Alle Artikel von “Anja Thimm

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Jede Bibliothek ist wie ein Puzzle

Mit dem Hintergrund eines abgeschlossenen Innenarchitekturstudiums und der Begeisterung für Bibliotheken habe ich im Februar 2016 angefangen in der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW zu arbeiten [1]. Dort betreue ich unter anderem den Aufgabenschwerpunkt Bibliothek als realer Ort und berate mit Blick auf die Innenarchitektur und Einrichtung. Ich fahre auf Anfrage in die jeweiligen Bibliotheken, welche ihre Einrichtung verändern oder ihr Raumkonzept optimieren wollen. Dabei kann es um die unterschiedlichsten Themen und Bereiche gehen.Weiterlesen Jede Bibliothek ist wie ein Puzzle

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Surrey City Centre Library

Das englischsprachige Design und Architektur Magazin dezeen.com zeigte im Mai 2016 eindrucksvolle Bilder der Surrey City Centre Library in der Nähe von Vancouver. Der 2011 fertiggestellte, skulpturale Bau stammt vom Architektenteam Bing Thom. Die nach außen geneigten Wände des vierstöckigen Gebäudes laufen im Norden spitz zusammen und muten somit die Form eines Schiffbugs an. Zudem sorgt die Schiefstellung der Außenwände für den Sonnenschutz und vermeidet starke Wärmeentwicklung im Inneren der Bibliothek. Neben dem Baumaterial Beton, beeindruckt die Fassade außerdem durch große gebogene Glasflächen, welche lichtdurchflutete Räume im Gebäudeinneren sicherstellen. Hier bietet die Bibliothek dem Nutzer auf einer Fläche von 7.618 m², verteilt auf 4 Etagen einen Ort zum Lesen, Lernen und Zusammenkommen. Ziel der Architekten war es eine lockere Umgebung und somit eine Erweiterung ihres eigenen Zuhauses für die Bevölkerung von Surrey zu schaffen. Das Innere des Gebäudes wird dominiert von weißen Regalen, Flächen aus Naturholz bei den Sondermöbeln, sowie terrakottafarbenem Teppich.

Birds eye view inside the new Surrey City Centre Library

„Birds eye view inside the new Surrey City Centre Library“ von Province of British Columbia, 2011 (CC BY-NC-ND 2.0)

Rundgang

Man betritt das Gebäude durch den nordöstlich gelegenen Haupteingang. Der Eingangsbereich zeichnet sich durch klare Sichtlinien aus, welche den Nutzern eine schnelle, gute Orientierung in der Bibliothek ermöglichen. Im Erdgeschoss befindet sich neben der Kinderbibliothek auch die Abteilung Read-Ability Services, die sich an Menschen mit visuellen als auch physischen Einschränkungen der Lesefähigkeit richtet. Auf der Ostseite des Gebäudes führt eine prunkvolle Lesetreppe vom Untergeschoss ins erste Obergeschoss und wiederholt sich ebenso von der zweiten in die dritte Etage. Diese Treppe liegt neben der großzügigen Glasfassade und bietet so den Ausblick auf die neue „City Plaza“. Das erste Obergeschoss der Surrey City Centre Library beherbergt die Belletristik-Abteilung, sowie die World Languages Collection, in welcher sich Bücher, DVDs, CDs und Zeitschriften in 16 verschiedenen Sprachen wiederfinden. In der nordwestlichen Spitze des Gebäudes befindet sich ein Computer Learning Center und zusätzlich bietet das Geschoss eine Laptop-Lounge. Entlang der Brüstung zum sich aufwärts windenden Atrium befinden sich Arbeitsplätze, welche mit Strom versorgt sind, um dort mit mobilen Endgeräten zu arbeiten. Von diesen Arbeitsplätzen aus hat man einen großartigen Ausblick Richtung Osten durch die offene Glasfassade des Gebäudes. Die dritte Etage des Gebäudes, sprich das zweite Obergeschoss ist über die zentral gelegene Haupttreppe und ebenso barrierefrei über Aufzüge zu erreichen. Auf dieser Etage befindet sich das Herzstück der Bibliothek, der „Livingroom“ (das Wohnzimmer). Dieser Bereich der Bibliothek verfügt über die doppelte Raumhöhe. Er ist mit Lounge-Sesseln und einem digitalen Kaminfeuer ausgestattet und bietet hierdurch eine entspannte Atmosphäre zum Verweilen und auch zur Kommunikation. Eine unter anderem mit einem Bildschirm für Gaming ausgestattete Teen Lounge befindet sich in der Nord-West-Spitze. Passend zum im zweiten Obergeschoss untergebrachten Bestand der Sachliteratur reihen sich hier in einem Studienbereich Einzelarbeits- und Gruppenarbeitsräume, sowie Meeting-Räume aneinander. Auch ein großer Veranstaltungsraum für bis zu 115 Personen, ausgestattet mit der neusten Technik wird hier den Nutzern zur Verfügung gestellt. Abgerundet wird dieser Lernort durch einen mit Glaswänden abgetrennten stillen Arbeitsraum. Durch das Glastrennwandsystem ist zwar der Lärmschutz gegenüber dem übrigen Arbeitsbereich gegeben, es ermöglicht aber trotzdem den Sichtbezug zu diesem, was die Einbindung in das gesamte Gefüge gewährleistet. Die vierte und somit oberste Ebene des Gebäudes beherbergt Klassen- und Arbeitsräume der Simon Fraser University.

