung insbesondere der digitalen Dienste wurde auch gemäß dem Landesprojekt für jede Folge mitkonzipiert, da wir glauben, dass digital-affine Zuhörer*innen über den Podcast gut erreicht werden. Verbindendes Element ist die sympathische Moderation und Plauderei der beiden Podcaster Tom und Sophia, die als Protagonisten und „Stimmen“ der Stadtbüchereien bewusst auch persönliche Einblicke geben und in jeder Folge eine feste Größe als Moderatoren-Team und ein Indentifikationsfaktor für den Podcast sind. Sie widmen sich den unterschiedlichsten Themen und erarbeiten eigenständig das jeweilige Aufnahmeskript. Unterstützt werden sie dabei vom Social Media Team.

In „Von jetzt auf gleich“ sind auch viele andere Stimmen zu hören, denn es reden nicht nur die Podcaster selbst. Tom und Sophia gehen mit ihrem Aufnahmegerät regelmäßig auf Tour, um mit Kolleg*innen ins Gespräch zu kommen oder bei Veranstaltungen Stimmen einzufangen.

Der Podcast erscheint einmal im Monat und hat eine Länge von ca. 40 bis 60 Minuten. Mittlerweile sind seit Ende 2018 bereits 18 Folgen des Podcasts „Von jetzt auf gleich“ erstellt worden und verzeichnen 2.898 Downloads und Streams.

Technik & Veröffentlichung
Bewährt hat sich zur Veröffentlichung die Einrichtung eines Kontos bei Podigee.de. Dabei handelt es sich um ein Hosting-Angebot für Podcasts. Man muss hier im Grunde nur die Audiodatei hochladen und beschreiben. Das Übertragen auf die gängigen Plattformen zum Hören wie Spotify, iTunes, Soundcloud etc. übernimmt dann Podigee.

Ansprechpartner:
Stephan Schwering
Leiter Zentralbibliothek Düsseldorf
Bertha-von-Suttner Platz 1
40227 Düsseldorf
Tel. +49-211-89-94385
E-Mail: stephan.schwering@duesseldorf.de
https://www.duesseldorf.de/stadtbuechereien

Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt die Entwicklung Öffentlicher Bibliotheken u.a. durch die finanzielle Förderung von innovativen Projekten. Die Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW stellt in lockerer Reihenfolge interessante Praxisbeispiele aus verschiedenen Förderprogrammen in Form von Gastbeiträgen auf ihrem Blog vor.


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Make IT: Stadtbücherei Münster begleitet Lehrkräfte bei der Umsetzung des Medienkompetenzrahmens

Die Corona-Krise zeigt noch einmal deutlich, welch hohen Stellenwert dem Thema digitale Medienkompetenz in allen Bereichen der Bildung eingeräumt werden muss. Ziel ist es, dass alle Menschen die Chancen der Digitalisierung nutzen und den digitalen Wandel selbstbestimmt mitgestalten und verantwortungsvoll mit den Risiken umgehen können. Mit dem Medienkompetenzrahmen NRW werden bereits verbindliche Grundlagen für die Medienkonzeptentwicklung in der Schule in NRW definiert. Die Umsetzung des Medienkompetenzrahmens ist aber nur möglich, wenn Schulen mit den Organisationen und Institutionen ihrer Kommune wie zum Beispiel Öffentlichen Bibliotheken kooperieren. Wie Bibliotheken Schulen bei der Umsetzung des Medienkompetenzrahmens unterstützen können, zeigt das Konzept „Make IT“ der Stadtbücherei Münster. Das Projekt wurde vom Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Landesförderung für Öffentliche Bibliotheken unterstützt.

Zunächst hat das Team eine ganze Reihe von Tools gesichtet und sich die Angebote der benachbarten Bibliotheken in Greven und Ibbenbüren angeschaut. Außerdem wurden die Erfahrungen der Medienberater für Grundschulen aus dem Kompetenzteam der Stadt zum Thema Lernroboter einbezogen. Dazu fand ein Inhouse-Workshop zum Thema „Makerspaces in Bibliotheken“ mit dem Coach Julia Bergmann statt. Um eine breite Akzeptanz des Themas Robotik und Coding innerhalb des Bibliotheksteams zu erreichen, nahmen auch Mitarbeiter*innen aus verschiedenen Bereichen der Bibliothek teil, die nicht unmittelbar an dem Projekt beteiligt waren. Frau Bergmann stellte viele inspirierende Makerspace-Projekte aus anderen Bibliotheken vor, so dass vielfältige Ideen für Schul-Veranstaltungsformate entstanden.

Medienboxen mit Lernroboter, Maker-Tools und Begleitmaterial
Nach der Sichtung verschiedener Tools, entschied sich die Bibliothek 14 Boxen zu den Themen „Robotik, Coding und Digitale Erzähltechnik“ zusammenzustellen: Zwei Boxen zum Lernroboter BeeBot, 5 Boxen zum Ozobot Evo, 2 Boxen zum Dash sowie je eine Box der kreativen Lesestifte Tiptoi Create und Bookii. Plus 2 Boxen mit dem Osmo-Lernzubehör für iPads inklusive Osmo Coding Awbie und eine Trickfilmbox mit Materialien wie Playmobil-Figuren, Hintergründen und Begleitliteratur. Alle Boxen wurden mit didaktischem Begleitmaterial ausgestattet.

Für die Ozobots stellte Medienberaterin Katja Möhring aus dem Kreis Steinfurt ihre „Entdeckerkarten“ sowie ihre Vorlagen für Code-Aufkleber zur Verfügung. Das didaktische Material für die Lesestifte als Hilfestellung für Grundschullehrkräfte ist in Kooperation mit dem Germanistischen Institut der WWU Münster entstanden.

Die verschiedenen Lernroboter sind für unterschiedliche Altersgruppen im Bereich 6 des Medienkompetenzrahmens „Problemlösen und Modellieren“ einsetzbar. Der Dash eignet sich aufgrund seiner Größe nicht zum Verleih als Klassensatz, ist aber für Projekte oder AGs sehr gut geeignet, um anschaulich in die visuelle Programmiersprache Blockly einzuführen. Das „süße“ Aussehen und Sprechen des Dash spricht besonders Mädchen an, die oft weniger Interesse am Coding haben.

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Ozobot-Einführung erleichtert Einstieg für Schulklassen
Ein deutlicher Fokus wurde auf die Ozobots gelegt. Sie sind aufgrund ihrer Größe gut im Klassensatz (je 15 Stück pro Box) verleihbar und auch aus pädagogischer Sicht der Medienberater für den Einsatz in der Schule sehr gut geeignet, da sie vielseitig einsetzbar und modular aufbauend nutzbar sind. Im ersten Schritte erfolgt die Programmierung über Linien und Farbcodes. Später lernen die Schüler*innen wie man den Ozobot mittels der visuellen Programmiersprache Blockly über eine App am Tablet oder Smartphone steuern kann.

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Um den Einstieg mit den Ozobots im Unterricht für Lehrkräfte zu erleichtern, hat die Stadtbücherei Münster im engen Austausch mit den Medienberatern eine Ozobot-Einführung für Schulklassen entwickelt. Dazu wurde zunächst eine Einführung in einer Grundschule getestet und im Anschluss ausgewertet und angepasst.

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Viel Aufmerksamkeit für „Make IT“ dank Marketingkonzept
Für das neue „Make IT-Angebot“ wurde ein eigenes Logo mit hohem Wiedererkennungseffekt entwickelt sowie ein Flyer zu den Boxen erstellt, die zur Ausleihe zur Verfügung stehen.

Zudem gibt es einen Film zum Make-IT-Angebot, den die Bibliotheksmitarbeiterin Sigune Kussek im Rahmen ihres MALIS-Studiums an der TH Köln gemeinsam mit mehreren Studienkolleg*innen erstellt hat.

