Alle Artikel in der Kategorie “Schwerpunktthema

In Form von Impulsbeiträgen greift die Fachstelle Themen aus den Arbeitsschwerpunkten auf, zu denen sie Bibliotheken vertiefende Informationen bereitstellen möchte. Die Beiträge sollen zum fachlichen Diskurs anregen oder über Neuigkeiten des jew. Themengebietes informieren. Die Schwerpunktthemen lauten:
->Bibliothek als realer Ort
->Bibliothek als digitaler Ort
->Lebenslanges Lernen in der digitalen Gesellschaft
->Bibliotheksmanagement

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„BibliotheKI“ – Ein ganzheitliches Konzept für den KI-Einsatz in den Stadtbüchereien Düsseldorf (Gastbeitrag)

Das Team der Stadtbüchereien Düsseldorf hat sich zum Ziel gesetzt, KI strategisch und ganzheitlich in seine Arbeit zu integrieren. In diesem Gastartikel stellen Antonia Lüthgen und Dana Wingensiefen-Wosel das Projekt „BibliothekKI“ vor.

Künstliche Intelligenz von Grund auf gedacht

Künstliche Intelligenz (KI) ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern Teil unseres Alltags. Ob in der Spracherkennung von Smartphones, bei automatisierten Empfehlungen in Streaming-Diensten oder in der medizinischen Diagnostik. Als öffentliche Bibliothek stehen wir vor der Frage: Wollen wir diese Entwicklung nur beobachten, oder aktiv gestalten?
Für die Stadtbüchereien Düsseldorf war die Antwort klar: Wir wollen gestalten.
Mit dem Projekt „BibliotheKI“ haben wir uns auf den Weg gemacht, KI nicht nur punktuell einzusetzen, sondern strategisch und ganzheitlich in unsere Arbeit zu integrieren. Dabei betrachten wir KI nicht allein als technische Spielerei, sondern als Querschnittsthema, das Technik, Organisation, Weiterbildung und gesellschaftlichen Dialog verbindet. Dabei haben wir nicht mit fertigen Lösungen begonnen, sondern Schritt für Schritt ausprobiert, gelernt und uns weiterentwickelt. Dieses schrittweise Vorgehen hat uns ermöglicht, Erfolge sichtbar zu machen, sowie Nutzende und Mitarbeitende gleichermaßen einzubinden.

Der Start: Bedarfe und Erwartungen klären

Zu Beginn unserer Arbeit haben wir unsere Nutzendenbefragung von 2023 zur Hand genommen und durch eine Mitarbeitendenbefragung ergänzt. Die Nutzendenbefragung von 2023 ergab, dass 73 % der rund 3.700 Befragten die Bibliothek mindestens zweimal im Monat besuchen. 24 % davon wollen sich inspirieren lassen, 20 % haben einen konkreten Informationsbedarf – ideale Voraussetzungen, um mit KI-gestützten Angeboten sowohl Orientierung als auch Überraschungsmomente zu schaffen. Parallel zeigte die interne Befragung von 2024 (im Rahmen der Bachelorarbeit von Davide Elia1), dass fast 90 % der 85 teilnehmenden Mitarbeitenden bereits privat mit KI gearbeitet haben, doch 44 % fühlten sich „wenig vorbereitet“ auf den professionellen Einsatz. Genau an diesen beiden Punkten wollten wir ansetzen: Interesse nutzen, Kompetenzen aufbauen, Berührungsängste abbauen, Lust auf Ausprobieren machen.

Struktur für Veränderung

Im Juni 2024 gründeten wir die Projektgruppe „Künstliche Intelligenz“. Diese ist in drei Arbeitsgruppen aufgeteilt:

  • KI-Angebote für Kund*innen
  • Einsatz von KI inhouse
  • Schulungen für Mitarbeitende

Um der Tragweite der Künstlichen Intelligenz gerecht zu werden stimmen wir alle größeren Projekte mit den städtischen Datenschutzstellen und Gremien ab. Stattfindende Veranstaltungen melden wir via eines Formblatts an die städtische KI-Verantwortliche. Ein internes Wiki das wir seit 2017 benutzen, bündelt unser gesammeltes Wissen, von Schulungsmaterialien bis zu technischen Spezifikationen. Über 30 Mitarbeitende engagieren sich derzeit in unterschiedlicher Intensität in der Projektgruppe und ihren AGs – dies ist nur möglich, weil die Leitung der Stadtbüchereien Düsseldorf unser Engagement von Anfang an unterstützt hat und dies auch noch tut.

Unser Fundament: Die KI-Leitlinien

Ein wichtiger Schritt waren unsere verbindlichen KI-Leitlinien (erstmals veröffentlicht in ProLibris 1/252). Sie gelten für alle Mitarbeitenden und legen fest, welcher Stellenwert Künstlicher Intelligenz in den Stadtbüchereien Düsseldorf zukommt und wie wir mit KI praktisch und strukturell verfahren wollen. Ergänzt werden die Leitlinien durch ein Formblatt das für jede KI-Veranstaltung oder die Anschaffung eines Tools genutzt wird. In dem Formblatt machen die verantwortlichen Personen unter anderem Angaben zu den Gerätschaften mit denen gearbeitet wird, zur Datenspeicherung, zum Anmeldeverfahren, zum Netzwerk-Login und zur Löschroutine. Damit gewährleisten wir eine datenschutzkonforme Anwendung von Künstlicher Intelligenz und erzielen gleichzeitig Effizienzgewinne. Zusätzlich klären Aushänge in den Räumlichkeiten, über die Datenspeicherung bei KI-Events auf. Diese Instrumente helfen uns somit, unsere eigenen Standards zu schaffen, Missverständnisse zu vermeiden und den rechtlichen Rahmen für Experimente klar abzustecken.