https://youtu.be/zm3qdCgX2pA

Ökologie, Nachhaltigkeit, Transparenz

Das begrünte Dach des Gebäudes, zur Reduzierung von Kohlenstoffdioxid in der Luft, ist nur einer der ökologischen Aspekte, auf welche die Architekten bei der Planung und Umsetzung des Baus viel Wert legten. Der strategische Einsatz der Glasflächen und Dachfenstern, um eine zusätzliche elektrische Beleuchtung gering zu halten und somit Strom zu sparen, erfolgte neben dem Designaspekt auch aus nachhaltigen Gründen. Die Bibliothek soll allerdings nicht nur aus der umweltbewussten und ästhetischen Perspektive wertig sein, sondern in erster Linie einen Ort zum Aufhalten, Lernen und Kommunizieren für die Bürger von Surrey darstellen. Daher war es den Architekten von Bing Thom wichtig, die späteren Nutzer in die Planung mit einzubeziehen. Sie entwickelten gemeinsam mit den Bibliothekaren aus Surrey einen Blog, auf welchem sowohl von Seiten der Architekten, als auch von Seiten der Bürger Fotos und Kommentare zu Bibliotheken veröffentlicht, ausgetauscht und bewertet werden konnten. So war es dem Team möglich, viele Menschen in kurzer Zeit zu erreichen und Ideen für die Gestaltung der Bibliothek zusammenzutragen. Die Surrey City Centre Library ist damit ein Vorreiter bei Nutzung von Social Media für die Gestaltung öffentlicher Räume.

Flyer „City Centre Green Features“ [5 MB, PDF], hier

Die Bibliothek im Netz:

Weitere Bilder der Bibliothek und Pläne des Architekturbüros unter: http://www.dezeen.com/2016/05/18/bing-thom-architects-surrey-library-vancouver-canada-concrete/

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Kleine Leseräume im Grünen

Im Seoul Innovation Park in Südkoreas Hauptstadt stehen seit Dezember 2015 vier optisch sehr unterschiedlich anmutende Pavillons. Das ortsansässige Architekturbüro SpaceTong (ArchiWorkshop) entwickelte diese 9-40m² großen Räume als mobile Pop-Up Bibliotheken. Diese vier kleinen Rückzugsorte unterscheiden sich untereinander in ihrem Design und sind daher eine tolle Ergänzung für das zuletzt brach liegende Gelände in Seoul, welches nun Fläche für ebenso unterschiedliche soziale Projekte liefert. Bilder unter: http://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Mobile_Bibliothek_in_Seoul_4669540.html

Auch in Russland wurden 2013 in Parks rund um Moskau Bücher-Pavillons und Outdoor-Bücherläden installiert, welche sowohl den Zugriff auf Bücher gewährleisten, also auch als Aufenthaltsorte zum Lesen dienen. Doch nicht nur die Funktionalität steht hier im Vordergrund. Mit drei unterschiedlichen Designs passen sich diese Projekte perfekt an ihr Umfeld an, denn sie bestehen zum größten Teil aus Holz. Bilder unter: http://bookpatrol.net/ruetemples-outdoor-book-spaces/

Nicht nur im Ausland, sondern ebenfalls im Kölner Stadtgarten, kann man seine Zeit lesend im Grünen verbringen. Im Sommer 2009 haben der Förderverein und die Stadtbibliothek die minibib als das erste innovative Bücherbüdchen-Projekt ins Leben gerufen.

Das Konzept hat sich einer niederschwelligen Leseförderung verpflichtet, die alle erreicht.

Für die Architektur des Büdchens wurde ein Studentenwettbewerb an der „Fachhochschule Siegen“ ausgelobt. Das Ergebnis ist eine perfekte Symbiose von baulich-ästhetischer Integration in die Atmosphäre eines Parks und basisnahem Literaturangebot. Die minibib ist mit 1000 aktuellen Büchern ausgestattet, die von der Stadtbibliothek aus Buchgeschenken lektoriert werden. Damit wird ein qualitativ hochwertiges Angebot garantiert.

Die minibib wird von einem engagierten Team von 12 Ehrenamtlichen betreut. Alle Besucher können sich ein Buch mitnehmen. Bei der Aus- und Rückgabe verzichtet man auf alle persönlichen Daten und vertraut auf die Solidarität der Leser. Der niederschwellige Zugang hat sich optimal bewährt. Gerade Menschen mit geringer Affinität zum Lesen und zu Bibliotheken finden hier den ersten Einstieg. 2011 wurde die minibib unter mehr als 2.600 Bewerbern im bundesweiten Wettbewerb  „365 Orte im Land der Ideen“ ausgezeichnet. Mehr unter: http://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/stadtbibliothek/news/erste-minibib-im-koelner-stadtgarten