Zur Präsentation des neuen Angebots fand als Auftakt ein Make-IT-Veranstaltungstag statt. Eingeladen waren neben Kindern und Erwachsenen explizit auch Lehrer*innen. Beispielhaft und spielerisch wurde an das Thema „Coding“ (Programmieren) herangeführt. Die Lehrkräfte konnten sich in einem Vortrag zum Thema „Wie kann die Stadtbücherei bei der Umsetzung des Medienkompetenzrahmes unterstützen“ über die Make-IT-Boxen informieren und alle Lernroboter und sonstigen Tools ausprobieren.

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Das Make-IT-Angebot wurde auf vielen weiteren Veranstaltungen vorgestellt: Zum Beispiel bei verschiedenen stadtweiten Informationsveranstaltungen zum Medienkompetenzrahmen, an der u.a. die IT-Beauftragten der Grundschulen teilnahmen. Darüber hinaus fand eine Schulleiterkonferenz zum Digitalpakt statt, auf der die Teilnehmer das Make-IT-Angebot ausprobieren und sich über einen möglichen Einsatz informieren konnten. Das Angebot wurde auch auf Fortbildungen des Kompetenzteams Münster mit dem Thema „iPad-Nutzung im Zusammenhang mit dem Medienkompetenzrahmen“ vorgestellt.

Auch intern fanden mehrere Schulungstermine statt, an denen alle Mitarbeiter*innen die Gelegenheit hatten, Roboter und Tools aus den Make-IT-Boxen unter Anleitung auszuprobieren.

Direkt im Anschluss an den Make-IT-Tag startete die Ausleihe der Boxen. Sie sind analog zu den Thementaschen und Bilderbuchboxen für Bildungseinrichtungen in der Kinderbücherei ausleihbar. Nach einigen Wochen wurde der Verleih auf die Zweigstellen erweitert, um so auch Lehrer*innen eine Abholung der Make-IT-Boxen in den Stadtteilen zu ermöglichen. Im Durchschnitt sind 9 der 14 Boxen verliehen.

Fazit: Bibliothek ist gefragter außerschulischer Bildungspartner
Das Konzept der Stadtbücherei für Klassenführungen kommt bei Münsters Schulen an. Mit den flexibel aufgebauten Bausteinen von der ersten Grundschulklasse bis zur Oberstufe ist die Bibliothek ein gefragter außerschulischer Bildungspartner. Über Feedbackbögen erreichen uns auch konstruktive Optimierungsvorschläge. Diese prüfen wir und nehmen gegebenenfalls Änderungen der Boxinhalte vor. Einige Tools eignen sich bereits zum Einsatz in der KiTa.

Besonders beliebt und häufig reserviert sind die Ozobot-Boxen. Das führt aber auch dazu, dass Ozobot-Klassenführungen nicht so häufig angeboten werden können wie von den Schulen angefragt. Zudem können wir sie den Schulgruppen im Anschluss an die Veranstaltung oft nicht zur weiteren Nutzung in der Schule mitgeben. Da die Erfahrungen zeigen, dass dies sehr sinnvoll ist, prüfen wir, ob der Besuch unserer Ozobot-Einführungsveranstaltung als Voraussetzung für die Ausleihe der Box festgelegt wird.

Vom Make-IT-Projekt konnte insbesondere auch das Ferien-Veranstaltungsprogramm profitieren, sodass während der Sommer- und Weihnachtsferien zahlreiche Workshops mit Lernrobotern für verschiedene Altersgruppen stattgefunden haben.

Durch das Projekt „Makerspace für Schulen“ ( „Make IT“) konnte die Stadtbücherei Münster ihre Zusammenarbeit mit den Schulen festigen und ist für Lehrer*innen bei den Herausforderungen der Digitalisierung eine kompetente Ansprechpartnerin geworden. Und: Die Zusammenarbeit mit den Medienberatern des Kompetenzteams der Stadt konnte deutlich intensiviert werden.

Ansprechpartnerin:
Stefanie Dobberke
buecherei@stadt-muenster.de
0251/492-4242
Stadtbücherei Münster
Alter Steinweg 11
48143 Münster

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Stadtbibliothek Minden: COLLABS – das Medienlabor für Coding, Making und mehr

Bibliotheken als Digitales Kompetenzzentrum“ bieten ihren Nutzern die Möglichkeit, sich auf neutralem Boden mit neuen technischen Entwicklungen auseinanderzusetzen. Hier kann man sich informieren, wie Technik funktioniert. In Workshops und Einführungsveranstaltungen besteht die Möglichkeit, erste Erfahrungen im Umgang mit Geräten, Software und Apps zu sammeln. Die Stadtbibliothek Minden hat dazu ein Medienlabor eröffnet und kooperiert hier mit Vereinen, Institutionen und Einzelpersonen, um ein niedrigschwelliges und vielfältiges Veranstaltungsangebot zu ermöglichen. Die Ausstattung dieses neuen Raumes wurde vom Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Landesförderung für Öffentliche Bibliotheken gefördert.

Von Beginn an stand fest: Das Medienlabor muss so konzipiert und ausgestattet sein, dass dort die unterschiedlichsten Veranstaltungsformate stattfinden können. Deshalb war es wichtig, dass sowohl die Möbel als auch die Geräte eine flexible Umgestaltung des Raums erlauben. Statt eines Beamers mit Leinwand hat sich die Bibliothek daher für ein großes TV-Gerät auf einem Rollwagen entschieden. Zur neuen Ausstattung gehört ein ausfahrbarer Green Screen sowie Softboxen zum Ausleuchten. Statt fester PCs gibt es Tablets. Insgesamt entschied sich die Bibliothek für acht Geräte, so dass zum Beispiel bei einem Schulklassenworkshop 16 Teilnehmer*innen in Zweiergruppen kleine digitale Spiele entwickeln können.

Collabs TV-Wagen

Zur technischen Ausstattung gehört auch eine VR-Brille, die bereits in unterschiedlichen Kontexten eingesetzt wurde. Die Spieletester*innen (in Kooperation mit dem Spieleratgeber NRW) nutzen die Brille regelmäßig, um VR-Anwendungen zu testen. Außerdem wurde die Brille bereits auf Veranstaltungen wie der Nachtfrequenz (Nacht der Jugendkultur der LKJ) und dem Gamescamp on Tour (Jugendbarcamp zum Thema Digitale Spiele) als Anwendung vorgestellt und ausprobiert.

Seit Herbst 2019 fanden bereits eine Vielzahl von Veranstaltungen im neuen Medienlabor statt. In einem zweitägigen Programmierworkshop hat beispielsweise der Spieleentwickler Michael Schäfer von Spiderwork mit zehn Jugendlichen Games programmiert. Es gab zwei Kryptopartys mit dem Titel „Digitale Selbstverteidigung“, die in Kooperation mit dem freien Webentwicker Björn Hase von Tentakelfabrik stattfanden.

Zu den vielen weiteren Veranstaltungen in Kooperation mit anderen Projektpartnerinnen  zählen z.B. ein Cosplay-Workshop mit der Stiftung Digitale Spielekultur unter dem Bundesprojekt „Kultur macht stark“, ein Roboter-Wettbewerb mit dem ZDI-NRW, ein zweitägiges Fortbildungsangebot zum Thema Ethik & Games mit dem städtischen Fachbereich Jugendarbeit/Jugendschutz, sowie zwei Multiplikatorenfortbildungen für Bibliotheksmitarbeiterinnen, eine Roboter AG mit einer Mindener Schule und die Spieletester*innengruppe der Stadtbibliothek.