Die KI Woche – Ein Highlight mit Wirkung

Vom 4. bis 11. April 2025 haben wir unsere erste KI-Woche veranstaltet. Sie begann mit der Langen Nacht der Bibliotheken und umfasste zwölf Veranstaltungen. Es ist uns dabei gelungen die großen Themenblöcke, die in Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz oft genannt werden, abzudecken. Darunter zum Beispiel „KI & Demokratie“, „KI & Rassismus“ und „KI & Nachhaltigkeit“. Mehr als 800 Menschen nahmen teil, ein klares Signal, dass das Thema auf großes Interesse stößt.

Ein Publikumsliebling war der „KI:osk“, ein niedrigschwelliger Ausprobierstand mit sechs KI-Tools, betreut von geschulten Mitarbeitenden. Hier konnten unsere Besuchenden selbst testen, wie KI funktioniert. Das Format kam so gut an, dass es regelmäßig als Pop-up-Angebot in der Zentralbibliothek angeboten wird. In den Zweigstellen wird das Angebot eigenverantwortlich via eines iPads realisiert. Als Konsequenz aus den Erfahrungen der KI-Woche und weil das Thema KI so sehr die Gemüter bewegt, achten wir bei der Gestaltung unseres Quartalsprogramms darauf, dass wir immer KI-Veranstaltungen im Programm haben.

Herausforderungen

Natürlich ist der Weg zu einer KI-gestützten Bibliothek kein Selbstläufer.
Technische Hürden, knappe Ressourcen, Investitionen in Infrastruktur und die Suche nach datenschutzkonformen Lösungen begleiten uns. Der kontinuierliche Kompetenzaufbau im Kollegium ist ebenfalls ein zentrales Ziel und Thema. Künftig auch mit Unterstützung externer Partner wie der örtlichen Hochschule. Wichtig war für uns, Herausforderungen nicht als Bremsklotz zu sehen, sondern als Teil des Lernprozesses, denn jedes Problem, das wir lösen, macht uns zukunftsfähiger.

Ausblick

Unsere weiteren Pläne: die Robotik-Integration ausbauen, das Avatar-System weiterentwickeln, interne Abläufe stärker automatisieren und neue Veranstaltungsformate wie zum Beispiel eine KI-Sprechstunde anbieten. Unser Ziel ist es, dass Künstliche Intelligenz in der Bibliothek so selbstverständlich genutzt wird wie ein Katalog oder ein Ausleihsystem, also offen für alle und mit Raum zum Ausprobieren.

Dazu wollen wir auch weiterhin Formate und Angebote schaffen, die Menschen befähigen, KI kritisch zu hinterfragen aber auch kreativ zu nutzen. Langfristig möchten wir so mit unserem Projekt „BibliotheKI“ einen Beitrag zur KI-Strategie der Landeshauptstadt Düsseldorf und zur Befähigung ihrer Bürger*innen leisten.

Fazit

„BibliotheKI“ zeigt, dass Künstliche Intelligenz in öffentlichen Bibliotheken nicht nur möglich, sondern gestaltbar ist. Technik, Organisation, Bildung und Dialog greifen ineinander, um ein Modell zu schaffen, das über Düsseldorf hinaus Impulse geben kann. Unser Ziel: ein offener, partizipativer und zukunftsorientierter Raum, in dem Mensch und Maschine gemeinsam Neues schaffen. Andere Bibliotheken können von diesem Ansatz profitieren, indem sie klein anfangen, mutig experimentieren und gemeinsam mit ihren Nutzenden und Mitarbeitenden Schritt für Schritt in das Thema hineinwachsen.

Die Autorinnen

Antonia Lüthgen studiert seit 2022 dual „Bibliothek und digitale Kommunikation“ an der Technischen Hochschule Köln. Im bibliothekarischen Kontext interessiert sie sich besonders für den Kinder- und Jugendbereich und die Veranstaltungsarbeit im Allgemeinen.
Dana Wingensiefen-Wosel leitet seit März 2024 das Sachgebiet Digitale Services in den Stadtbüchereien Düsseldorf – hier ist sie für die Vermittlung der Digitalen Angebote der Stadtbüchereien, das LibraryLab, den humanoiden Roboter Pepper und für das neue Digitalstudio verantwortlich. Seit Juni 2024 steht sie außerdem der KI-Projektgruppe der Stadtbüchereien Düsseldorf vor. Zuvor war Dana Wingensiefen-Wosel sieben Jahre in einer Unternehmensberatung (PR) tätig. Sie ist gelernte Buchhändlerin und hat einen Masterabschluss der LMU München in Buch- und Medienforschung.

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Zwischen Brandbeschleuniger und Feuerlöscher: Wie KI die Dynamik von Fake News verändert (Teil 3 der KI-Reihe)

Künstliche Intelligenz verändert die Art und Weise, wie Informationen entstehen, verbreitet und bewertet werden. KI-gestützte Systeme erleichtern zunehmend die Produktion von realistisch wirkenden Texten, Bildern und Videos – und damit neue Formen von Desinformation. Aber inwieweit bieten sie bereits die Möglichkeit, Falschmeldungen zu erkennen? Und was heißt das für Öffentliche Bibliotheken?

KI als Werkzeug zur Erkennung von Desinformation

Mit dem Aufkommen von Sprach- und Bildgeneratoren wird die Erzeugung und Verbreitung von Fake News zunehmend einfacher verbreitet. KI kann realistisch wirkende Nachrichten, Bilder und Deepfake-Videos generieren. Dadurch steigt nicht nur die Quantität von Falschinformationen, diese sind mittlerweile oft schwieriger zu erkennen. Zudem verschwimmen die Grenzen zwischen Wahrheit und Falschinformation, auch wenn der Inhalt durch KI nur subtil verändert wird.

Neben den Schattenseiten kann eine KI auch dabei helfen, Fake News aufzudecken und einzudämmen. Algorithmen können Muster von Falschinformationen erkennen, Quellen verifizieren und dabei helfen, Desinformationen schneller zu entlarven. Die Technik ist somit nicht nur ein Teil des Problems, sondern auch potenziell Teil der Lösung.

