Alle Artikel in der Kategorie “Landesförderung in der Praxis

Ergebnisberichte zu Projekten, die mithilfe von Landesmitteln umgesetzt wurden.

Weitere Informationen zur Förderung von Öffentlichen Bibliotheken in NRW

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Stadtbibliothek Bünde stärkt Kooperation mit Schulen dank digitaler Angebote

Digitale Medien begleiten den Menschen mittlerweile von Geburt an und spielen gerade im Jugendalter eine zentrale Rolle. Bildung ist ein entscheidender Schlüssel, um Heranwachsende am digitalen Wandel teilhaben zu lassen. Die erforderlichen Qualifikationen sollen ihnen bis zum Ende ihrer Schullaufbahn vermittelt werden. Ziel ist es, die Schüler zu einem sicheren, kreativen und verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu befähigen. Für viele Schulen klingt dies noch visionär. Bibliotheken sind daher der ideale Bildungspartner. Die Förderung von Medienkompetenz ist neben der Vermittlung von Informationen das Feld, auf dem Bibliotheken die Schulen als starke und effektive Kooperationspartner unterstützen können wie dieses Beispiel der Stadtbücherei Bünde zeigt. Das Projekt wurde vom Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Landesförderung für Öffentliche Bibliotheken unterstützt.

Die Stadtbücherei Bünde ist im Mai 2018 in den Zuständigkeitsbereich des Schulverwaltungsamtes gewechselt. Diesen Vorteil hat die Bücherei genutzt, um die Kooperation mit den Schulen weiter auszubauen und durch neue digitale Angebote zu stärken. Projektpartner waren eine Grundschule und ein Gymnasium.

Zunächst musste in der Stadtbücherei eine Infrastruktur geschaffen werden, um neue Angebote sowie multimediale Klassenführungen anzubieten. Das vorhandene WLAN wurde ausgebaut, um in der gesamten Bücherei einen guten Internetempfang zu ermöglichen. Aus den Projektmitteln wurde ein Koffer mit 20 Tablets angeschafft.

Tablettkoffer und TV

Bei der Auswahl der Apps hat sich die Bücherei an der Ausstattung der Grundschule orientiert. Durch flexible Regale und einen mobilen Fernseher wurde eine große Fläche zum Präsentieren und Arbeiten geschaffen. Außerdem wurden Medien zu den verschiedenen Kompetenzbereichen des Kompetenzrahmens NRW angeschafft.

Medienkiste

Viele Angebote wurden im Zuge des Projekts einfach überarbeitet oder ergänzt. Bei Klassenführungen kommen Biparcours, Kahoot oder Mentimeter zum Einsatz.

Mit iPads ausgerüstet gehen die Schüler*innen der 2. Klasse auf Entdeckungsreise durch die Bücherei. Sie müssen Orte suchen, QR-Codes scannen und Fotos machen. Da die Kinder bereits mit den Tablets durch den Schulunterricht vertraut sind, funktionierte dieses Konzept problemlos.

Klassenführung Entdeckungsreise

Für die weiterführenden Schulen wurden eine zweistündige Unterrichtseinheit zum Thema Fake News entwickelt. Zusammen mit dem Gymnasium wurde das Angebot getestet und angepasst. Eine Umfrage mit Mentimeter diente als Diskussionseinstieg in das Thema. Zudem bekamen die Schüler*innen Prüfwerkzeuge zum Erkennen von Fake News an die Hand. In Zweiergruppen untersuchten sie Artikel und prüften Fakten.

Um die Angebote bekannt zu machen, hat die Stadtbücherei sich und ihre Angebote aktiv z. B. bei Fachschaftskonferenzen und Schulbesuchen vorgestellt. Zudem wurde das Infomaterial für die Lehrer überarbeitet.

Im Zuge des Projekts ergaben sich aber auch Hindernisse. Die Lehrkräfte hatten zwar Interesse an den Angeboten, sie konnten aber nur schwer aus ihrem festen Lehrplan ausbrechen. Eine weitere Schwierigkeit ist für einige Schulen der lange Anfahrtsweg bzw. Laufweg, sodass die Stadtbücherei Bünde zu den Schulen gefahren ist. Zudem ist die Terminfindung für die Büchereiführungen schwierig, da diese aufgrund der begrenzten Räumlichkeiten nur außerhalb der regulären der Öffnungszeiten stattfinden können.

Fazit: Mehr Sichtbarkeit und Verbindlichkeit
Die Stadtbücherei Bünde ist durch das Projekt mehr ins Bewusstsein der Schulen gerückt. Das Ergebnis: Die Bibliothek hat mit beiden örtlichen Gymnasien Kooperationsverträge geschlossen. Der Büchereibesuch ist nun verbindlich und wurde in den Lehrplan übernommen. Zudem unterstützt die Stadtbücherei eine Schule bei der Einrichtung eines Medialabs.

Über die Stadtbücherei Bünde:
Bünde ist eine Mittelstadt im Nordosten von NRW. Mit etwa 46.000 Einwohnern ist es die zweitgrößte Stadt im Kreis Herford. Die Stadtbücherei ist auf 333 qm in einer Zweigstelle der ehemaligen Landeszentralbank untergebracht. Die Bücherei verfügt über 4,67 Personalstellen und verzeichnet rund 51.000 Besuche im Jahr.

Ansprechpartner:
Ina Reßler
i.ressler@buende.de
Stadtbücherei Bünde
Eschstr. 50
32257 Bünde


Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt die Entwicklung Öffentlicher Bibliotheken u.a. durch die finanzielle Förderung von innovativen Projekten. Die Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW stellt in lockerer Reihenfolge interessante Praxisbeispiele aus verschiedenen Förderprogrammen in Form von Gastbeiträgen auf ihrem Blog vor.

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„Nichts über uns ohne uns“ – Neusser Inklusionsprojekt setzt auf partizipativen Ansatz

Seit 2009 gilt in Deutschland die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen. Deutschland hat sich verpflichtet, die politische, wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen zu verwirklichen. Der Zugang zu Orten kultureller Darbietungen oder Dienstleistungen betont dabei ausdrücklich auch Bibliotheken. Diesem Ziel sieht sich auch die Stadtbibliothek Neuss verpflichtet und hat daher 2019 eine ganze Reihe von weiteren Bausteinen umgesetzt, die eine Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ermöglichen. Um den zentralen Grundsatz der UN-Konvention, der gleichzeitig auch als Projekttitel gewählt wurde, „Nichts über uns ohne uns!“ zu erfüllen, verfolgte das Projekt einen partizipativen Ansatz. Das Projekt wurde vom Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Landesförderung für Öffentliche Bibliotheken unterstützt.

Die Ausgangssituation
Die Stadt Neuss hat rund 160.000 Einwohner*innen. Davon haben zirka 14.000 Personen eine anerkannte Schwerbehinderung nach SGB IX, das heißt der Grad der Behinderung beträgt mindestens 50 Prozent. Nicht statistisch erfasst werden Behinderungen mit einem geringeren Grad. Die Gesamtmenge der Menschen mit Behinderungen in der Gesamtbevölkerung wird demnach deutlich höher liegen als die erfassten ca. 9 Prozent. Der Stadtbibliothek Neuss ist nicht bekannt, wie groß der Anteil Schwerbehinderter/Behinderter an ihren Nutzern/Kunden ist. Insgesamt ist die Stadtbibliothek bislang weit entfernt von den Voraussetzungen für den Erhalt des Signets „Neuss barrierefrei“. So waren die Ein- und Ausgangstüren bis März 2019 nicht rollstuhlgerecht. Auch beim Fahrstuhl gibt es Handlungsbedarf: Dieser verfügt über keine Sprachausgabe.

Trotz dieser Einschränkungen bot die Bibliothek bereits Services an, die eine Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ermöglichen:

  • Für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen gibt es Bücher in Leichter Sprache, Bücher ohne Worte und Hörbücher. Der Bestand wurde u.a. mit Mitteln aus dem Landesprojekt „Leichte Sprache“ aus dem Jahr 2015 aufgebaut.
  • Hörbücher und Großdruckbücher für blinde und sehbehinderte Personen gibt sowie ein Medienangebot in der Onleihe.
  • Büchern sowie Filme für gehörlose und schwerhörige Menschen, die auch über OPAC zu finden sind und das Medienangebot der Onleihe.
  • In Zusammenarbeit mit Betroffenen wurde ein neuer Angebotsflyer der Bibliothek sowie ein Konzept für Führungen in Leichter Sprache entwickelt.
  • In Kooperation mit der Inklusionsbeauftragten der Stadt Neuss hat am 3. Mai 2018 erstmalig ein „Tag der Inklusion“ in der Stadtbibliothek Neuss stattgefunden, der durch den Bürgermeister eröffnet und in Gebärdensprache übersetzt wurde. Teilgenommen haben Fachkräfte aus Verbänden, Trägern, Vereinen für Menschen mit Behinderung und Vertreter*innen aus dem Integrationsrat und -amt sowie weitere Interessierte.

Projektbeschreibung und Projektziele
Die UN-Behindertenrechtskonvention – das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen – formuliert in Artikel 30 die Teilhabe am kulturellen Leben sowie an Erholung, Freizeit und Sport. Der Zugang zu Orten kultureller Darbietungen oder Dienstleistungen (§30, Absatz 1c) betont dabei ausdrücklich auch Bibliotheken. Diesem Ziel sieht sich die Stadtbibliothek Neuss verpflichtet.

Neben dem vorrangigen Ziel, die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an den Bibliotheksangeboten zu verbessern, sollten die 2018 neu konzipierten Services in Leichter Sprache verbessert werden. Unabdingbar war es dabei, die Sensibilität dieser Thematik bei den Bibliotheksmitarbeiter*innen zu schärfen.

Um den zentralen Grundsatz der UN-Konvention, der gleichzeitig auch als Projekttitel gewählt wurde, „Nichts über uns ohne uns!“ zu erfüllen, verfolgte das Projekt einen partizipativen Ansatz. Sowohl bei der Bedarfsanalyse als auch bei der Umsetzung der Projektbausteine hat die Bibliothek daher die Zielgruppe eingebunden. Dies gelang durch die Zusammenarbeit mit weiteren Kooperationspartnern wie der Sozialplanerin der Stadtverwaltung, der Inklusionsbeauftragten der Stadt Neuss, die „Gemeinnützigen Werkstätten Neuss“, die „Lebenshilfe Neuss“ sowie dem Gehörlosenverband Caritas und der Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle („KoKoBe Neuss“). Für den Aufbau und die Pflege dieses inklusiven Netzwerks hat die Bibliothek erstmalig einen Inklusionsbeauftragten benannt.

Umsetzung
Es wurden ausschließlich Bausteine realisiert, bei denen die Zielgruppe bei der Umsetzung beteiligt werden konnte und die möglichst viele betroffene Personen erreichte.

Ausbau des Medienbestands
• Bücherkiste zum Thema Inklusion für Grundschulen. Die Kiste enthält überwiegend gedruckte Medien, die den Kindern das Wissen über verschiedene Behinderungen/Beeinträchtigungen möglichst anschaulich vermittelt sowie pädagogische Begleitmaterialien für Lehrer*innen.
• Der sehr kleine Bestand an Hörbüchern im DAISY-Format wurde ausgebaut. Zum Ausleihen und Abspielen der DAISY-Hörbücher wurden zwei DAISY-Player angeschafft, die DAISY-, MP3 und Audio-CDs abspielen können. Nach Rücksprache mit dem Sehbehinderten- und Blindenverein für den Rhein-Kreis Neuss besitzen nicht alle Betroffenen entsprechende Abspielgeräte, so dass die Bibliothek hier ein neues attraktives Angebot etabliert. Seit 2020 gibt es in regelmäßigen Abständen eine DAISY-Player-Sprechstunde.
• Der umfangreiche Bestand an Belletristik-Hörbüchern wurde um einen Bereich mit Hörbüchern zu Sachthemen erweitert. Damit wurde der Zugang zu Sachinformationen für sehbehinderte Personen ausgedehnt.
• Der Zeitschriftenbestand wurde um Abos erweitert, die die Belange behinderter Menschen thematisieren.

Hilfsmittel
• Es werden Bibliotheksausweise mit extra großer Schrift ausgegeben, die von der Zielgruppe als deutlich besser lesbar wahrgenommen werden.

Öffentlichkeits- und Veranstaltungsarbeit
Sowohl inhaltlich als auch finanziell handelte es sich hierbei um den größten Baustein des Projektes.
• Nach dem Erfolg des 1. Inklusionstages im Mai 2018 kam es zu einer Fortsetzung im Juni und Juli 2019. Neben einer Ausstellung gab es erstmalig auch eine Lesung für Schüler*innen mit Tobias Steinfeld und eine Lesung mit Sandra Roth.
• Neu etabliert wurde die monatlich stattfindende Veranstaltungsreihe „Lesen mit Hund“. Ein speziell ausgebildeter Therapiehund hilft Kindern und Erwachsenen mit Leseproblemen, ihre Scheu vor dem lauten Vorlesen zu überwinden.
• Das langjährig etablierte „Bilderbuch-Kino“ wurde um zwei Varianten erweitert: eine mit einem Gebärdendolmetscher und eine „ohne Worte“ mit musikalischer Untermalung.
• Spezielle Bibliothekseinführungen in einfacher Sprache
• Barrierefreier Relaunch der Homepage mit Unterstützung einer externen Agentur

Lesen mit Hund_Foto von Flyer

Copyright: Stadtbibliothek Neuss

Fortbildungen für alle Bibliotheksmitarbeiter*innen
Unabdingbar für die Akzeptanz im Bibliotheksteam und die langfristige Verankerung im Bibliotheksportfolio ist die Sensibilisierung der Beschäftigten. Daher fand in Zusammenarbeit mit der „Lebenshilfe Bonn“ ein ganztägiger Workshop zur Einführung in die Leichte Sprache. Zielsetzung war es, Veranstaltungen in einfacher Sprache zukünftig durch das Bibliothekspersonal umzusetzen.

Über das Projekt hinaus fanden parallel folgende weitere Maßnahmen statt:

  • Einbau einer barrierefreien Eingangstür während des laufenden Betriebs.
  • Der Veranstaltungsraum der Bibliothek wurde mit einer induktiven Höranlage ausgestattet.
  • Die Informationsplätze wurden mit mobilen Induktionsschleifen ausgestattet.
  • Eine Lupenleuchte sowie ein stark vergrößerndes Lesegerät wurden zur Vorortnutzung angeschafft.
  • Abtrennungsflächen in der Bibliothek, die aus Glas bestehen, wurden besser gekennzeichnet, der Fahrstuhl um taktile Beschriftungselemente ergänzt, Treppenstufen und Säulen markiert.
  • Autorenlesung im Rahmen des „Literarischen Sommers“ mit Einsatz einer Gebärdendolmetscherin.
  • Ein praxisnaher Inhouse-Workshop unter dem Motto „Demographie konkret – ein Perspektivwechsel“ wurde durch das Sozialamt der Stadt Neuss sowie weiterer Partner durchgeführt. Neben theoretischen Grundlagen zum Thema gab es ein praxisnahes Barrieretraining (Blinden- und Rollstuhlparcours) sowie eine Alterssimulation.
  • Ein ganztägiger Inhouse-Workshop mit Eeva Rantamo zum Thema „Leicht verständliche und respektvolle Kommunikation“ (Leichte und einfache Sprache) vertiefte die Inhalte.