Zur Vermarktung des neuen Medienlabors hat die Stadtbibliothek statt einer klassischen Werbekampagne in Kooperation mit der lokalen (an die Stadt gekoppelten) Werbeagentur Com.on einen Partizipationsworkshop mit Akteurinnen des Medienlabors im Frühjahr 2020 umgesetzt. In diesem Workshop haben Workshop-Leiterinnen und Teilnehmerinnen aus anderen Veranstaltungen gemeinsam mit Mitarbeiterinnen der Werbefirma einen Namen und ein Logo sowie räumliche Konzeptionen für das Medienlabor entwickelt. Hierbei ist der neue Name des Medienlabors „COLLABS“ sowie folgendes Logo entstanden:

Logo Collabs

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Stadtbibliothek Bünde stärkt Kooperation mit Schulen dank digitaler Angebote

Digitale Medien begleiten den Menschen mittlerweile von Geburt an und spielen gerade im Jugendalter eine zentrale Rolle. Bildung ist ein entscheidender Schlüssel, um Heranwachsende am digitalen Wandel teilhaben zu lassen. Die erforderlichen Qualifikationen sollen ihnen bis zum Ende ihrer Schullaufbahn vermittelt werden. Ziel ist es, die Schüler zu einem sicheren, kreativen und verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu befähigen. Für viele Schulen klingt dies noch visionär. Bibliotheken sind daher der ideale Bildungspartner. Die Förderung von Medienkompetenz ist neben der Vermittlung von Informationen das Feld, auf dem Bibliotheken die Schulen als starke und effektive Kooperationspartner unterstützen können wie dieses Beispiel der Stadtbücherei Bünde zeigt. Das Projekt wurde vom Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Landesförderung für Öffentliche Bibliotheken unterstützt.

Die Stadtbücherei Bünde ist im Mai 2018 in den Zuständigkeitsbereich des Schulverwaltungsamtes gewechselt. Diesen Vorteil hat die Bücherei genutzt, um die Kooperation mit den Schulen weiter auszubauen und durch neue digitale Angebote zu stärken. Projektpartner waren eine Grundschule und ein Gymnasium.

Zunächst musste in der Stadtbücherei eine Infrastruktur geschaffen werden, um neue Angebote sowie multimediale Klassenführungen anzubieten. Das vorhandene WLAN wurde ausgebaut, um in der gesamten Bücherei einen guten Internetempfang zu ermöglichen. Aus den Projektmitteln wurde ein Koffer mit 20 Tablets angeschafft.

Tablettkoffer und TV

Bei der Auswahl der Apps hat sich die Bücherei an der Ausstattung der Grundschule orientiert. Durch flexible Regale und einen mobilen Fernseher wurde eine große Fläche zum Präsentieren und Arbeiten geschaffen. Außerdem wurden Medien zu den verschiedenen Kompetenzbereichen des Kompetenzrahmens NRW angeschafft.

Medienkiste

Viele Angebote wurden im Zuge des Projekts einfach überarbeitet oder ergänzt. Bei Klassenführungen kommen Biparcours, Kahoot oder Mentimeter zum Einsatz.

Mit iPads ausgerüstet gehen die Schüler*innen der 2. Klasse auf Entdeckungsreise durch die Bücherei. Sie müssen Orte suchen, QR-Codes scannen und Fotos machen. Da die Kinder bereits mit den Tablets durch den Schulunterricht vertraut sind, funktionierte dieses Konzept problemlos.

Klassenführung Entdeckungsreise

Für die weiterführenden Schulen wurden eine zweistündige Unterrichtseinheit zum Thema Fake News entwickelt. Zusammen mit dem Gymnasium wurde das Angebot getestet und angepasst. Eine Umfrage mit Mentimeter diente als Diskussionseinstieg in das Thema. Zudem bekamen die Schüler*innen Prüfwerkzeuge zum Erkennen von Fake News an die Hand. In Zweiergruppen untersuchten sie Artikel und prüften Fakten.

Um die Angebote bekannt zu machen, hat die Stadtbücherei sich und ihre Angebote aktiv z. B. bei Fachschaftskonferenzen und Schulbesuchen vorgestellt. Zudem wurde das Infomaterial für die Lehrer überarbeitet.

Im Zuge des Projekts ergaben sich aber auch Hindernisse. Die Lehrkräfte hatten zwar Interesse an den Angeboten, sie konnten aber nur schwer aus ihrem festen Lehrplan ausbrechen. Eine weitere Schwierigkeit ist für einige Schulen der lange Anfahrtsweg bzw. Laufweg, sodass die Stadtbücherei Bünde zu den Schulen gefahren ist. Zudem ist die Terminfindung für die Büchereiführungen schwierig, da diese aufgrund der begrenzten Räumlichkeiten nur außerhalb der regulären der Öffnungszeiten stattfinden können.

Fazit: Mehr Sichtbarkeit und Verbindlichkeit
Die Stadtbücherei Bünde ist durch das Projekt mehr ins Bewusstsein der Schulen gerückt. Das Ergebnis: Die Bibliothek hat mit beiden örtlichen Gymnasien Kooperationsverträge geschlossen. Der Büchereibesuch ist nun verbindlich und wurde in den Lehrplan übernommen. Zudem unterstützt die Stadtbücherei eine Schule bei der Einrichtung eines Medialabs.

Über die Stadtbücherei Bünde:
Bünde ist eine Mittelstadt im Nordosten von NRW. Mit etwa 46.000 Einwohnern ist es die zweitgrößte Stadt im Kreis Herford. Die Stadtbücherei ist auf 333 qm in einer Zweigstelle der ehemaligen Landeszentralbank untergebracht. Die Bücherei verfügt über 4,67 Personalstellen und verzeichnet rund 51.000 Besuche im Jahr.

Ansprechpartner:
Ina Reßler
i.ressler@buende.de
Stadtbücherei Bünde
Eschstr. 50
32257 Bünde


Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt die Entwicklung Öffentlicher Bibliotheken u.a. durch die finanzielle Förderung von innovativen Projekten. Die Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW stellt in lockerer Reihenfolge interessante Praxisbeispiele aus verschiedenen Förderprogrammen in Form von Gastbeiträgen auf ihrem Blog vor.

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„Nichts über uns ohne uns“ – Neusser Inklusionsprojekt setzt auf partizipativen Ansatz

Seit 2009 gilt in Deutschland die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen. Deutschland hat sich verpflichtet, die politische, wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen zu verwirklichen. Der Zugang zu Orten kultureller Darbietungen oder Dienstleistungen betont dabei ausdrücklich auch Bibliotheken. Diesem Ziel sieht sich auch die Stadtbibliothek Neuss verpflichtet und hat daher 2019 eine ganze Reihe von weiteren Bausteinen umgesetzt, die eine Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ermöglichen. Um den zentralen Grundsatz der UN-Konvention, der gleichzeitig auch als Projekttitel gewählt wurde, „Nichts über uns ohne uns!“ zu erfüllen, verfolgte das Projekt einen partizipativen Ansatz. Das Projekt wurde vom Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Landesförderung für Öffentliche Bibliotheken unterstützt.

Die Ausgangssituation
Die Stadt Neuss hat rund 160.000 Einwohner*innen. Davon haben zirka 14.000 Personen eine anerkannte Schwerbehinderung nach SGB IX, das heißt der Grad der Behinderung beträgt mindestens 50 Prozent. Nicht statistisch erfasst werden Behinderungen mit einem geringeren Grad. Die Gesamtmenge der Menschen mit Behinderungen in der Gesamtbevölkerung wird demnach deutlich höher liegen als die erfassten ca. 9 Prozent. Der Stadtbibliothek Neuss ist nicht bekannt, wie groß der Anteil Schwerbehinderter/Behinderter an ihren Nutzern/Kunden ist. Insgesamt ist die Stadtbibliothek bislang weit entfernt von den Voraussetzungen für den Erhalt des Signets „Neuss barrierefrei“. So waren die Ein- und Ausgangstüren bis März 2019 nicht rollstuhlgerecht. Auch beim Fahrstuhl gibt es Handlungsbedarf: Dieser verfügt über keine Sprachausgabe.