KI-Tools zur Erkennung von Fake News

Der Deepfake-o-Meter von der University at Buffalo kann Bilder und Videos Deepfake anhand von KI entdecken. Die Nutzung des Deepfake-o-Meters ist kostenlos und hilft dabei, aus Bild-, Video-, und Tondateien Deepfakes zu erkennen. Nach der Registrierung können Nutzende eine Mediendatei hochladen und durch verschiedene Open-Source-Algorithmen analysieren lassen. Innerhalb weniger Minuten liefert das Tool dann eine Einschätzung, ob die Datei Anzeichen für KI-Manipulation enthält. Dabei handelt es sich wie bereits um eine Einschätzung, die von einer KI selbst ausgegeben wird.  Allerdings: Die Ergebnisse daraus sind nicht zu 100 Prozent zuverlässig, können aber eine Hilfe sein. Die Analyse von Deepfake-o-Meter ist rein technisch und muss von den Nutzenden interpretiert werden. 

Sightengine ist ein KI-Tool, das Bilder, Videos und Texte analysiert und automatisch moderiert. Es wird von Plattformen genutzt, um unangemessene Inhalte zu erkennen und zu entfernen. Das Tool basiert auf ein Wissen aus echten und manipulierten Medieninhalten um Muster erkennen zu können, die auf problematische Inhalte hindeuten.

Europäische Forschungsprojekte zu KI und Desinformation

Das deutsche Forschungsprojekt NoFake setzte genau an der Ungenauigkeit bisheriger Möglichkeiten an, indem mit einer Kombination aus Automatisierung und journalistischer Expertise über eine Plattform für Faktenchecks.

Ziel des Projektes war es, ein digitales Assistenzsystem zu entwickeln, das Menschen dabei unterstützt, Falschinformationen im Internet schnell zu erkenne. Dabei geht es vor allem um Texte und Bilder, die über Online-Plattformen verbreitet werden. Das Assistenzsystem soll großen Mengen an Daten automatisch analysieren, verdächtige Inhalte herausfiltern und dabei zeigen, wie sich diese Inhalte verbreiten. Dafür untersucht das Forschungsteam, wie bestehende Methoden zur Analyse von Texten und Bildern verbessert werden können, damit sie Fake News zuverlässig erkennen. Zu dem System werden Schulungen und Lernmaterialien entwickelt, damit Crowdworker lernen, sicher mit dem System zu arbeiten. Die Materialien sollen ihnen auch dabei helfen, ohne journalistische Ausbildung, Fake News zu erkennen. Koordiniert wurde das Projekt von der Ruhr-Universität Bochum. Partner waren die Technische Universität Dortmund, CORRECTIV gGmbH Essen und die Technische Universität Berlin. Das Projekt lief von 2021 bis 2024 und wurde gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt.

Das europäische Forschungsprojekt vera.ai entwickelte ebenfalls Tools, die nicht nur Fake News erkennen, sondern die Nutzenden nachvollziehbar aufklären, warum ein bestimmter Inhalt als manipuliert oder falsch eingestuft wird. Dabei werden Inhalte in verschiedenen Sprachen und Formaten analysiert, um Desinformationskampagnen zu erkennen. Dabei hat vera.ai als Zielgruppe nicht vulnerable Gruppen oder Behörden, sondern Forschende, Journalistinnen und Journalisten und andere Medienprofis. Beteiligt waren unter anderem das Fraunhofer IDMT, die Deutsche Welle und die University of Sheffield.

Im Forschungsprojekt NEBULA arbeiteten Hochschulen, Behörden und Unternehmen von Juli 2022 bis Juni 2025 gemeinsam daran, Fake News frühzeitig zu erkennen und ihre Wirkung zu entschärfen. Das Projekt hatte zwei Zielgruppen im Fokus.

Zum einen sollen besonders gefährdete Gruppen wie ältere Menschen oder Nutzende mit geringer Medienkompetenz durch verständliche und transparente Technologien unterstützt und gestärkt werden. Des Weiteren lag der Fokus auch auf Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Dazu wurden Smartphone-Apps und Browser-Plugins entwickelt, mit denen sich die Glaubwürdigkeit von Nachrichten prüfen lassen.

Das Projekt legt dabei großen Wert auf die Vermittlung. Die KI muss begründen können, warum ein Inhalt als potenziell falsch eingestuft wird. Die Ergebnisse aus NEBULA bestehen aus reinen Prototypen – es gibt dazu keine funktionsfähige App.

Ein wichtiges Fazit: eine genaue KI-Detektion ist derzeit noch nicht möglich, kann aber dabei helfen, vorzufiltern. Aus den Nutzerstudien zeigte sich außerdem, dass das Arbeiten mit Indikatorenanzeigen großes Potenzial beherbergt, da das kritische Denken der Nutzenden aktiv angeregt wird – in diese Richtung soll laut Dr.-Ing. Katrin Hartwig von der Technischen Universität Darmstadt, auch zukünftig weiter geforscht werden. Beteiligt waren unter anderem die Technische Universität Darmstadt, die Universität Siegen, die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, die Universität Paderborn und die NanoGiants GmbH als Verbundpartner.

Die Beispiele aus der Praxis und der Forschung zeigen: Es entstehen zunehmend mehr Werkzeuge, die Fake News erkennen und transparent machen. Jedoch sind diese Werkzeuge (noch) kein gutes Löschmittel.

Projekte in Öffentlichen Bibliotheken

Umso wichtiger wird die Förderung von Medien- und Informationskompetenz, nicht nur in Schulen oder Universitäten, sondern auch in Öffentlichen Bibliotheken. Sie können zu Orten werden, an denen Menschen lernen, KI nicht nur zu nutzen, sondern auch kritisch zu betrachten. Beispielsweise sind Workshops zur Erkennung von Fake News, Deepfakes möglich oder das Ausprobieren von KI-Erkennungstools im geschützten Rahmen.

