Alle Artikel in der Kategorie “Bibliotheksmanagement

Bibliotheken bewegen sich in einem Umfeld, das sich aufgrund wandelnder gesellschaftlicher Strukturen im digitalen Zeitalter rasant verändert. Nie zuvor mussten sich Bibliotheken so intensiv mit neuen Entwicklungen auseinandersetzen, ihre Handlungsfelder auf ihre Aktualität überprüfen und in einem kontinuierlichen Veränderungsprozess auf diese Entwicklungen reagieren…
weiterlesen unter Bibliotheksmanagement

Kommentare 0

Umgang mit umstrittenen Medien: Tipps und Links zu Materialien

Bibliotheken stehen für freien Zugang zu Informationen und Meinungsvielfalt. Gleichzeitig geraten sie immer wieder in Situationen, in denen diese Grundsätze auf die Probe gestellt werden. Buchanschaffungswünsche zu politisch, religiös, medizinisch oder ideologisch aufgeladenen Titeln, Diskussionen über Publikationen aus extremistischen Verlagen oder kritische Nachfragen von Nutzerinnen und Nutzern gehören inzwischen auch in vielen öffentlichen Bibliotheken zum Alltag.

Für Bibliotheken bedeutet das eine Gratwanderung. Einerseits sind sie Orte der Informationsfreiheit und sollen unterschiedliche Perspektiven zugänglich machen. Andererseits tragen sie Verantwortung für demokratische Werte und müssen sorgfältig abwägen, welche Medien sie in ihren Bestand aufnehmen und wie sie mit kontroversen Inhalten umgehen.

Gerade deshalb ist es hilfreich, sich im Team frühzeitig mit solchen Fragen auseinanderzusetzen und klare Kriterien für Entscheidungen zu entwickeln. In diesem Beitrag geben wir Tipps und Links zu weiteren Materialien.

Wenn Buchwünsche schwierig werden

Anschaffungsvorschläge von Nutzerinnen und Nutzern sind grundsätzlich willkommen. Sie helfen Bibliotheken, ihre Bestände bedarfsorientiert weiterzuentwickeln. Trotzdem kann oder sollte nicht jeder Vorschlag automatisch umgesetzt werden.

Bibliotheken orientieren sich bei der Auswahl von Medien in der Regel an festgelegten Kriterien, etwa:

  • Relevanz für die Zielgruppen der Bibliothek
  • Qualität und Einordnung des Inhalts
  • Aktualität und Nachfrage
  • Ausgewogenheit des Bestands
  • Einordnung in das Sammlungskonzept der Bibliothek

In manchen Fällen kommen auch zusätzliche Aspekte hinzu, etwa wenn ein Titel aus einem extremistischen Umfeld stammt, gezielt Desinformation verbreitet oder ausschließlich propagandistische Zwecke verfolgt.

Dann kann eine Bibliothek entscheiden, den Titel nicht anzuschaffen. Wichtig ist dabei eine transparente und sachliche Kommunikation.

Praxisbox

Viele Mitarbeitende empfinden es als unangenehm, Buchwünsche abzulehnen. Im Team abgestimmte neutrale Formulierungen können helfen.

Beispiel
„Wir orientieren uns bei der Medienauswahl an unserem Bestandskonzept und an der Nachfrage unserer Nutzerinnen und Nutzer. Nach sorgfältiger Prüfung haben wir uns entschieden, den vorgeschlagenen Titel nicht anzuschaffen.“

Wichtig ist, dass solche Entscheidungen nicht spontan getroffen werden, sondern auf klaren und im Team abgestimmten Kriterien beruhen.

Umstrittene Werke im Bestand

Nicht immer geht es um eine Neuanschaffung. Manche kontroversen Titel befinden sich bereits im Bestand oder werden bewusst aufgenommen, um gesellschaftliche Entwicklungen dokumentieren zu können.

Bibliotheken verfolgen hier häufig ein Prinzip: Sammeln und einordnen.