Trotz dieser Einschränkungen bot die Bibliothek bereits Services an, die eine Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ermöglichen:

  • Für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen gibt es Bücher in Leichter Sprache, Bücher ohne Worte und Hörbücher. Der Bestand wurde u.a. mit Mitteln aus dem Landesprojekt „Leichte Sprache“ aus dem Jahr 2015 aufgebaut.
  • Hörbücher und Großdruckbücher für blinde und sehbehinderte Personen gibt sowie ein Medienangebot in der Onleihe.
  • Büchern sowie Filme für gehörlose und schwerhörige Menschen, die auch über OPAC zu finden sind und das Medienangebot der Onleihe.
  • In Zusammenarbeit mit Betroffenen wurde ein neuer Angebotsflyer der Bibliothek sowie ein Konzept für Führungen in Leichter Sprache entwickelt.
  • In Kooperation mit der Inklusionsbeauftragten der Stadt Neuss hat am 3. Mai 2018 erstmalig ein „Tag der Inklusion“ in der Stadtbibliothek Neuss stattgefunden, der durch den Bürgermeister eröffnet und in Gebärdensprache übersetzt wurde. Teilgenommen haben Fachkräfte aus Verbänden, Trägern, Vereinen für Menschen mit Behinderung und Vertreter*innen aus dem Integrationsrat und -amt sowie weitere Interessierte.

Projektbeschreibung und Projektziele
Die UN-Behindertenrechtskonvention – das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen – formuliert in Artikel 30 die Teilhabe am kulturellen Leben sowie an Erholung, Freizeit und Sport. Der Zugang zu Orten kultureller Darbietungen oder Dienstleistungen (§30, Absatz 1c) betont dabei ausdrücklich auch Bibliotheken. Diesem Ziel sieht sich die Stadtbibliothek Neuss verpflichtet.

Neben dem vorrangigen Ziel, die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an den Bibliotheksangeboten zu verbessern, sollten die 2018 neu konzipierten Services in Leichter Sprache verbessert werden. Unabdingbar war es dabei, die Sensibilität dieser Thematik bei den Bibliotheksmitarbeiter*innen zu schärfen.

Um den zentralen Grundsatz der UN-Konvention, der gleichzeitig auch als Projekttitel gewählt wurde, „Nichts über uns ohne uns!“ zu erfüllen, verfolgte das Projekt einen partizipativen Ansatz. Sowohl bei der Bedarfsanalyse als auch bei der Umsetzung der Projektbausteine hat die Bibliothek daher die Zielgruppe eingebunden. Dies gelang durch die Zusammenarbeit mit weiteren Kooperationspartnern wie der Sozialplanerin der Stadtverwaltung, der Inklusionsbeauftragten der Stadt Neuss, die „Gemeinnützigen Werkstätten Neuss“, die „Lebenshilfe Neuss“ sowie dem Gehörlosenverband Caritas und der Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle („KoKoBe Neuss“). Für den Aufbau und die Pflege dieses inklusiven Netzwerks hat die Bibliothek erstmalig einen Inklusionsbeauftragten benannt.

Umsetzung
Es wurden ausschließlich Bausteine realisiert, bei denen die Zielgruppe bei der Umsetzung beteiligt werden konnte und die möglichst viele betroffene Personen erreichte.

Ausbau des Medienbestands
• Bücherkiste zum Thema Inklusion für Grundschulen. Die Kiste enthält überwiegend gedruckte Medien, die den Kindern das Wissen über verschiedene Behinderungen/Beeinträchtigungen möglichst anschaulich vermittelt sowie pädagogische Begleitmaterialien für Lehrer*innen.
• Der sehr kleine Bestand an Hörbüchern im DAISY-Format wurde ausgebaut. Zum Ausleihen und Abspielen der DAISY-Hörbücher wurden zwei DAISY-Player angeschafft, die DAISY-, MP3 und Audio-CDs abspielen können. Nach Rücksprache mit dem Sehbehinderten- und Blindenverein für den Rhein-Kreis Neuss besitzen nicht alle Betroffenen entsprechende Abspielgeräte, so dass die Bibliothek hier ein neues attraktives Angebot etabliert. Seit 2020 gibt es in regelmäßigen Abständen eine DAISY-Player-Sprechstunde.
• Der umfangreiche Bestand an Belletristik-Hörbüchern wurde um einen Bereich mit Hörbüchern zu Sachthemen erweitert. Damit wurde der Zugang zu Sachinformationen für sehbehinderte Personen ausgedehnt.
• Der Zeitschriftenbestand wurde um Abos erweitert, die die Belange behinderter Menschen thematisieren.

Hilfsmittel
• Es werden Bibliotheksausweise mit extra großer Schrift ausgegeben, die von der Zielgruppe als deutlich besser lesbar wahrgenommen werden.

Öffentlichkeits- und Veranstaltungsarbeit
Sowohl inhaltlich als auch finanziell handelte es sich hierbei um den größten Baustein des Projektes.
• Nach dem Erfolg des 1. Inklusionstages im Mai 2018 kam es zu einer Fortsetzung im Juni und Juli 2019. Neben einer Ausstellung gab es erstmalig auch eine Lesung für Schüler*innen mit Tobias Steinfeld und eine Lesung mit Sandra Roth.
• Neu etabliert wurde die monatlich stattfindende Veranstaltungsreihe „Lesen mit Hund“. Ein speziell ausgebildeter Therapiehund hilft Kindern und Erwachsenen mit Leseproblemen, ihre Scheu vor dem lauten Vorlesen zu überwinden.
• Das langjährig etablierte „Bilderbuch-Kino“ wurde um zwei Varianten erweitert: eine mit einem Gebärdendolmetscher und eine „ohne Worte“ mit musikalischer Untermalung.
• Spezielle Bibliothekseinführungen in einfacher Sprache
• Barrierefreier Relaunch der Homepage mit Unterstützung einer externen Agentur

Lesen mit Hund_Foto von Flyer

Copyright: Stadtbibliothek Neuss

Fortbildungen für alle Bibliotheksmitarbeiter*innen
Unabdingbar für die Akzeptanz im Bibliotheksteam und die langfristige Verankerung im Bibliotheksportfolio ist die Sensibilisierung der Beschäftigten. Daher fand in Zusammenarbeit mit der „Lebenshilfe Bonn“ ein ganztägiger Workshop zur Einführung in die Leichte Sprache. Zielsetzung war es, Veranstaltungen in einfacher Sprache zukünftig durch das Bibliothekspersonal umzusetzen.

Über das Projekt hinaus fanden parallel folgende weitere Maßnahmen statt:

  • Einbau einer barrierefreien Eingangstür während des laufenden Betriebs.
  • Der Veranstaltungsraum der Bibliothek wurde mit einer induktiven Höranlage ausgestattet.
  • Die Informationsplätze wurden mit mobilen Induktionsschleifen ausgestattet.
  • Eine Lupenleuchte sowie ein stark vergrößerndes Lesegerät wurden zur Vorortnutzung angeschafft.
  • Abtrennungsflächen in der Bibliothek, die aus Glas bestehen, wurden besser gekennzeichnet, der Fahrstuhl um taktile Beschriftungselemente ergänzt, Treppenstufen und Säulen markiert.
  • Autorenlesung im Rahmen des „Literarischen Sommers“ mit Einsatz einer Gebärdendolmetscherin.
  • Ein praxisnaher Inhouse-Workshop unter dem Motto „Demographie konkret – ein Perspektivwechsel“ wurde durch das Sozialamt der Stadt Neuss sowie weiterer Partner durchgeführt. Neben theoretischen Grundlagen zum Thema gab es ein praxisnahes Barrieretraining (Blinden- und Rollstuhlparcours) sowie eine Alterssimulation.
  • Ein ganztägiger Inhouse-Workshop mit Eeva Rantamo zum Thema „Leicht verständliche und respektvolle Kommunikation“ (Leichte und einfache Sprache) vertiefte die Inhalte.