Einige Bibliotheken wie zum Beispiel die Zentralbibliothek Duisburg boten ein Aktionslabor, konzipiert von der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, an. An sowohl analogen als auch digitalen Mitmachstationen konnte man mit Virtual-Reality-Angeboten und interaktiven Spielen das eigene Informations- und Nachrichtenverhalten hinterfragen. Begleitend zu der Ausstellung gab es auch Veranstaltungen zu Themen wie „Was kann ich noch glauben? Desinformation, Fake News und KI-Manipulation besser verstehen“ oder „Nah und neutral? Die Kunst der journalistischen Berichterstattung“.

Auch durch niedrigschwellige Angebote, wie beispielsweise durch die KI-Kreativ-Werkstatt in der Stadtbibliothek Dormagen, können Kinder und Jugendliche spielerisch einen kritischen und verantwortungsbewussten mit KI erlernen. Der Workshop in der Stadtbibliothek Dormagen ermöglichte es Kindern im Alter zwischen 10 und 12 Jahren KI verstehen und einsetzen zu können. Es lag neben kindgerechter und praxisnaher Umsetzung auch der Fokus auf eine kritische Auseinandersetzung. Weitere beispielhafte Projekte in Bibliotheken zum Thema KI und Fake News gibt es auf der Website von Netzwerk Bibliothek Medienbildung

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Der EU AI Act – Kompass im Umgang mit KI (Teil 2 KI-Reihe)

Chatbots können heute bereits einfache Anfragen von Nutzer*innen beantworten – etwa zu Öffnungszeiten, Medienverfügbarkeit oder Veranstaltungsterminen, wie beim VÖBB-Chatbot der Bibliothek Berlin. Auch KI-gestützte Tools zum Schreiben von Pressemitteilungen oder zur Planung von Veranstaltungen können bei der Arbeit unterstützen. Aber kann man KI als Organisation einfach so verwenden? Ohne Schulung oder Kennzeichnung?

Vier Risikokategorien von KI

Seit 1. August 2024 gilt mit dem EU AI Act das weltweit erste umfassende Gesetz zur Regulierung von Künstlicher Intelligenz. Der Rat der 27 EU-Mitgliedstaaten hat damit einen verbindlichen Rahmen für den Einsatz von KI verabschiedet. Ziel ist es, Innovation zu fördern und gleichzeitig Risiken für Menschen und Gesellschaft zu begrenzen.

Der EU AI Act teilt KI-Tools in vier Risikokategorien ein:

KategorieSymbolBeispieleRechtliche Pflichten / Folgen
Minimales Risiko🟢Schreib- oder Übersetzungsassistenten, Spamfilter, KI in VideospielenKeine speziellen Auflagen außer bestehenden Gesetzen
Begrenztes Risiko🟡Chatbots, Empfehlungssysteme, DeepfakesTransparenzpflichten: Nutzer*innen müssen erkennen können, dass sie mit KI interagieren oder KI-Inhalte sehen
Hohes Risiko🟠KI in Medizinprodukten, Personalwesen (z. B. Bewerbungsscreening), Bildung (z. B. Prüfungsbewertung), Justiz, Migration, kritische InfrastrukturenStrenge Anforderungen: Risikomanagement, hochwertige Daten, Dokumentation, menschliche Aufsicht, Robustheit, Genauigkeit, Transparenz
Inakzeptables Risiko🔴Social Scoring, manipulative Systeme, bestimmte biometrische Echtzeit-ÜberwachungVerboten – Einsatz nicht zulässig


Nationale Behörden überwachen die Einhaltung. Verstöße können zu hohen Geldbußen führen (bis zu 35 Mio. € oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes).

Anforderungen an KI-Kompetenzen („AI Literacy“)

Der EU AI Act verpflichtet Anbieter und Verwender von KI-Systemen dazu, ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenzen („AI Literacy“) bei ihrem Personal sicherzustellen. Darunter versteht das Gesetz Fähigkeiten, Wissen und Verständnis, die es ermöglichen, KI-Systeme informiert zu nutzen, Chancen und Risiken einzuschätzen und sich möglicher Schäden bewusst zu sein. Das erforderliche Kompetenzniveau hängt dabei von den Aufgaben, dem Kontext und dem Einsatzbereich des jeweiligen KI-Systems ab.

Für Bibliotheken bedeutet dies: Mitarbeitende, die KI-Anwendungen einsetzen – etwa Chatbots, Empfehlungssysteme oder Planungstools – müssen in einem Umfang geschult werden, der ihnen eine verantwortungsvolle und transparente Nutzung dieser Systeme ermöglicht.

Aber was bedeutet das konkret?

Für Bibliotheken folgt daraus in der Praxis:

1. Interne Anforderungen (Mitarbeitende)

  • Basiswissen zu KI: Mitarbeitende verstehen, wie die eingesetzten Systeme (z. B. Chatbot, Bildgenerierung, Empfehlungssysteme) grundsätzlich funktionieren.
  • Kompetenz im Umgang: Sie können Ergebnisse interpretieren, typische Fehler (Bias, Halluzinationen, eingeschränkte Datenbasis) erkennen und den Nutzer*innen transparent machen.
  • Transparenzpflicht erfüllen (ab 02.08.26): Sie wissen, wie sie kenntlich machen müssen, dass es sich um KI-generierte Inhalte handelt.
  • Verantwortung & Aufsicht: Sie bleiben Ansprechpersonen für Nutzer*innen und übernehmen die Kontrolle – KI ersetzt keine menschliche Entscheidungshoheit.
  • Fortbildung & Aktualisierung: Schulungen, Leitfäden oder interne Standards, damit das Wissen aktuell bleibt.

2. Organisatorische Maßnahmen

  • Richtlinien entwickeln: Interne Handreichungen, wie KI-Tools in der Bibliothek eingesetzt werden dürfen (z. B. Datenschutz, Haftungsfragen).
  • Dokumentation: Wer nutzt welches KI-System, in welchem Umfang, mit welchem Ziel?
  • Ansprechpersonen benennen: Für Rückfragen von Nutzer*innen und für den Umgang mit Problemen.