Ausblick
Das Jahr 2019 war geprägt durch Maßnahmen zur gesellschaftlichen Teilhabe, speziell zur Verbesserung der Barrierefreiheit der Stadtbibliothek. Doch obwohl sich wirkliche Meilensteine realisieren ließen, ist die Thematik so umfassend, dass eine kontinuierliche Weiterentwicklung unabdingbar ist. Insgesamt ist das Thema Barrierefreiheit nun auch stärker im Bewusstsein des Bibliotheksteams verankert. Fest integriert in das Veranstaltungsprogramm der Stadtbibliothek ist die Reihe „Lesen mit Hund“. Das „Bilderbuchkino ohne Worte“ befindet sich wegen geringer Resonanz noch in der Testphase.

Für die Stadtbibliothek Neuss bleibt weiterhin die Erlangung des Signets „Neuss barrierefrei“ das Langzeitziel. Der Weg dorthin birgt jedoch noch größere bauliche Herausforderungen.

Alles Fotos: Copyright Stadtbibliothek Neuss

Ansprechpartnerin:
Claudia Büchel (M. LIS)
Bibliotheksleitung
Stadtbibliothek Neuss
Neumarkt 10
41460 Neuss

Telefon: 02131 90-4200
Telefax: 02131 90-2471
http:/www.stadtbibliothek-neuss.de
http:/www.facebook.com/bibneuss
http:/www.twitter.com/stbneuss
https:/www.instagram.com/stadtbibliothekneuss/
http:/www.onleihe.de/neuss

 

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Alles auf einen Streich: Die DigiBib plus der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund

Viele Bibliotheksnutzer*innen orientieren sich bei der Suche in Bibliothekskatalogen an gängige Suchmaschinen. Der Einsatz der DigiBib als bloße Metasuchmaschine sowie lange Linklisten auf den Webseiten der Bibliothek genügen daher den Ansprüchen bei weitem nicht mehr. Dies führte beim Hochschulbibliothekszentrum (hbz) in Köln zur Erweiterung des DigiBib-Angebots um die Discovery-Variante IntrOX (Integration von OPAC und IndeX). Die Stadt- und Landesbibliothek Dortmund hat diese Produkterweiterung 2019 unter dem Namen „DigiBib plus“ eingeführt. Der neue Webkatalog ist ein echter Gewinn und ermöglicht eine zeitgemäße Recherche wie der Beitrag der Dortmunder Bibliothek zeigt. Das Projekt wurde vom Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Landesförderung für Öffentliche Bibliotheken unterstützt.

Ende der 90er Jahre löste die Stadt- und Landesbibliothek Dortmund ihre konventionellen Zettelkataloge durch einen online verfügbaren Webkatalog ab. Im Jahre 2001 konnte die Bibliothek im Rahmen eines Landesprojektes und in Kooperation mit dem Hochschulbibliothekszentrum Nordrhein-Westfalen (hbz) die Digitale Bibliothek bereitstellen. Diese Metasuchmaschine ermöglichte die gleichzeitige Suche in unterschiedlichen Quellen unter einer Oberfläche. In diesen Jahren war die DigiBib eine echte Neuerung und im Laufe der Zeit wurde dieses Metasuchwerkzeug um die kundenfreundliche Endnutzerfernleihe sowie die Produkte DigiLink und die DigiAuskunft ergänzt.

Die Stadt- und Landesbibliothek hat in den folgenden Jahren immer mehr elektronische Angebote hinzugekauft. Insbesondere Volltextdatenbanken, E-Books von Fachbuchverlagen und auch zunehmend elektronische Fachzeitschriften konnten online bereitgestellt werden. Trotz aller Bemühungen wuchs mit dem zunehmenden Angebot aber auch die Unübersichtlichkeit für die Kunden.

In den zahlreichen Einführungsveranstaltungen für die unterschiedlichen Zielgruppen und im alltäglichen Auskunftsdienst mussten die Dortmunder Kolleginnen feststellen, dass die Vermittlung der Angebote immer schwieriger wurde, da sich die Bibliotheksbenutzerinnen in ihrem Suchverhalten zunehmend an Google, Amazon und ähnlichen Suchmaschinen orientieren. Der Einsatz der DigiBib als bloße Metasuchmaschine sowie lange Linklisten auf den Webseiten der Bibliothek genügten den Ansprüchen bei weitem nicht mehr.

DigiBib IntrOX – das Discovery-System
Einige kommerzielle Anbieter nahmen diesen Trend in Bibliotheken auf und kamen mit den sogenannten Discovery Services auf den Markt, die das Ziel haben, alle fremden und eigenen Inhalte einer Bibliothek in einem so genannten One-Stop-Shop zur Verfügung zu stellen. Schnelle Antwortzeiten, ein Relevanz-Ranking und auch die Filterung der Suchergebnisse (Facettierung) gehörten zu diesen Services (z. B. EBSCO Discovery Service).

Beim hbz in Köln führte die Entwicklung zur Erweiterung des klassischen DigiBib-Angebots um die Discovery-Variante IntrOX (Integration von OPAC und IndeX). Die sogenannte „Einschlitzsuche“ der DigiBib IntrOX enthält zwei Trefferlisten unter zwei „Reitern“.

Unser Katalog: Index der Katalogdaten (1. Reiter)
Im ersten Reiter der DigiBib plus werden die Ergebnisse der Katalogsuchmaschine angezeigt. Durch die Indexierung der Inhalte werden zusätzliche Anzeigeoptionen wie zum Beispiel die Facettensuche und Rankingvarianten möglich. Die Ergebnisse werden zudem schneller geliefert als beim klassischen OPAC. Die Nutzer*innen kennen das Verhalten zumeist von den großen Suchmaschinenanbietern und gehen damit recht entspannt um.

Um die Katalogdaten der StLB Dortmund für die Suchmaschine zu indexieren, werden diese aus dem lokalen OPAC täglich per SFTP an das hbz geliefert.

Screenshot 1 Bibliothek Dortmund DigiBib

Artikel & mehr: Discovery-Service (2. Reiter)
Im zweiten Reiter „Artikel & mehr“ wird Suchmaschinentechnologie mit eigenem Index und mit einem erprobten Relevanzranking des EDS verwendet. Der EDS-Index erzeugt dabei eine Trefferliste mit einem ausgewogenen Ranking von gedruckten Medien, E-Books sowie selbstständiger und unselbstständiger Dokumente, auf die im Volltext zugegriffen werden kann.

Screenshot 2 Bibliothek Dortmund DigiBib

Erfahrungen
Die Dortmunder DigiBib-IntrOX-Version, in Dortmund als DigiBib plus bezeichnet, ist seit November 2017 im Einsatz. Die Bereitstellung der neuen Anwendung barg auch Überraschungen für die Kund*innen der Bibliothek.

Neben dem Suchergebnis des indexierten Kataloges finden die Nutzer*innen unter dem Reiter „Artikel & mehr“ die Treffer mit Volltext – dass was sie oft eigentlich haben wollen. Hier werden Treffer angezeigt, die nach Relevanz geordnet sind, bei denen auch der Volltext selbst durchsucht wurde und die dann wieder auch im Volltext verfügbar sind. Für die Generation der Lernenden eine Selbstverständlichkeit und der positive Effekt bei Schulungen war dementsprechend groß. Die zusätzliche Einbeziehung von zahlreichen Quellen mit qualitativ hohen und frei verfügbaren Inhalten im EDS führt bei vielen Recherchen zu positiven Überraschungen.

Release 7
Nachdem die Entwicklerinnen im HBZ 2018 die erste Sicht des neuen Release freigegeben haben, konnten die Dortmunder Kolleginnen gemeinsam mit anderen IntrOX-Bibliotheken die neue Version in mehreren Intervallen testen.
Seit Dezember 2019 setzt die StLB Dortmund als erste Digibib-Bibliothek das Release 7 mit vollständig überarbeiteter Technik und neuen zeitgemäßen Oberflächen (siehe Screenshots) ein.

Öffentlichkeitsarbeit als Muss
Für eine gezielte Platzierung bei den unterschiedlichen Zielgruppen zu ermöglichen, wurden neben den digitalen Kanälen auch klassische Medien wie Flyer, Plakate oder Roll-Ups über die DigiBib plus eingesetzt. Neben diesem Baustein sind die zahlreichen Schulungsveranstaltungen zum Thema ein weiterer wichtiger Punkt, um den Kunden das neue moderne Suchportal näher zu bringen.

Info-Flyer und ipad-Schulung


Fazit: Mehrwert für alle Nutzergruppen

Das neue Angebot „DigiBib plus“ ist ein echter Gewinn für die Kunden der Stadt- und Landesbibliothek, insbesondere für die zahlreichen Gruppen der Lernenden und Studierenden. Neben den bekannten Vorteilen der Digibib ermöglicht die Suche im Volltext und der direkte Zugriff auf freie oder von der Bibliothek lizenzierte Volltexte durch modernste Suchmaschinentechnologie eine zeitgemäße Recherche – die von den heutigen Kunden als selbstverständlich erwartet wird.

Die hohe Anzahl von lizenzierten und frei verfügbaren Inhalten, die im Discovery-Index für die Bibliothekskunden bereitgestellt werden, bilden für die Zielgruppen der StLB einen großen Mehrwert.

 


Über die Stadt- und Landesbibliothek:
Die Stadt- und Landesbibliothek Dortmund bietet mit der Zentralbibliothek und den 9 Stadtteilbibliotheken ein umfassendes Angebot an Büchern, Medien, Informationen und Dienstleistungen an. Alle Kunden können hier auch auf umfangreiche elektronische Angebote zugreifen, die in den letzten Jahren konsequent ausgebaut wurden. E-Books, E-Zeitschriften und E-Zeitungen ergänzen den Bestand von ca. 1 Mio ausleihbaren Medien.

Ansprechpartner:
Hans-Christian Wirtz
Stellvertretende Bibliotheksleitung
Stadt- und Landesbibliothek Dortmund
Max-von-der-Grün-Platz 1-3
44137 Dortmund
Email: hwirtz@stadtdo.de

Elmar Schackmann
Leitung Gruppe Portale
Hochschulbibliothekzentrum Köln
Jülicher Str. 6
Köln
E-Mail: schackmann@hbz-nrw.de

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Mehr Teilhabe durch leichte Sprache

Leichte Sprache soll Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen über eine geringe Kompetenz in der deutschen Sprache verfügen, das Verstehen von Texten erleichtern. Dazu gehören zum Beispiel Menschen mit Lernschwierigkeiten, Menschen mit Sinneseinschränkungen wie Gehörlose oder Menschen mit geringen Deutschkenntnissen wie zum Beispiel Migranten. Es ist ein wichtiges Instrument für mehr gesellschaftliche Teilhabe und Barrierefreiheit. Insbesondere Bibliotheken können hier einen wichtigen Beitrag leisten wie das Beispiel der Stadtbibliothek Dormagen zeigt, die 2019 das Projekt „Leicht Sprache“ initiierte und sich mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen einer weiteren Zielgruppe geöffnet hat. Das Projekt wurde vom Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Landesförderung für Öffentliche Bibliotheken gefördert.

Die Stadtbibliothek Dormagen hat einen zusätzlichen Medienbestand in Leichter Sprache aufgebaut, der in unmittelbarer Nähe der Bereiche Sprache und Fremdsprachen sowie in der Kinder- und Jugendbibliothek präsentiert wird. Diese Angebote wurden auch in den elektronischen Katalog eingepflegt und auf diese Weise recherchierbar gemacht.

Außerdem wurden Bibliotheksmaterialien in Leichte Sprache übertragen. So hat das Büro für Leichte Sprache der Lebenshilfe im Rheinkreis Neuss ein Bibliotheksflyer in leichter Sprache_Dormagen erstellt – weitere Druckerzeugnisse in Leichter Sprache wie Briefe sind geplant.

Auch einzelne Seiten der Bibliothekshomepage wie Infos zum Bibliotheksangebot gibt es nun in Leichter Sprache – weitere sollen 2020 folgen: https://dormagen.de/index.php?id=3588

OPAC 2 Dormagen

OPAC Stadtbibliothek Dormagen

 

Info-Bildschirm mit Multitouch-Display
Die Bibliothek hat einen Bildschirm mit Multitouch-Display aufgestellt. Er ermöglicht es, Informationen in Leichter Sprache auf vielfältige Weise zu präsentieren und Nutzerinnen interaktiv einzubeziehen. Durch die grafische Aufbereitung sowie eigenes Ausprobieren können die Kundinnen Informationen besser nachvollziehen und mit mehreren Sinnen erfahren und besser begreifen. Außerdem kann der Info-Bildschirm bei bibliotheksdidaktischen Aktivitäten unterstützen.

Leichte Sprache Bildschirm 2

Der Multitouchscreen sowie der neue Info-Flyer sind auch Teil eines neuen Führungskonzepts, dass die Nutzung der Bibliothek in leichter Sprache erklärt.

Mission Inklusion: Lebenshilfe erklärt Handy-Welt
Im Mai vergangenen Jahres hat das Büro für Leichte Sprache der Lebenshilfe in der Stadtbibliothek eine kostenlose Handy-Beratung angeboten. Anlass war der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung unter dem Motto „Mission Inklusion – die Zukunft beginnt mit dir“. Erklärt wurden zum Beispiel die Anwendung von Diensten wie WhatsApp oder das Versenden von Fotos. Außerdem wurden auch konkrete Fragen zum Umgang mit dem eigenen Handy geklärt.

Im Anschluss erhielt jeder Teilnehmer den in Leichter Sprache erstellten Ratgeber „Handynutzung leicht gemacht“, der auch in der Bibliothek ausliegt. Die Tafel Dormagen e.V. unterstützte das Angebot mit Getränken und einem kleinen Snack. Aufgrund der großen Nachfrage wurde dieses Veranstaltungsformat im Februar noch einmal wiederholt und es ist angedacht, dies auch im Herbst 2020 wieder anzubieten.

Vortrag und Workshop für Multiplikatorinnen
Um auch Multiplikatorinnen aus der Stadtverwaltung mit hoher Kundenfrequenz wie beispielsweise Bürgeramt, Jugend- oder Sozialamt, aber auch die Mitarbeiter*innen des Kulturbereichs für das Thema zu sensibilisieren, fand im November 2019 ein Vortrag zum Thema Leichte Sprache mit anschließendem Workshop statt. Ein weiterer darauf aufbauender Workshop ist für 2020 geplant.

Fazit: Ein Mehrwert für die Bürger*innen und die Bibliothek
Alle im Rahmen des Projekts erstellten und angeschafften Medien erfreuen sich großer Beliebtheit und werden sehr gut nachgefragt. Dank des Projekts hat die Bibliothek mit dem Büro für Leichte Sprache der Lebenshilfe einen weiteren Kooperationspartner gewonnen, mit dem sie weitere gemeinsame Aktivitäten plant. Innerhalb der Stadtverwaltung Dormagen konnte sich die Bibliothek als Vermittler und kompetenter Dienstleister auf diesem Gebiet präsentieren und das Thema noch bekannter machen.


Über die Stadtbibliothek Dormagen:
Dormagen ist eine Mittelstadt im Rheinland, gelegen zwischen Düsseldorf und Köln mit derzeit etwa 65.000 Einwohner*innen, Tendenz steigend.