Ausblick
Das Jahr 2019 war geprägt durch Maßnahmen zur gesellschaftlichen Teilhabe, speziell zur Verbesserung der Barrierefreiheit der Stadtbibliothek. Doch obwohl sich wirkliche Meilensteine realisieren ließen, ist die Thematik so umfassend, dass eine kontinuierliche Weiterentwicklung unabdingbar ist. Insgesamt ist das Thema Barrierefreiheit nun auch stärker im Bewusstsein des Bibliotheksteams verankert. Fest integriert in das Veranstaltungsprogramm der Stadtbibliothek ist die Reihe „Lesen mit Hund“. Das „Bilderbuchkino ohne Worte“ befindet sich wegen geringer Resonanz noch in der Testphase.

Für die Stadtbibliothek Neuss bleibt weiterhin die Erlangung des Signets „Neuss barrierefrei“ das Langzeitziel. Der Weg dorthin birgt jedoch noch größere bauliche Herausforderungen.

Alles Fotos: Copyright Stadtbibliothek Neuss

Ansprechpartnerin:
Claudia Büchel (M. LIS)
Bibliotheksleitung
Stadtbibliothek Neuss
Neumarkt 10
41460 Neuss

Telefon: 02131 90-4200
Telefax: 02131 90-2471
http:/www.stadtbibliothek-neuss.de
http:/www.facebook.com/bibneuss
http:/www.twitter.com/stbneuss
https:/www.instagram.com/stadtbibliothekneuss/
http:/www.onleihe.de/neuss

 

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Alles auf einen Streich: Die DigiBib plus der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund

Viele Bibliotheksnutzer*innen orientieren sich bei der Suche in Bibliothekskatalogen an gängige Suchmaschinen. Der Einsatz der DigiBib als bloße Metasuchmaschine sowie lange Linklisten auf den Webseiten der Bibliothek genügen daher den Ansprüchen bei weitem nicht mehr. Dies führte beim Hochschulbibliothekszentrum (hbz) in Köln zur Erweiterung des DigiBib-Angebots um die Discovery-Variante IntrOX (Integration von OPAC und IndeX). Die Stadt- und Landesbibliothek Dortmund hat diese Produkterweiterung 2019 unter dem Namen „DigiBib plus“ eingeführt. Der neue Webkatalog ist ein echter Gewinn und ermöglicht eine zeitgemäße Recherche wie der Beitrag der Dortmunder Bibliothek zeigt. Das Projekt wurde vom Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Landesförderung für Öffentliche Bibliotheken unterstützt.

Ende der 90er Jahre löste die Stadt- und Landesbibliothek Dortmund ihre konventionellen Zettelkataloge durch einen online verfügbaren Webkatalog ab. Im Jahre 2001 konnte die Bibliothek im Rahmen eines Landesprojektes und in Kooperation mit dem Hochschulbibliothekszentrum Nordrhein-Westfalen (hbz) die Digitale Bibliothek bereitstellen. Diese Metasuchmaschine ermöglichte die gleichzeitige Suche in unterschiedlichen Quellen unter einer Oberfläche. In diesen Jahren war die DigiBib eine echte Neuerung und im Laufe der Zeit wurde dieses Metasuchwerkzeug um die kundenfreundliche Endnutzerfernleihe sowie die Produkte DigiLink und die DigiAuskunft ergänzt.

Die Stadt- und Landesbibliothek hat in den folgenden Jahren immer mehr elektronische Angebote hinzugekauft. Insbesondere Volltextdatenbanken, E-Books von Fachbuchverlagen und auch zunehmend elektronische Fachzeitschriften konnten online bereitgestellt werden. Trotz aller Bemühungen wuchs mit dem zunehmenden Angebot aber auch die Unübersichtlichkeit für die Kunden.

In den zahlreichen Einführungsveranstaltungen für die unterschiedlichen Zielgruppen und im alltäglichen Auskunftsdienst mussten die Dortmunder Kolleginnen feststellen, dass die Vermittlung der Angebote immer schwieriger wurde, da sich die Bibliotheksbenutzerinnen in ihrem Suchverhalten zunehmend an Google, Amazon und ähnlichen Suchmaschinen orientieren. Der Einsatz der DigiBib als bloße Metasuchmaschine sowie lange Linklisten auf den Webseiten der Bibliothek genügten den Ansprüchen bei weitem nicht mehr.

DigiBib IntrOX – das Discovery-System
Einige kommerzielle Anbieter nahmen diesen Trend in Bibliotheken auf und kamen mit den sogenannten Discovery Services auf den Markt, die das Ziel haben, alle fremden und eigenen Inhalte einer Bibliothek in einem so genannten One-Stop-Shop zur Verfügung zu stellen. Schnelle Antwortzeiten, ein Relevanz-Ranking und auch die Filterung der Suchergebnisse (Facettierung) gehörten zu diesen Services (z. B. EBSCO Discovery Service).

Beim hbz in Köln führte die Entwicklung zur Erweiterung des klassischen DigiBib-Angebots um die Discovery-Variante IntrOX (Integration von OPAC und IndeX). Die sogenannte „Einschlitzsuche“ der DigiBib IntrOX enthält zwei Trefferlisten unter zwei „Reitern“.

Unser Katalog: Index der Katalogdaten (1. Reiter)
Im ersten Reiter der DigiBib plus werden die Ergebnisse der Katalogsuchmaschine angezeigt. Durch die Indexierung der Inhalte werden zusätzliche Anzeigeoptionen wie zum Beispiel die Facettensuche und Rankingvarianten möglich. Die Ergebnisse werden zudem schneller geliefert als beim klassischen OPAC. Die Nutzer*innen kennen das Verhalten zumeist von den großen Suchmaschinenanbietern und gehen damit recht entspannt um.

Um die Katalogdaten der StLB Dortmund für die Suchmaschine zu indexieren, werden diese aus dem lokalen OPAC täglich per SFTP an das hbz geliefert.

Screenshot 1 Bibliothek Dortmund DigiBib

Artikel & mehr: Discovery-Service (2. Reiter)
Im zweiten Reiter „Artikel & mehr“ wird Suchmaschinentechnologie mit eigenem Index und mit einem erprobten Relevanzranking des EDS verwendet. Der EDS-Index erzeugt dabei eine Trefferliste mit einem ausgewogenen Ranking von gedruckten Medien, E-Books sowie selbstständiger und unselbstständiger Dokumente, auf die im Volltext zugegriffen werden kann.

Screenshot 2 Bibliothek Dortmund DigiBib

Erfahrungen
Die Dortmunder DigiBib-IntrOX-Version, in Dortmund als DigiBib plus bezeichnet, ist seit November 2017 im Einsatz. Die Bereitstellung der neuen Anwendung barg auch Überraschungen für die Kund*innen der Bibliothek.

Neben dem Suchergebnis des indexierten Kataloges finden die Nutzer*innen unter dem Reiter „Artikel & mehr“ die Treffer mit Volltext – dass was sie oft eigentlich haben wollen. Hier werden Treffer angezeigt, die nach Relevanz geordnet sind, bei denen auch der Volltext selbst durchsucht wurde und die dann wieder auch im Volltext verfügbar sind. Für die Generation der Lernenden eine Selbstverständlichkeit und der positive Effekt bei Schulungen war dementsprechend groß. Die zusätzliche Einbeziehung von zahlreichen Quellen mit qualitativ hohen und frei verfügbaren Inhalten im EDS führt bei vielen Recherchen zu positiven Überraschungen.

Release 7
Nachdem die Entwicklerinnen im HBZ 2018 die erste Sicht des neuen Release freigegeben haben, konnten die Dortmunder Kolleginnen gemeinsam mit anderen IntrOX-Bibliotheken die neue Version in mehreren Intervallen testen.
Seit Dezember 2019 setzt die StLB Dortmund als erste Digibib-Bibliothek das Release 7 mit vollständig überarbeiteter Technik und neuen zeitgemäßen Oberflächen (siehe Screenshots) ein.