Das bedeutet, dass problematische Inhalte nicht unkommentiert präsentiert werden, sondern in einen Kontext gestellt werden können. Beispiele dafür sind:

  • Ergänzende Literatur mit kritischer Perspektive
  • Thematische Medienausstellungen
  • Veranstaltungen oder Diskussionsformate
  • Hinweise auf weiterführende Informationen

Gerade bei extremistischen oder rechtspopulistischen Publikationen stellt sich oft die Frage, ob sie Teil des Bestandes sein sollten. Manche Bibliotheken entscheiden sich dafür, solche Titel aufzunehmen, wenn sie für Forschung, politische Bildung oder gesellschaftliche Debatten relevant sind. Andere verzichten bewusst darauf.

Entscheidend ist, dass diese Entscheidungen reflektiert getroffen werden und mit dem bibliothekarischen Auftrag vereinbar sind.

Vorbereitung hilft im Konfliktfall

Kontroversen entstehen häufig nicht erst bei der Anschaffung eines Mediums, sondern im Gespräch mit Nutzerinnen und Nutzern oder in öffentlichen Debatten.

Umso wichtiger ist es, vorbereitet zu sein. Hilfreich sind zum Beispiel:

  • Ein schriftlich festgelegtes Bestandskonzept
  • Klare Zuständigkeiten für schwierige Entscheidungen
  • Schulungen oder Leitfäden für den Umgang mit Konfliktsituationen

Auch eine gute Krisenkommunikation kann helfen, schwierige Situationen zu bewältigen. Sie sorgt dafür, dass Bibliotheken auch unter Druck sachlich und transparent reagieren können.


Weiterführende Links

Die folgenden Materialien bieten vertiefende Informationen und praktische Unterstützung:

Kommentare 0

Online-Vortrag: Neutralität unter der Lupe / 08.06.26 von 09 bis 11.30 Uhr

Wir freuen uns, ein aktuelles und zugleich herausforderndes Thema für Bibliotheken in einem Online-Vortrag aufzugreifen: Der Vortrag „Neutralität unter der Lupe“ beleuchtet das vielschichtige Thema Neutralität in öffentlichen Bibliotheken – von historischen Wurzeln bis zu verschiedenen Neutralitätsformen. Teilnehmende erhalten ein besseres Verständnis der unterschiedlichen Facetten von Neutralität, Orientierung im Umgang mit berufsethischen Dilemmata sowie Impulse zur Frage, wie sich Offenheit und Positionierung ausbalancieren lassen. Anhand von Beispielen aus Themenfeldern wie Religion, Nachhaltigkeit oder Homöopathie wird deutlich, in welchen Situationen Neutralitätsfragen konkret relevant werden können. Referentin ist Dr. Ulla Wimmer, akademische Mitarbeiterin am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. Dort koordiniert sie den weiterbildenden Masterstudiengang Bibliotheks- und Informationswissenschaft im Fernstudium.

Bitte melden Sie sich bis zum 03.06.2026 über den folgenden Link an: https://webspace-brd.nrw/index.php/918142?lang=de

Kommentare 0

Neue ProLibris im frischen Design

Die neue Ausgabe ist da – und kommt im frischen Design daher. Aber auch inhaltlich gibt es Neues zu entdecken. Ab sofort fgibt es in jedem Heft eine Infografik mit spannenden Fakten zum Schwerpunktthema. Neu ist auch der „Hausbesuch“, bei dem wir Bibliotheken aus ganz NRW kurz vorstellen.

Im Fokus dieser Ausgabe steht das Thema „Führung“. Dafür haben wir u. a. mit Anna Jörissen und Anna Reehuis gesprochen, die die Stadtbibliothek Ahaus gemeinsam leiten. Außerdem geben Claudia Jostwerner (Senne Bücherei Hövelhof) und Jochen Johannsen (RWTH Aachen Universitätsbibliothek) Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Und: Wir schauen uns verschiedene Führungsansätze genauer an – von agil (mit Sven Strobel, TIB Hannover) bis partizipativ (mit Anja Flicker, Stadtbibliothek Köln).

