Kinder in Essen spielerisch fürs Lesen und Erzählen zu gewinnen – genau darum geht es bei der neuen Aktion „lies.mir.vor“ der Kinderstiftung Essen. Gesucht werden frische Ideen: ungewöhnliche Orte zum Vorlesen ebenso wie kreative Kooperationen, etwa mit Schulen oder Initiativen aus der Nachbarschaft.
Aus diesen Ansätzen soll ein stadtweites Netzwerk entstehen, das Kitas neue Impulse für ihre Arbeit liefert. Einrichtungen können sich ab sofort bewerben. Die 15 überzeugendsten Vorleseprojekte werden mit jeweils 1.000 Euro gefördert.
Willkommen zu unserem #DesignDienstag. In dieser Reihe schaut unsere Innenarchitektin Anja Thimm genauer hin und nimmt Gestaltung in Bibliotheken ganz praktisch in den Blick. Diesmal geht es um das Leitsystem. Oft wirkt es unscheinbar, fast selbstverständlich – dabei entscheidet es maßgeblich darüber, ob sich Menschen sicher bewegen, schnell zurechtfinden und sich gerne im Raum aufhalten.
Wenn man durch eine Bibliothek geht, merkt man ziemlich schnell: Funktioniert die Orientierung – oder eben nicht. Man läuft ein paar Schritte, zögert kurz, schaut sich um. Genau an diesen Momenten zeigt sich, wie gut ein Leitsystem wirklich ist.
Im Kern geht es dabei immer um drei Dinge: Orientierung, Sicherheit und Aufenthaltsqualität. Ein gutes Leitsystem hilft Nutzerinnen und Nutzern, sich selbstständig zurechtzufinden. Es reduziert Nachfragen an der Theke und sorgt ganz nebenbei dafür, dass sich die Bibliothek klar, offen und einladend anfühlt.
Damit das gelingt, müssen mehrere Ebenen zusammenspielen: Raum, Gestaltung und Barrierefreiheit.
Vom Stadtraum bis zum Regal
Ein Leitsystem beginnt nicht erst im Gebäude, sondern schon davor. Bereits im Stadtraum auf dem Weg zur Bibliothek kann gezielt durch Beschilderung auf den Standort hingewiesen werden.
Vor dem Gebäude setzt sich das fort: Klare Wegführung zum Eingang, gut sichtbare Hinweise und der Name der Bibliothek deutlich platziert an der Fassade oder den Glastüren. Der Zugang sollte gut beleuchtet und möglichst barrierefrei sein. Wege brauchen eine klare Struktur, Treppen werden idealerweise durch Rampen oder Aufzüge ergänzt.
Im Eingangsbereich braucht es einen zentralen Übersichtsplan. Dieser kann an Wandflächen oder Säulen in der Nähe des Thekenbereichs angebracht sein. Neben einem visuellen Plan kann auch ein taktiler Plan sinnvoll sein, der von Menschen mit Seheinschränkung genutzt werden kann.
Ein solcher Plan zeigt alle Etagen und unterstützt die erste Orientierung. Darauf abgebildet sind die verschiedenen Bereiche der Medienaufstellung, etwa Kinderbereich, Jugendbibliothek, Sachliteratur und Belletristik. Ebenso wichtig ist, dass Aufenthaltsbereiche wie ein Lesecafé, Arbeitsplätze, Servicebereiche wie Infotheken und Verbuchungsterminals, Sanitärbereiche und Veranstaltungsräume klar erkennbar und eindeutig benannt sind.
Neben der Beschilderung spielt auch die Architektur eine Rolle. Klare Sichtachsen und eine nachvollziehbare Wegeführung ermöglichen eine passive Orientierung im Raum. Wenn das Raumkonzept gut durchdacht ist, kann sich der Bedarf an zusätzlicher Beschilderung deutlich reduzieren.
Am Regal selbst ist das Leitsystem vor allem auf den Stirnseiten verortet. Dort wird angezeigt, welche Medien sich in dem jeweiligen Bereich befinden. Klarschrift, gut lesbare Signaturen und – wo sinnvoll – Piktogramme unterstützen die Orientierung zwischen den Regalen. Entscheidend ist dabei die Struktur der Beschriftung: von der groben Einteilung hin zu immer feineren Untergruppen.