Die Stadtbibliothek Dormagen ist in den vergangenen Jahren mehr und mehr zu einem Dritten Ort innerhalb Dormagens geworden. Er bietet den Einwohner*innen die Möglichkeit, sich an einem nicht-kommerziellen und wohnortnahen Ort aufzuhalten, um dort unterstützt von unserem Personal zu arbeiten, zu lernen, sich zu informieren, digitale Medien auszuprobieren, zu schreiben, Veranstaltungen zu besuchen oder auch zu kommunizieren und zu relaxen. Die Bibliothek bietet damit ein Ambiente, das von Menschen für bestimmte Aktivitäten offensichtlich gesucht wird. Als offenes, inklusives, interkulturelles und Generationen übergreifendes Angebot hat die Bibliothek dabei eine besondere Bedeutung innerhalb der Stadt Dormagen.

Die Stadtbibliothek Dormagen im Netz:
www.stadtbibliothek-dormagen.de
https://www.facebook.com/
https://twitter.com/stabidormagen
https://www.instagram.com/stadtbibliothek_dormagen/

Ansprechpartnerin:
Claudia Schmidt
Stadtbibliothek Dormagen
Tel: +492133257211
E-Mail: claudia.schmidt@stadt-dormagen.de
Anschrift: Stadtbibliothek Dormagen – Marktplatz 1 – 41539 Dormagen

 

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Mehr Raum für Begegnung – eine Bücherei wird zum Wohlfühlort

Die Stadtbücherei Olsberg ist ein Ort zum Wohlfühlen geworden. Sie hat sich von einem reinen Ausleih- zu einem Aufenthaltsort, einem Ort für Kultur und Begegnung gewandelt – und das für Einwohner, Besucher, Touristen und potenzielle Neubürger. Die Grundlage für diese Entwicklung bildete eine Bibliotheksstrategie, die die Leiterin der Bibliothek, Petra Böhler-Winterberg, im Fortbildungsseminar Roter Faden erarbeitete. In dem Weiterbildungsangebot der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken entwickeln die Teilnehmer in vier Workshop-Phasen eine Strategie für ihre Bibliothek für die nächsten Jahre. Warum hat sich die Bibliothek im Jahr 2017 entschieden, eine Strategie zu entwickeln? Welche Herausforderungen waren zu bewältigen? Lesen Sie hier den Bericht von Petra Böhler-Winterberg.


Wie viele andere ländliche Bibliotheken muss sich auch die Stadtbücherei Olsberg mit rückläufigen Ausleihzahlen und stark verändertem Mediennutzungsverhalten der Kunden auseinandersetzen. Das wirft Fragen nach der Zukunft auf. Wie muss eine Bücherei aufgestellt sein, um auch künftig eine Existenzberechtigung zu haben? Was kann sie für ihre Kommune tun, um die Attraktivität der Stadt zu steigern, die Bildungseinrichtungen in ihrem Tun nachhaltig zu unterstützen, das kulturelle Angebot zu bereichern und Olsberg damit zu einem noch lebenswerteren Ort auch für junge Familien zu machen?

Um die notwendigen Antworten zu erhalten, nahm Petra Böhler-Winterberg, die Leiterin der Stadtbibliothek Olsberg, am roten Faden teil.

Am Anfang stand die Umfeldanalyse. Lerne Deine Stadt kennen! Was gibt es, was braucht es, was wäre wünschenswert? Ein zäher Kampf mit unzähligen Statistiken beginnt. Belast-bare Zahlen finden, auswerten und ansprechend zu Papier bringen.
Zweite Aufgabe: Nabelschau! Sieh Dir Deine Bücherei an! Öffnungszeiten, Kundenstruktur, Ausleihzahlen, Bestandsstruktur, Effizienzen, finanzielle und personelle Ausstattung, Vergleich mit anderen Bibliotheken gleicher Größe über das DBS-Indikatorenraster, Kooperationspartner, Interpretation und Einordnung der zusammengetragenen Daten…

Damit haben wir das IST, fehlt noch das SOLL!

Was ist eigentlich grundsätzlich die Aufgabe von Bibliothek in der Gesellschaft? Welchen Auftrag hat sie? Was wird davon in Olsberg schon erfüllt? Was wurde aus unterschiedlichen Gründen vielleicht noch nicht angegangen (Raumsituation, Personalstruktur, fehlende technische Infrastruktur, finanzielle Ausstattung)? Wohin will sich Olsberg entwickeln? Was braucht die Stadt von ihrer Bibliothek, damit beide in die gleiche Richtung gehen?

In Olsberg ist jeder Konzeptteil in der Bearbeitungsphase nicht nur Fachstelle und Coach, sondern auch zeitgleich der Fachbereichsleitung vorgelegt worden. Anregungen und Kritik aus der Verwaltung sind auf diese Weise ebenfalls in die Strategie mit eingeflossen und haben diese mit geformt. Will man eine Chance auf die spätere Umsetzung des fertigen Konzeptes haben und nicht für den Papierkorb arbeiten, ist ein guter Kontakt zur Verwaltung und ein ständiger Austausch mindestens wünschenswert, wenn nicht gar unerlässlich.

Abschließend werden noch aus allen Auswertungen, den zusammengetragenen Daten sowie politischen und gesellschaftlichen Aufträgen konkrete Handlungsfelder definiert. Und daraus werden klar formulierte Ziele und Maßnahmen zur Erreichung der Ziele entwickelt.

Mitte 2017 ist es nach einem Jahr intensiver Arbeit tatsächlich geschafft! Entstanden ist eine 40-seitige Bibliotheksstrategie.

Der Anfang ist gemacht, aber „Der Anfang ist nur die Hälfte des Ganzen“ (Aristoteles)

Aber ein Strategiepapier, sei es noch so gut, fundiert und durchdacht, hat nur dann einen Wert und die Chance eine Veränderung zu bewirken, wenn es die Entscheidungsträger erreicht.

Im September 2017 stellt Petra Böhler-Winterberg ihre Bibliotheksstrategie im Ausschuss Bildung, Sport und Freizeit vors. Mit überwältigendem Erfolg! Statt der im Raum stehenden Etatkürzungen empfiehlt der Fachausschuss dem Rat der Stadt den Erwerbungsetat der Bücherei um 25 Prozent zur erhöhen und erstmals seit Bestehen der Bücherei einen eigenen Etat für Veranstaltungsarbeit einzurichten.

Es folgt eine Zeit des Experimentierens. Neue Veranstaltungsformate, wie eine regelmäßiges Kamishibai-Erzähltheater für Kinder, Robotik-Workshops in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule, Familienspieleabende in Kooperation mit der Kolping-Familie etc. werden ausprobiert und so auch neue Kooperationspartner gewonnen. Für digitale Formate wie BI-PARCOURS-Rallyes mit Schülern fehlt es noch an technischer Ausstattung.

Ein neues Raumkonzept muss her

Schnell wird klar, um den widerstreitenden Interessen der unterschiedlichen Nutzergruppen gerecht werden zu können, muss ein neues Raumkonzept her. Die Stadtbücherei Olsberg ist eine 324qm-Ein-Raum-Wohnung. Spielende Kinder sind laut, arbeitende Menschen brauchen Ruhe.

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Neue Arbeitsplätze in der Stadtbücherei Olsberg

Die Innenarchitektin der Fachstelle, Anja Thimm, kommt zu Besuch, hört sich die Probleme und Ideen an und macht Vorschläge für die Umgestaltung des Raumes mit zunächst einfachen Mitteln. Veraltete Medien müssen massiv ausgesondert, die leeren Regale abgebaut werden, um so Flächen für neue Bereiche zu schaffen. Der Romanbereich soll künftig im Block stehen, das schafft Sichtachsen durch den ganzen Raum, wo die Sicht bislang von schräg stehenden Regalreihen blockiert ist. Das Kinderbuch tauscht seinen Platz mit dem Erwachsenensachbuch und wandert in die direkte Nachbarschaft des neu gedachten Jugendbereichs. Die Raummitte wird plötzlich frei für Ruheinseln.

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Sessel im neuen Jugendbereich

Die Ideen begeistern und passen bestens ins Konzept. Ein wichtiges Ziel der Bibliotheksstrategie heißt nämlich „Mehr Raum für Begegnung – vom Ausleih- zum Aufenthaltsort“. Medien aussondern, Regale abbauen, Regale verschieben und Blöcke tauschen – für all das braucht man (Wo-)Menpower, aber erstmal kein Geld.

Will sich die Bücherei wirklich zu einem Aufenthaltsort mit Wohlfühlcharakter entwickeln – zu einem „Dritten Ort“ also – müssen neben einer neuen Raumaufteilung auch neue Möbel und technische Ausstattung her.

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Der neue Klangsessel

 

 

Im September 2018 stellt die Leiterin ihre Pläne für die Umgestaltung der Bücherei dem Rat der Stadt Olsberg vor. Aus Eigenmitteln kann Olsberg eine solche Neugestaltung kaum stemmen, aber mit finanzieller Unterstützung durch das Land NRW könnte es gelingen.

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Gaming-Station

 

Der Förderantrag wird fristgerecht gestellt, jetzt heißt es warten. Kommt der Bewilligungsbescheid, kommt er nicht? Wie sagte schon Cäsar: „Die Menschen glauben fest an das, was sie wünschen“ und deshalb gilt es, bestmöglich vorbereitet zu sein. Die Zeit für die Projektumsetzung im Falle einer Förderung bis zum Ende des Jahres ist eh schon knapp genug.

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Neue Sitzpolster und Bilderbuchtröge in der Kinderbücherei

Die nötigen Arbeiten am Bestand beginnen deshalb schon Anfang des Jahres. Bestandssichtung, Makulierung veralteter Medien, Abbau von jetzt leeren Regalen. Parallel dazu erstmals die Teilnahme am Sommerleseclub nach neuem Konzept. Da gilt es zahlreiche Veranstaltungen zu organisieren, sich mit Onlineanmeldungen und -Logbüchern auseinanderzusetzen, sich via learning by doing in die Kunst des Green-Screen-Fotoshootings einzufuchsen, eine Abschlussveranstaltung zu organisieren und durchzuführen. Allein das ist für ein 1,59-Personalstellen-Team von dem 0,5 Personalstellen in den Sommerferien drei Wochen Urlaub haben, eine Herausforderung.

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Gemütliches Lese-Eck in der Kinderbücherei

Platz für die neuen Möbel haben die Vorarbeiten schon geschaffen. Jetzt folgt das muntere Bestandsrumschubsen. Das Erwachsenensach- und das Kinderbuch tauschen ihre Plätze. Der Romanbereich wird in einem Block aufgestellt. Leider passt jetzt die Ordnung in den Regalen so gar nicht mehr, also wird jedes Buch in liebevoller Handarbeit an seinen neuen Standort umgebettet.

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Neue Aufenthaltsqualität im Romanbereich

Toll, was allein die neue Ordnung mit dem Raum macht! Der komplette Mittelbereich ist frei, wenigstens bis die neuen Möbel kommen. Hier werden mit Hilfe von Sofas mit 1,40 m hohen Rücken- und Seitenteilen in Kombination mit mobilen Schallschutzwänden Arbeits- und Ruhebereiche entstehen.

 

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Flexible Raumtrenner und Sofas werden zu Arbeitskojen

Bis zum Jahresende verwandelt sich die Stadtbücherei Olsberg in eine Wohlfühloase und das Wohnzimmer der Stadt!

 

Dazu tragen zusätzlich zu den schon gelieferten Sitzmöbeln und neun Arbeitstischen (alle mit Stromtankstellen für das Laden der mobilen Kundenendgeräte versehen) bei: eine Medienpräsentationssäule, zwei Taschenbuchdrehständer, zwei AV-Medientröge, eine Gaming-Wall für die neue Play Station 4 pro inklusive VR-Brille und Monitor, zwei Beistelltische, fünf Steh- und drei Tischlampen, Bilderbuchtröge auf Rollen und Puzzlesitzkissen im Kinderbereich, zwei Opposessel und ein Audiosessel im Jugendbereich, eine mobile Kaffeebar mit Getränkekühlschrank, Kaffeemaschine und Geschirr.

 

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Neue Präsentationsmöbel im Eingangsbereich

Weil alle Arbeiten im laufenden Betrieb ohne Schließung gestemmt werden, wird am 21. Dezember 2019 nicht Neu- oder Wiedereröffnung gefeiert. Die Stadtbücherei Olsberg nimmt im Rahmen einer Feierstunde zunächst geladene Gäste aus Politik, Verwaltung und Bildung und später alle Interessierten und Kunden mit auf eine Entdeckungsreise durch die neu gestaltete Stadtbücherei.

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Der große Raum wurde geschickt unterteilt

Den festlichen Rahmen gestaltet die Gruppe LiteraMusico mit ihrem Programm „Leselust & Weihnachtsduft“. Erstmals kommen die neuen Stapelstühle zum Einsatz, verwandelt sich der Raum in einen Veranstaltungsort. Dieser Tag macht die zahlreichen schlaflosen Nächte, verschobenen Urlaube und unzähligen Überstunden, die zur Vollendung des Projektes nötig waren, schnell vergessen und ein wenig stolz auf das Erreichte. Die Idee der Bibliothek als „Dritter Ort“ ist nicht mehr neu, zahlreiche Großstadtbibliotheken haben diesen Wandel schon vollzogen. Unter den kleinen Bibliotheken ist Olsberg mit seinen 324 qm Fläche, 1,59 Personalstellen und 27 Öffnungsstunden die Erste, aber hoffentlich nicht die Letzte!

Ohne die Unterstützung durch das Land Nordrhein-Westfalen und die Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken wäre nichts von dem Beschriebenen passiert. Es hätte keine Fortbildung, keine Strategie, keine Projektförderung und keine Verwandlung gegeben. Eine Verwandlung, die einen langen Atem gebraucht, sehr viel Kraft gekostet und sich so sehr gelohnt hat.

Aber „Der Anfang ist nur die Hälfte des Ganzen“! Jetzt müssen wir unsere vielfältigen neuen Möglichkeiten nutzen und unsere schöne Einraumwohnung mit Leben füllen. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!


Über die Stadtbücherei Olsberg:

Die Stadtbücherei Olsberg hat seit Gründung vor über 30 Jahren schon viele Veränderungen durchlebt. Nach zwei Umzügen befindet sich die Bücherei seit 2003 zusammen mit der Volkshochschule zentral in der Stadtmitte: geöffnet 27 Stunden in der Woche, personell besetzt mit einer Diplombibliothekarin in Vollzeit als Leitung und zwei nebenamtlichen Mitarbeiterinnen mit zusammen 0,59 Personalstellen. Die Bücherei bietet auf 324 qm Publikumsfläche neben dem üblichen Medienmix seit 2012 allen Kunden und Besuchern auch kostenloses W-LAN und die Ausleihe digitaler Medien über die Onleihe24.

Kontakt:
Petra Böhler-Winterberg
Stadtbücherei Olsberg
Hauptstr. 73 a
59939 Olsberg
email: stadtbuecherei[at]olsberg.de
http://www.stadtbuecherei-olsberg.de
https://www.facebook.com/Sauerlaender.Bib.M


Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt die Entwicklung Öffentlicher Bibliotheken u.a. durch die finanzielle Förderung von innovativen Projekten. Die Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW stellt in lockerer Reihenfolge interessante Praxisbeispiele aus verschiedenen Förderprogrammen in Form von Gastbeiträgen auf ihrem Blog vor. Der vorliegende Beitrag stellt den Prozess der Stadtbücherei Olsberg von der Entwicklung einer Bibliotheksstrategie, über den daraus resultierenden Projektantrag bis zur Umsetzung und damit verbundenen Verwandlung vom Ausleihort zum Dritten Ort vor.