Schreiben Sie uns gerne, wie Ihnen das Heft gefällt: prolibris@bibliotheken-nrw.de

Zur aktuellen Ausgabe https://www.bibliotheken-nrw.de/…/pro_libris_web_01…

Kommentare 0

Fortbildung „Die beziehungsorientierte Bibliothek“ / 17.04.26

Als Ergänzung und Vertiefung zu unserem Praxisleitfaden bieten wir ein eintägiges Präsenzseminar zur beziehungsorientierten Bibliothek an.  

Das Seminar führt Sie in vier Schritten durch den „Gartenzyklus“ der Netzwerkarbeit:

1. Das Saatgut pflanzen
Ideen identifizieren und die Bibliothek als wichtigen Partner für innovative Projekte positionieren.

2. Die Setzlinge pflegen
Rückhalt im eigenen Team sichern und Rollen mit Kooperationspartnern klar klären, damit niemand allein im Garten steht.

3. Die Ernte einfahren
Projekte dokumentieren, Ergebnisse sichtbar machen und Erfolge gemeinsam feiern. So werden Partner zu Fürsprecherinnen und Fürsprechern Ihrer Bibliothek.

4. Den Garten ruhen lassen
Bilanz ziehen, Erfahrungen auswerten und die nächsten Schritte langfristig planen.

Warum sollten Sie an der Fortbildung teilnehmen?

Wenn Sie und Ihr Team

  • den Praxisleitfaden genauer kennenlernen wollen,
  • Interesse daran haben, Ihre bisherige Kooperationspraxis unter die Lupe zu nehmen
  • und Ideen für neue Kooperationen entwickeln wollen,

dann sollten Sie an einem unserer eintägigen Präsenzseminare zur „beziehungsorientierten Bibliothek“ teilnehmen, die wir 2026 anbieten.

Die Fortbildung richtet sich an Bibliotheken aus NRW und ist für diese kostenfrei. Geleitet wird es von Egbert van Wyngaarden.

Egbert van Wyngaarden ist Professor für Film und arbeitet seit vielen Jahren als Berater, Coach und Mediator mit Schwerpunkt auf Teamzusammenarbeit und Dialog in Organisationen. Für öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken konzipiert und leitet er Kurse zu Kommunikation, Storytelling und publikumswirksamer Vermittlung – von Präsentationen über Workshop-Formate bis hin zu digitalen Angeboten.

Sie wollen mit ihrem Bibliotheksteam an der Fortbildung teilnehmen? Dann können Sie sich über diesen Link bis zum 17.04.2026 für die Teilnahme bewerben: https://webspace-brd.nrw/index.php/266753?lang=de

Kontakt

Sie haben noch Fragen? Bitte wenden Sie sich an:

Eva Göring
E-Mail: eva.goering(at)brd.nrw.de
Tel.: 0211 475 5762

Christina Kromer
E-Mail: christina.kromer(at)brd.nrw.de
Tel.: 0211 475 3508

Kommentare 0

Wir entwickeln eine Bibliotheksstrategie: Die SWOT-Analyse als Vorbereitung zur strategischen Positionierung

In unserer Fortbildung „Den roten Faden finden – wir entwickeln eine Bibliotheksstrategie“ erarbeiten sich die Teilnehmer*innen eine Bibliotheksstrategie für die nächsten Jahre. Hierbei kommen Methoden und Denkansätze zum Einsatz, die einem in dem Strategieprozess helfen können. Ein paar Beispiele stellen wir in unserer Blogreihe vor. Im aktuellen Beitrag geht es um die SWOT-Analyse.

Bereits veröffentlicht wurde der Artikel „Die Analyse der Bibliothek und des Umfelds“. Ein weiterer wichtiger Baustein zur strategischen Analyse und als Vorbereitung zur strategischen Positionierung ist die SWOT-Analyse. In dieser Methode werden die Stärken (Strength) und Schwächen (Weakness) einer Bibliothek, den Chancen (Opportunities) und Risiken (Threats) des Umfeldes gegenübergestellt. Die Methode öffnet den Blick, da hierfür nicht nur intern die Stärken und Schwächen angesehen werden, sondern auch das Umfeld mit in den Blick genommen wird.