3. Optionale Erweiterung (Service für Nutzer*innen)

  • Informations- und Schulungsangebote: Bibliotheken können Workshops oder Infoveranstaltungen anbieten, um Nutzer*innen im kritischen Umgang mit KI zu stärken.
  • Medienpädagogische Rolle: Bibliotheken profilieren sich als Orte, an denen digitale und KI-Kompetenzen vermittelt werden.

Fazit

Mit dem EU AI Act liegt seit 2024 erstmals ein verbindlicher Rechtsrahmen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Europa vor. Für Bibliotheken bedeutet das: Der Einsatz von KI ist möglich und sinnvoll, er muss aber im Einklang mit den Vorgaben erfolgen. Dazu gehört vor allem die Einhaltung von Transparenzpflichten, die Schulung von Mitarbeitenden im verantwortungsvollen Umgang mit KI-Systemen und die Berücksichtigung der jeweiligen Risikokategorie.

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Warum braucht es KI-Innovation in Bibliotheken? (Blog-Reihe zu KI – Teil 1)

Digitalisierung, veränderte Nutzungsgewohnheiten, Personalmangel und neue Erwartungen der Besucherinnen und Besucher stellen Öffentliche Bibliotheken vor große Herausforderungen. Innovative Lösungen sind gefragt – und eine Technologie rückt dabei immer stärker in den Fokus: die Künstliche Intelligenz (KI). In unserer neuen Beitragsreihe möchten wir beleuchten, warum KI im Bibliothekswesen relevant ist und welche Chancen und Herausforderungen sie mit sich bringt.

Was ist KI wirklich – und was nicht?

Andreas Langer, Medienpädagoge bei der Büchereizentrale Schleswig-Holstein und KI-Experte, ordnet den Begriff in der aktuellen ProLibris (25/1) treffend ein: Der englische Ausdruck Artificial Intelligence wird im Deutschen oft missverstanden, weil „Intelligenz“ stark mit menschlicher Kognition verknüpft ist. Tatsächlich geht es bei KI vor allem um die Fähigkeit, Informationen zu verarbeiten und Probleme zu lösen. Die deutsche Übersetzung führt daher häufig zu überhöhten Erwartungen – und zu Missverständnissen über die tatsächlichen Möglichkeiten von KI-Systemen, besonders bei Menschen, die den Anschluss an aktuelle Medien- und Kulturtechniken verloren haben.

Langer plädiert für einen pragmatischen, fachlich neutralen Einsatz von KI in Bibliotheken. Chancen sollen genutzt werden, ohne zentrale bibliothekarische Werte wie Datenschutz, Informationsfreiheit und kritische Medienkompetenz aus den Augen zu verlieren. Bibliotheken könnten künftig eine wichtige Rolle dabei übernehmen, ihre Nutzerinnen und Nutzer zu befähigen, KI-Technologien kompetent, reflektiert und selbstbestimmt einzusetzen. Hier geht es zum vollständigen Artikel: https://www.bibliotheken-nrw.de/wp-content/uploads/2025/04/Web-DS-250321_ProLibris_01-2025-1.pdf (Seite 8)

KI ist schon Realität in Bibliotheken

KI ist längst kein fernes Zukunftsthema mehr. Heute begegnet sie uns bereits in vielfältigen Anwendungen, zum Beispiel:

  • Chatbots für die Nutzerberatung
  • Tools zur Organisation von Veranstaltungen oder Arbeitsabläufen
  • Bild- oder Textgeneratoren für die Social-Media-Arbeit
  • KI-Kioske als frei zugängliche Terminals für Besucherinnen und Besucher

Diese Beispiele zeigen, dass KI den Bibliotheksalltag bereits bereichert – sowohl nach außen in der Nutzerkommunikation als auch nach innen in den internen Prozessen.

Ein Avatar beantwortet in der Stadtteilbücherei Unterbach die Fragen der Besucherinnen und Besucher und hilft bei der Orientierung (Foto: Stadt Düsseldorf)

Ein Ausblick auf unsere Reihe

Als Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW werden wir uns in den kommenden Beiträgen intensiver mit dem Thema KI beschäftigen. In kurzen und leicht verständlichen Einheiten geben wir Einblicke in:

  • Grundlagen der Künstlichen Intelligenz
  • aktuelle Tools und Projekte
  • praktische Beispiele für den Bibliotheksalltag

Damit möchten wir Bibliotheken einen praxisnahen Einstieg in das Thema bieten und Impulse für die eigene Arbeit setzen.

Was interessiert Sie besonders: Einsatzmöglichkeiten im Alltag, rechtliche Aspekte oder Praxisbeispiele aus anderen Bibliotheken? Teilen Sie Ihre Erwartungen und Fragen gerne mit uns!

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Fokus Nachhaltigkeit: Ausgabe ProLibris 02/2025 online

Nachhaltigkeit mitzudenken, darum bemühen sich längst auch Nordrhein-Westfalens Bibliotheken. Einerseits wollen sie ihren CO2-Fußabdruck reduzieren, anderseits
bringen sie das Thema ihren Besucher:innen in vielfältiger Weise nahe. Lassen Sie sich durch Beispiele aus Bochum, Herne, Bonn-Rhein-Sieg, Moers, Kamp-Lintfort, Paderborn, Bielefeld und Oberhausen anregen, darüber nachzudenken, welche Ideen Sie auch in
Ihrer Bibliothek umsetzen können.

Außerdem gibt es einen Bericht zum Expertisenzirkel „Quereinstieg in Bibliotheken“ und einen Rückblick auf die Nacht der Bibliotheken.