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Bergische Bibliotheken machen MINT

Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt die Entwicklung Öffentlicher Bibliotheken u.a. durch die finanzielle Förderung von innovativen Projekten. Die Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW stellt in lockerer Reihenfolge interessante Praxisbeispiele aus verschiedenen Förderprogrammen in Form von Gastbeiträgen auf ihrem Blog vor. Der vorliegende Beitrag stellt das Kooperationsprojekt „Bibliotheken machen MINT“ vor. Dies ist ein gemeinschaftliches Projekt der bergischen Bibliotheken in Bergisch Gladbach, Bergneustadt, Burscheid, Gummersbach, Radevormwald, Reichshof, Waldbröl und Wiehl.

MINT-Themen (MINT: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) besitzen aufgrund des aktuellen Fachkräftemangels in der Industrie-, Technik- und Forschungsbranche eine große gesellschaftlich-bildungsspezifische Bedeutung. Bund, Länder und andere Träger investieren seit Jahren Mittel in die MINT-Förderung, um die Attraktivität von entsprechenden Berufsfeldern zu steigern – bereits in der frühkindlichen Erziehung und vor allem bei Mädchen. Acht Bibliotheken aus dem Rheinisch-Bergischen und dem Oberbergischen Kreis sahen in Bezug auf die eigenen Angebote zum Thema MINT erhebliche Defizite und Aufholbedarf.

Rahmenbedingungen vor dem Projekt

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Das neue MINT-Regal in der Kinderbücherei der Kreis- und Stadtbücherei Gummersbach (Bildrechte: Christian Bürgin)

Der klassische MINT-Printbestand war bei allen beteiligten Bibliotheken überwiegend in die Jahre gekommen. Im naturwissenschaftlichen Buchbestand für Erwachsene waren z.B. in Gummersbach mehr als 71% der Titel älter als 10 Jahre. Im Kinderbereich sah es bei den meisten Bibliotheken besser aus, dennoch war die Titelvielfalt an MINT-Titeln bei den meisten Bibliotheken eher übersichtlich. Gerade zu aktuellen Trendthemen fehlte es in den meisten Bibliotheken an entsprechender Begleitliteratur, z.B. zum Thema „Raspberry Pi“ (Einplatinen-Mikrocomputer zum Ausprobieren und Tüfteln). Spezielle Angebote wie bspw. Roboter waren  bei keinem Teilnehmer vorhanden. Erfahrungen mit MINT-Veranstaltungen bzw. mit Workshops im MINT-Bereich gab es auch keine.

Die Grundidee für die mögliche Durchführung eines Projekts zum Thema MINT stammte von Brigitta Wenzel, der Leiterin der Stadtbücherei Bergneustadt. Diese Idee wurde im Herbst 2017 an die Bibliotheksleitung der Kreis- und Stadtbücherei Gummersbach für ein mögliches neues Projekt kommuniziert.

Als mögliche Projektteilnehmer kamen alle weiteren kommunalen und förderfähigen Öffentlichen Bibliotheken aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis und dem Oberbergischen Kreis in Betracht, da diese Bibliotheken bereits seit vielen Jahren gemeinsam gerne in Projekten zusammenarbeiten und dies immer mit Erfolg.

Projektvorbereitung
Neben den bereits feststehenden Teilnehmern aus Gummersbach und Bergneustadt meldeten sich mit Radevormwald, Reichshof, Waldbröl und Wiehl vier weitere oberbergische Bibliotheken für eine mögliche Teilnahme. Aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis kamen von den Bibliotheken in Bergisch Gladbach und Burscheid positive Rückmeldungen.

Die gemeinsame Arbeit war bereits in dieser frühen Phase der Projektvorbereitung sehr fruchtbar. Gemeinsam konzipierten die teilnehmenden Bibliotheken das Projekt und suchten entsprechende Medien zur Unterstützung der Arbeit heraus. Kontrovers diskutiert wurde die Bereitstellung von Experimentierkästen zur Ausleihe, da diese meistens Verbrauchsmaterialien enthalten und deswegen teilweise nur bedingt für Bibliotheken geeignet sind. Die Experimentierkästen wurden in den Projektantrag letztlich mit aufgenommen, jedoch herrschte lange Zeit eine gewisse Unsicherheit ob der Umsetzbarkeit. Dies stellte sich als unbegründet heraus, da es z.B. sehr gute Elektro-Experimentierkästen ohne Verbrauchsmaterial gibt.

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Experimentierkästen zur Ausleihe in der Stadtbücherei Bergneustadt (Bildrechte: Brigitta Wenzel)

Der überwiegende Teil der Projektteilnehmer ließ sich auf das eher ungewisse „Abenteuer“ im Sinne der Bibliothek der Dinge ein, vermutlich, weil schon viele der Teilnehmer z.B. mit dem Thema „tiptoi“ Erfahrung bei der Ausleihe und Unterhaltung von elektronischen Titeln gesammelt hatten.

Bei den konventionellen Medien wie Bücher oder AV-Medien gab es bewusst keine Fokussierung auf eine bestimmte Zielgruppe ( bspw. Kinder), da die jeweiligen Schwerpunkte der Teilnehmerbibliotheken unterschiedlich sind. Die Stadtbücherei Bergneustadt konzentriert sich in ihrem Angebot z.B. etwa hauptsächlich auf Grundschulkinder, während die Kreis- und Stadtbücherei Gummersbach wegen ihres verbrieften Auftrags als Ergänzungsbibliothek im Oberbergischen auch im stärkeren Maße Jugendliche und Erwachsene im Blick hat, z.B. im Bezug auf die Themen Ausbildung und Studium.

Bücher und Bee-Bots allein machen noch kein Projekt aus – es war klar, dass eine Veranstaltungsreihe und auch Werbemittel im Projektkonzept festgeschrieben werden mussten. Für die Veranstaltungen wurden Experimentalvorführungen und Workshops zum Thema Programmieren als lohnenswert betrachtet. Als Werbemittel wählte man eine Social-Media-Kampagne und ein Plakat.

Projektablauf
Die Projektteilnehmer trafen sich Anfang Juli 2018 zu einem Treffen in Gummersbach zur Besprechung und zum Austausch. So gab es etwa bezüglich der Medienauswahl bzw. den neuen Non-Book-Angeboten Gesprächsbedarf. Es wurde beschlossen neben Arduino und Raspberry Pi  auch  „Calliope“-Mikrocontroller anzuschaffen. Es wurde festgehalten, dass die Projekttitel im Katalog in einfacher Form ermittelbar sein sollten, z.B. über ein Schlagwort (in Gummersbach: MINT18). Die mögliche Gestaltung des Plakats wurde in erster Instanz besprochen, es sollte auf das abstrakte Thema MINT neugierig machen und beide Geschlechter ansprechen. Ebenfalls wurde über mögliche Veranstaltungspartner gesprochen – dieser Aspekt des Projekts stellte sich in der Folge als eine der kompliziertesten Angelegenheiten des Projekts heraus.

Die Kreis- und Stadtbücherei Gummersbach hatte im Vorfeld umfangreiche Recherchen zu möglichen Veranstaltungspartnern aufgenommen. Es stellt sich heraus, dass das Angebot an geeigneten professionellen Veranstaltungspartnern sehr übersichtlich war. Die meisten MINT-Veranstaltungsangebote in NRW waren darauf ausgelegt, dass z.B. Schüler diese vor Ort aufsuchen konnten – die Projektteilnehmer wollten ihre Veranstaltungen aber gerne in der jeweils eigenen Bibliothek abhalten. Glücklicherweise wurde das Team in Gummersbach schlussendlich in einem telefonischen Gespräch mit einem Vertreter der TH Köln auf das Angebot der „Physikanten“ aufmerksam gemacht, das für naturwissenschaftliche Kinder-Shows vor Ort gebucht werden konnte. Dieses Veranstaltungsformat wurde von allen Projektteilnehmern begrüßt – trotz anfänglicher Skepsis bezüglich der Umsetzbarkeit einer Experimentalvorführung in einer Bibliothek.

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Der vorbereitete Scratch-Workshop in Gummersbach, im Hintergrund das Projekt-Plakat und eine MINT-Ausstellung (Bildrechte: Christian Bürgin)

Die „Physikanten“ konnten zu vier Terminen im November pro Tag zwei Veranstaltungen in jeweils zwei der Teilnehmerbibliotheken zusagen. Nach Projektplan war für Bergisch Gladbach und Gummersbach jedoch nicht nur eine, sondern zwei verschiedene Veranstaltungen vorgesehen. Beide Bibliotheken  wollten gerne einen Workshop zum Thema „Programmieren für Jugendliche“ anbieten. Deborah Kropf von der Stadtbücherei Bergisch Gladbach fand mit Heiko Wolf, dem „Medienwolf“, schließlich einen Veranstaltungspartner, der jeweils einen Workshop zur visuellen Programmiersprache „Scratch“ im November 2018 anbieten konnte.

Erfahrungen zu Robotik und Coding

Für die Bee-Bots, mit denen Kindern schon im frühkindlichen Alter Algorithmen näher gebracht werden sollen, existieren online zahlreiche Vorlagen und Handreichungen, um die Bee-Bots praktisch einsetzen zu können. Notwendig ist allerdings die Vorbereitung von ggf. Zusatzmaterial. Die entsprechenden Materialien wurden ausgedruckt, zugeschnitten, laminiert und in zweckentfremdeten Brotdosen mit entsprechender Anleitung und Aufmachung zur Ausleihe bereitgestellt. Der Aufwand war groß aber  lohnenswert. Auch bevor die Calliopes, der Raspberry Pi und der Arduino in Gummersbach ausleihbereit waren brauchte es Vorbereitung.

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Die Mitarbeiter in Gummersbach werden in Sachen „Bee-Bots“ geschult (Bildrechte: Christian Bürgin)

Während die Calliopes direkt in der Kinderbücherei im neuen „MINT-Regal“ gemeinsam mit den Bee-Bots stehen, wurden für Arduino und Raspberry Pi Stellvertreter für die Ausleihe gebastelt – die Originale verbleiben bis zur Ausleihe an der Theke. Die neuen Titel wurden im Team besprochen und auch der Umgang geübt – vor allem, falls z.B. Eltern Rückfragen an das Personal etwa zu den Bee-Bots stellen. 


Fazit des Projekts „Bibliotheken machen MINT“
Alle Teilnehmer haben die neuen Bestände ansprechend durch Ausstellungen etc. präsentiert, in Gummersbach führten die neuen Bestände zudem zur Einführung eines „MINT-Regals“ in der Kinderbücherei. Die neuen Bestände für Jugendliche und Erwachsene für Schule, Ausbildung und Studium wurden in Gummersbach gemeinsam mit weiteren Lernhilfen in ein neues „Lernzentrum“ ausgegliedert – dies wäre ohne den Input durch das Projekt so wohl nicht entstanden. Durch das Kreisleihsystem wird sichergestellt, dass bei Bedarf auch Titel flexibel zwischen den Projektteilnehmern gegenseitig entliehen werden können.

Die neuen speziellen Angebote – allen voran die Bee-Bots – wurden von den Nutzern sehr gut angenommen und führten  auch zu zusätzlicher Aufmerksamkeit durch Berichterstattung in der Regionalpresse.
Für die Zukunft ist die Einbettung von Bee-Bots, Calliopes und Co. zudem in neue kooperative Veranstaltungsformate etwa mit Kitas und Schulen geplant.

Auch die Social-Media-Kampagne, das Plakat und die Veranstaltungen stießen auf Interesse und Zustimmung beim Zielpublikum. Die Veranstaltung mit Sascha Ott von den Physikanten war in allen Bibliotheken ein großer Erfolg, die eingeladenen Schulklassen wurden in den Bann gezogen – es kommt schließlich nicht jeden Tag vor, dass in einer Bibliothek z.B. mit Wasser gefüllte Raketen abgefeuert werden! Das Magazin „unserort.de“ berichtete zudem positiv über die Veranstaltung mit den Physikanten in Waldbröl.

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Sascha Ott von den Physikanten befüllt in der Stadtbücherei Wiehl eine Rakete mit Treibstoff! (Bildrechte: Gerlinde Hünninghaus)

Der Workshop zur Programmiersprache Scratch mit dem „Medienwolf“ Heiko Wolf in Bergisch Gladbach und Gummersbach wurde ebenfalls gut von den Teilnehmern zwischen 9 und 13 Jahren aufgenommen – am Ende hatten alle Teilnehmer einfache Spiele erfolgreich in Scratch programmiert. Dass in Gummersbach weitere Programmierworkshops stattfinden sollen, lag nach der positiven Resonanz durch die Teilnehmer auf der Hand.

Abschließend lässt sich das gemeinschaftliche Projekt „Bibliotheken machen MINT“ der acht bergischen Bibliotheken als überaus lohnenswert und gewinnbringend im Hinblick auf die Bereitstellung eines neuen modernen Angebots bewerten.


Stadtbücherei Bergisch Gladbach: Als größte Öffentliche Bibliothek des rechts an Köln grenzenden Rheinisch-Bergischen Kreises hat die Bücherei der Kreisstadt Bergisch Gladbach eine wichtige Bedeutung im Bergischen. Die Bibliothek der ca. 110.000 Einwohner umfassenden Stadt engagierte sich in der jüngeren Vergangenheit federführend bei wichtigen Modernisierungsprojekten wie der Einführung des Onleihe-Verbunds „Bergische Onleihe“. Die im Forum in Bergisch Gladbach gelegene Hauptstelle besitzt 2 Zweigstellen in Bensberg und Paffrath, insgesamt sind auf 1.864 m² Publikumsfläche 17 Personen beschäftigt.

Stadtbücherei Bergneustadt: Die Stadtbücherei der ca. 20.000 Einwohner umfassenden „Feste Neustadt“ des im Regierungsbezirk Köln liegenden Oberbergischen Kreises ist 2016 an einen neuen Standort umgezogen, seitdem residiert die Bibliothek in einem gemeinsamen Gebäude mit der Grundschule Bergneustadt. Die Stadtbücherei Bergneustadt beschäftigt zwei Personen auf 305 m² und engagiert sich stark im Bereich des Lese- und Sprachförderung – zuletzt nahm sie in einem landesgeförderten Pilotprojekt mit dem Namen „Sprachschatz“ im Verbund mit weiteren örtlichen Multiplikatoren teil.

Stadtbücherei Burscheid: Die Bücherei der rheinisch-bergischen Stadt Burscheid (ca. 19.000 Einwohner) liegt zentral im Stadtzentrum und besitzt den Charme eines denkmalgeschützten Fachwerkhauses. Sechs Mitarbeiter betreuen die 650 m² große Bibliothek. Ein Lesecafé lädt zum Verweilen ein, die Bibliothek wird zudem durch Vorlesepaten und einen sehr aktiven Förderverein mit tollen Ideen und Veranstaltungen aktiv unterstützt. Mit Yulia Farbischewski erhielt die Bibliothek im laufenden Projekt eine neue Bibliotheksleitung, während die bisherige Leiterin Barbara Hoevels nach Hürth wechselte.