Wie sieht eine SWOT-Analyse aus?

Eine SWOT-Analyse ist eine Matrix, in der positive Aspekte den negativen gegenübergestellt werden. Dies wird einmal mit dem Blick auf die Bibliothek (intern) und einmal mit dem Blick auf das Umfeld gemacht.

Um diese Matrix ausfüllen zu können, ist es wichtig eine solide Analyse der Bibliothek (intern /extern) gemacht zu haben. An der Qualität der Vor-Analyse hängt nun auch die Aussagekraft der SWOT-Analyse. Es ist zu beachten, dass eine SWOT-Analyse Zustände und keine Strategien beschreibt. Strategien werden erst im Anschluss abgeleitet.

So könnte zum Beispiel eine fertige SWOT-Analyse einer Bibliothek aussehen:

Daraus ergeben sich in diesem Beispiel nun 4 mögliche Strategieplanungen bzw. Herangehensweisen:

  1. Stärken-Chancen-Strategie:
    • Stärke „Pädagogisches und Informationskompetentes Personal“ + Chance „Informationskompetenzvermittlung wird in Kommune als nötig angesehen“ = Informationskompetenz bewerben und ausbauen
    • Stärke „Pädagogisches und Informationskompetentes Personal“ + Chance „einziger nicht kommerzieller Aufenthaltsort für Kinder“ = Aufenthaltsort mit Angeboten für Kinder ausbauen
  2. Schwächen-Chancen-Strategie:
    • Schwäche „kleine Räumlichkeiten“ + Chance „einziger nicht kommerzieller Aufenthaltsort für Kinder“ = Raum anpassen und für Ausbau werben
    • Schwäche „mangelhafte technische Ausstattung“ + Chancen „Informationskompetenzvermittlung wird in Kommune als nötig angesehen“ + „sozialen Medien sind gesamtgesellschaftliche genutzt“ = für technische Ausstattung für Informationskompetenzvermittlung werben und anpassen
  3. Stärken-Risiken-Strategie:
    • Stärke „gute Zusammenarbeit mit Kita und Schule“ + Risiko „sinkendes Leseinteresse“ = Ausbau der Lesemotivationsförderung mit Partnern
  4. Schwächen-Risiko-Strategie (sogenannte Verteidigungsstrategie):
    • Schwäche „schwaches Image bei Entscheidern in Kommune“ +  Risiko „Budgetkürzungen“ = Lobbyarbeit verstärken, Drittmittelakquise

Fazit:

Vorteile dieser Methode: Eine SWOT-Analyse ist einfach, sie gibt einen Überblick und offenbart Zusammenhänge und Lücken, die im Alltag sonst untergehen.

Nachteil dieser Methode: Die Qualität der Aussagen hängt von der Qualität der Voranalyse der Bibliothek und des Umfelds ab. Die Aussagen sind nicht mit Zahlen unterlegt.      

(Der Beitrag ist in ähnlicher Form bereits am 30.05.2018 erschienen)

Über das Qualifizierungsprogramm „Den Roten Faden finden – Wir entwickeln eine Bibliotheksstrategie“:
Strategisch denken und handeln und das Ziel vor Augen haben: Damit aus guten Ansätzen starke Bibliotheken werden, darf eines nicht fehlen, der rote Faden – die Bibliotheksstrategie! Mit diesem Weiterbildungsangebot der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken, bestehend aus vier Workshops, machen sich maximal zehn Bibliotheken auf den Weg und erarbeiten ihre eigene Bibliotheksstrategie für die nächsten Jahre. Die Verschriftlichung des Bibliothekskonzeptes erfolgt durch die Bibliotheksleitung und wird von der Fachstelle und der Dozentin eng begleitet. Mehr als 40 NRW-Bibliotheken haben diese Fortbildung in den vergangenen Jahren bereits erfolgreich durchlaufen.