Link zur Ausgabe: https://www.bibliotheken-nrw.de/wp-content/uploads/2025/07/ProLibris_02-2025_DS_WEB.pdf

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NRW-Bibliotheksstatistik 2024 – Einblicke und Entwicklungen

Wir haben die Daten der Deutschen Bibliotheksstatistik für NRW für das Jahr 2024 ausgewertet und auf unserem Blog veröffentlicht. Die Landesstatistik NRW umfasst alle kommunalen öffentlichen Bibliotheken. Die Daten machen deutlich: Bibliotheken in NRW befinden sich in einem Transformationsprozess. Welche Trends sich abzeichnen und welche Herausforderungen damit verbunden sind, erfahren Sie in unserer Auswertung: https://fachstelle-oeffentliche-bibliotheken.nrw/nrw-statistik-2024/

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Gekommen, um zu bleiben: Erfolgreiches Onboarding für Quereinsteiger*innen in Bibliotheken

Der Fachkräftemangel macht auch vor Bibliotheken nicht Halt. Immer häufiger finden daher Menschen mit unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen ihren Weg in den Bibliotheksalltag – als sogenannte Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger. Das bringt frischen Wind, neue Perspektiven und wertvolle Kompetenzen. Doch um diese Potenziale bestmöglich zu entfalten, braucht es ein strukturiertes und wertschätzendes Onboarding.

Warum Onboarding gerade für Quereinsteiger entscheidend ist

Quereinsteiger*innen kommen oft mit viel Motivation, aber meist wenig Fachwissen in bibliotheksspezifische Abläufe. Ein gelungener Einstieg entscheidet darüber, wie schnell sie sich zurechtfinden, sich einbringen können – und ob sie langfristig bleiben. Denn Unsicherheit, fehlende Orientierung und ein unklarer Rollenrahmen führen schnell zu Frustration.

Ein gutes Onboarding ist daher mehr als eine kurze Einarbeitungsphase: Es ist eine strategische Investition in Bindung, Motivation und Qualität.


Was Quereinsteigende mitbringen – und was sie brauchen

Stärken von Quereinsteiger*innen (individuell verschieden):

  • Neue Perspektiven (z. B. aus Pädagogik, Buchhandel, IT, Kulturmanagement, Journalismus)
  • Kommunikations- oder Projektkompetenz
  • Digitale Affinität oder kreative Ansätze für Veranstaltungsarbeit

Herausforderungen:

  • Kein bibliothekarisches Fachvokabular
  • Unsicherheit im Umgang mit Systemen (z. B. Katalogisierung, Ausleihsoftware)
  • Unkenntnis von Zielgruppenbedürfnissen, rechtlichen Rahmenbedingungen oder bibliotheksspezifischen Aufgaben

Ein erfolgreiches Onboarding gleicht diese Unterschiede systematisch aus – und schafft Raum, die mitgebrachten Stärken einzubringen.


Bausteine eines gelungenen Onboardings

1. Begrüßung und Orientierung
Ein strukturierter erster Tag mit persönlicher Begrüßung, Rundgang, Vorstellung des Teams und einer Begrüßungsmappe hilft, sich willkommen zu fühlen. Ein klarer Ablaufplan für die ersten Wochen gibt Sicherheit.

2. Einführung in die Arbeitsbereiche
Schrittweise Einarbeitung in zentrale Prozesse: Ausleihe, Rückgabe, Recherche, Veranstaltungsplanung, Medienbearbeitung etc. Idealerweise mit einer erfahrenen Ansprechperson („Buddy“), die Wissen weitergibt und für Fragen erreichbar ist.

3. Schulung und Fortbildung
Quereinsteiger*innen profitieren von niedrigschwelligen Fortbildungsangeboten – z. B. zu Bibliothekssoftware, Recherchetechniken, Medienpädagogik oder Veranstaltungsplanung. Auch E-Learning-Formate oder Online-Tutorials sind hilfreich.

4. Feedback und Austausch
Regelmäßige Feedbackgespräche ermöglichen Rückmeldung, Klärung offener Fragen und Anpassung der Einarbeitung. Austausch mit anderen Quereinsteiger*innen (z. B. über Netzwerktreffen) schafft zusätzliche Unterstützung.

5. Perspektive und Integration
Einbezug in Teammeetings, Projektarbeit oder Weiterbildungsangebote signalisiert: Du gehörst dazu. Perspektivgespräche helfen, Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen und das eigene Profil weiter zu schärfen.


Fazit: Onboarding mit Herz und Struktur

Quereinsteiger*innen sind eine wertvolle Ressource für Bibliotheksteams – wenn man sie gut abholt. Ein durchdachtes Onboarding schafft Vertrauen, Orientierung und Lernräume. Es fördert nicht nur die individuelle Entwicklung, sondern stärkt auch das ganze Team durch Vielfalt, neue Ideen und gegenseitiges Lernen.

Und nicht zuletzt: Wer sich willkommen fühlt, bleibt gerne.


Weiterführende Literatur und Quellen

Fachartikel und Studien:

  • „Quereinsteiger in der Bibliothek“ in: BuB – Forum Bibliothek und Information, Ausgabe 04/2020. b-u-b.de
  • Haarhaus, Lisa (2019): Onboarding an wissenschaftlichen Bibliotheken – Eine Analyse am Beispiel der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg. Bachelorarbeit. serwiss.bib.hs-hannover.de

Weitere hilfreiche Ressourcen:

Blog der FU Berlin: Onboarding in wissenschaftlichen Bibliotheken. blogs.fu-berlin.de

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BibliotheksExkursionenNRW: Werden Sie Gastgeber und Gast!

Die Fachstelle für öffentliche Bibliotheken NRW lädt alle Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen ein, am neuen Projekt BibliotheksExkursionenNRW teilzunehmen. Im Rahmen der DigitiativeNRW bietet dieses Projekt die Möglichkeit, sich unter Fachkolleginnen und -kollegen auszutauschen, Einblicke in die Arbeit anderer Bibliotheken zu gewinnen und Ihre eigenen Best Practices zu präsentieren.

Warum sollten Sie teilnehmen?