Kreis- und Stadtbücherei Gummersbach (Projektleitung): Die Kreis- und Stadtbücherei Gummersbach ist die größte Öffentliche Bibliothek des ländlich geprägten Oberbergischen Kreises, in welchem das für den Handball bekannte Gummersbach das regionale Mittelzentrum bildet. Auf eine Fläche von 1.030 m² betreuen neun Mitarbeiter ein Bibliotheksangebot, das in den vergangenen Jahren von stetigem Wandel gezeichnet war. Zuletzt wurde in der Kreis- und Stadtbücherei vor allem das Konzept der „Bibliothek der Dinge“, die Etablierung von vielen neuen Kooperationen sowie neue Veranstaltungsformate wie Bilderbuchkinos oder Sommerleseclub vorangetrieben. Neben der Versorgung der 50.000 Einwohner umfassenden Gummersbacher Bevölkerung steht die Bibliothek als Kreisbücherei den übrigen oberbergischen Bibliotheken als Ansprechpartner zur Verfügung, betreute in dieser Funktion in den vergangenen Jahren federführend viele landesgeförderte Kooperationsprojekte und stellt mit der „Historischen Bibliothek Oberberg“ eine integrierte wissenschaftliche Spezialbibliothek zum Thema „Oberbergische Heimatkunde“ bereit.

Stadtbücherei Radevormwald: Während die restlichen Projektteilnehmer durch ihre räumliche Nähe zum Kölner Einzugsgebiet geprägt sind, liegt das erst 1975 zum Oberbergischen Kreis hinzugekommene Radevormwald in unmittelbarer Nachbarschaft zum bergischen Städtedreieck Wuppertal-Remscheid-Solingen. Die Bücherei der „Stadt auf der Höhe“, einer der ältesten bergischen Orte mit ca. 23.000 Einwohnern, wird auf 528 m² von fünf Mitarbeitern betreut. In der jüngeren Vergangenheit wurde u.a. die Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten intensiviert, zudem wird neuerdings eine eBook-Reader-Sprechstunde angeboten. Genau wie Burscheid erhielt auch die Stadtbücherei Radevormwald im laufenden Projekt mit Sandra Oetelshoven eine neue Bibliotheksleitung, während die bisherige Leiterin Christiane Stein-Hausmann den Ruhestand antrat.

Gemeindebücherei Reichshof: Die ländlich gelegene Gemeinde Reichshof mit ca. 18.000 Einwohnern ist ein Zusammenschluss der früher eigenständigen oberbergischen Gemeinden Denklingen und Eckenhagen. Die im Schulzentrum in Eckenhagen integrierte Gemeindebücherei bietet auf 310 m² ein umfassendes Medienangebot und ist zudem Schulbibliothek. Mit der allein beschäftigten Leiterin Olga Peters ist die Gemeindebücherei eine klassische „One-Person-Library“, welche aber die modernste Bibliotheks-EDV im Oberbergischen besitzt, seit der landesgeförderten Einführung von RFID und der Bibliothekssoftware „LMSCloud“ im Jahr 2018.

Stadtbücherei Waldbröl: Die im Süden des Oberbergischen Kreises liegende Marktstadt Waldbröl verdankt ihren Eigennamen dem regional beliebten „Vieh- und Krammarkt“. Die Stadtbücherei liegt zentral im Bürgerhaus in der Kaiserstraße, einem historischen, typisch bergischen Schieferfachwerk-Gebäude. Auf einer Fläche von 183 m² stellen zwei Mitarbeiter das Angebot für die 20.000 Einwohner umfassende Stadt sicher. Ein besonderer Fokus wird auf die Gestaltung der Kinderbücherei und die zweckgerechte Auswahl von Bilderbüchern gelegt, mit den umliegenden Schulen bestehen zudem umfangreiche Kooperationen. Für Erwachsene bietet die Bibliothek u.a. neue Veranstaltungskonzepte wie „Waldbröl schreibt“. Seit Jahren findet eine enge Zusammenarbeit und Unterstützung mit einem eigenen Förderverein statt.

Stadtbücherei Wiehl: Die im Homburger Ländchen gelegene oberbergische Stadt Wiehl besitzt mit der Stadtbücherei Wiehl ein umfangreiches bibliothekarisches Angebot für eine Bevölkerung von 26.000 Einwohnern. Neben der denkmalgeschützten Hauptstelle in einem Fachwerkshaus im Stadtzentrum umfasst die Bücherei auch zwei Zweigstellen in den Ortsteilen Bielstein und Drabenderhöhe. Auf insgesamt 606 m² betreuen vier Mitarbeiter ein Angebot, welches neben Medien auch im umfangreichen Maße Kooperationen und Veranstaltungen beinhaltet. Dieses trifft in der Bevölkerung auf eine erhebliche Resonanz, so dass viele Veranstaltungen oft restlos ausgebucht sind.

Kontakt

Christian Bürgin
Leiter der Kreis- und Stadtbücherei Gummersbach
Telefon: 02261/23900
E-Mail: buecherei[at]gummersbach.de

 

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Kreativräume – Makerspace und Gaming in der Stadtbücherei Hilden

Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt die Entwicklung Öffentlicher Bibliotheken u.a. durch die finanzielle Förderung von innovativen Projekten. Die Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW stellt in lockerer Reihenfolge interessante Praxisbeispiele aus verschiedenen Förderprogrammen in Form von Gastbeiträgen auf ihrem Blog vor. Der vorliegende Beitrag stellt das Konzept „Kreativräume – Makerspace und Gaming in der Stadtbücherei Hilden“ vor.


Ausgangssituation, Herangehensweise und Vorüberlegungen

Bibliotheken befinden sich derzeit im Wandel. Die Bibliothek als reine Medienausleihstation ist nicht mehr zukunftsrelevant. Die Entwicklung geht zum „dritten Ort“, lebenslanges Lernen wird zukünftig eines der Themen sein, mit denen sich Bibliotheken mittel- und langfristig auseinandersetzen. Die Stadtbücherei Hilden punktet mit der Q-Thek, Angeboten im Gaming-Bereich, breit angelegten Social Media-Aktivitäten, einem aktuellen und attraktiven Medienbestand, vielfältigen Veranstaltungen und Kooperationen. Nicht zuletzt durch die Auszeichnung zur „Bibliothek des Jahres 2016“ hat sie gezeigt, dass sie Herausforderungen annimmt und diese kundenorientiert umsetzt. Deshalb hat das Team im Oktober 2016 begonnen, sich in zwei Arbeitsgruppen intensiver mit den Bereichen „Makerspace“ und „Gaming“ auseinander zu setzten und die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Mittelfristig sollen Menschen die Bibliothek in Hilden als Ort in ihrer Stadt wahrnehmen, wo sie Neuerungen ausprobieren, sich darüber austauschen und vernetzen können. Dies geschieht zum einen durch die Durchführung von Aktionstagen wie „HilGoesCrafting“, bei denen Hildener Bürger mit Hilfe von Workshops und Aktionen neue Themenbereiche erleben können und zum anderen durch fest im Angebot der Bibliothek verankerte Veranstaltungsreihen.

Gaming in vielen Varianten

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Neben Beispielen aus anderen Bibliotheken hat sich die Arbeitsgruppe „Gaming“ auch die bereits bestehenden Spieleangebote der Stadtbücherei Hilden angeschaut. Dazu zählten Gesellschaftsspiele (Spielenachmittage), Rollenspiele (Mitmachkrimi), Computerspiele, Konsolenspiele, Straßenspiele (z.B. Spielmobil), Geocaching, Spiele-Apps, Tiptoi-Spiele und Partyspiele (z.B. Entenangeln). Einige dieser Veranstaltungen fanden monatlich, andere hauptsächlich in den Ferien oder nur einmal im Jahr statt.

In Hilden selbst bieten nur die Evangelische Erwachsenenbildung „EEB“ sowie „Hilden 50+“ regelmäßige Spieletreffs an. Für Kinder steht das „Spielemobil“ zur Verfügung.

Im März 2017 wurden vom Team der Stadtbücherei Hilden bei einer Inhouse-Schulung unterschiedliche Gaming-Konzepte entwickelt. Drei dieser Konzepte sollten in 2018 umgesetzt und, bei guter Auslastung, in den Folgejahren weiterhin angeboten werden:

 

  1. Gaming-Konzept: Abtauchen in neue Rollen

Regelmäßige „Rollenspieltage“, an denen Jugendliche und Erwachsene bekannte und unbekannte Spiele unter Anleitung von Rollenspielleitern ausprobieren und kennenlernen können. Der erste „Rollenspieltag“ hat im Juni 2018 stattgefunden. Die neue Veranstaltungsreihe ist gut angenommen worden und findet nun einmal im Quartal statt. Im Idealfall finden sich so viele Interessierte, dass sich die Stadtbücherei Hilden als eine Art „Treffpunkt“ für Rollenspieler entwickelt und Treffen in regelmäßigen Abständen stattfinden, die nicht unbedingt von der Bibliothek organisiert und betreut werden müssen. Die Bibliothek stellt lediglich die Räumlichkeiten zur Verfügung.

  1. Gaming-Konzept: Spaß mit den Beebots – vielfältig einsetzbare Bienen

In Hilden gibt es „Leihgroßeltern“. Bei den „Leihgroßeltern“ handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt zwischen dem  Stellwerk Hilden – Büro für Familie und Bildung – und dem Ortsverband der Arbeiterwohlfahrt.

Eine neue Veranstaltungsreihe mit den „Bee-Bots“ (Lernroboter für Kindergarten- und Grundschulkinder) sollte speziell auf die „Leihgroßeltern“ und ihre „Enkel“ zugeschnitten werden. Im Januar 2019 waren die „Leihgroßeltern“ einmal in der Bibliothek, um die Angebote kennen zu lernen. Es wurde ein Kamishibai vorgeführt, die Beebots kamen danach zum Einsatz. Es hat sich allerdings herausgestellt, dass eine Veranstaltungsreihe für Leihgroßeltern nicht realisierbar ist.

Seit 2012 bietet die Stadtbücherei Hilden bereits die „Papa-Zeit“ mit Christian Meyn-Schwarze an, die vier Mal im Jahr stattfindet und sehr gut angenommen wird. Im Februar 2019 fand eine „Papa-Zeit“ unter dem Motto „Bienen & Robotik“ statt. Ein Imker war zu Gast, es wurden Kerzen aus Bienenwachsplatten hergestellt und die Beebots kamen zum Einsatz. In Kombination mit Geschichten von Bienen und Robotern eine schöne Veranstaltung, die sicherlich wiederholt werden wird.

Bei der Veranstaltung „Jung trifft Alt“ im August 2018, wo Kinder im Alter von 8-10 Jahren und Senioren zwei Wochen lang gemeinsam an Ferienaktionen teilnahmen und aus diesem Grund die Gaming-Aktionen in der Stadtbücherei Hilden testeten, summten die Roboterbienen auch über die Matten.

Nach Kamishibai-Vorführungen, bei den mehrsprachigen Vorlesestunden, während des Kreativtages und bei der „Nacht der Bibliotheken“ wurden die Beebots eingesetzt. Da die Handhabung leicht ist, kann der Spielspaß sofort losgehen.

  1. Gaming-Konzept: HilgoCraft – Minecraft meets Lego

Unerwartet erfolgreich war das neue Ferien-Veranstaltungsangebot „HilgoCraft – Minecraft meets Lego“. Acht Kinder hatten bereits zwei Mal die Gelegenheit, Dinge aus Lego zu bauen und anschließend in Minecraft umzusetzen. Die Teilnehmer sollen hierbei selbst kreativ werden, die Bibliothek stellte keine Bauanleitungen zur Verfügung. Die Kinder sollten sich selbst Gegenstände oder Figuren ausdenken und gestalten. Mit der anschließenden Umsetzung in Minecraft verknüpften die Kinder die analoge Welt mit der digitalen und förderten so ihr räumliches Denkvermögen. An zwei Tagen wurde gebaut und gestaltet, am dritten Tag wurden die Ergebnisse präsentiert und gemeinsam ein Film geschaut. Die in Lego gebauten Gegenstände wurden anschließend zwei Wochen in der Kinderabteilung ausgestellt. An beiden Ferienterminen (Herbstferien 2018 und Winterferien 2018/2019) waren die Veranstaltungen sofort ausgebucht und werden auf jeden Fall weiterhin angeboten.

Makerspace – Spannendes Neuland

Die Umsetzung eines Makerspace in der Stadtbücherei Hilden soll langfristig in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern aus der Region realisiert werden. Für das Team stand schnell fest, mit einem Kreativtag für die ganze Familie sowohl mit Angeboten im technischen als auch im Do-it-yourself-Bereich (DIY) den Makerspace offiziell zu eröffnen. Im Wechsel mit der „Nacht der Bibliotheken“ findet alle zwei Jahre am ersten Samstag nach Ende der Sommerferien eine „Kindergroßveranstaltung“ statt. In diesen Aktionstag, der sich dieses Mal nicht speziell an Kinder und deren Familien richtete, sollten zudem die neuen Veranstaltungsangebote aus dem Bereich „Gaming“ eingebunden werden.

Die Bausteine zur Umsetzung eines Makerspace

Erster Baustein – Kreativtag „HilGoesCrafting“ am 08.09.2018 mit Gaming-Angeboten

Die Eröffnung des Makerspaces in der Stadtbücherei Hilden wurde mit dem Kreativtag für Gamer und Maker unter dem Motto „HilGoesCrafting“ am 08.09.2018 von 15.00 bis 19.00 Uhr gefeiert und war mit über 250 Besuchern ein voller Erfolg.

Folgende Aktionen und Gegenstände konnten ausproviert werden:

  • Plotten
  • Nähen
  • Kartengestaltung
  • 3D-Druck
  • Makey Makey
  • Musikinstrumenten-Bastelaktion
  • Beebots
  • VR-Brille basteln
  • Gaming-Aktionen (Playstation 4 mit VR-Brille, Nintendo Switch)
  • Buchfaltekunst
  • Ozobots

Der Reparatur-Treff reparierte mitgebrachte Kleingeräte und das Spielmobil sorgte auf dem Nove-Mesto-Platz vor der Bibliothek für Unterhaltung der Kinder und deren Begleitungen. Zudem wurde eine der vier Spiele-Ideen auf dem Nove-Mesto-Platz umgesetzt: „Junge Schachteln & alte Hüpfer – Spielen – damals und heute“.

Landesförderung 2018 in Bearbeitung

79 Teilnehmer bewerteten die Veranstaltung, davon 59 mit sehr gut und 20 mit gut. Die Aktion, die den Besuchern an dem Kreativtag am besten gefallen hat, war der 3D-Drucker. Die zweimeisten Nennungen hatten der Reparatur-Treff, das Nähen, die Ozobots und die Bee-Bots mit jeweils 22 Stimmen, knapp gefolgt vom Buchfalten mit 20 Stimmen.

Der am stärksten nachgefragte Bereich für zukünftige Veranstaltungen war der Handarbeiten/Handwerken-Bereich mit insgesamt 61 Stimmen. Am häufigsten wurden hier der Reparatur-Treff, der 3D-Drucker und das Nähen genannt.

Zweiter Baustein – Die „Spielzeuge“

Die 3D-Drucker

Die 3D-Drucker „Overlord Pro“ und „Fabrikator Mini II“ wurden im Herbst 2018 in Betrieb genommen und sind seitdem viel im Einsatz, z.B. bei dem Kreativtag „HilGoesCrafting“ im September 2018, bei dem „Star Wars Reads Day“ im Oktober 2018 und bei der „Nacht der Bibliotheken“ im März 2019.