                                             

Kommentare 1

Wir entwickeln eine Bibliotheksstrategie: Die Ist-Analyse der Bibliothek und des Umfelds

In unserer Fortbildung „Den roten Faden finden – wir entwickeln eine Bibliotheksstrategie“ erarbeiten die Teilnehmer*innen eine Bibliotheksstrategie für die nächsten Jahre. Über unseren Blog geben wir Ihnen in mehreren Beiträgen einen Einblick in die Themen dieser Veranstaltung und zeigen, welche Schritte bei der Konzepterstellung für Bibliotheken von Bedeutung sind.

Entscheidend für einen gelungenen Weg ist zunächst eine systematische Bestandsaufnahme der aktuellen Situation der Bibliothek. Dazu gehört die ausführliche Analyse der bisherigen Arbeit der Bibliothek und ihres Umfelds.

Den Status quo zu Beginn einer Strategie zu ermitteln ist extrem wichtig, weil er die Grundlage dafür bildet, wohin man überhaupt steuern will. Ohne ein klares Bild der Ausgangslage kann man weder realistische Ziele setzen noch sinnvolle Maßnahmen planen. Einige zentrale Punkte:

  1. Verständnis der aktuellen Situation: Man erkennt Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken. Das hilft, Prioritäten richtig zu setzen.
  2. Datenbasierte Entscheidungen: Statt auf Annahmen zu bauen, können Entscheidungen auf Fakten, Zahlen und belegbaren Beobachtungen beruhen.
  3. Ressourcenplanung: Wer weiß, was vorhanden ist – Personal, Budget, Infrastruktur, Kompetenzen – kann besser einschätzen, was machbar ist und wo externe Unterstützung nötig ist.
  4. Stakeholder-Kommunikation: Ein klarer Status quo erleichtert die Abstimmung mit Kolleg*innen, Leitung oder externen Partnern, weil alle die gleiche Ausgangsbasis sehen.
  5. Messbarkeit von Fortschritt: Wenn man weiß, wo man startet, lässt sich später besser beurteilen, ob die Strategie erfolgreich war und welche Wirkungen die Maßnahmen hatten.

Kurz gesagt: Der Status quo ist wie der Startpunkt auf einer Landkarte. Ohne ihn weiß man nicht, wie weit oder in welche Richtung man sich bewegen muss. Zudem läuft man Gefahr, dass die Strategie unrealistisch, ineffizient oder nicht akzeptiert wird.

Unterschieden wird in diesem Teil zwischen zwei Bereichen. Zum einen geht es um die Basisdaten der Bibliothek. Zum anderen wird das Umfeld der Bibliothek – die Kommune und ihre Besonderheiten – genauer beleuchtet.

Copyright Anne Jacobs

Die Basisdaten

Hinter den Basisdaten der Bibliothek verbergen sich viele Hinweise auf nötige Veränderungen, denen man anhand von Zahlen auf die Spur kommen kann. Hierzu ist es wichtig, die Zahlen nicht nur für sich zu betrachten, sondern in Bezug zueinander zu setzen. So sagt zum Beispiel die Bestandsgröße einer Sachgruppe alleine zunächst nicht viel aus. Wird diese Zahl ins Verhältnis zu den Ausleihen dieser Bestandsgruppe gesetzt, lässt sich eine Aussage über die Effizienz dieser Bestandsgruppe treffen. (Wie genau eine Effizienzanalyse funktioniert, zeigen wir in unserem Leitfaden.)

Gleiches gilt zum Beispiel auch bei für die Öffnungszeiten. Auch hier muss die Anzahl der Wochenöffnungsstunden in Relation zur Nutzung gesehen werden, um Aussagen zu künftig erforderlichen Öffnungszeiten treffen zu können. Analog dazu kann dieser Vergleich auch Bibliotheksübergreifend geschehen. Mit dem Bibliotheksmonitor des HBZ (Hochschulbibliothekszentrum des Landes NRW) haben die Bibliotheken ein starkes Instrument an der Hand,  um sich mit Bibliotheken vergleichbarer Größe zu messen.