Öffentlichkeitsarbeit als Muss
Für eine gezielte Platzierung bei den unterschiedlichen Zielgruppen zu ermöglichen, wurden neben den digitalen Kanälen auch klassische Medien wie Flyer, Plakate oder Roll-Ups über die DigiBib plus eingesetzt. Neben diesem Baustein sind die zahlreichen Schulungsveranstaltungen zum Thema ein weiterer wichtiger Punkt, um den Kunden das neue moderne Suchportal näher zu bringen.

Info-Flyer und ipad-Schulung


Fazit: Mehrwert für alle Nutzergruppen

Das neue Angebot „DigiBib plus“ ist ein echter Gewinn für die Kunden der Stadt- und Landesbibliothek, insbesondere für die zahlreichen Gruppen der Lernenden und Studierenden. Neben den bekannten Vorteilen der Digibib ermöglicht die Suche im Volltext und der direkte Zugriff auf freie oder von der Bibliothek lizenzierte Volltexte durch modernste Suchmaschinentechnologie eine zeitgemäße Recherche – die von den heutigen Kunden als selbstverständlich erwartet wird.

Die hohe Anzahl von lizenzierten und frei verfügbaren Inhalten, die im Discovery-Index für die Bibliothekskunden bereitgestellt werden, bilden für die Zielgruppen der StLB einen großen Mehrwert.

 


Über die Stadt- und Landesbibliothek:
Die Stadt- und Landesbibliothek Dortmund bietet mit der Zentralbibliothek und den 9 Stadtteilbibliotheken ein umfassendes Angebot an Büchern, Medien, Informationen und Dienstleistungen an. Alle Kunden können hier auch auf umfangreiche elektronische Angebote zugreifen, die in den letzten Jahren konsequent ausgebaut wurden. E-Books, E-Zeitschriften und E-Zeitungen ergänzen den Bestand von ca. 1 Mio ausleihbaren Medien.

Ansprechpartner:
Hans-Christian Wirtz
Stellvertretende Bibliotheksleitung
Stadt- und Landesbibliothek Dortmund
Max-von-der-Grün-Platz 1-3
44137 Dortmund
Email: hwirtz@stadtdo.de

Elmar Schackmann
Leitung Gruppe Portale
Hochschulbibliothekzentrum Köln
Jülicher Str. 6
Köln
E-Mail: schackmann@hbz-nrw.de

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Mehr Teilhabe durch leichte Sprache

Leichte Sprache soll Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen über eine geringe Kompetenz in der deutschen Sprache verfügen, das Verstehen von Texten erleichtern. Dazu gehören zum Beispiel Menschen mit Lernschwierigkeiten, Menschen mit Sinneseinschränkungen wie Gehörlose oder Menschen mit geringen Deutschkenntnissen wie zum Beispiel Migranten. Es ist ein wichtiges Instrument für mehr gesellschaftliche Teilhabe und Barrierefreiheit. Insbesondere Bibliotheken können hier einen wichtigen Beitrag leisten wie das Beispiel der Stadtbibliothek Dormagen zeigt, die 2019 das Projekt „Leicht Sprache“ initiierte und sich mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen einer weiteren Zielgruppe geöffnet hat. Das Projekt wurde vom Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Landesförderung für Öffentliche Bibliotheken gefördert.

Die Stadtbibliothek Dormagen hat einen zusätzlichen Medienbestand in Leichter Sprache aufgebaut, der in unmittelbarer Nähe der Bereiche Sprache und Fremdsprachen sowie in der Kinder- und Jugendbibliothek präsentiert wird. Diese Angebote wurden auch in den elektronischen Katalog eingepflegt und auf diese Weise recherchierbar gemacht.

Außerdem wurden Bibliotheksmaterialien in Leichte Sprache übertragen. So hat das Büro für Leichte Sprache der Lebenshilfe im Rheinkreis Neuss ein Bibliotheksflyer in leichter Sprache_Dormagen erstellt – weitere Druckerzeugnisse in Leichter Sprache wie Briefe sind geplant.

Auch einzelne Seiten der Bibliothekshomepage wie Infos zum Bibliotheksangebot gibt es nun in Leichter Sprache – weitere sollen 2020 folgen: https://dormagen.de/index.php?id=3588

OPAC 2 Dormagen

OPAC Stadtbibliothek Dormagen

 

Info-Bildschirm mit Multitouch-Display
Die Bibliothek hat einen Bildschirm mit Multitouch-Display aufgestellt. Er ermöglicht es, Informationen in Leichter Sprache auf vielfältige Weise zu präsentieren und Nutzerinnen interaktiv einzubeziehen. Durch die grafische Aufbereitung sowie eigenes Ausprobieren können die Kundinnen Informationen besser nachvollziehen und mit mehreren Sinnen erfahren und besser begreifen. Außerdem kann der Info-Bildschirm bei bibliotheksdidaktischen Aktivitäten unterstützen.

Leichte Sprache Bildschirm 2

Der Multitouchscreen sowie der neue Info-Flyer sind auch Teil eines neuen Führungskonzepts, dass die Nutzung der Bibliothek in leichter Sprache erklärt.

Mission Inklusion: Lebenshilfe erklärt Handy-Welt
Im Mai vergangenen Jahres hat das Büro für Leichte Sprache der Lebenshilfe in der Stadtbibliothek eine kostenlose Handy-Beratung angeboten. Anlass war der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung unter dem Motto „Mission Inklusion – die Zukunft beginnt mit dir“. Erklärt wurden zum Beispiel die Anwendung von Diensten wie WhatsApp oder das Versenden von Fotos. Außerdem wurden auch konkrete Fragen zum Umgang mit dem eigenen Handy geklärt.

Im Anschluss erhielt jeder Teilnehmer den in Leichter Sprache erstellten Ratgeber „Handynutzung leicht gemacht“, der auch in der Bibliothek ausliegt. Die Tafel Dormagen e.V. unterstützte das Angebot mit Getränken und einem kleinen Snack. Aufgrund der großen Nachfrage wurde dieses Veranstaltungsformat im Februar noch einmal wiederholt und es ist angedacht, dies auch im Herbst 2020 wieder anzubieten.

Vortrag und Workshop für Multiplikatorinnen
Um auch Multiplikatorinnen aus der Stadtverwaltung mit hoher Kundenfrequenz wie beispielsweise Bürgeramt, Jugend- oder Sozialamt, aber auch die Mitarbeiter*innen des Kulturbereichs für das Thema zu sensibilisieren, fand im November 2019 ein Vortrag zum Thema Leichte Sprache mit anschließendem Workshop statt. Ein weiterer darauf aufbauender Workshop ist für 2020 geplant.

Fazit: Ein Mehrwert für die Bürger*innen und die Bibliothek
Alle im Rahmen des Projekts erstellten und angeschafften Medien erfreuen sich großer Beliebtheit und werden sehr gut nachgefragt. Dank des Projekts hat die Bibliothek mit dem Büro für Leichte Sprache der Lebenshilfe einen weiteren Kooperationspartner gewonnen, mit dem sie weitere gemeinsame Aktivitäten plant. Innerhalb der Stadtverwaltung Dormagen konnte sich die Bibliothek als Vermittler und kompetenter Dienstleister auf diesem Gebiet präsentieren und das Thema noch bekannter machen.


Über die Stadtbibliothek Dormagen:
Dormagen ist eine Mittelstadt im Rheinland, gelegen zwischen Düsseldorf und Köln mit derzeit etwa 65.000 Einwohner*innen, Tendenz steigend.