  • Austausch und Lernen: Als Gastgeber haben Sie die Chance, Ihre Bibliothek vorzustellen und gleichzeitig von den Erfahrungen anderer zu profitieren.
  • Innovationen entdecken: Sehen Sie, wie andere Bibliotheken Herausforderungen meistern und welche innovativen Ansätze sie verfolgen.
  • Netzwerk aufbauen: Nutzen Sie die Exkursionen, um wertvolle Kontakte zu knüpfen und sich innerhalb der Fachgemeinschaft zu vernetzen.

Teilnahmevoraussetzung

Eine Teilnahme ist nur möglich, wenn Ihre Bibliothek auch bereit ist, selbst Besuche anzubieten. Dies stellt sicher, dass alle Beteiligten aktiv zum Wissenstransfer und Austausch beitragen.

So melden Sie sich an

Besuchen Sie unsere Plattform BibliotheksExkursionenNRW:

https://t1p.de/bibliotheksexkursionen

Dort finden Sie alle wichtigen Informationen und können sich direkt als Gastgeber anmelden.

Werden Sie Teil dieser Initiative und fördern Sie den Austausch und die Weiterentwicklung der Bibliotheken in NRW!

Für weitere Fragen steht Ihnen unsere Kollegin Susanne Keyzers zur Verfügung. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

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Spielematerial für Escape Game „Glitch“

Unter Koordination der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW, dem ZBIW und der Medienpädagogin Janina Wiegand entwickelten Mitarbeiter:innen aus 14 nordrhein-westfälische Bibliotheken ein mobiles Escape Game zum Thema „Gaming“ für die Zielgruppen Jugendliche und Erwachsene. Mit dem Spiel sollen Jugendliche auf spannende Angebote in den Bibliotheken aufmerksam gemacht werden. Der Spielspaß und die Unterhaltung stehen bei diesem Format im Vordergrund.
Das Spiel ist nun für alle zugänglich. Auf folgender Taskcards erhalten Sie Zugriff auf die Spielanleitung und Spielmaterialien. https://brd.taskcards.app/…

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RFID-Selbstverbuchung

RFID (Radio Frequency Identification) revolutioniert den Bibliotheksalltag: Doch wie funktioniert die Technologie genau? Welche Vorteile bietet sie für Bibliotheken und Nutzende? Und welche Herausforderungen sind zu beachten? In unserem Blogbeitrag geben wir einen Überblick zum Thema RFID, räumen mit Missverständnissen auf und beleuchten die Vorteile sowie Herausforderungen einer RFID-Einführung.

Was ist RFID?

RFID steht für „Radio Frequency Identification“, eine Technologie, die es ermöglicht, Daten drahtlos zu übertragen. In Bibliotheken werden spezielle RFID-Tags in den Medien integriert. Diese Tags enthalten Informationen wie Titel, Autor und Ausleihstatus.

Wie funktioniert die RFID-Verbuchung?

In Bibliotheken erfolgt die Nutzung von RFID über Selbstverbuchungsterminals. Diese Terminals erlauben es den Nutzerinnen und Nutzern, ihre Medien eigenständig auszuleihen oder zurückzugeben. Ein RFID-Lesegerät erkennt die Tags auf den Medien und synchronisiert die Daten automatisch mit dem Bibliothekssystem. Im Gegensatz zu herkömmlichen Barcodes benötigt RFID keine direkte Sichtverbindung zum Lesegerät. Dadurch ist eine Verbuchung im Stapel möglich. Das macht die Ausleihe und Rückgabe effizienter und benutzerfreundlicher. Ergänzend dazu werden Diebstahlsicherungen integriert, die nur deaktiviert werden, wenn ein Medium ordnungsgemäß ausgeliehen wurde.

Auf RFID-Etiketten und -Ausweisen werden keine Daten gespeichert, die Rückschlüsse auf das Mediennutzungsverhalten zulassen. Medienausleihen nachzuverfolgen, Nutzerprofile anzulegen oder ähnliche Datenerhebungen sind gemäß Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) verboten.

Woraus besteht eine RFID-Ausstattung?

Grundsätzlich besteht eine RFID-Ausstattung aus den folgenden Elementen:

  • Tags: Die Sticker, die auf jedem Medium angebracht sind.
  • Selbstverbucher: Geräte zur Ausleihe und Rückgabe von Medien.
  • Antennen an den Arbeitsplätzen: Diese ermöglichen es dem Personal, die Medien auszulesen. Sie sind auch notwendig, um neue Medien einzupflegen. Die Antennen werden meist als Platten unter dem Schreibtisch installiert. Nicht jeder Arbeitsplatz muss RFID-fähig sein. Mindestens ein Platz pro Etage sollte damit ausgestattet sein. Zudem sollten ein oder zwei Büroplätze RFID-Antennen haben, um Medien einzuarbeiten. Es gibt auch mobile Varianten.
  • Schnittstellen zur Bibliothekssoftware: Diese werden vom Anbieter der Bibliothekssoftware bereitgestellt, nicht vom RFID-Anbieter.

Optionale Elemente:

  • Gate (Sicherung am Ausgang): Ein Gate ist nicht zwingend erforderlich, jedoch üblich. Es dient der Diebstahlsicherung und/oder der Verbuchungserinnerung. Darüber hinaus fungieren die Gates als Besucherzähler, was für die Bibliothek wichtig ist. Der Erfolg einer Bibliothek wird heute nicht mehr nur an den Ausleihzahlen gemessen, sondern auch an den Besuchszahlen.
  • Intelligente Rückgaberegale: RFID-fähige Regale, an denen ein Bildschirm angebracht ist. Die Medien werden ins Regalfach gelegt und automatisch zurück gebucht, ohne dass eine Authentifizierung über den Bibliotheksausweis erforderlich ist.
  • Außenrückgabe: Falls die räumlichen Gegebenheiten es zulassen, kann auch eine Außenrückgabe installiert werden, um eine rund-um-die-Uhr-Rückgabe der Medien zu ermöglichen. Man unterscheidet die Größen nach der Anzahl der Sortierwege: Führt das Förderband in zwei, drei, vier oder mehr Sammelbehälter (Bins)? Hier wird eine Vorsortierung nach Sachgruppen und Etagen vorgenommen.
  • Rückgabebox: Wenn eine Außenrückgabe nicht erforderlich oder möglich ist, sollte mindestens eine nicht-technische Möglichkeit zur flexiblen Medienrückgabe angeboten werden. Die Umstellung auf RFID dient der Verbesserung des Bibliotheksservice, und kundenfreundliche Rückgabemöglichkeiten gehören dazu.
  • Kassenautomat/ EC-Modul: Ein Automat, an dem die Nutzenden mit ihrer Karte ihr Bibliothekskonto einsehen und Ausstände in bar oder mit Karte begleichen können. Alternativ kann auch ein EC-Modul am Selbstverbuchungsgerät installiert werden. Dies ist deutlich günstiger ist, bedeutet aber auch den Verzicht auf Bargeld.