Angemerkt sei an dieser Stelle, dass der genaue Blick auf die Zahlen manchmal durchaus schmerzhaft sein kann. Nichts desto trotz ist dieser Blick für ein funktionierendes Konzept unabdingbar und offenbart auch „Hidden Champions“- also gut laufende Bereiche, die einem vorher nicht so bewusst gewesen sind.

Das Umfeld

In jeder Kommune sind die Voraussetzungen für die Bibliothek unterschiedlich. Es gilt auch hier herauszufinden, welche Aufgaben die Bibliothek in der Kommune übernimmt. Daher wird an diesem Punkt der Blick von der bestehenden Bibliotheksarbeit gelöst und geschaut, was in der Kommune vorhanden ist.

Es lohnt sich die anderen Akteure in der Kommune zu betrachten und herauszufinden, wo Kooperationen ausgebaut bzw. aufgebaut werden können, wo sich Angebotslücken auftun oder Konkurrenzangebote vermieden werden können.

Zudem werden hier grundsätzliche Entwicklungen in den Blick genommen: Wächst meine Kommune oder wird sie kleiner? Habe ich eine Flächenkommune oder ist alles sehr zentral orientiert? Welche Altersstruktur gibt es? Was sind kommunale Problemfelder, die sich auch auf die Bibliothek auswirken könnten oder in ihr wiederspiegeln? Gibt es kommunale Entwicklungsschwerpunkte? Diese und weitere Fragen gilt es je nach Bedarf zu beantworten, um dann die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Bei dieser Arbeit knirschen einige Teilnehmer*innen zwischenzeitlich ganz schön mit den Zähnen. Schließlich ist und bleibt das Zusammentragen des Datenmaterials und dessen Auswertung, auch in einem begleiteten Strategieprozess, immer noch Fleißarbeit. 

Die Leistung, die zuvor erhobenen Daten ins Verhältnis zu setzen und ihre eigenen Daten mit den Daten der Kommune abzugleichen, erfordert einen geschärften Blick und führt leicht dazu, den roten Faden aus dem Blick zu verlieren. Hier hilft es, sich an folgenden Fragen zu orientieren: Welche Daten betreffen die Bibliothek? Und: Welche betreffen sie nicht?

(Der Beitrag ist in ähnlicher Form bereits am 26.07.2017 erschienen)

Über das Qualifizierungsprogramm „Den Roten Faden finden – Wir entwickeln eine Bibliotheksstrategie“:
Strategisch denken und handeln und das Ziel vor Augen haben: Damit aus guten Ansätzen starke Bibliotheken werden, darf eines nicht fehlen, der rote Faden – die Bibliotheksstrategie! Mit diesem Weiterbildungsangebot der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken machen sich maximal zehn Bibliotheken auf den Weg und erarbeiten ihre eigene Bibliotheksstrategie für die nächsten Jahre. Die Verschriftlichung des Bibliothekskonzeptes erfolgt durch die Bibliotheksleitung und wird von der Fachstelle und einer Dozentin eng begleitet. Mehr als 40 NRW-Bibliotheken haben diese Fortbildung in den vergangenen bereits erfolgreich durchlaufen.

Kommentare 0

Neue Ausgabe Pro Libris mit Schwerpunkt Freiheit & Verantwortung

Die neueste Ausgabe von ProLibris befasst sich intensiv mit dem Spannungsfeld zwischen freiem Zugang zu Wissen und dem verantwortungsvollen Umgang mit umstrittener Literatur, insbesondere der Debatte um Warnhinweise auf Büchern in öffentlichen Bibliotheken. Katja Bartlakowski, Professorin für Bibliothekspolitik und Community Building, Cordula Gladrow, Leiterin der Stadtbibliothek Münster und Stephan Schwering, Direktor der Stadtbüchereien Düsseldorf, diskutieren über den Fall Münster, in dem die Stadtbibliothek Warnhinweise auf zwei Büchern anbrachte und damit einen Rechtsstreit auslöste.