Die Stadtbibliothek Dormagen ist in den vergangenen Jahren mehr und mehr zu einem Dritten Ort innerhalb Dormagens geworden. Er bietet den Einwohner*innen die Möglichkeit, sich an einem nicht-kommerziellen und wohnortnahen Ort aufzuhalten, um dort unterstützt von unserem Personal zu arbeiten, zu lernen, sich zu informieren, digitale Medien auszuprobieren, zu schreiben, Veranstaltungen zu besuchen oder auch zu kommunizieren und zu relaxen. Die Bibliothek bietet damit ein Ambiente, das von Menschen für bestimmte Aktivitäten offensichtlich gesucht wird. Als offenes, inklusives, interkulturelles und Generationen übergreifendes Angebot hat die Bibliothek dabei eine besondere Bedeutung innerhalb der Stadt Dormagen.

Die Stadtbibliothek Dormagen im Netz:
www.stadtbibliothek-dormagen.de
https://www.facebook.com/
https://twitter.com/stabidormagen
https://www.instagram.com/stadtbibliothek_dormagen/

Ansprechpartnerin:
Claudia Schmidt
Stadtbibliothek Dormagen
Tel: +492133257211
E-Mail: claudia.schmidt@stadt-dormagen.de
Anschrift: Stadtbibliothek Dormagen – Marktplatz 1 – 41539 Dormagen

 

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Mehr Raum für Begegnung – eine Bücherei wird zum Wohlfühlort

Die Stadtbücherei Olsberg ist ein Ort zum Wohlfühlen geworden. Sie hat sich von einem reinen Ausleih- zu einem Aufenthaltsort, einem Ort für Kultur und Begegnung gewandelt – und das für Einwohner, Besucher, Touristen und potenzielle Neubürger. Die Grundlage für diese Entwicklung bildete eine Bibliotheksstrategie, die die Leiterin der Bibliothek, Petra Böhler-Winterberg, im Fortbildungsseminar Roter Faden erarbeitete. In dem Weiterbildungsangebot der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken entwickeln die Teilnehmer in vier Workshop-Phasen eine Strategie für ihre Bibliothek für die nächsten Jahre. Warum hat sich die Bibliothek im Jahr 2017 entschieden, eine Strategie zu entwickeln? Welche Herausforderungen waren zu bewältigen? Lesen Sie hier den Bericht von Petra Böhler-Winterberg.


Wie viele andere ländliche Bibliotheken muss sich auch die Stadtbücherei Olsberg mit rückläufigen Ausleihzahlen und stark verändertem Mediennutzungsverhalten der Kunden auseinandersetzen. Das wirft Fragen nach der Zukunft auf. Wie muss eine Bücherei aufgestellt sein, um auch künftig eine Existenzberechtigung zu haben? Was kann sie für ihre Kommune tun, um die Attraktivität der Stadt zu steigern, die Bildungseinrichtungen in ihrem Tun nachhaltig zu unterstützen, das kulturelle Angebot zu bereichern und Olsberg damit zu einem noch lebenswerteren Ort auch für junge Familien zu machen?

Um die notwendigen Antworten zu erhalten, nahm Petra Böhler-Winterberg, die Leiterin der Stadtbibliothek Olsberg, am roten Faden teil.

Am Anfang stand die Umfeldanalyse. Lerne Deine Stadt kennen! Was gibt es, was braucht es, was wäre wünschenswert? Ein zäher Kampf mit unzähligen Statistiken beginnt. Belast-bare Zahlen finden, auswerten und ansprechend zu Papier bringen.
Zweite Aufgabe: Nabelschau! Sieh Dir Deine Bücherei an! Öffnungszeiten, Kundenstruktur, Ausleihzahlen, Bestandsstruktur, Effizienzen, finanzielle und personelle Ausstattung, Vergleich mit anderen Bibliotheken gleicher Größe über das DBS-Indikatorenraster, Kooperationspartner, Interpretation und Einordnung der zusammengetragenen Daten…

Damit haben wir das IST, fehlt noch das SOLL!

Was ist eigentlich grundsätzlich die Aufgabe von Bibliothek in der Gesellschaft? Welchen Auftrag hat sie? Was wird davon in Olsberg schon erfüllt? Was wurde aus unterschiedlichen Gründen vielleicht noch nicht angegangen (Raumsituation, Personalstruktur, fehlende technische Infrastruktur, finanzielle Ausstattung)? Wohin will sich Olsberg entwickeln? Was braucht die Stadt von ihrer Bibliothek, damit beide in die gleiche Richtung gehen?

In Olsberg ist jeder Konzeptteil in der Bearbeitungsphase nicht nur Fachstelle und Coach, sondern auch zeitgleich der Fachbereichsleitung vorgelegt worden. Anregungen und Kritik aus der Verwaltung sind auf diese Weise ebenfalls in die Strategie mit eingeflossen und haben diese mit geformt. Will man eine Chance auf die spätere Umsetzung des fertigen Konzeptes haben und nicht für den Papierkorb arbeiten, ist ein guter Kontakt zur Verwaltung und ein ständiger Austausch mindestens wünschenswert, wenn nicht gar unerlässlich.

Abschließend werden noch aus allen Auswertungen, den zusammengetragenen Daten sowie politischen und gesellschaftlichen Aufträgen konkrete Handlungsfelder definiert. Und daraus werden klar formulierte Ziele und Maßnahmen zur Erreichung der Ziele entwickelt.

Mitte 2017 ist es nach einem Jahr intensiver Arbeit tatsächlich geschafft! Entstanden ist eine 40-seitige Bibliotheksstrategie.

Der Anfang ist gemacht, aber „Der Anfang ist nur die Hälfte des Ganzen“ (Aristoteles)

Aber ein Strategiepapier, sei es noch so gut, fundiert und durchdacht, hat nur dann einen Wert und die Chance eine Veränderung zu bewirken, wenn es die Entscheidungsträger erreicht.

Im September 2017 stellt Petra Böhler-Winterberg ihre Bibliotheksstrategie im Ausschuss Bildung, Sport und Freizeit vors. Mit überwältigendem Erfolg! Statt der im Raum stehenden Etatkürzungen empfiehlt der Fachausschuss dem Rat der Stadt den Erwerbungsetat der Bücherei um 25 Prozent zur erhöhen und erstmals seit Bestehen der Bücherei einen eigenen Etat für Veranstaltungsarbeit einzurichten.

Es folgt eine Zeit des Experimentierens. Neue Veranstaltungsformate, wie eine regelmäßiges Kamishibai-Erzähltheater für Kinder, Robotik-Workshops in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule, Familienspieleabende in Kooperation mit der Kolping-Familie etc. werden ausprobiert und so auch neue Kooperationspartner gewonnen. Für digitale Formate wie BI-PARCOURS-Rallyes mit Schülern fehlt es noch an technischer Ausstattung.

Ein neues Raumkonzept muss her

Schnell wird klar, um den widerstreitenden Interessen der unterschiedlichen Nutzergruppen gerecht werden zu können, muss ein neues Raumkonzept her. Die Stadtbücherei Olsberg ist eine 324qm-Ein-Raum-Wohnung. Spielende Kinder sind laut, arbeitende Menschen brauchen Ruhe.

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Neue Arbeitsplätze in der Stadtbücherei Olsberg

Die Innenarchitektin der Fachstelle, Anja Thimm, kommt zu Besuch, hört sich die Probleme und Ideen an und macht Vorschläge für die Umgestaltung des Raumes mit zunächst einfachen Mitteln. Veraltete Medien müssen massiv ausgesondert, die leeren Regale abgebaut werden, um so Flächen für neue Bereiche zu schaffen. Der Romanbereich soll künftig im Block stehen, das schafft Sichtachsen durch den ganzen Raum, wo die Sicht bislang von schräg stehenden Regalreihen blockiert ist. Das Kinderbuch tauscht seinen Platz mit dem Erwachsenensachbuch und wandert in die direkte Nachbarschaft des neu gedachten Jugendbereichs. Die Raummitte wird plötzlich frei für Ruheinseln.