Bedarfsermittlung für Verbuchungsgeräte: So geht’s

Die Anzahl der benötigten RFID-Verbuchungsgeräte richtet sich nach den Ausleihen pro Stunde. In unserer Beratungspraxis hat sich folgende Vorgehensweise als praktisch erwiesen: Zuerst ermittelt man die physischen Entleihungen des letzten Jahres. Dann teilt man diese durch die Anzahl der Jahresöffnungsstunden. Auf diese Weise erhält man die Zahl der Ausleihen pro Stunde.
Ein Ausleihvorgang dauert in der Regel etwa eine Minute, da Nutzer oft auch ihr Konto einsehen möchten. Bei 60 Entleihungen pro Stunde würde ein Verbuchungsgerät ausreichen, um den Bedarf zu decken. Da jedoch davon auszugehen ist, dass im Durchschnitt zwei Medien gleichzeitig ausgeliehen werden, kann die Zahl der Ausleihen pro Stunde auf 120 erhöht werden. Wenn das Gerät auch für die Rückgabe genutzt werden soll, bleibt es bei 60 Ausleihen pro Stunde.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Anzahl und der Schnitt der Etagen. Es kann sinnvoll sein, auf jeder Etage die Möglichkeit zur Verbuchung anzubieten. Ebenso ist es üblich, ausleihstarke Bereiche wie den Kinderbereich mit einem eigenen RFID-Verbuchungsgerät auszustatten. Dadurch wird die Situation im Eingangsbereich entlastet. Hier kommt es auf Ihre individuelle Situation an, zu der wir Sie gerne beraten.

Vorteile der RFID-Verbuchung

Für die Bibliothek

  • Effizienzsteigerung und Entlastung
    • Routinetätigkeiten werden reduziert, wodurch eintönige Aufgaben entfallen.
    • Mehrere Medien können gleichzeitig im Stapel verarbeitet werden.
    • Bestandspflege wird schneller und einfacher.
  • Optimierung der Personalressourcen
    • Personal kann entsprechend der jeweiligen Qualifikation zielgerichteter eingesetzt werden, z.B. in der Veranstaltungsarbeit oder Kundenkommunikation
    • Reduzierung der Personalstärke pro Schicht kann die Erweiterung von Öffnungszeiten ermöglichen
  • Verbesserung der Sicherheit und des Images
    • Die Medien sind besser gesichert
    • Imagegewinn durch eine zeitgemäße technisches Ausstattung

Für die Kundschaft

  • Flexibilität und Eigenständigkeit
    • Ausleihe und Rückgabe im Stapel ermöglichen eine schnellere Abwicklung.
    • Selbstbedienung bietet größere Flexibilität bei der Nutzung der Bibliothek.
    • Kunden können ihr Konto eigenständig verwalten und behalten die Übersicht.
  • Diskretion und Niederschwelligkeit
    • Nutzer können ihre Anliegen diskret und ohne Hemmschwellen erledigen.

Herausforderungen

Trotz der vielen Vorteile gibt es auch Herausforderungen:

  • Kosten: Die Umstellung auf RFID erfordert eine erhebliche Anfangsinvestition in Hardware, Software und Schulungen.
  • Technische Barrieren: Einige Nutzerinnen und Nutzer, z.B. ältere Menschen, könnten anfänglich Schwierigkeiten mit der Bedienung haben.

Kann die Umstellung auf RFID Personal einsparen?

Grundsätzlich nein. In großen Bibliotheken gab es früher mehrere dauerhaft besetzte Verbuchungsplätze. Dort wurde das Personal von Routinetätigkeiten entlastet. Nun arbeitet es in anderen, arbeitsintensiven Bereichen, die bisher oft unterbesetzt waren. Zum Beispiel für die Planung von Veranstaltungen, Kooperationsmanagement, Öffentlichkeitsarbeit, Beratung oder in der Lese-, Informations- sowie Medienkompetenzförderung.

Einige Bibliotheken befürchten, dass der persönliche Kontakt zur Kundschaft durch die RFID-Selbstverbuchung abnehmen könnte. Die Erfahrung zeigt jedoch das Gegenteil: Da mehr Zeit für die Unterstützung bei Rechercheanfragen bleibt, steigt die Zufriedenheit langfristig. Die Bibliothek kann ihrem Anspruch als serviceorientierte Einrichtung besser gerecht werden

Migration zu RFID

Sprechen Sie zuerst mit Ihrem Softwareanbieter, bevor Sie sich RFID-Installationen in anderen Bibliotheken anschauen. Nicht jede Bibliothekssoftware unterstützt alle technischen Lösungen. Wenn Sie die Möglichkeiten Ihrer Software kennen, sparen Sie sich aufwendige Recherchen.

Nützliche Links

RFID-Beratung der Fachstelle

Wenn Sie eine RFID-Umstellung in Betracht ziehen, kontaktieren Sie Ihre regionale Beraterin in der Fachstelle. Wir unterstützen Sie gerne beim Fördermittelantrag und geben vor Ort individuelle Tipps. Dabei achten wir auch auf die Anforderungen an die Räumlichkeiten. Vorab empfehlen wir Ihnen unser Fragen- und-Antwort-Dokument.