Landesförderung 2018 in Bearbeitung

Seit April 2019 findet monatlich eine Schulung statt, bei der Kunden ab 16 Jahren einen „3D-Drucker-Führerschein“ erwerben und den 3D-Drucker anschließend für einen gewissen Stundenumfang während der Öfnungszeiten kostenlos nutzen können. Der „Overlord Pro“ steht zudem seit einigen Monaten in seinem Schrank im Kundenbereich. Wenn für Veranstaltungen z.B. kleine Giveaways ausgedruckt werden, kommen viele Nachfragen, das Interesse ist groß. Zukünftig sind zudem Kooperationen mit der VHS angedacht und es gibt erste Planungen mit den Medienberatern für den Kreis Mettmann, die zwei 3D-Drucker bei Workshops in der Bibliothek für Jugendliche einzusetzen.

 

Nähmaschinen

Dank der Zuwendungen des Landes konnte die Bibliothek sechs Nähmaschinen und eine Overlock-Maschine kaufen. Zu Bedenken sind allerdings die Folgekosten, z.B. für die Wartung der Maschinen und Verbrauchsmaterial, die aus dem eigenen Haushalt gezahlt werden müssen. Schnell war klar, dass die Näh-Aktionen, z.B. bei dem Kreativtag und der „Nacht der Bibliotheken“ zu den absoluten Favoriten der Besucher gehörten. Nähen ist derzeit „IN“, vor allem auch die Auseinandersetzung mit Recycling und Upcycling.

Schwieriger als gedacht war die Suche nach geeigneten Workshop-Leitern. Ein Näh-Workshop im Dezember kam aufgrund weniger Anmeldungen leider nicht zustande. Dies lag eindeutig an der terminlichen Nähe zu Weihnachten. Im April wurde dieser Nähworkshop nachgeholt und war sofort ausgebucht, so wie auch der Workshop, der Anfang Juni stattgefunden hat.

Landesförderung 2018 in Bearbeitung

Die Ergebnisse fleißigen Nähens

Im Juli 2019 wurde im Rahmen des Kulturrucksacks NRW in Hilden ein Musical aufgeführt. Die Kostüme dafür werden in der „Kostümwerkstatt“ in der Stadtbücherei Hilden an fünf Tagen genäht. In Kooperation mit der VHS Hilden-Haan wurden drei Nähworkshops im 2. Halbjahr 2019 angeboten.

Weiterhin wird die Stadtbücherei Hilden auch klassische Näh-Workshops für unterschiedliche Zielgruppen in regelmäßigen Abständen durchführen. Langfristig geplant ist, dass Kunden während der Öffnungszeiten die Nähmaschinen vor Ort nutzen können.

 

Ozobot EVO

Die Ozobots erfreuen sich bei jeder Veranstaltung, bei der sie bisher zum Einsatz kamen, großer Beliebtheit. Am 13.05.2019 wurden die Ozobots Lehrkräften bei einem „Fachtag für Multiplikatoren“ vorgestellt. Daraufhin haben sich vier Grundschulen gemeldet, die inhaltlich eine ähnliche Fortbildung für ihr Lehrerkollegium im Herbst bei uns besuchen möchten, da die Umsetzung des Medienkompetenzrahmens alle Schulen vor große Herausforderungen stellt. Hilfe von Bibliotheken, sei es Know-How oder technische Hilfsmittel, werden von den Schulen sehr gerne angenommen.

Seit Ende Mai 2019 können Lehrer eine Ozobot Box entleihen, um diese im Unterricht einzusetzen. Dafür hat die Stadtbücherei Hilden aus eigenen Mitteln noch weitere Ozobots angeschafft, damit ein Klassensatz (16 Stück) zur Verfügung gestellt werden konnte. In der Box enthalten sind zudem Stifte, Aufkleber, Ladegeräte und Hilfen für die Unterrichtsgestaltung. Weitere Boxen für den Einsatz im Unterricht, z.B. mit „Bloxels“ sind angedacht.

Makey Makey

Genau wie die Ozobots und Beebots wurden die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von Makey Makey bei den unterschiedlichen Großveranstaltungen und bei dem „Fachtag für Multiplikatoren“ vorgeführt. Es wurde Tetris gezockt,  mit Obst Klavier gespielt und vieles mehr. Da sich Makey Makey gut für den Einsatz im Unterricht eignet, u. a. für die Umsetzung des Medienkompetenzrahmens NRW, ist geplant noch weitere Sets zu kaufen und diese in einer Box, ähnlich wie die Ozobots, Schulen zur Ausleihe zur Verfügung zu stellen.

Landesförderung 2018 in Bearbeitung

Plotter „Silhouette Cameo 3“ und Transferpresse

Lange Schlangen bilden sich, sobald bei Veranstaltungen Baumwolltaschen mit Motiven (z.B. das Logo der Bibliothek) beplottet werden können. Viele Besucher haben noch nie einen Plotter gesehen, haben somit keine Idee, was die Einsatzmöglichkeiten betrifft und entgittern interessiert die Folie. Zukünftig sollen mit dem Plotter Workshops für Kunden, ähnlich wie bei den Nähkursen, angeboten werden. Aber auch als zusätzliches Angebot bei den Näh-Workshops hat sich der Plotter bewährt. Alle Kinder, die im Sommer 2019 an dem Musical im Rahmen des Kulturrucksacks NRW teilnehmen, bekommen im Rahmen der Kostümwerkstatt ein T-Shirt mit einem Monster beplottet. Die Plots entgittern müssen die Kinder natürlich selbst.

Landesförderung 2018 in Bearbeitung

Plotter

Dritter Baustein – Das Team: Fortbildungen, Schulungen & Wer macht was?

Mehrere Mitglieder des Teams der Stadtbücherei Hilden erhielten im Sommer 2018 eine Einführung in die Nutzung des Plotters und der Transferpresse inkl. Einrichtung der Software.

An dem Fachtag „Coding und Making als Werkzeuge moderner Jugendarbeit“ der Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW haben zwei Teammitglieder teilgenommen.

Acht Mitglieder des Teams sind am 11. Juni 2018 zum Library Lab der Zentralbibliothek Düsseldorf gereist, um den 3D-Druck-Führerschein auf dem „Overlord Pro“ zu machen.

Im März 2019 haben zwei Mitglieder des Teams an der Schulung „Medienpass NRW – Digitale Angebote in öffentlichen Bibliotheken“ teilgenommen.

Der Vorsatz „Alle im Team sollen alles können“ ist auf Dauer nicht umsetzbar. Wenn sich für jedes „Spielzeug“ mehrere Interessierte im Team finden, die sich in die neue Materie freiwillig einarbeiten möchten, ist dies natürlich von Vorteil. Besonders Großveranstaltungen wie der „Kreativtag“ binden viel Personal. Vor allem, wenn zeitgleich mehrere Workshops angeboten werden und (Nicht)-Kunden neue Themenbereiche kennenlernen und selbst unter Anleitung aktiv werden sollen. Wenn ausreichend Geldmittel vorhanden sind, können externe Referenten eingekauft werden. Dies geht allerdings aus Kostengründen nicht, wenn wiederkehrende Angebote als Veranstaltungsreihe angeboten werden sollen, wie z.B. einmal im Monat Schulungen an dem 3D-Drucker. Eine weitere Möglichkeit ist die Arbeit mit engagierten Ehrenamtlern. Hier muss eine Verbindlichkeit trotz des Ehrenamtes geschaffen und erhalten werden.

 

Vierter Baustein – Ausbau des Buch- und Medienbestandes

Der Buchmarkt wurde in den vergangenen Jahren überschwemmt von ansprechenden DIY-Büchern zu allen erdenklichen Themen. Hier wurde der Bestand der Stadtbücherei Hilden erheblich aktualisiert und aufgestockt. Diese meist sehr attraktiv gestalteten Bücher eigenen sich hervorragend für Ausstellungen und Themensammlungen.

Konsolenspiele werden, auch aufgrund der bereits vorhandenen Veranstaltungsangebote der Bibliothek, gut entliehen, daher ist der Bestand in diesem Bereich ausgebaut worden. Besonders für nachgefragte Konsolen, wie die Playstation 4 und Nintendo Switch sind neue Spiele angeschafft worden.

Fazit

Nach der Ausrichtung des „Kreativtages“, und einer thematisch ähnlich gelagerten „Nacht der Bibliotheken“, die beide als Erfolg gewertet werden können, müssen wir sagen: Die Stadtbücherei Hilden hat 2018 keinen Makerspace im eigentlichen Sinne eröffnet! Erste Schritte in diese Richtung wurden sicherlich getätigt, jedoch finden derzeit eher „Makerspace-Workshops“ statt. Um einen dauerhaften Makerspace aufbauen zu können, müssen folgende Bereiche bearbeitet werden:

Die räumliche Ausstattung der Bibliothek in Hilden ist sehr offen gestaltet. Was auf der einen Seite luftig, transparent und modern wirkt, hat auch Nachteile. Zeitungsleser fühlen sich von Kindergruppen bei Führungen gestört. Kunden, die im Internet-Café arbeiten möchten, finden es nicht toll, ein paar Meter weiter durch eine Gruppe Jugendlicher gestört zu werden, die an einer Konsole spielen möchten. Aus diesem Grund müssen räumliche Veränderungen vorgenommen werden, durch bauliche Maßnahmen. Ziel ist, die unterschiedlichsten Kundenbedürfnisse mittels Zoning „unter einen Hut“ zu bekommen. Dies kostet vor allem Geld und dauert seine Zeit. Hier muss auch die Politik die nötigen Finanzmittel zur Verfügung stellen.

Das Bibliothekswesen befindet sich derzeit wie selten zuvor im Wandel. Neue Aufgaben kommen hinzu, das Team muss hinreichend geschult werden. Und: Alte Tätigkeitsfelder müssen überdacht und ggf. deren Priorität geändert werden, um neuen Aufgaben Platz zu schaffen.

Ganz zu Beginn, als die ersten Treffen der Arbeitsgruppen „Gaming“ und „Making“ stattgefunden haben, wurde geschaut, welche Institutionen, Einrichtungen, Privatpersonen als zukünftige Kooperationspartner im Bereich des Makerspace in Frage kommen. Die dabei entstandene Liste hatte 25 Positionen. 25 potentielle Kooperationspartner. Zusammengearbeitet haben wir in den vergangenen 1,5 Jahren mit sehr wenigen dieser potentiellen Kooperationspartner. Nicht alle haben Interesse an einer Zusammenarbeit, oder keine Zeit. Die Gründe sind vielfältig. Netzwerken muss gelernt sein! Der Aufbau eines Netzwerks von Interessierten, Gamern, Makern und Nerds ist ein langwieriger Prozess, der in einer Mittelstadt sicherlich schwieriger zu bewerkstelligen ist als in einer Großstadt.

Die Beschäftigung mit den Themenfeldern Gaming und Making hat das Team einen großen Schritt in Richtung „Zukunft von Bibliotheken“ gebracht. Es wurde vielfach über den Tellerrand geschaut, Neues wurde ausprobiert und das meiste davon hält mit Sicherheit dauerhaft Einzug in unser Veranstaltungsprogramm.

Die personellen, finanziellen und räumliche Gegebenheiten müssen vorhanden sein. Das Interesse seitens der Bevölkerung ist da und zeigt, dass die Bibliothek bereits jetzt schon nicht mehr als reine Medienausleihstation gesehen wird, sondern auch als „Dritter Ort“, als Begegnungsstädte mitten in der Stadt, wo man Lernen, aber auch seine Freizeit gestalten kann.

Text: Nadine Reinhold (Dipl.-Bibl.)


Die Stadtbücherei Hilden stellt sich vor

Die mittlere kreisangehörige Stadt Hilden liegt zwischen den Großstädten Düsseldorf, Wuppertal und Solingen im Kreis Mettmann.  Sie hat etwa 58.000 Einwohner. Im Jahr 2016 wurde die Stadtbücherei zur Bibliothek des Jahres gewählt. Das Team besteht aus rund 11 VZÄ auf 18 Personen.

Kontakt

Silke Liesenkloß
Stadtbücherei Hilden
Nove-Mesto-Platz 3
40721 Hilden
silke.liesenkloss [at] hilden.de

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Die Stadtbibliothek Langenfeld auf dem Weg zum „Dritten Ort“

Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt die Entwicklung Öffentlicher Bibliotheken u. a. durch die finanzielle Förderung von innovativen Projekten. Die Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW stellt in lockerer Reihenfolge interessante Praxisbeispiele aus verschiedenen Förderprogrammen in Form von Gastbeiträgen auf ihrem Blog vor. Der vorliegende Beitrag stellt den Innovationsprozess mittels Design Thinking vor, der in der Stadtbibliothek Langenfeld stattgefunden hat.

 

Seit 2018 befindet sich die Stadtbibliothek in der Umplanung. Um eine Ort des Austauschs, der Unterhaltung, der Orientierung und des Wissens zu werden, müssen räumlichen Bedingungen, das Medienangebot, das Veranstaltungsangebot und die Arbeitsabläufe des Personals an die Anforderungen eines „dritten Orts“ angepasst werden.

Die Idee einen „dritten Ort“ – ein öffentliches Wohn- und Arbeitszimmer für die Bewohner der Kommune – zu schaffen, macht es zwingend erforderlich, sich mit den Bedürfnissen der Menschen zu beschäftigen, die diesen öffentlichen Raum benutzen, bespielen und besetzen sollen. Zur Ermittlung dieser Bedürfnisse wurde die Methode des Design Thinkings gewählt.

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Design Thinking

Im Januar 2018 wurde das gesamte Team der Stadtbibliothek in einem Seminar für zwei Tage in der Methode „Design Thinking“ geschult. Es war und ist wichtig, in dem Veränderungsprozess alle Mitarbeiter einzubinden, da dieser auch Auswirkungen auf Arbeitsinhalte und Abläufe haben wird.

Design Thinking ist eine Methode für kundenzentriertes Design. Das bedeutet, alle Überlegungen werden vom Kunden aus und mit dem Kunden zusammen durchgeführt, um deren Bedürfnisse zu erfassen und daraus ableitend, Ideen für die Konzeption zu entwickeln. Die Referentin Julia Bergmann coachte begleitete den gesamten Prozess.

Das Team entschied sich, zuerst zwei Benutzergruppen in den Fokus zu nehmen, für die die Bibliothek noch nicht genügend Angebote macht (Jugendliche) oder die erkennbar noch erhebliches Potential haben (aktive Senioren). Durch Interviews, Beobachtungen und Expertengesprächen wurden im Frühjahr 2018 versucht, die besonderen Bedürfnisse dieser Benutzer zu ermitteln. In einem anderen Zusammenhang war die Bibliothek Teil eines Design Thinking Prozess, der die Zusammenarbeit der Bibliotheken mit Schulen und hier besonders die Bedürfnisse der Schulen zur Unterstützung bei der Umsetzung des Medienkompetenzrahmens in der Sekundarstufe I betrachtete.

Im Verlauf des Jahres 2019 wurden weitere Design-Thinking Prozesse durchgeführt. Die zu untersuchenden Benutzergruppen waren die „Lernenden“ und die Berufstätigen“. Bei den Lernenden ging es in erster Linie um das Lernen in Gruppen.