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Sessel im neuen Jugendbereich

Die Ideen begeistern und passen bestens ins Konzept. Ein wichtiges Ziel der Bibliotheksstrategie heißt nämlich „Mehr Raum für Begegnung – vom Ausleih- zum Aufenthaltsort“. Medien aussondern, Regale abbauen, Regale verschieben und Blöcke tauschen – für all das braucht man (Wo-)Menpower, aber erstmal kein Geld.

Will sich die Bücherei wirklich zu einem Aufenthaltsort mit Wohlfühlcharakter entwickeln – zu einem „Dritten Ort“ also – müssen neben einer neuen Raumaufteilung auch neue Möbel und technische Ausstattung her.

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Der neue Klangsessel

 

 

Im September 2018 stellt die Leiterin ihre Pläne für die Umgestaltung der Bücherei dem Rat der Stadt Olsberg vor. Aus Eigenmitteln kann Olsberg eine solche Neugestaltung kaum stemmen, aber mit finanzieller Unterstützung durch das Land NRW könnte es gelingen.

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Gaming-Station

 

Der Förderantrag wird fristgerecht gestellt, jetzt heißt es warten. Kommt der Bewilligungsbescheid, kommt er nicht? Wie sagte schon Cäsar: „Die Menschen glauben fest an das, was sie wünschen“ und deshalb gilt es, bestmöglich vorbereitet zu sein. Die Zeit für die Projektumsetzung im Falle einer Förderung bis zum Ende des Jahres ist eh schon knapp genug.

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Neue Sitzpolster und Bilderbuchtröge in der Kinderbücherei

Die nötigen Arbeiten am Bestand beginnen deshalb schon Anfang des Jahres. Bestandssichtung, Makulierung veralteter Medien, Abbau von jetzt leeren Regalen. Parallel dazu erstmals die Teilnahme am Sommerleseclub nach neuem Konzept. Da gilt es zahlreiche Veranstaltungen zu organisieren, sich mit Onlineanmeldungen und -Logbüchern auseinanderzusetzen, sich via learning by doing in die Kunst des Green-Screen-Fotoshootings einzufuchsen, eine Abschlussveranstaltung zu organisieren und durchzuführen. Allein das ist für ein 1,59-Personalstellen-Team von dem 0,5 Personalstellen in den Sommerferien drei Wochen Urlaub haben, eine Herausforderung.

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Gemütliches Lese-Eck in der Kinderbücherei

Platz für die neuen Möbel haben die Vorarbeiten schon geschaffen. Jetzt folgt das muntere Bestandsrumschubsen. Das Erwachsenensach- und das Kinderbuch tauschen ihre Plätze. Der Romanbereich wird in einem Block aufgestellt. Leider passt jetzt die Ordnung in den Regalen so gar nicht mehr, also wird jedes Buch in liebevoller Handarbeit an seinen neuen Standort umgebettet.

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Neue Aufenthaltsqualität im Romanbereich

Toll, was allein die neue Ordnung mit dem Raum macht! Der komplette Mittelbereich ist frei, wenigstens bis die neuen Möbel kommen. Hier werden mit Hilfe von Sofas mit 1,40 m hohen Rücken- und Seitenteilen in Kombination mit mobilen Schallschutzwänden Arbeits- und Ruhebereiche entstehen.

 

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Flexible Raumtrenner und Sofas werden zu Arbeitskojen

Bis zum Jahresende verwandelt sich die Stadtbücherei Olsberg in eine Wohlfühloase und das Wohnzimmer der Stadt!

 

Dazu tragen zusätzlich zu den schon gelieferten Sitzmöbeln und neun Arbeitstischen (alle mit Stromtankstellen für das Laden der mobilen Kundenendgeräte versehen) bei: eine Medienpräsentationssäule, zwei Taschenbuchdrehständer, zwei AV-Medientröge, eine Gaming-Wall für die neue Play Station 4 pro inklusive VR-Brille und Monitor, zwei Beistelltische, fünf Steh- und drei Tischlampen, Bilderbuchtröge auf Rollen und Puzzlesitzkissen im Kinderbereich, zwei Opposessel und ein Audiosessel im Jugendbereich, eine mobile Kaffeebar mit Getränkekühlschrank, Kaffeemaschine und Geschirr.

 

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Neue Präsentationsmöbel im Eingangsbereich

Weil alle Arbeiten im laufenden Betrieb ohne Schließung gestemmt werden, wird am 21. Dezember 2019 nicht Neu- oder Wiedereröffnung gefeiert. Die Stadtbücherei Olsberg nimmt im Rahmen einer Feierstunde zunächst geladene Gäste aus Politik, Verwaltung und Bildung und später alle Interessierten und Kunden mit auf eine Entdeckungsreise durch die neu gestaltete Stadtbücherei.

Gastbeitrag_Olsberg_Dritter Ort_20_02_11_1

Der große Raum wurde geschickt unterteilt

Den festlichen Rahmen gestaltet die Gruppe LiteraMusico mit ihrem Programm „Leselust & Weihnachtsduft“. Erstmals kommen die neuen Stapelstühle zum Einsatz, verwandelt sich der Raum in einen Veranstaltungsort. Dieser Tag macht die zahlreichen schlaflosen Nächte, verschobenen Urlaube und unzähligen Überstunden, die zur Vollendung des Projektes nötig waren, schnell vergessen und ein wenig stolz auf das Erreichte. Die Idee der Bibliothek als „Dritter Ort“ ist nicht mehr neu, zahlreiche Großstadtbibliotheken haben diesen Wandel schon vollzogen. Unter den kleinen Bibliotheken ist Olsberg mit seinen 324 qm Fläche, 1,59 Personalstellen und 27 Öffnungsstunden die Erste, aber hoffentlich nicht die Letzte!

Ohne die Unterstützung durch das Land Nordrhein-Westfalen und die Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken wäre nichts von dem Beschriebenen passiert. Es hätte keine Fortbildung, keine Strategie, keine Projektförderung und keine Verwandlung gegeben. Eine Verwandlung, die einen langen Atem gebraucht, sehr viel Kraft gekostet und sich so sehr gelohnt hat.

Aber „Der Anfang ist nur die Hälfte des Ganzen“! Jetzt müssen wir unsere vielfältigen neuen Möglichkeiten nutzen und unsere schöne Einraumwohnung mit Leben füllen. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!


Über die Stadtbücherei Olsberg:

Die Stadtbücherei Olsberg hat seit Gründung vor über 30 Jahren schon viele Veränderungen durchlebt. Nach zwei Umzügen befindet sich die Bücherei seit 2003 zusammen mit der Volkshochschule zentral in der Stadtmitte: geöffnet 27 Stunden in der Woche, personell besetzt mit einer Diplombibliothekarin in Vollzeit als Leitung und zwei nebenamtlichen Mitarbeiterinnen mit zusammen 0,59 Personalstellen. Die Bücherei bietet auf 324 qm Publikumsfläche neben dem üblichen Medienmix seit 2012 allen Kunden und Besuchern auch kostenloses W-LAN und die Ausleihe digitaler Medien über die Onleihe24.

Kontakt:
Petra Böhler-Winterberg
Stadtbücherei Olsberg
Hauptstr. 73 a
59939 Olsberg
email: stadtbuecherei[at]olsberg.de
http://www.stadtbuecherei-olsberg.de
https://www.facebook.com/Sauerlaender.Bib.M


Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt die Entwicklung Öffentlicher Bibliotheken u.a. durch die finanzielle Förderung von innovativen Projekten. Die Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW stellt in lockerer Reihenfolge interessante Praxisbeispiele aus verschiedenen Förderprogrammen in Form von Gastbeiträgen auf ihrem Blog vor. Der vorliegende Beitrag stellt den Prozess der Stadtbücherei Olsberg von der Entwicklung einer Bibliotheksstrategie, über den daraus resultierenden Projektantrag bis zur Umsetzung und damit verbundenen Verwandlung vom Ausleihort zum Dritten Ort vor.