Farbe gezielt einsetzen
Farbe ist ein wirksames Mittel im Leitsystem – kann aber schnell zu dominant werden. Deshalb gilt: lieber gezielt einsetzen als zu viel davon.
Farben eignen sich besonders, um Bereiche zu kennzeichnen. Eine Leitfarbe pro Medienbereich – etwa Kinderbibliothek, Sachliteratur, Belletristik oder Jugend – schafft Wiedererkennung. Diese Farbigkeit kann sich durch das gesamte Leitsystem ziehen: auf Regalschildern, in der Medienkennzeichnung, auf Übersichtsplänen und auch im Mobiliar. Auch Elemente wie Wände oder Säulen können bewusst einbezogen werden.
Wichtig für die Lesbarkeit sind starke Hell-Dunkel-Kontraste, zum Beispiel dunkle Schrift auf hellem Hintergrund. Solche Kontraste unterstützen nicht nur Menschen mit Seheinschränkungen, sondern verbessern auch die Lesbarkeit aus der Distanz.
Grundsätzlich gilt: so viel Farbe wie nötig, so wenig wie möglich. Farbe sollte immer der Orientierung dienen – nicht der Dekoration.
Für alle mitgedacht
Barrierefreiheit ist in öffentlichen Bibliotheken kein Zusatz, sondern eine Grundvoraussetzung. Gerade im Leitsystem lässt sich mit vergleichsweise einfachen Mitteln viel erreichen.
Leichte Sprache und klare Symbole unterstützen Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder Sprachbarrieren. Kurze, verständliche Begriffe ohne Fachsprache sorgen dafür, dass Inhalte für möglichst viele zugänglich sind. Deshalb ist Klarschrift oft sinnvoller als eine reine bibliothekssystematische Terminologie.
Auch die Typografie spielt eine wichtige Rolle: ausreichend große Schrift, gut lesbare serifenlose Schriften und klare Zeilenabstände erleichtern das Lesen.
Ergänzend können taktil erfassbare Elemente eingesetzt werden, etwa tastbare Pläne oder Brailleschrift an wichtigen Türen. Wo möglich, können auch akustische Hinweise den Zugang erweitern. Entscheidend ist, dass diese Elemente nicht isoliert stehen, sondern Teil eines durchgängigen Gesamtsystems sind.
Und zum Schluss: Ausprobieren
Ein hilfreicher Schritt ist es, die eigenen Räume mit „fremden Augen“ zu betrachten oder Testpersonen einzubeziehen. Besonders wertvoll ist es, wenn auch Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen typische Wege ausprobieren.
Dabei lohnt es sich, genau hinzuschauen: Wo wird gezögert, gefragt oder umgedreht? Diese Stellen zeigen, wo das Leitsystem noch nachgeschärft werden kann.
Und: Ein Leitsystem ist nie endgültig. Nutzungsgewohnheiten, Zielgruppen und Raumangebote verändern sich im Laufe der Zeit. Entsprechend sollte auch das Leitsystem regelmäßig überprüft und angepasst werden.
Beispiele aus NRW
Zahlreiche Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen zeigen, dass es viele gute Lösungen gibt. Hier ein paar Beispiele:
Essen-Huttrop
In der Stadtteilbibliothek Essen-Huttrop sind einige Bereiche durch Leuchtbuchstaben gekennzeichnet.
Hamm
Das Leitsystem der Zentralbibliothek in Hamm beginnt bereits vor dem Gebäude: An den Glastüren sind der Name der Bibliothek sowie deren Öffnungszeiten und die der ebenfalls im Gebäude befindlichen VHS angebracht. In der Bibliothek finden Nutzerinnen und Nutzer dank der großformatigen Beschriftung schnell zur Ausleihe und Rückgabe. Auf jeder Etage befindet sich zudem in der Nähe von Treppe oder Aufzug ein Übersichtsplan des jeweiligen Geschosses.