Was Sie außerdem erwartet:

  • Urheberrecht und Open Access: Trotz der Unterschiede in der eLending-Diskussion und der Open Access-Debatte kämpfen öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken in gemeinsamen Aktionsbündnissen für niedrigschwelligen Zugang zu Literatur und faire Preise.
  • US-amerikanische „Banned Books“-Debatte: Ein Beitrag von Katja Bartlakowski lässt erahnen, worüber auch Deutschland in Zukunft diskutieren könnte.
  • Rechtslage im Überblick: Eine Einordnung des Rechtsfalls Münster durch Felix Magin, Vorsitzender der dbv-Rechtskommission, beleuchtet die fehlende Ermächtigungsgrundlage in NRW und die Notwendigkeit gesetzlicher Nachbesserungen.
  • Künstliche Intelligenz (KI) in der Recherche: Der Artikel „KAI mit KI. Wissenschaftliche Recherche neu gedacht“ beleuchtet das neue KI-Recherchetool an der Fachhochschule Südwestfalen, das als erste in NRW ein solches System im Pilotbetrieb einsetzt.

Link zur Ausgabe: https://www.bibliotheken-nrw.de/wp-content/uploads/2026/01/ProLibris-04_DS_WEB.pdf

Kommentare 0

Fokus Nachhaltigkeit: Ausgabe ProLibris 02/2025 online

Nachhaltigkeit mitzudenken, darum bemühen sich längst auch Nordrhein-Westfalens Bibliotheken. Einerseits wollen sie ihren CO2-Fußabdruck reduzieren, anderseits
bringen sie das Thema ihren Besucher:innen in vielfältiger Weise nahe. Lassen Sie sich durch Beispiele aus Bochum, Herne, Bonn-Rhein-Sieg, Moers, Kamp-Lintfort, Paderborn, Bielefeld und Oberhausen anregen, darüber nachzudenken, welche Ideen Sie auch in
Ihrer Bibliothek umsetzen können.

Außerdem gibt es einen Bericht zum Expertisenzirkel „Quereinstieg in Bibliotheken“ und einen Rückblick auf die Nacht der Bibliotheken.

Link zur Ausgabe: https://www.bibliotheken-nrw.de/wp-content/uploads/2025/07/ProLibris_02-2025_DS_WEB.pdf

Kommentare 0

NRW-Bibliotheksstatistik 2024 – Einblicke und Entwicklungen

Wir haben die Daten der Deutschen Bibliotheksstatistik für NRW für das Jahr 2024 ausgewertet und auf unserem Blog veröffentlicht. Die Landesstatistik NRW umfasst alle kommunalen öffentlichen Bibliotheken. Die Daten machen deutlich: Bibliotheken in NRW befinden sich in einem Transformationsprozess. Welche Trends sich abzeichnen und welche Herausforderungen damit verbunden sind, erfahren Sie in unserer Auswertung: https://fachstelle-oeffentliche-bibliotheken.nrw/nrw-statistik-2024/

Kommentare 0

Gekommen, um zu bleiben: Erfolgreiches Onboarding für Quereinsteiger*innen in Bibliotheken

Der Fachkräftemangel macht auch vor Bibliotheken nicht Halt. Immer häufiger finden daher Menschen mit unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen ihren Weg in den Bibliotheksalltag – als sogenannte Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger. Das bringt frischen Wind, neue Perspektiven und wertvolle Kompetenzen. Doch um diese Potenziale bestmöglich zu entfalten, braucht es ein strukturiertes und wertschätzendes Onboarding.