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Vorüberlegungen: Zielgruppen der Stadtbibliothek

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Vorüberlegungen: Charaktetristika und Angebote der Stadtbibliothek

 

Design Thinking für die Zielgruppe Jugendliche

Diese Zielgruppe wurde ausgewählt, weil es für diesen Bereich kein Konzept gibt. In die Zielgruppe der Jugendlichen fallen Menschen, die zwischen elf und fünfzehn Jahren alt sind.
Es wurden Interviews geführt, Experten befragt und Beobachtungen gemacht. Daraus ergaben sich nachfolgende Bedürfnisse.

Erkenntnisse

Die Jugendlichen haben ein Bedürfnis nach unverplanter Freizeit als Verschnaufpause vom normalen Alltag, die sie gerne mit Freunden (ev. am Wochenende) an einem attraktiven öffentlichen Raum erleben wollen.

Die Jugendlichen sind auf der Suche nach nicht verpflichtenden, freiwilligen Angeboten, die spaßbetont und kreativ sind und in denen sie ihre Hauptinteressen Musik und analoges und digitales Spiel vertreten sehen. Selbst kreativ sein, seine Werke präsentieren zu können und Feedback zu erhalten, ist für einige auch wichtig.

Die Jugendlichen haben das Bedürfnis, sich einzubringen und mit zu entscheiden. Themen, die sie motivieren könnten, sind Zukunftsthemen, wie Umwelt und Natur. Zusammen mit Freunden möchten sie besondere Freizeiterlebnisse haben.

Jugendliche haben das Bedürfnis nach Bewegung. Das Gemeinschaftserlebnis mit Freunden ist enorm wichtig. Das Bedürfnis, sich in der Natur aufzuhalten und der Umgang mit (gut behandelten) Tieren ist für einige Jugendlichen zentrales Thema.

Jugendliche haben ein Bedürfnis nach attraktiven öffentlichen Räumen, die hell und gemütlich sind. Wichtig sind ihnen gemütliche Sitzgelegenheiten und die Möglichkeit, sich in einen Bereich zurückzuziehen, wo sie niemand stört.

Die Arbeitsgruppe stellte sich folgende zentrale Frage:
„Wie können wir einen attraktiven, hellen, bunten und naturnahen Raum für Jugendliche gestalten?“

Der Bereich für die Jugendlichen soll deutlich als eigener Bereich kenntlich sein. Gute Belüftung, angenehme Temperatur und flexibel einstellbare Beleuchtung ist wichtig. Warme Farben, viel Stoff und unterschiedliche Sitze/Sessel sollen den Raum gemütlich machen. Der gesamte Bereich sollte so flexibel wie möglich möbliert werden, um den verschiedenen Bedürfnissen der Jugendlichen entgegenzukommen. Wichtig sind nachhaltig hergestellte helle Möbel aus Naturmaterialien mit bunten Kissen. Der Raum sollte ein Rückzugsort sein. Gleichzeitig soll er den Zugang zu digitaler Technik bieten z. B. Lademöglichkeit für das Smartphone. Hörstation und Gaming-Station sind wichtig, um Musik und Spiel gemeinsam erleben zu können. Dem Bedürfnis der Jugendlichen nach Kreativität dient eine digitale Graffiti-Wand. Mit Hilfe von VR-Brillen können die Besucher u.a. virtuell reisen.

 

Design Thinking für die Zielgruppe der aktiven Senioren

Die Gruppe der aktiven Senioren wurde ausgewählt, da hier die Mitarbeiterinnen der Bibliothek ein großes Potential vermuteten.

Erkenntnisse

• Senioren haben ein starkes Bedürfnis nach Gesellschaft, weil sie eine große Angst vor Einsamkeit haben.
• Kommunikation und Austausch spielen eine wichtige Rolle. Dabei bevorzugen die Senioren „Face to Face“ Kommunikation, auch wenn sie die digitale Variante nutzen.
• Senioren lieben das direkte Gespräch, haben aber Probleme mit störenden Umgebungsgeräuschen (z.B. Stühle rücken, Laute Nebengeräusche, Hintergrundmusik).
• Senioren haben ein starkes Bedürfnis, mobil zu bleiben, um weiter am Gesellschaftsleben teilnehmen zu können. Sie lieben lebendige Orte, solange das „Gewusel“ nicht direkt um sie herum ist.
• Senioren haben das starke Bedürfnis „up to Date“ zu bleiben (auch durch Nutzung digitaler Medien), aber sie machen sich ungern mit der Technik vertraut und möchten individuelle Hilfe in moderner Kommunikationstechnik.
• Ein gemütlicher Ort für Senioren bedenkt das leibliche Wohl, ist hell und hat altersgerechte, bequeme Sitzmöbel.

Es ergaben sich Präferenzen für Veranstaltungen sowohl was den Inhalt als auch die Form angeht. Die Erkenntnisse fließen in die Raumplanung, in die Möblierung und Akustikplanung ein. Die Aktivitäten der Bibliothek werden entsprechend der Prioritäten der Senioren ausgerichtet, ebenso die Informationswege. Für die Veranstaltungen werden die räumlichen und technischen Voraussetzungen geschaffen. Ebenso wird von Seiten der Bibliotheksmitarbeiter das Bedürfnis dieser Benutzergruppe nach bestimmten Zeiten für die Aktivitäten, nach bestimmten Inhalten (Aktivitäten und Bestand) und nach mehr Kommunikation im täglichen Umgang Berücksichtigung finden.

 

Design Thinking für die Zielgruppe der Schulen

Im Rahmen eines Design Thinking Prozesses wurde auch nach den Bedürfnissen der Schulen und Lehrer geforscht. Der Schwerpunkt lag hier auf den Grundschule und der Sek 1. Hierbei wurde deutlich, dass die Lehrkräfte im Bereich der digitalen Kompetenz den Bedarf an Unterstützung haben.

Erkenntnisse

Lehrkräfte haben das
• Bedürfnis nach Kenntnis der geforderten Inhalte
• Bedürfnis nach Ideen zur Umsetzung
• Bedürfnis als Lehrer technisch kompetent zu sein
• Bedürfnis gewohnte Methoden und Arbeitsmittel einzusetzen
• Bedürfnis nach einem Mehrwert bei der Einbeziehung externer Partner

Die Stadtbibliothek wird zusammen mit den Schulen Angebote entwickeln, die dies unterstützen. In ihren Räumen wird die Bibliothek alters- und geschlechtsspezifische Veranstaltungsformate entwickeln, die die Kompetenz im Bereich des Digitalen befördern. Dazu werden in der Bibliothek räumliche und technische Möglichkeiten geschaffen, individuell oder in Gruppen, Dinge auszuprobieren. Die Bibliothek strebt eine Vernetzung mit Gruppen und Personen an, die im Bereich digitaler Angebote unterwegs sind.
Die Stadtbibliothek unterstützt Schulen bei der Umsetzung des Medienpasses.

 

Design Thinking für die Zielgruppe der Berfustätigen

Es ging hier in erster Linie um das Freizeitverhalten der Berufstätigen. Eine erste Frage war:
„Was veranlasst / motiviert Sie, neben Ihrer Berufstätigkeit aktiv zu werden / etwas zu unternehmen / sich für etwas zu interessieren?“

Es wurden Fragen nach dem Tagesablauf, nach dem Wert von Freizeit, nach der idealen Freizeitgestaltung, nach den Hindernissen etc. gestellt. Wie könnten wir den Berufstätigen die Bibliothek als attraktiven Aufenthalts- und Veranstaltungsort zugänglich machen?

Erkenntnisse

• Berufstätige schätzen Veranstaltungsorte, die unkompliziert zu erreichen sind.
• Berufstätige wünschen sich Veranstaltungen, die nicht überfüllt sind.
• Berufstätige setzen eindeutige Prioritäten und gehen ihren Leidenschaften nach, trotz eventueller Hindernisse
• Berufstätige ordnen ihr Arbeitszeiten und ihre Freizeit nach klaren Prioritäten. Familie steht dabei klar an erster Stelle, gefolgt von eigenen Leidenschaften. Andere Aktivitäten sind nachgeordnet.
• Anmeldung und Buchung für Veranstaltungen sollte unkompliziert, auch kurzfristig und ortsunabhängig möglich sein.
• Berufstätige genießen in ihrer Freizeit Aktivitäten in gewachsenen, vertrauten Gruppen.
• Berufstätige suchen in ihrer Freizeit einen Ausgleich zur beruflichen Tätigkeit.
• Die Freizeittrends der Berufstätigen sind Sport, Musik und Natur, wobei Reisen die Lieblingstätigkeit für lange Freizeiten sind.
• Berufstätige haben ein Gefühl des Mangels an unverplanter Zeit.
• Berufstätige wünschen sich Planbarkeit in ihrer Freizeit, aber Flexibilität in der Verbindlichkeit.
• Berufstätige (Väter) nutzen die Zeit nach der Arbeit für einen Bibliotheksbesuch mit Kindern.

Die Bibliothek wird den Berufstätigen Veranstaltungsangebote machen, die offene/unverbindliche Formate und spezielle Väter/Kinder-Formate enthält. Die Anschaffung einer Buchungs-App ist vorgesehen. Open Library ist für diese Benutzergruppe eine große Option.

 

Design Thinking für die Zielgruppe der Gruppenlernenden

Eine weitere Benutzergruppe des zweiten DesignThinking-Prozesses waren die „Lernenden“, insbesondere kommunikativen Lerngruppen. Durch die Methodik der Befragung, als auch durch die Beobachtung wurden die Bedürfnisse ermittelt.

Erkenntnisse

• Kommunikative Lernende brauchen große Tische um Ihre Materialien ausbreiten zu können, aber dennoch eine kommunikative Nähe.
• Gruppenlernende brauchen eine gute technische Grundausstattung (W-Lan, Steckdosen, [Farb-] Drucker).
• Gruppenlernende wünschen sich Getränke und Snacks.
• Gruppenlernende schätzen Ordnung und Struktur des Raumes.
• Lernende wünschen sich einen ablenkungsarmen Ort, der die Konzentration weder durch Bewegung noch durch Handynutzung stört.
• Gruppenlernende suchen den Austausch und Hilfestellungen in Lerngruppen, bereiten diese aber in Einzelarbeit vor.
• Gruppenlernende schätzen helle Arbeitsplätze mit frischer Luft und einen Blick nach draußen.
• Gruppenlernende haben eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 2-3 Stunden, wobei Sie den späten Nachmittag und Wochentage bevorzugen.
• Effizienz und Konzentration der Lerngruppe lässt bei mehr als 4 Personen signifikant nach.
• Lernen im privaten Umfeld lenkt ab. Daher schätzen Gruppenlernende das neutrale Umfeld der Bibliothek.
• Gruppenlernende organisieren sich oft spontan über WhatsApp und persönliche Verabredungen.
• Um persönliche Lernziele zu erreichen, schätzen Oberstufenschüler*innen, die in Gruppen lernen, die Zusammenarbeit mit Personen mit gleichem Lerntempo und –niveau. Dabei agieren Sie sehr zielstrebig, fokussiert und organisiert.
• Gruppenlernende brauchen flexible Lernzeiten

Anhand dieser Erkenntnisse wurde mit einer Lernetage experimentiert. Hierfür wurden Standorte von Beständen verändert und dichter zusammengestellt, Regale abgebaut und mehrere Gruppenarbeitsplätze eingerichtet. Des Weiteren wurden den Lernenden Material wie Ohrstöpsel, Schere, Stifte, Lineal etc. und ein Farbdrucker bereitgestellt. Die hohe Frequentierung an allen Öffnungstagen, zeigt uns, dass die die Bedürfnisse der Lernenden getroffen wurden. Die Plätze auf der Lernetage reichten bei weitem nicht aus. Bei der Planung der neuen Bibliothek werden die aus dem Experiment gewonnen Erkenntnisse eingebracht. Die Art und Position der Arbeitstische wird den Bedürfnissen der Gruppenlernenden entsprechen. In den Lernbereichen werden zielgruppengerechte Medien präsentiert.

Fazit

Die Methode des Design-Thinkings ist hervorragend geeignet, Veränderungsprozesse mit dem Team gemeinsam zu gestalten. Die einzelnen Elemente, wie Befragung, Beobachtung, Prototypenbau etc., zwingen zu einem sehr direkten Kontakt mit den Probanden. Durch die Fokussierung auf die Sicht der Probanden haben sich Erkenntnisse ergeben, die direkte Auswirkung auf die Raumplanung, die Möblierung, die technische Ausstattung, die Medienpräsentation und die Veranstaltungsarbeit in der neuen Bibliothek haben werden.

 


Kontakt

Weitere Informationen auf der Website der Stadtbibliothek oder auf der Facebook-Seite der Stadtbibliothek.

Ansprechpartner

Martina Seuser und Marcel Testroet
Stadtbibliothek Langenfeld
Hauptstraße 131
40764 Langenfeld (Rheinland)
E-Mail: martina.seuser[at]langenfeld.de ; marcel.testroet [at]langenfeld.de

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Die neu gestaltete Kinderbibliothek (KiBi) in der Stadtbibliothek Aachen

 Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt die Entwicklung Öffentlicher Bibliotheken u.a. durch die finanzielle Förderung von innovativen Projekten. Die Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW stellt in lockerer Reihenfolge interessante Praxisbeispiele aus verschiedenen Förderprogrammen in Form von Gastbeiträgen auf ihrem Blog vor. Der vorliegende Beitrag stellt die Neugestaltung der Kinderbibliothek in der Stadtbibliothek Aachen vor.

Nachdem für die Jugendlichen 2018 mit der youthfactory in der Stadtbibliothek Aachen ein eigener Ort geschaffen wurde, blieb der Raum für die Kinder (bis 12 Jahre) mit einigen Lücken zurück. Die KiBi musste neu aufgestellt werden, um veränderten Anforderungen in den verschiedensten Bereichen gerecht zu werden und für die Zukunft gut aufgestellt zu sein.

Allgemeine Rahmenbedingungen

Das Aachener Bibliothekssystem umfasst neben einer Zentralbibliothek – bestehend aus Erwachsenenbibliothek, Musikbibliothek, Kinder- und Jugendbibliothek – weiterhin den Bücherbus FABIAN, zwei Stadtteilbibliotheken und vier Nebenstellen. Das bibliothekarische Programm der Bibliothek spricht  grundsätzlich Bürgerinnen und Bürger jeden Alters, aller sozialen Schichten und aller Bildungsgrade an.

AachenNach einer langjährigen stabilen Aufwärtsentwicklung sah sich die Stadtbibliothek Aachen mit zurückgehenden Ausleihen in ihren Einrichtungen konfrontiert. Dieser Trend konnte trotz aller bisher unternommenen Schritte zwar eindeutig verlangsamt, aber nicht umgekehrt werden. Dringend galt es daher, noch umfassendere Maßnahmen zu ergreifen, um die verlorenen Leser zurückzuholen, das vorhandene Leserpotenzial zu binden und verstärkt neue Kunden zu gewinnen
die Bibliothek hat den zuständigen Kulturausschuss detailliert über diese Lage informiert und einen umfangreichen Maßnahmenkatalog vorgestellt.

Eine dieser Maßnahmen betraf die Trennung von Kinder- und Jugendbibliothek:
Der Publikumsbereich der Stadtbibliothek Aachen zieht sich über 4 Etagen mit etwa 4100 Quadratmetern. Im Erdgeschoss befand sich die räumlich kombinierte Kinder- und Jugendbibliothek, aus der der Bereich für Jugendliche in einen eigenen räumlich getrennten Bereich – die youthfactory – 2018 umzog.