Kamp-Lintfort
In der Mediothek Kamp-Lintfort ist die Regalbeschriftung im einheitlichen Schriftstil des Corporate Designs gestaltet. Sogar die Beleuchtung fügt sich dabei stimmig in das Leitsystem ein.
Langenfeld
Mit den Beschriftungsschildern im Tafeldesign ist das Leitsystem in der Stadtbibliothek Langenfeld sehr flexibel.
Mönchengladbach
In der Zentralbibliothek in Mönchengladbach findet sich das Leitsystem sowohl an den Stirnseiten der Regale als auch für die Orientierung auf den Regalen positioniert wieder. In der Kinderbibliothek unterstützt die Wandgestaltung die klare Zuordnung dieses Bereiches bereits aus der Entfernung.
Oberhausen-Sterkrade
In der Stadtteilbibliothek Oberhausen-Sterkrade wurde beim Leitsystem viel Wert auf die Barrierefreiheit gelegt. So führen taktile Leitsysteme zur ersten Anlaufstelle, der Theke. Hier befindet sich auch ein taktiler Übersichtsplan. Die Behinderten-Toilette ist durch ein großformatiges Piktogramm einfach zu finden.
Ochtrup
In der Bücherei St. Lamberti in Ochtrup werden auch raumbildende Elemente wie Wände und Säulen für die Beschriftung mit dem Leitsystem genutzt.
Autorin
Anja Thimm studierte Innenarchitektur an der Hochschule Trier. Nach ihrem Abschluss und einem Ausflug in die Welt der Büroplanung gehört sie seit 2016 zum Team der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW und berät Bibliotheken zu den Themen Bau und Einrichtung. Ebenfalls seit 2016 ist sie Mitglied der Facharbeitsgruppe Bau und Einrichtung der Fachstellenkonferenz der Bibliotheksfachstellen in Deutschland.
Die aktuelle Jugendstudie 2026 zeichnet ein deutlich angespanntes Bild der jungen Generation in Deutschland. Viele Jugendliche fühlen sich durch die Dauerkrisen der letzten Jahre stark belastet – dazu zählen vor allem Kriege, wirtschaftliche Unsicherheiten und steigende Wohnkosten.
Diese Situation wirkt sich spürbar auf das Lebensgefühl aus: Ein erheblicher Teil der jungen Menschen erlebt mentalen Stress, und rund 29 % glauben, dass ihnen psychologische Unterstützung helfen würde.
Auch der Blick auf die Zukunft ist kritisch. Viele sind unzufrieden mit der wirtschaftlichen Lage, dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und der Politik in Deutschland. Jeder fünfte junge Mensch denkt darüber nach, Deutschland zu verlassen.
Die Studie „Jugend in Deutschland“ wurde von Jugendforscher Simon Schnetzer ins Leben gerufen und ist eine regelmäßige Trendstudie, die Einstellungen, Sorgen und Zukunftsperspektiven von 14- bis 29-Jährigen untersucht. Sie beleuchtet Themen wie Politik, Arbeit, psychische Gesundheit und Digitalisierung.
Auf der diesjährigen didacta in Köln präsentierte der Verband der Bibliotheken des Landes NRW (vbnw) erfolgreiche Konzepte zur Stärkung von Schulbibliotheken. Unter dem Titel „Better together – Schulbibliotheken gründen und in der kommunalen Bildungslandschaft fest verankern“ gab Referentin Julia Borner (Teamleitung Schulmediotheken Stadtbibliothek Gütersloh / Vorsitzende AG Schulbibliotheken im vbnw) praxisnahe Einblicke in die Verknüpfung von Schule und öffentlicher Bibliothek.
Organisiert wird die Veranstaltung von der Fachstelle für Sexualität und Gesundheit der Aidshilfe Münster e.V. in Kooperation mit Livas. Die Drag-Lesung mit Saroxa richtet sich an Regenbogenfamilien, Kinder und alle Interessierten.
Im Rahmen der Veranstaltung liest Saroxa eine Geschichte vor. Anschließend haben die teilnehmenden Kinder die Gelegenheit, Fragen zu stellen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Eine kreative Bastelaktion ergänzt das Programm und bietet die Möglichkeit, den Nachmittag gemeinsam ausklingen zu lassen.