Warum Onboarding gerade für Quereinsteiger entscheidend ist

Quereinsteiger*innen kommen oft mit viel Motivation, aber meist wenig Fachwissen in bibliotheksspezifische Abläufe. Ein gelungener Einstieg entscheidet darüber, wie schnell sie sich zurechtfinden, sich einbringen können – und ob sie langfristig bleiben. Denn Unsicherheit, fehlende Orientierung und ein unklarer Rollenrahmen führen schnell zu Frustration.

Ein gutes Onboarding ist daher mehr als eine kurze Einarbeitungsphase: Es ist eine strategische Investition in Bindung, Motivation und Qualität.


Was Quereinsteigende mitbringen – und was sie brauchen

Stärken von Quereinsteiger*innen (individuell verschieden):

  • Neue Perspektiven (z. B. aus Pädagogik, Buchhandel, IT, Kulturmanagement, Journalismus)
  • Kommunikations- oder Projektkompetenz
  • Digitale Affinität oder kreative Ansätze für Veranstaltungsarbeit

Herausforderungen:

  • Kein bibliothekarisches Fachvokabular
  • Unsicherheit im Umgang mit Systemen (z. B. Katalogisierung, Ausleihsoftware)
  • Unkenntnis von Zielgruppenbedürfnissen, rechtlichen Rahmenbedingungen oder bibliotheksspezifischen Aufgaben

Ein erfolgreiches Onboarding gleicht diese Unterschiede systematisch aus – und schafft Raum, die mitgebrachten Stärken einzubringen.


Bausteine eines gelungenen Onboardings

1. Begrüßung und Orientierung
Ein strukturierter erster Tag mit persönlicher Begrüßung, Rundgang, Vorstellung des Teams und einer Begrüßungsmappe hilft, sich willkommen zu fühlen. Ein klarer Ablaufplan für die ersten Wochen gibt Sicherheit.

2. Einführung in die Arbeitsbereiche
Schrittweise Einarbeitung in zentrale Prozesse: Ausleihe, Rückgabe, Recherche, Veranstaltungsplanung, Medienbearbeitung etc. Idealerweise mit einer erfahrenen Ansprechperson („Buddy“), die Wissen weitergibt und für Fragen erreichbar ist.

3. Schulung und Fortbildung
Quereinsteiger*innen profitieren von niedrigschwelligen Fortbildungsangeboten – z. B. zu Bibliothekssoftware, Recherchetechniken, Medienpädagogik oder Veranstaltungsplanung. Auch E-Learning-Formate oder Online-Tutorials sind hilfreich.

4. Feedback und Austausch
Regelmäßige Feedbackgespräche ermöglichen Rückmeldung, Klärung offener Fragen und Anpassung der Einarbeitung. Austausch mit anderen Quereinsteiger*innen (z. B. über Netzwerktreffen) schafft zusätzliche Unterstützung.

5. Perspektive und Integration
Einbezug in Teammeetings, Projektarbeit oder Weiterbildungsangebote signalisiert: Du gehörst dazu. Perspektivgespräche helfen, Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen und das eigene Profil weiter zu schärfen.


Fazit: Onboarding mit Herz und Struktur

Quereinsteiger*innen sind eine wertvolle Ressource für Bibliotheksteams – wenn man sie gut abholt. Ein durchdachtes Onboarding schafft Vertrauen, Orientierung und Lernräume. Es fördert nicht nur die individuelle Entwicklung, sondern stärkt auch das ganze Team durch Vielfalt, neue Ideen und gegenseitiges Lernen.

Und nicht zuletzt: Wer sich willkommen fühlt, bleibt gerne.


Weiterführende Literatur und Quellen

Fachartikel und Studien:

  • „Quereinsteiger in der Bibliothek“ in: BuB – Forum Bibliothek und Information, Ausgabe 04/2020. b-u-b.de
  • Haarhaus, Lisa (2019): Onboarding an wissenschaftlichen Bibliotheken – Eine Analyse am Beispiel der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg. Bachelorarbeit. serwiss.bib.hs-hannover.de

Weitere hilfreiche Ressourcen:

Blog der FU Berlin: Onboarding in wissenschaftlichen Bibliotheken. blogs.fu-berlin.de