Zurück blieb eine „gerupfte“ Kinderbibliothek mit einigen Lücken.

Planung

Die Planungen für die KiBi begannen mit verschiedenen Dienstreisen und privaten Besichtigungen.

Dabei war zu bedenken: Die KiBi musste Platz abgeben, den sie an anderer Stelle mit der neuen youthfactory bereits dazu bekommen hatte und für Veranstaltungen einen Platz finden, da diese aus dem im Haus vorhandenen „Veranstaltungspavillon“ ausziehen sollten. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, denn der schönste Bereich der KiBi, die Bilderbuchecke, bot sich zwar gemäß der Zielgruppe an, war aber aufgrund der großen Fenster mit Blick in den Lesegarten und der direkten Nähe zur Verbuchungstheke weder zu verdunkeln, noch ausreichend lärmschutzmäßig zu dämmen, um den kleinen, sehr beliebten Formaten wie Bilderbuchkinos ein ruhiges gemütliches Umfeld zu bieten.

Da die Sachbücher ohnehin umziehen mussten, wurde über ein Lerncenter nachgedacht, dass sich dann aber um die bereits vorhandenen PC-Arbeitsplätze gruppieren sollte. Der Zeitschriftenschrank war zu klobig, zu schäbig und eine attraktivere Präsentation der Zeitschriftenhefte war wünschenswert. Die Möblierung der Bilderbuchecke wies aufgrund der intensiven Nutzung nicht unerhebliche Gebrauchsspuren auf und besondere Formate wie Tiptoi brauchten eine eigene Präsentation.
Bei allen Überlegungen spielte auch der Lärmschutz aufgrund der unmittelbaren Nähe der KiBi zum Erwachsenenbereich eine Rolle.

Für die zahlreichen Kitas, mit denen die KiBi gut zusammenarbeitet, sollte eine Alternative zu den Themen-Medienboxen gefunden werden, für deren Abtransport in der Regel ein Auto nötig ist, was den Erzieherinnen nicht immer zur Verfügung steht.
Und da die „Großen“ in der youthfactory eine PS 4 zum Spielen zur Verfügung haben, sollte auch für die „Kleinen“ ein Angebot gemacht werden. Viele Fragen und Ideen – was jetzt noch fehlte, waren die nötigen Mittel.

Im November 2017 stellte die Stadtbibliothek Aachen einen Antrag auf Förderung bei der Bezirksregierung Düsseldorf und bekam ein positives Signal.

Im November 2017 stellte die Stadtbibliothek Aachen einen Antrag auf Förderung bei der Bezirksregierung Düsseldorf und bekam ein positives Signal.

Umsetzung

Der Zuwendungsbescheid kam Anfang Mai 2018 und die Arbeit begann.

Alle MitarbeiterInnen des Hauses wurden informiert und auf dem Laufenden gehalten durch die Vorstellung auf einer Dienstbesprechung und unzähligen e-mails. Viele waren auf ganz unterschiedliche Weise bei kleinen und großen Problemen und Arbeitsabläufen mit eingebunden.

AachenDie Kinder und ihre Begleitpersonen wurden nach und nach informiert über Beschilderungen und die Beratungsplätze vor Ort (Wo sind denn jetzt die Bücher
ab 10?…), denn über die Hälfte der Kinderbibliothek musste im laufenden Betrieb komplett umgeräumt werden.

Hinter den Kulissen wurden die Ausschreibungen vorbereitet und das Gebäudemanagement mit einbezogen. Nach verschiedenen Besprechungen, Sichtung von Katalogen und Diskussionen stand die Richtung fest:

  • Der Veranstaltungsbereich wurde in einem ruhigeren hinteren Bereich eingerichtet, mit einem hohen Regal zum Erwachsenenbereich abgetrennt und mit einer Bereichsinzenierung dekoriert.
  • Der gute alte Diaprojektor hat ausgedient und die Bilderbuchkinos werden mit moderner Technik vorgeführt.
  • Dabei erfüllte sich der zweite große Wunsch der Servicebereichsleiterin  – ein Podest.
  • Das Lerncenter wurde mit kleinen flexiblen Arbeitstischen ausgestattet, die sich leicht zu größeren Einheiten zusammen „rollen“ lassen.
  • Die Zeitschriftenhefte fanden ihren Platz mitten im Bereich der Erzählungen, wo sie erstaunlicherweise besser gesehen und gerne mitgenommen werden.
  • Für die Bilderbuchecke wurden neue Möbel angeschafft – bequeme Sitzbänke für die Erwachsenen, kleine Stühle für die Kinder, eine Bank rund um den vorhandenen Holzbaum, Bilderbuchregale für die Präsentation von Tiptoi-Büchern und eine Willkommensecke mit fremdsprachigen Bilderbüchern.Aachen
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  • Dringend benötigter Stauraum für Veranstaltungsmedien, Führungskisten und Pflege für die Kleinsten (Windeln, Feuchttücher, Tempos …) wurde im Veranstaltungsbereich und im Wickelraum geschaffen.
  • Der Medienbestand wurde überarbeitet und die Kinder freuten sich über viele Neuanschaffungen.
  • Mit einer Nintendo Switch können die Kinder jetzt in der KiBi spielen.
  • Eine Rucksackbibliothek wurde eingerichtet, sodass die Erzieherinnen Medien zu einzelnen Themen rückenfreundlich transportieren können.

 

Im September waren die Arbeiten der Mitarbeiterinnen der Abteilung so  abgeschlossen, dass die Handwerker Einzug halten konnten,  – da verunglückte der zuständige Architekt und musste innerhalb kürzester Zeit vertreten werden. Zum Glück wurde der Bitte um Verlängerung seitens der Bezirksregierung stattgegeben und der vertretende Architekt konnte das Projekt übernehmen und zu Ende bringen.

Die Eröffnungsfeier wurde vorbereitet und die Marketingabteilung lief zu Hochtouren auf. In einem lokalen Familienmagazin (KingKalli) und einem Monatsmagazin (Bad Aachen) erschien zunächst ein Presseartikel mit Foto. In Bad Aachen wurde eine Anzeige geschaltet.

Eröffnung

Zur offiziellen Eröffnung am 07.02.2019 erschien die lokale Presse, Radio (WDR, Antenne AC) und das WDR-Fernsehen, um zusammen mit der Kulturdezernentin Frau Schwier die neue gestaltete KiBi in Augenschein zu nehmen und sich zu freuen.

Mit dem Illustrator Silvio Neuendorf (Käpt’n Sharky), einer Candybar, Bastelaktionen und einem Glücksrad wurde mit vielen jungen Gästen gefeiert.

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Fazit

Am Ende eines langen Wegs steht neben einer sehr erfolgreichen youthfactory eine rundum erneuerte schöne KiBi  in der Stadtbibliothek Aachen.

Aachen extraViel Arbeit neben den weiterlaufenden Aufgaben und Routinetätigkeiten, die in einer erfolgreichen Kinder- und Jugendbibliothek so anfallen – ohne zusätzliches Personal und mit allen kleineren und größeren Problemen und Katastrophen, die sich durch ein Arbeitsjahr ziehen – und vor allem mit furchtlosen, kreativen, fleißigen MitarbeiterInnen, die ihre Zielgruppe lieben.

Bleibt zu wünschen, dass sich die kleinen und großen Gäste auch in den nächsten Jahren wohlfühlen in ihrer KiBi und ihrer youthfactory.

Doch zunächst: Herzlichen Glückwunsch – KiBi !

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Die Stadtbibliothek Aachen stellt sich vor:

Aachen ist eine Großstadt direkt an der Grenze zu Belgien und den Niederlanden. Mit knapp 250.000 Einwohnern ist Aachen eine der größten Städte im Regierungsbezirk Köln. Die Stadtbibliothek hat zwei Zweigstellen und vier Nebenstellen. Die Zentralbibliothek liegt zentral in der Stadt. Darüber hinaus unterhält die Stadtbibliothek einen Bücherbus mit 20 Haltestelle innerhalb der Stadt. Durch vergangene Projekte entwickelte sich die Stadtbibliothek in den letzten Jahren mehr und mehr zu einem Aufenthaltsort für die Nutzer der Stadt Aachen. Durch Kooperationen wie dem Kulturbus der Stadt Aachen und anderen ist ein abwechslungsreiches Veranstaltungsangebot entstanden. Neben Kinderveranstaltungen gibt es historisch – Informative Veranstaltungen, Führungen, Kreativworkshops und eine regelmäßige Besprechung des Buchkritikers Denis Schenk zu den neusten Veröffentlichungen der letzten Monate..

Ansprechpartnerin:

Birgit Schebben
Stadtbibliothek Aachen

Tel.: 0241/432 38904
Fax: 0241/432 38697
birgit.schebben[at]mail.aachen.de

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„Digital Kids“ in der Stadtbibliothek Paderborn

Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt die Entwicklung Öffentlicher Bibliotheken u. a. durch die finanzielle Förderung von innovativen Projekten. Die Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW stellt in lockerer Reihenfolge interessante Praxisbeispiele aus verschiedenen Förderprogrammen in Form von Gastbeiträgen auf ihrem Blog vor. Der vorliegende Beitrag stellt das neue Angebot „Deine Inspiration“ in der Stadtbibliothek Paderborn vor.

Ausgangssituation

Die Stadtbibliothek Paderborn hat seit 2014 ihr Bibliothekskonzept umgestellt auf das dänische „4-Räume-Modell“. Die Stadtbibliothek hat daraus 3 Räume übernommen: Lernraum, Treffpunkt und Inspiration.
2014 hat die Stadtbibliothek als Erstes den Lernraum Bibliothek umgesetzt. Das Projekt war richtungsweisend für die weitere Entwicklung der Bibliothek. Mit einer Veranstaltungsreihe zum Thema „Treffpunkt Bibliothek“ und „Lernraum Bibliothek“ haben die Paderborner Kunden die neuen Angebote der Bibliothek sehr gut angenommen.

Seit mehr als 10 Jahren bietet die Stadtbibliothek Paderborn in der Kinder- und Computerbibliothek ein Experimentarium an. Im Experimentarium werden Kindern spielerisch naturwissenschaftliche Vorgänge vermittelt. Das Projekt „Digital Kids“ soll daran anknüpfend Kindern über Spielen, Tüfteln und vor allem Spaß ein Verständnis für die digitale Welt der Zukunft vermitteln.

Planung

Auch in der Stadtbibliothek Paderborn ist die Digitalisierung sowohl in internen Arbeitsabläufen als auch im Angebot für unsere Nutzer unabhängig vom Alter mittlerweile Alltag.

Doch ist der frühe Umgang mit digitalen Medien schädlich für Kinder? Oder eröffnet er neue Chancen im Bildungsbereich? Oder sollte gar das Prinzip gelten: Je früher, desto besser, um in der Zukunft bestehen zu können? Eins war für uns entscheidend: Wichtig bei der frühzeitigen Mediennutzung ist, dass Erwachsene die ersten Erfahrungen im Umgang mit Medien stets begleiten.

Aus diesen Überlegungen entwickelten wir das Konzept für unser Projekt “Digital Kids”.

Kindergartenkinder und Schüler der ersten und zweiten Klasse sollen spielerisch das Konzept des Codings erlernen: mit einfachen programmierbaren Robotern, wie BeeBots und Dash. Für die gleiche Zielgruppe werden analoge und digitale Medien verbunden über Angebote wie Bilderbuchapps auf Tablets, Tonie-Boxen und Tiptoi-Stiften. Der Medienbestand soll durch spezifische Kindermedien und Programmieranleitungen für Kids ergänzt und das Projekt zusätzlich durch verschiedene Veranstaltungen erweitert.

Realisierung des ProjektesLandesförderung 2018 in Bearbeitung

Zum Projektbeginn starteten wir mit der Anschaffung von Medien und den technischen Geräten. Dazu gehörten Roboter wie Dash, Dot, Cubetto und Beebot, interaktive Medienpakete wie Tiptoi, Bookii, Tonie-Boxen und Tonie-Figuren und Programmier-Lern-Hilfen wie Calliope Mini und MakeyMakey. Außerdem gab es neue Tablets mit Lern-Apps und dazu passenden Büchern. Die ersten praktischen Erfahrungen mit diesen neuen Dingen war für uns spannend, unterhaltsam und lehrreich.

Während dieser Phase des Kennenlernens entwickelten wir weitere Ideen zur Umsetzung im Alltag –Landesförderung 2018 in Bearbeitung zum Beispiel die Erweiterung von thematischen Teppichen für die Beebots.

Im zweiten Schritt wurde verschiedensten Zielgruppen in drei Workshops die Möglichkeit gegeben, das neue Angebot kennenzulernen und auszuprobieren.
Dazu wurde ein externes Expertenteam engagiert, die mit einem didaktisch ausgearbeitetem Konzept spannende und lehrreiche Nachmittage für Erzieherinnen, Lehrerinnen und Eltern mit Kindern durchführten. Alle hatten viel Spaß und hätten Cubetto und Beebot gerne sofort mit nach Hause genommen.

Der dritte und letzte Schritt war die praktische Umsetzung im Bibliotheksalltag. Kaum waren Tonieboxen, Beebots und Co. im Regal, waren sie auch schon weg.

Die Resonanz war überwältigend. Es mussten noch mehr Tonieboxen und Beebots nachgekauft werden. Die Umsetzung des regelmäßigen Veranstaltungsangebotes musste schnell realisiert werden. Seit dem wandern mit unserem Bibliotheksmaskottchen Mampfred nun Beebots und Bilderbuchapps in die Kooperations-Kitas. Mit dem #DigitalDienstag wurde ein wöchentliches Angebot für alle Interessierten ins Leben gerufen, bei dem immer wieder wechselnde Angebote von den Kindern entdeckt und genutzt werden können.Landesförderung 2018 in Bearbeitung

Fazit

In der bisherigen Reflexion ist das Projekt “DigitalKids” ein voller Erfolg. Das anhaltende Interesse, sowohl an den Medien als auch den Veranstaltungen, bestärkt dies. Wir sind davon überzeugt, dass das Thema Digitalisierung schon für Kinder ab 4 Jahren mit attraktiven und altersgemäßen Angeboten und einer pädagogischen, spielerischen Anleitung sinnvoll ist.

Spaß bringt es für Kinder, Erwachsene und Bibliotheksmitarbeiter.


Die Stadtbibliothek Paderborn stellt sich vor:

Paderborn liegt nicht nur geografisch in der Mitte des Paderborner Landes, die mehr als 150.000 Einwohner zählende Universitätsstadt ist auch wirtschaftliches und kulturelles Zentrum eines Gebiets, das weit über die Grenzen des Paderborner Landes hinausreicht. Dank der enormen Entwicklung in den letzten Jahrzehnten zeigt sich Paderborn heute als lebendige, aber immer noch überschaubare Großstadt. Die Stadtbibliothek Paderborn ist in kommunaler Trägerschaft und hat 4 Standorte (Zentralbibliothek, Kinder- und Computerbibliothek, Schul- und Stadtteilbibliothek Elsen, Schul- und Stadtteilbibliothek Schloß Neuhaus). Mit über 110.000 Medien im Bestand und über 600 Veranstaltungen im Jahr 2018 im Jahr bietet die Stadtbibliothek ihren Nutzern ein umfassendes Angebot.

Ansprechpartner:
Katrin Stroth
Stadtbibliothek Paderborn
Am Rothoborn 1
33098 Paderborn
Tel. 05251-881166
k.stroth[at]paderborn.de