Das Dortmunder Netzwerk Medienkompetenz (DoNeM) ist erneut von der Stiftung Digitale Chancen im Rahmen der Initiative „Gutes Aufwachsen mit Medien“ als lokales Netzwerk ausgezeichnet worden. Damit wird das langjährige Engagement gewürdigt, mit dem sich das Netzwerk für die Medienkompetenz von Kindern, Jugendlichen und Fachkräften in Dortmund einsetzt.
Josephine Reußner vom Initiativbüro hebt besonders hervor, wie DoNeM mit seinen praxisnahen und kreativen Angeboten Orientierung in der digitalen Welt schafft und die Teilhabe stärkt.
Seit 2016 ist das Gesundheitsamt Dortmund an der Geschäftsführung beteiligt. Aktuell wird das Netzwerk von Jennifer Beck (Gesundheitsamt Dortmund), Claudia Wierz (Medienzentrum), Mirjam Gaffran (uzwei im Dortmunder U) und Inez Koestel (wam – Die Medienakademie) geleitet. Insgesamt engagieren sich rund 60 Akteurinnen und Akteure aus etwa 30 Einrichtungen, die gemeinsam ein breites Themenspektrum abdecken.
Auf dem Areal einer ehemaligen Papierfabrik entsteht in Bergisch Gladbach in den nächsten Jahren eine neue Bibliothek. In der aktuellen Planungsphase ruft die Stadt alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, ihre Ideen und Erwartungen einzubringen.
Dafür ist ab sofort eine Online-Befragung gestartet, mit der die künftige Ausrichtung der Bibliothek gemeinsam mit der Stadtgesellschaft entwickelt werden soll.
Das Gelände hat für Bergisch Gladbach eine besondere Bedeutung: Über Jahrzehnte hinweg hat die Papierfabrik den Standort und das Selbstverständnis der Stadt geprägt. Mit der Neuentwicklung des Areals bietet sich nun die Chance, diesen historisch gewachsenen Ort neu zu gestalten.
Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) unterstützt mit ihrem Mikroförderprogramm „Ehrenamt gewinnen. Engagement binden. Zivilgesellschaft stärken.“ erneut Projekte zur Stärkung freiwilligen Engagements, besonders in ländlichen und strukturschwachen Regionen. Gefördert werden Vorhaben außerhalb des regulären Betriebs, etwa zur Gewinnung und Qualifizierung Engagierter, zur Anerkennung ehrenamtlicher Arbeit oder zur Weiterentwicklung von Organisationen. Anträge können fortlaufend bis zum 01.11.2026 eingereicht werden.
Nachdem die Kulturstiftung des Bundes (KSB) im vergangenen Jahr die Ergebnisse eines Pilotprojekts zur Klimaanpassung in Kultureinrichtungen veröffentlicht hat, führt die Green Culture Anlaufstelle den Austausch nun mit der Reihe „Perspektiven“ fort. Eine Online-Veranstaltung am 16.04.2026 widmet sich unter anderem der Frage, was Klimafolgenanpassung für Kultureinrichtungen konkret bedeutet und worauf es bei der Umsetzung ankommt. Am 23.04.2026 werden in einer weiteren digitalen Veranstaltung Best-Practice-Beispiele aus unterschiedlichen Perspektiven vorgestellt. Dafür können noch Beiträge eingereicht werden.
Im Rahmen des Programms „360°-Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft“ der Kulturstiftung des Bundes (KSB) ist das Praxisnetzwerk „Rassismuskritische Kinder- und Jugendbibliotheksarbeit“ entstanden. Seither tauschen sich Kinder- und Jugendbibliothekar*innen über konkrete Handlungsansätze aus, etwa zur diversitätsorientierten und rassismuskritischen Bestandsentwicklung. Ein neues Spotlight auf dem Bibliotheksportal zeigt anhand von Praxisbeispielen, wie das Netzwerk arbeitet: https://bibliotheksportal.de/rassismuskritische-kinder-und-jugendbibliotheksarbeit/